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Sexismus-Debatte: Gauck beklagt "Tugendfuror" im Fall Brüderle
DPA

Im Gespräch mit dem SPIEGEL äußert sich Joachim Gauck ausführlich zu den Kernthemen seiner Präsidentschaft. Den Fall Rainer Brüderle kommentierte er medienkritisch: "Ich kann keine flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen hierzulande erkennen."

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feuercaro1 03.03.2013, 15:08
1. Mangel an Erkenntnis

Dass Herr Gauck keine flächendeckende Fehlhaltung von Männern zu Frauen erkennen kann, mag an seinem Umfeld und seinen beruflichen Erfahrungen liegen.
Sicher hat er Recht, wenn es darum geht, dass sich in den letzten Jahren Einiges getan hat. Was Herr Gauck nicht weiß (wissen kann?) ist, dass Sexismus hauptsächlich im Berufsleben stattfindet, nicht so sehr im Privaten.

Und im Berufsleben geht es nicht um Anmache oder Baggern, sondern um Macht, ausgeübt mit Hilfe der Stereotypisierung von Männern und Frauen.

Auf deutsch:
Wenn Männer sich im Berufsleben Frauen als Konkurrenz vom Leib halten wollen, greifen sie leider oft immer noch zum Sexismus, d.h., sie "stellen mal kurz klar", dass es sich bei der Konkurrentin "nur" um eine doofe Blondine; frustrierte Karrierefrau; verklemmte Tusse; Schlampe (suchen Sie sich was aus) handelt.

Dass Herrn Gauck das noch nie aufgefallen ist, ist ihm nicht vorzuwerfen. Schade ist seine Anmerkung dennoch.

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dackelmann17 03.03.2013, 15:37
2. Sehr zurückgelehnte Kritik

Zitat von feuercaro1
Dass Herr Gauck keine flächendeckende Fehlhaltung von Männern zu Frauen erkennen kann, mag an seinem Umfeld und seinen beruflichen Erfahrungen liegen. Sicher hat er Recht, wenn es darum geht, dass sich in den letzten Jahren Einiges getan hat. Was Herr Gauck nicht weiß (wissen kann?) ist, dass Sexismus hauptsächlich im Berufsleben stattfindet, nicht so sehr im Privaten. Und im Berufsleben geht es nicht um Anmache oder Baggern, sondern um Macht, ausgeübt mit Hilfe der Stereotypisierung von Männern und Frauen. Auf deutsch: Wenn Männer sich im Berufsleben Frauen als Konkurrenz vom Leib halten wollen, greifen sie leider oft immer noch zum Sexismus, d.h., sie "stellen mal kurz klar", dass es sich bei der Konkurrentin "nur" um eine doofe Blondine; frustrierte Karrierefrau; verklemmte Tusse; Schlampe (suchen Sie sich was aus) handelt. Dass Herrn Gauck das noch nie aufgefallen ist, ist ihm nicht vorzuwerfen. Schade ist seine Anmerkung dennoch.
Finden Sie nicht, dass diese Stereotype recht abgenutzt sind? Beispiel: Verklemmte Tusse. Wird heute wirklich so eine Frau angesprochen? "Doofe Blondine". Wo kann man sowas hören außer im TV?
Echte Beispiele wären hier allerdings hilfreich, weil Ihre Betroffenheit dann glaubwürdiger wäre, kurzum, einmal Butter bei die Fische und schon wird es glaubwürdig.

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juliuss 03.03.2013, 15:38
3. Flächendeckend

Die Vokabel "flächendeckend" fiele mur bei gesellschaftlichen Differenzen auch sofort als erste ein. Warten wir lieber noch ein Weilchen, bis Antisemitismus, Rassismus, Sexismus flächendeckend in Deutschland zu erkennen sind. Dann gibts auch ordentlich was wegzuschippen für arbeitslose Popen aus jenem Land, wo das Quantitätsargument alles beherrschte: SED 97% Jastimmen, Pestzizideinsatz in der Landwirtschaft: möglichst flächendeckend. Schade, dass nach Wulff nun keine Steigerung des Intellekts in Bellevue zu entdecken ist, sondern nur so eine Art deckung

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Leandros 03.03.2013, 15:45
4. Nicht denken, sondern den neuen Bannerträgern folgen!

Wenn Gauck in seiner Europarede erklärt, das wir Bannerträger brauchen, nicht aber Bedenkenträger, so schwört er die Deutschen auf eine neue Gefolgschaft ein. Wieder einmal müssen wir in blindem Gehorsam einer Fahne folgen. Das ist Verrat an der Freiheit!

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Tiananmen 03.03.2013, 15:46
5.

Zitat von feuercaro1
Und im Berufsleben geht es nicht um Anmache oder Baggern, sondern um Macht, ausgeübt mit Hilfe der Stereotypisierung von Männern und Frauen. Auf deutsch: Wenn Männer sich im Berufsleben Frauen als Konkurrenz vom Leib halten wollen, greifen sie leider oft immer noch zum Sexismus, d.h., sie "stellen mal kurz klar", dass es sich bei der Konkurrentin "nur" um eine doofe Blondine; frustrierte Karrierefrau; verklemmte Tusse; Schlampe (suchen Sie sich was aus) handelt. Dass Herrn Gauck das noch nie aufgefallen ist, ist ihm nicht vorzuwerfen. Schade ist seine Anmerkung dennoch.
Wenn das bei Ihnen am Arbeitsplatz der Fall ist, sind Sie vielleicht in der falschen Firma. Sie sollten sich eine Firma suchen, wo der Chef ihre fachlichen Qualitäten so schätzt, dass er Sie nicht als " doofe Blondine; frustrierte Karrierefrau; verklemmte Tusse; Schlampe (suchen Sie sich was aus)" ins Abseits drängen lässt.

Wenn/Falls Männern solche Äußerungen wirklich von sich geben, dann wird man sie leicht stoppen können. Wenn Sie solche Einschätzungen lediglich aus Ihrem (täglichen) Empfinden beziehen, sollten Sie nachdenken.

Ich glaube nicht, dass Herr Gauck so weltfremd ist, wie Sie ihm unterstellen. Richtig ist seine Anmerkung allemal.

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elbdampfer 03.03.2013, 16:24
6. .

Zitat von dackelmann17
Finden Sie nicht, dass diese Stereotype recht abgenutzt sind? Beispiel: Verklemmte Tusse. Wird heute wirklich so eine Frau angesprochen? "Doofe Blondine". Wo kann man sowas hören außer im TV? Echte Beispiele wären hier allerdings hilfreich, weil Ihre Betroffenheit dann glaubwürdiger wäre, kurzum, einmal Butter bei die Fische und schon wird es glaubwürdig.
Selbst wenn es Beispiele dafür gebe, dass die bedauernswerte Userin unter solch unmöglichen Männern zu leiden hat: Letztlich macht diesbezüglich doch jeder seine eigenen Erfahrungen/Beobachtungen.
Ich arbeite schon viele Jahre in gemischten Teams und Hierarchien - für mich klingen Berichte wie der von feuercaro1 wie aus einer anderen Welt. Ist aber rein subjektiv - vielleicht habe ich mit meinen KollegInnen und ChefInnen ja nur einfach Glück gehabt.

Zum Thema Gauck: Ich freue mich sehr, dass sich der Präsident seine sachlich-eigenständige, bei Bedarf auch dem mainstream widersprechende Haltung bewahrt hat. Außer beim Punkt "Russland" (der deutsche erhobene Zeigefinger, z.B. bei Themen wie "Pussy Riot", nervt mich) kann ich ihm auch nur zustimmen - das ist aber nebensächlich.
Menschlich finde ich den Mann schwer in Ordnung.

Vorbereitend schon mal an die üblichen SPON-Meckersäcke: Nein, ich bin kein "Lohnschreiber" des Bundespräsidenten.

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elbdampfer 03.03.2013, 16:29
7. .

Zitat von Leandros
Wenn Gauck in seiner Europarede erklärt, das wir Bannerträger brauchen, nicht aber Bedenkenträger, so schwört er die Deutschen auf eine neue Gefolgschaft ein. Wieder einmal müssen wir in blindem Gehorsam einer Fahne folgen. Das ist Verrat an der Freiheit!
Wieso schwört Gauck die Deutschen auf Gefolgschaft ein, wenn er seine Meinung zu einem Thema kundtut?
Klar, man kann jede Rede missverstehen, wenn man sich nur richtig Mühe gibt.

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saul7 03.03.2013, 16:30
8. Ich*

Zitat von sysop
Im Gespräch mit dem SPIEGEL äußert sich Joachim Gauck ausführlich zu den Kernthemen seiner Präsidentschaft. Den Fall Rainer Brüderle kommentierte er medienkritisch: "Ich kann keine flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen hierzulande erkennen."
halte es für einen außerordentlichen Vorgang, wenn der BP sich in der Sexismusdebatte in dieser Weise äußert und damit die Proportionen wieder ein enig zurechtrückt. Der FDP hat dieser medail gehypte Vorgang sicherlich nur geholfen...

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Carlo Nappo 03.03.2013, 16:34
9. Och Joh!

Zitat von feuercaro1
...Und im Berufsleben geht es nicht um Anmache oder Baggern, sondern um Macht, ausgeübt mit Hilfe der Stereotypisierung von Männern und Frauen. Auf deutsch: Wenn Männer sich im Berufsleben Frauen als Konkurrenz vom Leib halten wollen, greifen sie leider oft immer noch zum Sexismus, d.h., sie "stellen mal kurz klar", dass es sich bei der Konkurrentin "nur" um eine doofe Blondine; frustrierte Karrierefrau; verklemmte Tusse; Schlampe (suchen Sie sich was aus) handelt. Dass Herrn Gauck das noch nie aufgefallen ist, ist ihm nicht vorzuwerfen. Schade ist seine Anmerkung dennoch.
Es scheinen interessante Unternehmen zu sein, in denen Sie angeblich derartiges erlebt haben wollen. Insbesondere den Vorwurf der Ausschaltung von mißliebiger Konkurrenz mittels offen ausgelebtem Sexismus, halte ich für pure Phantasie, das zwar sehr selten vorkommen mag, im realen Arbeitsleben allerdings eher keinerlei Rolle spielt.

Der von mir in den letzten 40 Jahren erlebte Sexismus im Beruf drehte sich praktisch ausschließlich um Anmache oder Baggern. Dabei unterschieden sich Frauen und Männer in rein gar nichts, wie ich oft als einziger Mann und nicht Vorgesetzter in ansonsten reinen Frauenabteilungen erleben durfte.

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