Forum: Politik
Schüsse auf Studenten: Berliner Polizei vertuschte Hintergründe des Ohnesorg-Todes

Es ist ein Schlüsselerereignis der bundesdeutschen Geschichte: 1967 wurde bei einer Demonstration der Student Benno Ohnesorg erschossen.*Offenbar gezielt -*das haben jetzt Recherchen*von Ermittlern und SPIEGEL-Redakteuren ergeben. Die Polizei deckte den Schützen Karl-Heinz Kurras; sogar die Leiche des Opfers wurde manipuliert.

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Promethium 27.01.2012, 22:39
320.

Zitat von spiegel-hai
WENN Sie sich schon in die kleine Debatte von mir und dem Mitforisten einschalten, dann bitte zum Thema. Und das Thema der 68er war politische Moral,...
Ach wo. Die "Moral" wird in der Politik ständig instrumentalisiert. Von der einen wie von der anderen Seite.
In Wirklichkeit ging und geht es immer um handfeste Interessen. Und das besonders im kalten Krieg.

Zitat von spiegel-hai
Aber Sie machen den gleichen Fehler wie mein Kontrahent, Sie denken ahistorisch.
Eben nicht! Ich ordne die Ereignisse in das entscheidende Thema dieser Zeit ein und das war der kalte Krieg. Der Vietnamkrieg (Zentrales Thema der 68er) war ein Stellvertreterkrieg im Rahmen des kalten Krieges.
Und Iran/Persien war aufgrund seiner geographischen Lage ein anderer Brennpunkt des kalten Krieges ( und ist heute noch ein wichtiger Faktor, an der Geographie hat sich ja nichts geändert).
Das sind die historischen Hintergründe dieser Zeit. "Friedensbewegung", "Antiatombewegung" usw. ist alles nicht ohne diesen Hintergrund zu verstehen.

Und deswegen ist auch der Tod Benno Ohnesorgs ist nicht ohne den kalten Krieg zu verstehen.

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jolip 28.01.2012, 08:06
321. Anpassung

Zitat von Promethium
Nö, es war "Ho Ho Ho Chi Minh" So viel zur "Moral" der 68er. Ich glaube eher nicht das der Schah auch so viele Menschenleben auf dem Gewissen hatte. Es geht hier wohl eher um eine Verklärung der 68er zu deren Mythen eben auch gehört der Kurras-Benno Ohnesorg Mythos gehört.
Wenn ich mich an Ihre Argumentation anpasse, sind nach dem Krieg viele NSDAP und/oder SS Mitglieder in CDU und FDP eingetreten.

Um behaupten zu dürfen, dass die Nazis für den Tod von mindesten 55 Millionen Menschen verantwortlich sind, benötige ich kein obskures Schwarzbuch des Kommunismus.

Soviel zur Moral von CDU und FDP
MFG
jolip
PS: Was ist der Kurras-Benno Ohnsorg Mythos und welch lustige andere Mythen aus den 68zigern kennen Sie noch?

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kraut_und_rüben 29.01.2012, 10:36
322.

Zitat von c++
Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Stasi die Anweisung gegeben hat. Sie hat von den Vorgängen profitiert, hat doch der Tod Ohnesorgs Westberlin in bürgerkriegsähnliche Zustände gestürzt. Eigentlich hat nur die Stasi profitiert.
Dann hätte die Stasi die Vertuschungen der Berliner Polizei ahnen müssen.
Aber so brillant war selbst die Stasi nicht, glaub ich.

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kraut_und_rüben 29.01.2012, 10:46
323.

Zitat von titurel
Der Einfluß des Todes von Ohnesorg auf das Entstehen der Gruppen wie RAF usw. war meines Erachtens eher marginal. Sie verstanden sich doch als Teil einer internationalen Guerilla und bezogen sich thematisch viel stärker auf den Vietnam-Krieg und andere internationale Konflikte. Innenpolitisch waren die Haftbedingungen festgenommener Mitglieder von RAF und anderen das Thema. Sogar die Kaufhausbrandstiftung 1968 wurde doch meines Wissens als Reaktion auf das Massaker in My Lai durchgeführt und nicht wegen des Ohnesorg-Todes.
Die Ermordung Ohnesorgs legte den Preis fest, um den es gehen würde.


Die Kurras-Prozesse legte die Regeln fest, nach denen man spielen wollte.

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Promethium 29.01.2012, 12:32
324.

Zitat von kraut_und_rüben
Dann hätte die Stasi die Vertuschungen der Berliner Polizei ahnen müssen. Aber so brillant war selbst die Stasi nicht, glaub ich.
Wie viele Stasi Agenten hat es wohl in der Westberliner Polizei gegeben? Sicher hunderte.
Und diejenigen die es nicht waren, könnte die Stasi leicht mit Bestechung oder Erpressung zur Vertuschung "überredet" haben. Viele Polizisten, Richter usw. damals hatten noch Nazi Vergangenheit und waren erpressbar.

Das ist viel weniger abwegig, als trotz der Tatsache das es nur einen einzigen Fall Ohnesorg gibt, von einem generellen mörderischen Hass der Polizeibeamten gegen die 68er auszugehen. Und dann noch einen einzigartigen Korpsgeist zu vermuten, der Jahrzehnte diszipliniert dicht hält. Und das bei einem so prominenten Fall.

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jolip 29.01.2012, 13:07
325. Zeugnisvergabe

Zitat von Promethium
Wie viele Stasi Agenten hat es wohl in der Westberliner Polizei gegeben? Sicher hunderte. Und diejenigen die es nicht waren, könnte die Stasi leicht mit Bestechung oder Erpressung zur Vertuschung "überredet" haben. Viele Polizisten, Richter usw. damals hatten noch Nazi Vergangenheit und waren erpressbar. Das ist viel weniger abwegig, als trotz der Tatsache das es nur einen einzigen Fall Ohnesorg gibt, von einem generellen mörderischen Hass der Polizeibeamten gegen die 68er auszugehen. Und dann noch einen einzigartigen Korpsgeist zu vermuten, der Jahrzehnte diszipliniert dicht hält. Und das bei einem so prominenten Fall.
Da stellen Sie unseren Behörden und insbesondere der Berliner Polizei doch ein Armutszeugnis aus.

Hunderte Stasispitzel und der traurige Rest erpresssbar oder bestechlich.

Wenn, die alle, oder zumindest so viele, wie von Ihnen hier geäußert, wegen Ihre NS Vergangenheit erpressbar waren, haben denn dann die 68ziger, die ja auch im wesentlichen gegen den verschweigenden Umgang mit der NS Vergangenheit demonstriert haben, nicht sows von Recht gehabt?

Und Korpsgeist, wäre das nicht auch eine logische Folge einer gemeinsamen kriminellen Vergangenheit?
MFG
jolip

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Promethium 29.01.2012, 14:17
326.

Es hat mit absoluter Sicherheit keine Mordauftrag o.ä. seitens irgendwelcher westlicher Organisationen gegeben.

Einen solchen Auftrag hätte ein Stasi Agent nämlich nicht ausgeführt, sondern verraten. Und die DDR hätte das in allen Einzelheiten publik gemacht. Spätestens aus den Stasi Unterlagen wüssten wir heute jedes noch so winzige Detail.

Zudem hat es viele Demonstrationen im Westen gegeben aber nur einen Fall Ohnesorg.

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Promethium 29.01.2012, 15:54
327.

Zitat von jolip
Da stellen Sie unseren Behörden und insbesondere der Berliner Polizei doch ein Armutszeugnis aus.
Nö. aber gegen die riesige Organisation Stasi hatten die integeren Polizisten in einer unterwanderten Westberliner Polizei wohl kaum eine Chance.

Zitat von jolip
... gegen den verschweigenden Umgang mit der NS Vergangenheit demonstriert haben, nicht sows von Recht gehabt?
Das war eine Demo gegen den Schah!

Zitat von jolip
Und Korpsgeist, wäre das nicht auch eine logische Folge einer gemeinsamen kriminellen Vergangenheit?
Da hatten aber auch viele Beteiligte (z.B. Kurras selber) wenig bis keine Nazi-Vergangenheit!
Die Korpsgeist Story als alleiniges Motiv glaube ich bei einer so bunt zusammen gewürfelten Truppe nicht. Stasi und Alt-Nazis arbeiten nicht so einfach aus "Korpsgeist" zusammen. Und schon gar nicht so lange Zeit.

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uncle scrooge 29.01.2012, 18:49
328.

Zitat von Promethium
Wie viele Stasi Agenten hat es wohl in der Westberliner Polizei gegeben? Sicher hunderte.
Reine Spekulation!
Natürlich stecken alle Geheimdienste dieser Welt ihre Nasen dort hinein, wo es für sie interessant sein könnte, um Informationen abzuschöpfen. Eine Dominanz des MfS in der Berliner Polizei halte ich für abwegig, dort dominierten ganz andere Kreise.

Zitat von Promethium
Und diejenigen die es nicht waren, könnte die Stasi leicht mit Bestechung oder Erpressung zur Vertuschung "überredet" haben. Viele Polizisten, Richter usw. damals hatten noch Nazi Vergangenheit und waren erpressbar.
Nein, waren sie nicht.
In den meisten Fällen war die Nazi-Vergangenheit bekannt. Beamte des Dritten Reiches wurden Anfang der 50er Jahre als so genannte „131er“ wieder als Beamte in den Staatsdienst eingestellt.
131er
Der Spiegel schrieb 2005: "Der Freiburger Historiker Patrick Wagner spricht deshalb von einer regelrechten Resozialisierung der NS-Kriminalisten: In der Führung der Sicherheitsbehörden gab es eine personelle Kontinuität von nahezu 100 Prozent."

Zitat von Promethium
Das ist viel weniger abwegig, als trotz der Tatsache das es nur einen einzigen Fall Ohnesorg gibt, von einem generellen mörderischen Hass der Polizeibeamten gegen die 68er auszugehen. Und dann noch einen einzigartigen Korpsgeist zu vermuten, der Jahrzehnte diszipliniert dicht hält. Und das bei einem so prominenten Fall.
Ich meine, man sollte Kurras’ Persönlichkeitsstruktur in Relation zu der damaligen aufgeheizten Atmosphäre setzen, vielleicht kommt man auf diese Weise der Wahrheit etwas näher.
Die Vertuschung- und Vernebelungsstrategie ging ja über die beteiligten Polizisten hinaus. Vertuscht wurde auch im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft hatte offenbar auch kein allzu großes Interesse an der Aufklärung.
Wenn Kurras tatsächlich in Notwehr bzw. Putativnotwehr geschossen hätte, hätte es keinen Grund für diese Lügerei gegeben, er wäre auch so freigesprochen worden.
Alles sehr rätselhaft!

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Promethium 29.01.2012, 20:32
329.

Zitat von uncle scrooge
Reine Spekulation!
Das ist die Vermutung das etwas Vertuscht wurde auch. Selbst die Vermutung das es etwas zu vertuschen gäbe, ist reine Spekulation.

Vielleicht hat es sich tatsächlich so zugetragen, wie Kurras behauptet und vor Gericht nicht widerlegt werden konnte.


Zitat von uncle scrooge
Natürlich stecken alle Geheimdienste dieser Welt ihre Nasen dort hinein, wo es für sie interessant sein könnte, um Informationen abzuschöpfen. Eine Dominanz des MfS in der Berliner Polizei halte ich für abwegig, dort dominierten ganz andere Kreise.
Was heisst Dominanz? Wenn es eine Vertuschung gab, dann dürfte davon kein einziger Stasi Agent etwas mitbekommen haben, sonst hätte der das an die Stasi verraten und wir könnten es heute in den Stasi Unterlagen nachlesen.

Übrigens gab es auch bei den Journalisten Stasi IMs.


Zitat von uncle scrooge
Ich meine, man sollte Kurras’ Persönlichkeitsstruktur in Relation zu der damaligen aufgeheizten Atmosphäre setzen, vielleicht kommt man auf diese Weise der Wahrheit etwas näher.
Ein sozialistischer Polizeibeamter der einen Studenten erschießt den er für Links bzw. antiwestlich halten musste? Ein Stasi IM der bei einer Demo die absolut im Sinne des Ost-Blocks war, einen Demonstranten erschießt?

Und dann muss es da noch "jemaden" gegeben haben, der aus dem Sozialisten Kurras für dei westdeutche Öffentlichkeit einen "strammen Rechten" gemacht hat.

Hinzu kommt noch die merkwürdige Namensähnlichkeit zwischen dem der Stasi verhassten westlichen Agenten Bernd Ohnesorge und Benno Ohnesorg.

Das sind die Fragen auf die ich gerne mal eine Antwort hätte.

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