Forum: Politik
Schuldenkrise: Koalition streitet über Finanztransaktionssteuer

Eine Finanztransaktionssteuer auf Ebene der EU-Länder? Die FDP hält nicht viel von dem Vorschlag von Minister Schäuble - und erklärt den Plan für gescheitert.

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sanibel 01.09.2011, 17:33
1. Die streiten über alles, ..

haben keine gemeinsamen Visionen oder Ziele, kleben aber aneinander, weil sie nur so die eigenen, persönlichen Interessen verteidigen können. Bis hin zur Abgeorneten-Pension

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National-Oekonom 01.09.2011, 17:50
2. London wird nie zustimmen

es sei denn, die USA mach(t)en auch mit.

Wenn man den Finanzplatz Frankfurt kaputt machen möchte - bitte sehr. Aber so dumm kann doch selbst unsere Regierung nicht sein.

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PiBa 01.09.2011, 18:12
3. .

"auf Ebene der EU-Länder? Die FDP hält nicht viel"
Doch, gerade davon ja schon. Sollte wohl "auf Ebene der Euro-Länder" heißen...

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Progressor 01.09.2011, 18:13
4. Nachfrage

Zitat von National-Oekonom
es sei denn, die USA mach(t)en auch mit. Wenn man den Finanzplatz Frankfurt kaputt machen möchte - bitte sehr. Aber so dumm kann doch selbst unsere Regierung nicht sein.
Ich schliesse aus Ihrem Nick, dass Sie sich in der Materie gut auskennen:

Könnten Sie mir erläutern, wie eine Mehrwertsteuer auf Börsenumsätze volkswirtschaftlich schädliche Spekulationen verhindert?

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National-Oekonom 01.09.2011, 19:13
5. Es geht nur ums Geld

Zitat von Progressor
Könnten Sie mir erläutern, wie eine Mehrwertsteuer auf Börsenumsätze volkswirtschaftlich schädliche Spekulationen verhindert?
Fragen Sie Schäuble und Merkel - und die werden ihnen natürlich nicht erklären können, warum eine Börsenumsatzsteuer "schädliche" Spekulationen verhindert.

Es gibt einen speziellen Aspekt, den wahrscheinlich Merkel, Schäuble, Steinbrück etc. nicht kennen: Banken betreiben sog. ALGO/HFT - High Frequency-Trading. Wenn Sie Aktien kaufen wollen, dann sehen die "ALGOS" d.h. spezielle Server, die direkte (räumliche) Anbindung an die Börse haben, Ihren Auftrag zuerst. Was machen die Banken: Sie kaufen das Papier binnen Millisekunden und verkaufen in die durch IHRE Kaufanfrage gestiegene Nachfrage und damit gestiegenen Preis hinein. Da geht es um winzige Beträge im Promillebereich des Kaufpreises (und noch darunter). Die Banken betägigen sich praktisch als Wegelagerer.

Schäubles Vorstoß würde solchen HFT-Handel in Deutschland unmöglich machen. Davon haben Sie als Kleinanleger allerdings nichts- es wird für Sie teurer.

Wenn, ja wenn man sich entschließen könnte, den HFT-Handel zu bekämpfen, dann würde eine Abgabe zu erheben sein, die sich auf den Zeitpunkt zwischen Auftragserteilung und Abwicklung bezieht. D.h. es wird umso teurer desto schneller die Ausführung sein soll. Mit der von Schäuble geplanten Transaktionssteuer hat das nichts zu tun. Da geht es nur ums Kassieren.

Genausowenig schützt eine Transaktionssteuer vor Spekulationen. Die Kreditversicherungen CDS Credit Default Swaps - werden vor allem in den USA gehandelt und sind dort außerbörslich. Da könnte man jeden Handel mit Anleihen in Europa verbieten - das löst die "Spekulationsprobleme" nicht einmal im Ansatz.

Noch ein anderer Punkt sind Termingeschäfte. Da gibt es keinen echten Kaufpreis. Es wird nur die Veränderung eines Preises in Geldwert umgewandelt. Gemessen an den zugrundeliegenden Kontraktgrößen sind die tatsächlich bewirkten Geldflüsse im Promille-bis Prozentbereich. Erheben Sie eine Steuer auf das "Underlying", würde das Termingeschäft einen negativen Erwartungswert erhalten - was dem Sinn eines Termingeschäftes widerspricht.

Ein Beispiel: Sie kaufen einen DAX-Future (zur Zeit ca. 140000 Euro). Der Kontrakt hat einen Wert von 25€ pro Punkt. Sie verkaufen den Kontrakt wieder, wenn er sich sagen wir um 20 Punkte in Ihre Richtung bewegt hat. Sie erzielen einen Ertrag von 500 Euro. Es ist sicher kein Problem, auf diesen Gewinn 0,1% Steuern zu zahlen. Aber auf den ganzen Kontrakt in beiden Richtungen: würde jeweils mit
0,1% eine Steuer von 280 Euro anfallen. Das Ergebnis: Sie würden Future-Kontrakte nur noch in den USA handeln.

Leider sind unsere Politiker entweder dumm oder sie halten die Leute für dumm.

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Der Ausländer 01.09.2011, 19:17
6. Umsatzsteuer ist nicht gleich Mehrwertsteuer

Zitat von Progressor
Ich schliesse aus Ihrem Nick, dass Sie sich in der Materie gut auskennen: Könnten Sie mir erläutern, wie eine Mehrwertsteuer auf Börsenumsätze volkswirtschaftlich schädliche Spekulationen verhindert?
Wie kommen Sie jetzt auf "Mehrwertsteuer"?
Davon war im ganzen Artikel keine Rede.

Nicht jede Umsatzsteuer ist eine Mehrwertsteuer.
Bei der Finanztransaktionssteuer faellt Steuer an, auch wenn kein Mehrwert erzielt wird.

Beispiel:
ein Arbeitnehmer kauft sich ein paar Aktien, weil er etwas fuer seine Altersvorsorge tun will, wie von der Regierung angeraten. Nach einer Weile tritt ein Notfall ein und er braucht das Geld, verkauft seine Aktien zum gleichen Preis wie er sie eingekauft hatte, oder gar mit Verlust.
Sowohl fuer den Kauf als auch fuer den Verkauf muss er Steuern zahlen.

Natuerlich das Gleiche bei den berufsmaessigen Geldanlegern, also z.B. den Versicherungen und Fondsverwaltern, bei denen der kleine Mann seine Ersparnisse angelegt hat. Auch bei diesen schmaelert jede Transaktion die Rendite, der Sparer bekommt am Ende noch weniger raus.

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detektuv 01.09.2011, 19:34
7. Spieler und Zocker

Zitat von National-Oekonom
Fragen Sie Schäuble und Merkel - und die werden ihnen natürlich nicht erklären können, warum eine Börsenumsatzsteuer "schädliche" Spekulationen verhindert. Es gibt einen speziellen Aspekt, den wahrscheinlich Merkel, Schäuble, Steinbrück etc. nicht kennen: Banken betreiben sog. ALGO/HFT - High Frequency-Trading. Wenn Sie Aktien kaufen wollen, dann sehen die "ALGOS" d.h. spezielle Server, die direkte (räumliche) Anbindung an die Börse haben, Ihren Auftrag zuerst. Was machen die Banken: Sie kaufen das Papier binnen Millisekunden und verkaufen in die durch IHRE Kaufanfrage gestiegene Nachfrage und damit gestiegenen Preis hinein. Da geht es um winzige Beträge im Promillebereich des Kaufpreises (und noch darunter). Die Banken betägigen sich praktisch als Schäubles Vorstoß würde solchen HFT-Handel in Deutschland unmöglich machen. Davon haben Sie als Kleinanleger allerdings nichts- es wird für Sie teurer. Wenn, ja wenn man sich entschließen könnte, den HFT-Handel zu bekämpfen, dann würde eine Abgabe zu erheben sein, die sich auf den Zeitpunkt zwischen Auftragserteilung und Abwicklung bezieht. D.h. es wird umso teurer desto schneller die Ausführung sein soll. Mit der von Schäuble geplanten Transaktionssteuer hat das nichts zu tun. Da geht es nur ums Kassieren. Genausowenig schützt eine Transaktionssteuer vor Spekulationen. Die Kreditversicherungen CDS Credit Default Swaps - werden vor allem in den USA gehandelt und sind dort außerbörslich. Da könnte man jeden Handel mit Anleihen in Europa verbieten - das löst die "Spekulationsprobleme" nicht einmal im Ansatz. Noch ein anderer Punkt sind Termingeschäfte. Da gibt es keinen echten Kaufpreis. Es wird nur die Veränderung eines Preises in Geldwert umgewandelt. Gemessen an den zugrundeliegenden Kontraktgrößen sind die tatsächlich bewirkten Geldflüsse im Promille-bis Prozentbereich. Erheben Sie eine Steuer auf das "Underlying", würde das Termingeschäft einen negativen Erwartungswert erhalten - was dem Sinn eines Termingeschäftes widerspricht. Ein Beispiel: Sie kaufen einen DAX-Future (zur Zeit ca. 140000 Euro). Der Kontrakt hat einen Wert von 25€ pro Punkt. Sie verkaufen den Kontrakt wieder, wenn er sich sagen wir um 20 Punkte in Ihre Richtung bewegt hat. Sie erzielen einen Ertrag von 500 Euro. Es ist sicher kein Problem, auf diesen Gewinn 0,1% Steuern zu zahlen. Aber auf den ganzen Kontrakt in beiden Richtungen: würde jeweils mit 0,1% eine Steuer von 280 Euro anfallen. Das Ergebnis: Sie würden Future-Kontrakte nur noch in den USA handeln. Leider sind unsere Politiker entweder dumm oder sie halten die Leute für dumm.
Wir müssen von den Spielen und Wetten verabschieden und ganz schnell zu menschlicher Arbeit und konkret greifbarer Wertschöpfung finden.
Ergo: Keine Steuer und klare internationale rechtsverbindlöiche Ansagen.

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Tubus 01.09.2011, 19:34
8. Nicht dumm

Zitat von National-Oekonom
Fragen Sie Schäuble und Merkel - und die werden ihnen natürlich nicht erklären können, warum eine Börsenumsatzsteuer "schädliche" Spekulationen verhindert......... Leider sind unsere Politiker entweder dumm oder sie halten die Leute für dumm.
Gehen Sie mal von Letzterem aus! Aber haben sie denn nicht recht damit, wenn man sich viele Forumsbeiträge betrachtet? In der Sache kann man Ihnen natürlich nur zustimmen.

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CommonSense2006 01.09.2011, 19:39
9. Gegenfrage

Zitat von Progressor
Ich schliesse aus Ihrem Nick, dass Sie sich in der Materie gut auskennen: Könnten Sie mir erläutern, wie eine Mehrwertsteuer auf Börsenumsätze volkswirtschaftlich schädliche Spekulationen verhindert?
Gegenfrage: Was ist der Unterschied zwischen "volkswirtschaftlich schädlicher" und "volkswirtschaftlich nützlicher" Spekulation?

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