Forum: Politik
Schüsse auf Studenten: Berliner Polizei vertuschte Hintergründe des Ohnesorg-Todes

Es ist ein Schlüsselerereignis der bundesdeutschen Geschichte: 1967 wurde bei einer Demonstration der Student Benno Ohnesorg erschossen.*Offenbar gezielt -*das haben jetzt Recherchen*von Ermittlern und SPIEGEL-Redakteuren ergeben. Die Polizei deckte den Schützen Karl-Heinz Kurras; sogar die Leiche des Opfers wurde manipuliert.

Seite 6 von 33
silverhair 22.01.2012, 14:01
50.

Zitat von prophet46
Und die Berliner Behörden decken Kurras offenbar heute noch. Der uneinsichtige Greis hat ohne Konsequenzen gegen das Waffengesetz verstoßen, seine Beamtenpension hat er immer noch ungeschmälert. Aus dem Fall "Rente für die Freisler-Witwe" hat der Gesetzgeber nichts gelernt. Pensionsanspruch ist Pensionsanspruch, was immer man in seiner Dienstzeit verbrochen hat ist später zumeist verjährt und hat keine Konsequenzen. Das sollte endlich abgestellt werden.
Das wird sicherlich nicht abgestellt.
Nach dem 2WK wurden enorm viele Nazis wieder in hohen Posten, BKA , Politik , Kriminalpolizei und Wirtschaft untergebracht, und bis zur Rente btw. Pension "gedeckt" - und heute beziehen diese, oder ihre Witwen immer noch Rente daraus! Da es sich teilweise auch um Bundesdeutsche Politiker handelt - sprich deren Witwen werden sie einen empörungsschrei der Politik erleben - das man das doch nicht machen könne - man könne doch niemand nachträglich in Haftung nehmen für seine Untaten - da könnte man ja gleich anfangen die Politiker und deren Executiveorgane in die Verantwortung zu nehmen und ihnen die "Rente" kürzen!

Als Kleinkrimineller haben sie die Ar...karte gezogen - als Politiker oder Beamter haben sie von Gesetz wegen ein Verantwortungsloses Amt, für das sie auf jedenfall keinen Cent irgendwo irgendwie missen müssen!

Steht letztlich so sogar in BVerfG Urteilen - Politiker sind nur ihrem "H.Gewissen verpflichtet" - und Beamte führen nur das aus was ihnen die Politiker sagen - dumm nur das der Herr Gewissen nie auftaucht - auch nicht bei den Verfassungsrichtern die solche Gesetze abgenickt haben!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cooner 22.01.2012, 14:08
51. Die RAF auch vom Staat unterstützt?

Zitat von F. Schneider
Die Ermordung Ohnesorgs und die Vertuschung der Tat durch die westdeutsche Justiz spielte bei der Entstehung der RAF eine wesentliche Rolle (-> Stefan Aust: Der Baader-Meinhoff-Komplex). Ich folgere: Heute läßt sich hieb- und stichfest beweisen, daß es die staatliche Justiz war, die mit dem Terror den Anfang machte. Alles was danach geschah, bis hin zu Mogadischu und zur Ermordung Schleyers waren Kettenreaktionen eines sich hochschaukelnden Prozesses. Die RAF erscheint heute in einem anderen Licht. Sie war eine Terororganisation, die nicht gegen einen Rechtstaat kämpfte, sondern gegen eine andere Terrororganisation, den westdeutschen Staat.
Spätestens jetzt erhebt sich die Frage, wieviel Unterstützung die RAF durch den westdeutschen Staat hatte. Weshalb starb Siegfried Buback, weshalb Detlev Rohwedder, weshalb Kurt Beckurts? Und weshalb Heinz-Herbert Karry?
War das Bundseamt für Verassungsschutz involviert oder der BND - oder GLADIO?
Na ja, so etwa um das Jahr 2022 werden die Deutschen mehr, vielleicht alles erfahren.
Zuerst müssen eben alle "Beteiligten" und alle Mitwissenden eines natürlichen Todes gestorben sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Promethium 22.01.2012, 14:09
52.

Zitat von moistvonlipwik
Allerdings ironisch, dass die Berliner Behörden derlei Aufwand für einen Stasi-Spitzel betrieben.
Ich halte es eher für sehr wahrscheinlich, das er bei weitem nicht der einzige Stasi IM bei den Berliner Behörden war. Die Unterwanderung des Westens durch die Stasi ging damals bis in allerhöchste Kreise siehe Guillaume-Affäre.
Da hatten viele ein Interesse das Kurras nicht auf die Idee kommen würde, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft zu machen.
Strafmilderung gegen die Namen der anderen Stasi Agenten? Schon wenn Kurras öffentlich gestanden hätte, das er für die Stasi gearbeitet hat, wäre der Schaden für die DDR gewaltig gewesen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
helbig 22.01.2012, 14:13
53. .

Zitat von thechamelion3@web.de
In jedem Fall steht fest, das die deutschen Behoerden nicht an der Aufklaerung des Falles interessiert waren.
Da sind wir uns einig. Hinweise müssten sich eher in den Stasiunterlagen finden. Irgendeiner seiner Vorgesetzten muss doch entsetzt, erfreut oder ratlos gewesen sein und dies auch dokumentiert haben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Nihil novi 22.01.2012, 14:15
54. Jep

Zitat von dent42
Was für ein armseliger Rechtfertigungsversuch für ein Bande verhätschelter, Kleinbürgerkinder, die den Frust über Ihre politische Machtlosigkeit an der Gesellschaft abgearbeitet, durch brutale, sinnlose und feige Morde. Wer so leichtfertig mit dem Begriff Terror umgeht wie Sie, hat nie welchen erlebt.
Vermutlich ebenso sinnvoll, wie die hier mehrfach geäußerte Meinung, die STASI wäre der Drahtzieher gewesen. Wobei die Argumentation von Herrn Schneider dann doch noch deutlich mehr Konsistenz beinhaltet, vor allem, weil es eben zahlreiche derartige Vorfälle in der braunen Republik gab. Man denke nur an die Verhaftungswelle gegen Kommunisten in den 50zger Jahren. Die dann von den Selben Gestalten verfolgt wurden, die sie schon einmal 15 Jahre zuvor inhaftiert hatten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
silverhair 22.01.2012, 14:19
55.

Zitat von jupiter999
Bleibt immer noch die Frage nach dem Motiv. Warum schoß Kurras ? Aus eigenem Antrieb ? Oder war es geplant und er erhielt den Auftrag dazu von irgendwo ? Vielleicht erhoffte sich die Stasi mit einem Mord durch die westdeutsche Polizei die Proteste in der BRD in massive soziale Unruhen zu verwandeln ? In ihr Kalkül würde es passen. Auch die versuchte Vertuschung auf BRD Seite ist nachzuvollziehen. Vermutlich hatte man rasende Angst vor Landesweiten Unruhen.
Menschen bringen andere Menschen um aus Notwehr und im Affekt - nicht selten auch aus einem persönlichen Gewinnvorteil - ("Wenn Opa tod ist erben wir")!

Alles andere hat "Antriebe" die man anderswo suchen muss - In Aufhetzern , in Ideologien , in Anweisungen - niemand nimmt einfach irgendwenn auf Korn - und wählt eine Person zum Umbringen aus - da steckt immer entweder direkte oder indirekte Anstiftung dahinter - oder ganz klare Anweisungen - sowas ist kein "pwersönlicher Antrieb" - sondern einer der von anderen erzeugt wurde!

Und ob Stasi oder deutsche Behörden - dahinter werkelt leider ganz massiv in den Köpfen der "Machtstaat" - in welcher Form auch immer der sich äussert , Nazis, DDR , BRD - es waren immer die Leute die der "Macht" den vorrang vor allem gaben - bis heute träumt man ja noch von einem "mächtigen Deutschland" was bestimmt wie "überlal Deutsch gesprochen wird".
Diese Machtfanatiker können sie einfach überall hin schieben - sie haben das gleiche Interesse - Macht , und wie der Staat, die Regierungsform oder Gesetze sind ist da vollkommen unwichtig bei!

BKA und Polizei, Politik waren ja nicht nach dem Krieg plötzlich "demokraten" - es waren die selben "Machthaben woller" wie vorher , Nazis , Faschisten - nur das Mäntelchen hatte gewechselt , nicht die dahinterliegende Gesinnung!

Der "demokratische Staat Deutschland" ist nie gegründet worden - man hat nur zwei "Nachfolgerstaaten" gegründet - die einen nicht unerheblichen Teil ihrer Energie darauf verwendeten sich gegenseitig das Leben schwer zu machen - und immer die passenden Argumente für diese Weiterführung hervorzukramen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Jasro 22.01.2012, 14:21
56. "Verschwörungstheoretiker" haben eben nicht immer unrecht...

Zitat von sysop
Es ist ein Schlüsselerereignis der bundesdeutschen Geschichte: 1967 wurde bei einer Demonstration der Student Benno Ohnesorg erschossen.*Offenbar gezielt -*das haben jetzt Recherchen*von Ermittlern und SPIEGEL-Redakteuren ergeben. Die Polizei deckte den Schützen Karl-Heinz Kurras; sogar die Leiche des Opfers wurde manipuliert.
Was sich Polizisten, Politiker und Ärzte im Jahre 1967 in Bezug auf die Vertuschung von Benno Ohnesorg "geleistet" haben, ist ohne Übertreibung als hochkriminell einzustufen. Hätte es eine faire Untersuchung und rechtstaatliche Behandlung des Mordes an Benno Ohnesorg gegeben, dann wäre es vielleicht nicht, oder zumindest nicht in diesem Ausmaß, zur späteren Terrorwelle der "Bewegung 2. Juni" und der RAF gekommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vibackup 22.01.2012, 14:23
57. Leider doch...

Zitat von helbig
Das Alles macht wenig Sinn. Woher wusste die Stasi/Kurras das er ungesühnt davon kommt? Warum sollten die Behörden da mitspielen? Sollte er ein Doppelagent gewesen sein gibt es auch noch keinen Sinn. Welches Interesse hätte die BRD an einem so schlecht ausgeführten und für alle sichtbaren Mord?
Leider macht es doch Sinn:
- für die Stasi, um die Situation in Westberlin zu destabilisieren
- für die Westberliner Behörden die Angst vor genau der Destabilisierung und der Corpsgeist innerhalb der beteiligten Beamtengruppe, den man ja immer mal wieder sieht.
Ob man etwas wusste von Curras Ostberliner Dienstverhältnis oder nicht weiß ich nicht; eher nicht. Aber selbst wenn: man wäre sich wohl klar gewesen, dass einem das damals niemand glauben würde.
Eine unheilige, aber leider nicht seltene Allianz in Konflikten zwischen "Gegnern". Ein aktuelles Beispiel sehen wir ja gerade in Israel/Palästina, wo die Militaristen beider Seiten immer wieder den Frieden verhindern.

//M

Beitrag melden Antworten / Zitieren
herbert 22.01.2012, 14:26
58. Das war damals und heute?

Zitat von sysop
Es ist ein Schlüsselerereignis der bundesdeutschen Geschichte: 1967 wurde bei einer Demonstration der Student Benno Ohnesorg erschossen.*Offenbar gezielt -*das haben jetzt Recherchen*von Ermittlern und SPIEGEL-Redakteuren ergeben. Die Polizei deckte den Schützen Karl-Heinz Kurras; sogar die Leiche des Opfers wurde manipuliert.
Damals war der CDU CSU Filz an der Macht mit dem Überbleibsel an Personen der Nazizeit, die man reichlich in Posten und Ämter geschoben hat. (Filbinger und Co)
Dazu noch die gigantische Macht der katholischen Kirche in dieser Zeit.
Da wurde jeder Student und Aufmuckser mit modernen Gedanken massiv angegangen.
Zucht und Ordnung war da der Leitspruch!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DCH 22.01.2012, 14:26
59. ...

Zitat von cooner
Na ja, so etwa um das Jahr 2022 werden die Deutschen mehr, vielleicht alles erfahren. Zuerst müssen eben alle "Beteiligten" und alle Mitwissenden eines natürlichen Todes gestorben sein.
Oder man wird ihnen mangels Zeugen eine gerade passende Geschichte abliefern.
Der Bericht hier bringt ja wirklich nichts neues, sondern wiederkäut nur alte Erkenntnisse, die von der Justiz nicht ernst genommen worden sind. Wer glaubt, dass mit der Zeit die Fragen beantwortet werden, täuscht sich, es tauchen immer neue Fragen auf.
Gerade die Stasi-Story macht es noch undurchsichtiger, da die These von einem aufrechten Rambo, der aus seiner Sicht richtig handelt, indem er auf systemfeindliche linke Demonstranten schießt, kann nicht aufrecht erhalten werden. Er hatte keine Berührungsängste mit den Freunden im Osten und zudem riskierte er durch eine solch öffentlichkeitswirksame Tat seine Enttarnung. Das hätte den Demonstranten ja schon Wind aus den Segeln genommen: Stasi-Agent erschießt linken Demonstranten um Stimmung gegen die Regierung zu machen. Nicht schlecht für Springer, oder? Dass die Behörden im Westen von den Tätigkeiten des Kurras nichts wussten, glaube ich nicht, das kann man mal dem Osterhasen erzählen. Die haben sich schon gut überlegt, weshalb sie ihn decken. Aber weshalb deckten sie ihn? Die einzige Erklärung wäre ein abstraktes Konstrukt, dass sie damit die Radikalisierung der 68er vorwärts treiben wollten bis hin zur Enstehung des Linksterrorismus, den sie für die eigenen Zwecke ausnutzen konnten. Wie gesagt, zu abstrakt, da dies extrem risikobehaftet wäre, das hätte nach hinten losgehen können.

Man könnte ganz nette Theorien aufstellen, zum Beispiel dass Ohnesorg Kurras als Verbindungsoffizier zur Stasi erkannt hat, da er in der linken Szene entsprechende Kontakte hatte. Nun, bei so einer abstrusen Geschichte wäre ein vorzeitiges Ableben von Kurras eher wahrscheinlich, die Stasi hätte ein solches Risiko nicht lange laufen lassen.

Das ganze ist wie die Vorlage eines Kriminalromans, Demonstrant, peng, tot, Täter wird gedeckt, ist aber Agent des Feindes, wird weiter gedeckt, von allen Seiten. Jetzt bräuchte man nur Mrs Marple oder Lt Columbo, vielleicht würde es Major Kottan auch schaffen. Aber da alle drei nur in der virtuellen Welt existieren, müssen wir uns damit abfinden, dass wir die Wahrheit nie erfahren werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 6 von 33