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Schwangere in Not: 570 vertrauliche Geburten seit 2014
DPA

Seit fünf Jahren ist die vertrauliche Geburt in Deutschland gesetzlich geregelt. Mehr als 2200 Frauen ließen sich in dieser Zeit beraten. Die Zahl der anonym abgegebenen Kinder stieg dennoch leicht an.

mirage122 13.05.2019, 14:24
1. Verwunderlich

In der heutigen Zeit mit den zur Verfügung stehenden Verhütungsmethoden wundert es mich ziemlich, dass derartige Zahlen veröffentlicht werden müssen. Kann es sein, dass mehr in sexuelle Aufklärung investiert werden muss - und zwar von seiten der Eltern sowie auch der Schule. Und wenn die Mütter nach 16 Jahren immer noch nicht wissen wollen, was aus ihrem Kind geworden ist, kann man das nur als absolutes Armutszeugnis bezeichnen. Was ist denn wichtiger als ein Kind?

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hexenbesen.65 13.05.2019, 15:13
2.

Naja, wenn die Dschandalle dem Kevin nur "muh" machen tut...kann schon der Klapperstorch zubeisen.. Wie sonst soll die denn Schwanger werden ?
Oder aber auch: Kind war gwollt, der alte hat kalte Füße bekommen, lässt die Frau im Stich...sie in der Ausbildung ? Was soll se machen ?
Aber lieber so, als wenn das Kind im Wald abgelegt wird.

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jugife 13.05.2019, 15:17
3.

@mirage122 Wenn die biologische Mutter einschätzt, dass der Kontakt zu dem Kind sie gefährdet, oder dem Kind schaden könnte, vielleicht weil ihre Lebensumstände kompliziert sind, dann darf man das doch kaum ein "Armutszeugnis" nennen. Auch für eine Mutter, die ihr Kind anderen überlässt, damit es eine bessere Zukunft hat, gibt es wahrscheinlich nichts wichtigeres als das Kind. Wir sollten aufhören, Menschen in schwierigen Situationen noch so runterzureden. Diese Frauen treffen eine schwere Entscheidung, und sie wählen die Option, die für das Kind sicher ist - genau dafür gibt es ja die vertrauliche Geburt.

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Hofa05 13.05.2019, 15:22
4.

Zitat von mirage122
In der heutigen Zeit mit den zur Verfügung stehenden Verhütungsmethoden wundert es mich ziemlich, dass derartige Zahlen veröffentlicht werden müssen. Kann es sein, dass mehr in sexuelle Aufklärung investiert werden muss - und zwar von seiten der Eltern sowie auch der Schule. Und wenn die Mütter nach 16 Jahren immer noch nicht wissen wollen, was aus ihrem Kind geworden ist, kann man das nur als absolutes Armutszeugnis bezeichnen. Was ist denn wichtiger als ein Kind?
Zum Thema Verhütungsmittel und sexuelle Aufklärung gebe ich Ihnen Recht! Da muss auf jeden Fall noch einiges an Arbeit geleistet werden, um unnötige Schwangerschaften und Geburten zu verhindern.

Allerdings kann ich es je nach Situation der Mutter verstehen, wenn sie das Kind abgibt und auch, wenn sie nach 16 Jahen nichts vom Kinde wissen will. Das ist dann ihre ganz persönliche Entscheidung. Und genau dafür sind diese vertraulichen Geburten ja gedacht.

Und um Ihre Fragen zu beantworten "was ist denn wichtiger als ein Kind": Das ist ebenfalls eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Es ist einfach zu akzeptieren, wenn sich Menschen ganz bewusst dazu entscheiden, keine Kinder bekommen zu wollen. Und zu diesen Menschen gehöre ich auch, weil ich mich und mein Leben wichtiger finde, als ein Kind in die Welt zu setzen. Aber wie gesagt, das muss jeder für sich entscheiden dürfen, ohne deshalb beschimpft zu werden.

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cobaea 13.05.2019, 15:40
5.

Zitat von mirage122
In der heutigen Zeit mit den zur Verfügung stehenden Verhütungsmethoden wundert es mich ziemlich, dass derartige Zahlen veröffentlicht werden müssen. Kann es sein, dass mehr in sexuelle Aufklärung investiert werden muss - und zwar von seiten der Eltern sowie auch der Schule. Und wenn die Mütter nach 16 Jahren immer noch nicht wissen wollen, was aus ihrem Kind geworden ist, kann man das nur als absolutes Armutszeugnis bezeichnen. Was ist denn wichtiger als ein Kind?
Was wichtiger ist als ein Kind? Vielleicht das Leben des Kindes und das der Mutter? Vielleicht das Verantwortungsbewusstsein der Mutter, die weiss, dass das Kind bei ihr ein miserables Leben hätte, weil sie selbst ein solches hat? Oder die von der Situation völlig überfordert ist? Oder weil die beste Kenntnis von Verhütungsmethoden z.B. im Falle einer Vergewaltigung nichts nützt, und die Frau eine spätere erneute Konfrontation mit dem damals Geschehenen einfach nicht verkraften würde (und dem Kind auch nicht damit geholfen würde, davon zu erfahren)? Es gibt Situationen, in denen den Kindern besser gedient ist, wenn sie ihre leibliche Mutter nicht zu kennen. Und es gibt Situationen, in denen es sich die Mütter nicht erlauben können, die Existenz eines ausserehelichen/nicht-ehelichen Kindes einzugestehen. Man sollte solche Mütter nicht mit Urteilen wie "Armutszeugnis" zuschütten, wenn man nicht weiss, warum sie eine solche Entscheidung treffen.

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madameping 13.05.2019, 15:42
6.

Zitat von mirage122
In der heutigen Zeit mit den zur Verfügung stehenden Verhütungsmethoden wundert es mich ziemlich, dass derartige Zahlen veröffentlicht werden müssen. Kann es sein, dass mehr in sexuelle Aufklärung investiert werden muss - und zwar von seiten der Eltern sowie auch der Schule. Und wenn die Mütter nach 16 Jahren immer noch nicht wissen wollen, was aus ihrem Kind geworden ist, kann man das nur als absolutes Armutszeugnis bezeichnen. Was ist denn wichtiger als ein Kind?
Hinter Aussagen wie dieser steckt eigentlich nur ein Gedanke: die Frau hat Schuld! Es hätte in ihrer Hand gelegen, zu verhüten, aber nein...
Eine alttestamentarische Denke wie diese führt auch zu dem Pauschalurteil, das Sie ausstellen, ohne die Einzelschicksale zu kennen, die sich hinter einer Entscheidung, anonym zu bleiben, verbergen.
Sie sagen damit vor allem eins: eine Frau, die nicht Mutter werden will, oder die das Kind nicht will, hat - ungeachtet der Ursachen, die dahinterstehen, nur eines verdient: die Herabsetzung.
Das "Armutszeugnis", von dem Sie reden, liegt eher bei Aussagen wie der Ihrigen, denn Sie übersehen dabei, dass es Fälle gibt, in denen diese Entscheidung die einzig richtige ist.
Und um auf Ihre rhetorisch-anklagende Frage zurückzukommen: es gibt durchaus wichtigeres als Kinder. Aber das muss jeder einzelne mit sich selbst abmachen.

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mirage122 13.05.2019, 17:18
7. Sorry!

Vielleicht habe ich mich zu hart ausgedrückt. Sicher kann man in solchen Fragen nicht die jeweiligen Lebenssituationen anderer Menschen beurteilen. Und wer keine Kinder mag, der sollte um Himmels willen keine bekommen. Individuelle Lebensmodelle sind in jedem Fall zu begrüßen. Ich bin mittlerweile im Rentenalter und wäre sehr traurig, wenn ich meine Enkel nicht hätte. Die kinderlosen Herrschaften in meinem Alter aus der Nachbarschaft oder im Bekannten- und Verwandtenkreis holen sich ihre Streichel-Einheiten bei unzähligen Arztbesuchen - und manche bereuen es jetzt, dass sie kinderlos geblieben sind. Das sind keine Pauschal-Urteile, sondern Erfahrungswerte. Jeder sucht sein Lebensglück auf seine Art. Hauptsache, er ist wirklich glücklich; denn wir haben nur das eine Leben!

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madameping 13.05.2019, 18:27
8.

Zitat von mirage122
Vielleicht habe ich mich zu hart ausgedrückt. Sicher kann man in solchen Fragen nicht die jeweiligen Lebenssituationen anderer Menschen beurteilen. Und wer keine Kinder mag, der sollte um Himmels willen keine bekommen. Individuelle Lebensmodelle sind in jedem Fall zu begrüßen. Ich bin mittlerweile im Rentenalter und wäre sehr traurig, wenn ich meine Enkel nicht hätte. Die kinderlosen Herrschaften in meinem Alter aus der Nachbarschaft oder im Bekannten- und Verwandtenkreis holen sich ihre Streichel-Einheiten bei unzähligen Arztbesuchen - und manche bereuen es jetzt, dass sie kinderlos geblieben sind. Das sind keine Pauschal-Urteile, sondern Erfahrungswerte. Jeder sucht sein Lebensglück auf seine Art. Hauptsache, er ist wirklich glücklich; denn wir haben nur das eine Leben!
Ihre Einsicht verdient Respekt und ich meine, man sollte es darauf beruhen lassen.
In einem Punkt darf ich Ihnen jedoch widersprechen: Es ist ein Fehlglaube, davon auszugehen, dass Kinder zwingend glücklich machen - ein Indiz dafür ist ja eben genau dieses SchwangerenG, von dem der Artikel handelt. In den meisten Fällen mag das der Fall sein, in unzähligen Fällen trifft dieser Umstand jedoch nicht zu - ob vor oder nach der Geburt und Sie können mir glauben, dass das für ALLE Beteiligten die Hölle ist.
Und man muss auch nicht, wie Sie schreiben, Kinder nicht mögen, um keine zu wollen, da gibt es eine Fülle von ganz anderen Gründen, die auch keineswegs beruflich bedingt sind.
Es wird also allerhöchste Zeit, die Dinge zu erkennen, darüber zu sprechen und Tabus zu brechen. Das wäre ein immenser Gewinn für die Gesellschaft - denn es schützt davor, die falschen Entscheidungen zu treffen.
All jene aus gesellschaftlicher Tabuisierung heraus entstandenen Platitüden, eine Frau sei nur dann zur wahren Frau geadelt, wenn sie Kinder hat (das ist ja der Kerngedanke), verdienen es, geradegerückt zu werden.
Ein Weg dazu ist auch dieses Gesetz, das es Frauen ermöglicht (für die ein Abbruch aus welchen Gründen auch immer nicht in Frage kommt), anonym zu entbinden oder die Babyklappe und für immer als Mutter anonym zu bleiben.

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birger.gerling 15.05.2019, 08:56
9. Verantwortung tragen mindestens 2

Selbstverständlich gehören zu einer Schwangerschaft (meistens) zwei, und selbstverständlich hat AUCH der Partner die GLEICHE Verantwortung.
Mittlerweile hat es sich in Diskussionen um dieses Thema allerdings seit Jahren argumentativ in die Richtung entwickelt, daß Schwangere, oder solche, die glauben, in deren Namen zu sprechen, aus dem Hinweis, auch der männliche Partner trage mit an der Verantwortung (was ich so auch vollkommen sehe), ableiten, daß die Schwangere selber von jeglicher moralischer Beurteilung auszunehmen sei, da diese ja automatisch moralisch integer entscheiden würde.
Und genau das ist eine sexistische Fehlbeurteilung dieser Situation, die impliziert, Frauen seien pauschal moralisch besser als Männer, die Leidtragenden in diesen Fällen sind dann die von niemandem gewünschten, alleingelassenen Kinder.

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