Forum: Politik
Selbstgerechter Protest: Die Vertrumpung der Welt
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Jetzt empören sich jene Eliten über Trump, die ihn doch selbst ermöglicht haben. Das nervt. Sie sollten sich lieber fragen: Was, wenn er Erfolg hat?

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Stadtguerilla 26.01.2017, 18:43
250. ...

Zitat von schwerpunkt
Wie frustrierend muss es für alle Linken und sehr Linken derzeit sein, mit zu erleben, wie ihre Ideale und Sprüche von der Herrschaft des Proletariats ausgerechnet von der "sehr rechten" Seite gekapert werden und diese damit auch derart viel Erfolg haben, dass sie damit durch kommen und an die Macht gewählt werden. Dass dies bei den Populisten und Faschisten nur Kostümierung ist um eben mit einer besonderen Duftkombination von Nationaldümpelei und "wir sind das Volk"-Parolen an die Macht zu kommen und dann exakt wie die gescholtenen "Eliten" zu hausen ... nur extremer, wird sogar mit der leibhaftigen Erfahrung dessen ausgeblendet. Ich frage mich ob es diese Chemtrails nicht wirklich gibt mit Psychopharmaka, die die Menschen alle diesbezüglich irgendwie irre werden lässt, so was zu wählen und auch dann noch zu verteidigen, wenn diese völlig durchdrehen. Oder irgendwas im Trinkwasser? Sagen Sie es mir bitte ... und trinken Sie ab sofort nur noch Wasser aus Flaschen.
Wie wäre es damit.

Vielleicht weiss der geneigte Linke bis sehr Linke ja was da bei den AFDs und LePens und Konsorten "gespielt" wird und es ist ihm schlicht egal WER nun das System an die Wand fährt?
Der Feind meines Feindes.... und so, ne.

Und da "Rechte" dazu neigen ganz spezielle Personen zu sein, könnte sich der geneigte Liberale DANACH überlegen ob er sich nicht DOCH besser den Linken zuwendet.

Ich zumindest finde den Plan plausibel...

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Aberlour A ' Bunadh 26.01.2017, 18:46
251. Die Vertrumpung des Geistes?

Augstein händchenhaltend mit Sarah Wagenknecht als Trump-Versteher. Dabei übersieht er völlig, dass die von ihm angemahnte Kritik an einem allzu laissez-fairerigen Neoliberalismus der Globalisierung von einer aufopferungsvoll kämpfenden Heterodoxie seit vielen Jahren vorgebracht wird. Ohne Erfolg. Die Marginalisierung ist zwar nicht mehr ganz so schlimm wie zu Beginn der 2000er Jahre, aber nennenswerten Erfolg beim Wähler oder gar der "Arbeiterschaft" war der Kritik an Kapitalismus und Globalisierung nicht vergönnt. Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Warum wählt der Arbeiter rechte POPULISTEN und nicht linke? Oder glaubt hier jemand ernsthaft, in den Flyover-States hätte der selbsternannte Sozialist Bernie Sanders nur die Spur einer Chance gehabt? Und dann wird auch noch der gute alte Keynes, bzw. von Augstein sogenannte "Keynesianisten" (meinte Augstein vielleicht Keynesianer?), in Beschlag genommen. Mit Wirtschaftstheorie hat's Augstein aber nicht so. Daher ist Trumps Politik auch das GEGENTEIL von keynesianischer Politik. Für Keynes war die EFFEKTIVE NACHFRAGE die entscheidende Steuerungsvariable in einer MAKROÖKONOMISCH gedachten Wirtschaftspolitik, während er die Produktionsseite unangetastet lassen wollte. Das heißt, die Angebotsseite einer Volkswirtschaft sollte sich ausdrücklich marktwirtschaftlich selbst überlasen bleiben. Während Trump - wie jeder konservative Neoliberale - natürlich über die Kontrolle/Manipulation der Produktionsseite kommt. Keynes war sich seiner Vereinnahmung durch Radikale, egal von welcher Seite, immer bewusst. Daher der logische Ausspruch, dass er, sollte es zum "Klassenkampf" kommen, immer "auf der Seite des gebildeten Bürgertums" stehen würde. Und genau auf dieser Seite steht Donald John Trump NICHT.

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gantenbein3 26.01.2017, 18:50
252. Den Protest…

Aber als die Früchte der Globalisierung unfair verteilt wurden, als die Arbeiter ihre Jobs verloren und die Familien ihre Häuser, wie laut war da der Protest?

…gab es durchaus, aber er war natürlich zu schwach. Doch liegt das in der Natur der Sache, denn wer den Teufel an die Wand malt, wird belächelt. Der Leibhaftige wird erst wahrgenommen, wenn er auf der Matte steht. Trump ist nicht der Einzige, dem der Weitblick fehlt.

Die Frage, was ist, wenn Trump Erfolg hat, ist einfach zu beantworten: Er wird wiedergewählt. Das ist zwar keine gute Vorstellung, aber warum sollte er nicht in der Lage sein, ein schönes wirtschaftliches Strohfeuer anzuzünden, in dem am Ende auch der Protest gegen ihn verglühen wird? Leute wie Trump werden nie verstehen, dass ihre Spezies mühelos in der Lage ist, die Welt zu ruinieren. Wie sollten sie auch? Für sie selbst, als Milliardäre, ist sie ja herrlich. Und es kann ja auch gut sein, dass der Planet noch ein paar Jahre durchhält. Bis dahin tanzt man eben auf dem Vulkan. Das ist alle Mal besser, als Trübsal zu blasen. Wer will denn schon abseits stehen, wenn die letzte Sause gefeiert wird?

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csmvoelker 26.01.2017, 18:51
253. Ach je Herr Augstein

Jetzt auch nicht sie. Ich musste schon Ihren Kollegen wegen seiner Kolumne "Germany First" rügen. Jetzt auch sie. Immer mit systemrelevanter Kritik, dass wir Liberalen de facto eine Ausgeburt des Teufels sei, die den Armen alles wegnimmt. Das ist nicht unsere Schuld, dass wir liberal sind. Es gibt hier auch keine Schuldfrage. Geschichte wiederholt sich nun einmal. Und es bedarf ein paar Scharlatane, um die Geschicke der Menschheit zu verändern. Hitler hat einmal gesagt, die Masse sei lenkbar (und den Rest mag ich eigentlich gar nicht sagen weil er frauenfeindlich ist) wie ein Weib. Das war also Hitler's Frauenbild. Aber es geht nicht darum sondern es geht darum, dass manche Menschen einfach eine Führerpersönlichkeit brauchen, weil sie sonst keinen Antrieb im Leben haben und deshalb entsehen solche Phänomene wie Trump, Le Pen und der Brexit (obwohl das eigentlich eine hausgemachte britische Nummer der 80 er Jahre ist). So und jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen und ich beende das ganze mit einem Zitat: Frage nicht was der Staat für dich tun kann, sondern was du für den Staat tun kannst.

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chico 76 26.01.2017, 18:54
254. Augstein abgehängt?

Zitat von lord.speedy
So ein Bericht von Ihnen? Zahlt sich "links" nicht mehr aus? Inzwischen bemerkt, daß man zu den Abgehängten gehört? Hat ja gedauert, aber schön das auch Sie es 'bemerkt' haben, was 3/4 der (schweigenden) Mehrheit schon lange weiß!
Mit seiner bislang linken Schreibe vielleicht, nicht zu vergleichen mit den wirtschaftlich abgehängten.
Das was sich seit langem abzeichnete, eine Abkehr vom erhobenem Zeigefinger-Journalismus hat er wohl erkannt.
Früher kannte man Journalismus als Nachrichtenüberbringer respektive als Rechercheinstrument, als Kommentar der Leitartikel.
Heutzutage begreift sich eine Mehrheit als Multiplikator ihrer eigenen politischen Einstellung, ob in Nachrichten oder Recherche.
Offensichtlich hat J.A. erkannt, dass nicht nur Trump ein Problem mit der überwiegenden Pseudo-Eliten-Presse hat.
Kurzum, eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Aufgabe der 4.Gewalt wäre angesagt. Dann klappts auch mit der Glaubwürdigkeit wieder.
Ich träume momentan.

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parismatique 26.01.2017, 18:56
255. So ein Quatsch...

»Dümmere Sachen sagt Trump auch nicht.« Doch, verehrter Junior, dieser psychisch kranke Mensch sagt, sobald er den Mund aufmacht oder mit den Daumen twittert, ausschliesslich dümmere Sachen! Wäre ja alles kein Problem, wenn sie nur das Eigengewicht dieses Clowns und nicht die Tonnage eines US-Präsidenten hätten.

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pygmy-twylyte 26.01.2017, 19:00
256. Arm sein ein Makel

Zitat von vera gehlkiel
Die Mär davon, dass die Abgehängten nun zurückschlugen, und deshalb Trump dran gekommen ist, ist selbst ein Teil jener "alternativen Fakten", die das Gesamt-Unkunstwerk Trump ausmachen. Es passt zum schwachen Selbstbewusstsein hiesiger Linker und der eher geringen Bodenhaftung dieser Gruppe, dass dieser rhetorischen Figur nur allzu gern, ob Wagenknecht, ob Augstein, weitgehend unkritisch gefolgt wird. So kann man in der bequemen Beobachterposition verbleiben, sich selbst moralisch vollkommen fühlen, und es spricht noch nicht einmal was dagegen, dass man dabei ein teures Smartphone besitzt, damit einem aus keiner Ecke der Welt etwas entgehen kann, während man wohlig Marx studierend auf die frühe Winterdunkelheit wartet. Der Kapitalismus kann sicher in seiner Krise den Faschismus gebären, aber konnte eben auch den "New Deal" hervorbringen. Der hat reiche Arbeiter im Westen geschaffen, und ein Milliardenheer von Parias in der Dritten Welt. Damals war die Globalisierung auch schon in vollem Gange, aber man kriegte weit weniger davon mit als jetzt, eben weil es keine Smartphones und solches Zeug gab, und man deswegen all den Unterprivilegierten beim Sterben nicht direkt zusehen musste, jedenfalls meistens nicht. Nun ist uns vieles näher gerückt. Wir können uns zwar auch viel leichter ablenken, aber unter den ganzen Spiel- und Herunterladeoptionen, den vorgegaukelten digitalen Paradiesen, lauern direkt die tieferen Wahrheiten, nunmehr näher an der Benutzeroberfläche, als es den meisten lieb sein dürfte. Da ist es am unkompliziertesten, man glaubt der Politik einfach gar nichts mehr, den Journalisten schon gar nicht, und erschafft sich dazu einen unleidlichen Popanz mit hohem Unterhaltungsfaktor, der zum Beispiel Donald Trump heissen, und amerikanischer Präsident sein kann. Und dazu gehört natürlich das Globalisierungsklischee von den selbstzufrieden profitierenden Eliten hier (also, wie Augstein schreibt, Schwule, Professoren, reiche Ehefrauen und Künstler) und den immer weiter verarmenden Massen da. Welches bizarrer Weise ein Klischee ist, das der arrivierten Mittelklasse entstammt, die damit ihre quälenden Verarmungsideen über ein wortmächtiges Gleichnis beschreibt. Was die wirklich Armen hierzulande denken, sollte man diesen Mann mal fragen, der vor dem Aldi die Obdachlosenzeitung feilbietet.
Arme sind mit dem Stigma des Losers und Parias behaftet, und da das Sein das Bewusstsein bestimmt und niemand als Ausgestoßener wahrgenommen oder damit in Verbindung gebracht werden möchte, wird es unter Armen nie so etwas wie Solidarität, geschweige denn offene Empörung geben. Aufgabe unserer Politik und Gesellschaft wäre es, das Heer der wehr- und lobbylosen Armen zu reduzieren anstatt anwachsen zu lassen. Das Thema soziale Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit wird wohl (hoffentlich!) den Wahlkampf bestimmen.

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fflorian 26.01.2017, 19:04
257. Steile Thesen von Herrn Augstein

Sorry, aber was soll das denn? "... der Milliardär im Gewand des Volkstribuns, ist die Antwort. Er ist der Beweis für ein trauriges Gesetz: In seiner Krise gebiert der Kapitalismus den Faschismus, und die Demokratie ist dagegen nicht nur machtlos ... " Soll das jetzt das neue "Augsteinsche Gesetz“ sein? :)) Das ist doch eine krude, vollkommen unbegründete These (es gibt da die obsolete Dimitrow-These aus der Marxistisch-Leninistischen Theorie: Entstehung des Faschismus in der Krise des Kapitalismus mit dem Ziel der Zerschlagung der Arbeiterschaft - meinten Sie das?). Und überhaupt: Man kann gegen Trump sagen, was man will und ich finde ihn grauenhaft: Es geht bei seinem Modell doch nicht um Faschismus! Vielleicht ist es einfach nur "Trumpismus" als spezielle Form des Rechtspopulismus? Von ihrem Ausbildungshintergrund müssten Sie es besser wissen. Und dann dieses undifferenzierte Losgehen auf die Intelligenz der USA, die mit "Professoren, Städtern und Schwulen" gleichgesetzt wird, wie wenn es keine rechten Professoren, abgehängte Städter und ungebildete Schwule gäbe, die Trump gut finden. Das nevt! Und: Ist die seit über 200 Jahren bestehende Demokratie der USA wirklich so schwach, dass sie nicht auch diesen Trump überstehen können? Womit begründen Sie das? Unbegründet hingeworfene Thesen helfen doch nicht weiter - und machen Sie doch keinen Popanz aus dieser Person! Schlimm und gefährlich ist nur, dass er das Atomköfferchen hat ...
BTW: Die eigentlichen Verlierer des Trumpismus werden genau die sein, die ihn gewählt haben. Das ist schon jetzt klar, und das ist das eigentlich Traurige an der ganzen Geschichte.

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privatbahn 26.01.2017, 19:15
258. es gibt viele Schuldige und viele Verantwortliche

Die Kolumne auch wenn man sie vielleicht eher Fleischhauer zugetraut hätte, stellt viele Thesen und damit Diskussionen vom Kopf wieder auf die Füße.

Die Verantwortlichen für den aufkommenden Rechtpopulismus in unseren Demokratien sind ja nicht die Rechtspopulisten selbst, sondern alle jene Politiker und gesellschaftlichen Kräfte die große Teile der Bevölkerung durch Ihre Politik in andauernde Perspektivlosigkeit entlassen haben.
Wirklich bedenklich bei dieser Entwicklung ist aus meiner Sicht, dass diese gesellschaftlichen Veränderungen ausgerechnet Sozialdemokraten, Grüne und Linke vorangetrieben haben.
Dass ausgerechnet diese nun laut aufschreien ist umso unverständlicher. Nun kommen sie aus ihren schützenden Häuserzeilen heraus gekrochen, die Theologen, Künstler, Lehrer, Sozialpädagogen, all jene die jahrelang geschwiegen haben, wenn gut bezahlte Arbeitsplätze abgebaut wurden, um sich höheren Zielen wie dem Umweltschutz zu verschreiben. Kirchen und Grüne haben ständig von Teilhabe gesprochen und doch nur den eigenen Reichtum genährt.
Es ist wie in den 20er Jahren. Die die für das erstärken der Rechten verantwortlich sind jammern zwar am lautesten, tragen aber am wenigsten zur Lösungsfindung bei.

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stageguy 26.01.2017, 19:16
259. Differenzierte Zustimmung

Herr Augstein, hat recht, wenn er feststellt, dass erst jetzt die Empörung bei vielen Amerikanern ausbricht. Vorher als Arme vertrieben und der Mittelstand in den Ruin getrieben wurde, da war es still. Aber ist deshalb eine liberale Gesellschaft schlecht? Wollen wir das nicht mehr? Ich widerspreche der These sehr, dass der Kapitalismus den Faschismus hervorbringt, und die Demokratie dagegen machtlos und Wegbereiter ist. Das ist der Sprachduktus eines Walter Ulbrichts oder Erich Honnecker. Und was dann kam, haben wir ja erlebt.
Nun hat es die Linke immer verstanden, zu sagen, dass die DDR kein Sozialismus war, dann hat aber die liberale Gesellschaft das gleiche Recht und kann sagen, dass das, was sich in den USA abspielt, keine liberale Gessellschaft ist.

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