Forum: Politik
Seehofers 69 Abschiebungen: Wie man zum Mittäter wird
DPA

Erst witzelt Horst Seehofer über 69 Abschiebungen zu seinem 69. Geburtstag, dann nimmt sich einer der Abgeschobenen in Kabul das Leben. Welche Schuld trifft den Innenminister?

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hr.lich-daemlich 12.07.2018, 18:43
80. Entmenschlichung läuft

Man kann hier sehr gut schon sehen, wie das mit der Entmenschlichung jetzt in die nächste Stufe geht. Dieser Tote wird zur Sache. Zum Diskussionsgegenstand obwohl ihn keiner kennt. Politik soll sich an so etwas ausrichten. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder Kriminelle absichtlich so ist, sondern weil er keinen anderen Weg kennt. Was ist ihm denn hier in 8 Jahren passiert? Warum werden abgelehnte Leute fallen gelassen und müssen sehen wie sie klar kommen bis sie mal abgeholt werden?
Herr Seehofer möchte die Traumatisierten ja noch nicht einmal ins Land lassen. Das Kind hat 1/3 seines Lebens hier verbracht (weiter durfte er in seiner Entwicklung nicht kommen). Ein Drittel!

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rocky_heike 12.07.2018, 18:47
81.

Ein schön geschriebener Text, Herr Fleischhauer, geschrieben mit der Attitude desjenigen, der lässig über allem steht. Nur, wo war denn Ihr Artikel zu "Asyltourismus" oder "Asylindustrie" ? Nein, Herr Fleischhauer ! Sie stehen nicht über den Dingen, sie stecken mitten im Sumpf ihres rechts-konservativen Weltbildes.

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der.tommy 12.07.2018, 18:50
82. @_unwissender

Es spielt auch überhaupt keine Rolle ob sie persönlich ihn als klein- oder schwerkriminell abstempeln. Juristisch war die Abschiebung in diesem Einzelfall scheinbar gerechtfertigt und damit völlig legitim. Dass er sich in Kabul nun das Leben nahm, kann man wohl kaum als schuld des innenministers ansehen. Suizid ist eine höchst persönliche Entscheidung. Klar ist es zutiefst bedauerlich. Aber sie können doch jetzt wohl nicht ernsthaft der Meinung sein, dass jedem, der Suizid begeht, im Nachhinein seine Schuld erlassen werden sollte?! Was wäre denn wenn er ein mörder gewesen wäre? Hätten sie dann ähnlich viel Mitgefühl?! Der Suizid hat juristisch nichts, aber auch gar nichts mit der Ablehnung des Asylantrags zu tun. Und auch moralisch fällt es mir ausgesprochen schwer, die Abschiebung rückwirkend aufgrund des Suizids als Fehler anzusehen. Woher hätten die Beamten das denn bitte wissen sollen? Und wieso bitte soll ein möglicher Suizid nun als ultimative Rechtfertigung dienen, jegliche Abschiebung zu verhindern?

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muellersmartin 12.07.2018, 18:52
83. #63 hup danke mal

hup, so ein schöner Beitrag. Wirklich, danke. Ich arbeite seit über 25 Jahren in einem sozialen Beruf und habe bisher immer die SPD gewählt. Heute komme ich mit der Sprache meiner Partei nicht mehr zu Recht. Man kann nicht mehr über seine Ängste und Sorgen offen sprechen, ohne mit der Nazikeule erschlagen zu werden.

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DadaSiggi 12.07.2018, 18:53
84. Fleischhauer in Bestform

Das war vielleicht der Beste Beitrag zu diesem Thema von Jan Fleischhauer. Er ist einer der wenigen Autoren und Kolumnisten mit einer hohen Reichweite die sich der Spirale der Skandalisierung verweigern. Donnerstag ist Fleischhauer Tag, der Tag, an dem man immer wieder den Glauben an die Vernunft kurzzeitig zurück bekommt.

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ogoehni 12.07.2018, 19:04
85.

Zitat von Newspeak
"Es ist allerdings auch die Form der Auseinandersetzung, die den politischen Diskurs am stärksten vergiftet, weil sie dem Gegner abspricht, dass er ebenfalls gute Argumente haben könnte, und ihm stattdessen niederste Beweggründe unterstellt." Bei einem solch zynischen Satz von Seehofer muss man diesem niederste Beweggruende unterstellen, und zwar ganz ohne den Suizid. Er drueckt einfach nur Menschenverachtung aus. Ein Innenminister sollte aber ueber eine gewisse charakterliche Integritaet verfuegen. Und was die Fluechtlinge betrifft. Erleiden Sie, Herr Fleischhauer, oder irgendein anderer der Kritiker einen persoenlichen Nachteil, weil es Menschen gibt, die andere Menschen, die vor Terror und Krieg fliehen, aufnehmen wollen? Wird ihnen deshalb etwas vom Lohn abgezogen? Gibt es weniger Essen auf den Tisch? Muessen Sie Ihre Wohnung teilen? Nein, nichts davon. Sie haben also keinen persoenlichen Nachteil, und wollen trotzdem nicht, dass diesen Menschen geholfen wird. Das ist jenseits von sozial oder christlich.
Ja, es gib Gesetze, die festlegen wann einer auszureisen hat.
Sie können ja Ausreisepflichtige versorgen mit Unterkunft, Essen, Krankenversicherung und...alles bezahlen, die Mehrheit möchte nur für die anerkannte Asylbewerber bezahlen. Meine Schwiegertochter kommt aus Kenia und hat mit einem offiziellen Ausbildungsvisum ihr Sudium abgeschlossen. Wenn sie Besuch von ihrer Familie bekam, mussten wir für Alles bürgen, wenn sie ihre Rückreise nicht angetreten hätten, weil mein Sohn und Schwiegertochter noch kein ausreichendes Einkommen hatten beim Studium. Meine Schwiegertochter wundert sich auch, wie man mit dem Wort ,,Asyl" hier alles bekommen kann.

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Ichsindwir 12.07.2018, 19:19
86. Fokus

Wenigstens ist da jemand am Ende ehrlich und erkennt an, dass die permanente schwarz-weiß-Sicht auf Probleme zumindest gut für sein Geschäft ist.

Was ich an Seehofer kritisieren möchte, ist sein Verhöhnen von Abgeschobenen. Für die betroffenen Straftäter ist das höchstwahrscheinlich irrelevant (wenn sie es doch mitbekommen, weine ich denen aber auch keine Träne nach), aber für die tatsächlich Schutzbedürftigen hier im Land schürt er damit Ungewissheit und Angst. Das führt direkt dazu, dass diese Menschen sich schlechter integrieren. Ein Innenminister sollte als Ziel gesellschaftlichen Zusammenhalt und Integration haben, nicht das Sähen von Unsicherheit und Fremdenfeindlichkeit.

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mucschwabe 12.07.2018, 19:28
87.

Sowohl der Shitstorm gegen Herrn Seehofer, als auch die empathielosen Bemerkungen über diesen toten Menschen zeigt, wie aufgeladen dieses Thema mittlerweile ist. Diese Flüchtlingsfrage spaltet unsere Gesellschaft in einer Art und Weise, die ich bisher nicht kannte. Vielleicht sollten beide Seiten mal reflektiert nachdenken, bevor sie ihre Kommentare abgeben!

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Aberlour A ' Bunadh 12.07.2018, 20:09
88. Dass ausgerechnet Fleischhauer,

dessen Kolumnen immer der Gipfelpunkt des Moralisierens sind, sich an der Moralisierung politischer Fragen reibt, ist schon lächerlich. "Es ist allerdings auch die Form der Auseinandersetzung, die den politischen Diskurs am stärksten vergiftet, weil sie dem Gegner abspricht, dass er ebenfalls gute Argumente haben könnte" - schreibt AUSGERECHNET Fleischhauer. Köstlich, weil sich seine eigenen Kolumnen ausgerechnet an diesem Prinzip immer am stärksten versündigen. Zum Vorliegenden Fall: da freut sich also ein Innenminister, der vollkommen durch den Wind ist und den man deswegen mal auf seinen Geisteszustand untersuchen sollte, dass man ihm am 69. Geburtstag 69 Abschiebungen geschenkt hat. Einer davon bringt sich tragischerweise nach erfolgter Abschiebung um. Zum Glück kann für Scherzkeks Seehofer anschließend ein kleinkriminelles Sündenregister präsentiert werden. Das relativiert dann wieder den Selbstmord. Auch das ist eine moralische Frage - die moralische Gewichtung des Vorstrafenregisters eben. Was aber ist mit den anderen 68 Abgeschobenen, die ebenfalls von Seehofer veralbert wurden? Und die in eine Krisenregion abgeschoben werden von der man eins sagen kann: dass sie nicht sicher ist.

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plutinowski 12.07.2018, 20:14
89. Sortierungen nötig

Ich denke, man muss da ein paar Sachen sortieren.

Dass Abschiebungen notwendig sein können, wird, denke ich, auch von vielen Kritikern Seehofers nicht bestritten. Dass es z.B. notwendig gewesen wäre, einen amri abzuschieben, darüber gibt es doch überhaupt keine Diskussion. Die Kritik entzündete sich vor allem an Seehofers gechmacklosen Auftritt.

Dass Abschiebungen als "Mord" bezeichnet werden, das gibt es - aber Fleischhauer macht es sich sehr leicht, wenn er denen, die den Umgang mit dem Asylthema kritisieren, kurzerhand in die moralische Ecke stellt und ihnen unterstellt, SIE würden es sich besonders leicht machen.

Nein, was in der Diskussion völlig fehlt, sind die, die wirklich vor Krieg, Terror, Vergewaltigung etc. geflohen sind. Die kommen überhaupt nicht vor. Es scheint sie gar nicht zu geben. Statt dessen beherrschen Wortungetüme wie "Asylindustrie" die Diskussion. Der nüchterne Blick auf die tatsächlichen Verhältnisse fehlt. Und DAS, nicht Abschiebungen an sich, hat auch eine moralische Dimension, die man in einer Gesellschaft, die was auf ihre "Werte" hält, sehr wohl an- und aussprechen muss.

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