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Sexualität und Strafen: Rückkehr des schwachen Geschlechts
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Das neue Sexualstrafrecht ist ein Dokument der Regression: An die Stelle der selbstbewussten Frau tritt das arme Hascherl, das den Mann grundsätzlich als Bedrohung erlebt. Eine Kolumne von Jan Fleischhauer

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Aspekte plus 11.07.2016, 15:49
1.

Jan Fleischhauer hat recht, der Kölnparagaf ist eine juristische Totgeburt, die nie zur Anwendung kommen wird, weil sie so mit ziemlich jedem denkbaren System- und Denkfehler behaftet ist. "Köln"-vergehen waren noch nie straflos, Nötigung, Freiheitsberaubung, die Teilnahmeformen Anstiftung und Beihilfe, Tätlichkeit, Körperverletzung reichten völlig aus, sogar von der Erfindung des Rechtsgutes "sexuelle Integrität". Man betrachtete einfach den ganzen Menschen - eine Aufteilung in verschiedene Integritäten war unnötig.

Aber ein starkes gesellschaftliches Signal ist der Köln-Paragraf schon. Weit über das Sexualstrafrecht, auch so ein wunderbares Wort, hinaus.
So hatten sich die 68er und die Hippies inklusive Oswald Kolle die sexuelle Revolution und Gleichberechtigung der Geschlechter nun wirklich nicht vorgestellt. Allein das Wort Sex weckte da noch Begehren - heute assoziiert man damit eher Strafrecht, Vergewaltigung ohne Gewalt, Strafverfahren, Knast etc.
Das erste Mal denke ich, zum Glück bin ich aus dem Alter raus - und keine Frau.

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Brontosaurus 11.07.2016, 16:02
2.

Trotzdem ist es ja nicht wegzudiskutieren, dass es vor allem Männer sind, die ein offensiveres und aggressiveres Sexualverhalten zu Tage legen. Und meistens sind es ja tatsächlich die Frauen die darunter leiden. Das ist so und war schon immer so. Das macht auch Frauen keineswegs generell zur ewigen Opfern, genauso wenig wie es Menschen insgesamt prinzipiell zu Opfern von Räubern oder Einbrechern macht. Aber es kommt vor und sicherlich nicht gerade selten, und dann ist das eine traumatische Erfahrung die den Schutz durch durch Gesetze unverzichtbar macht.
Im übrigen schützt das neue Gesetz keineswegs nur Frauen, sondern würde Männer genauso gut oder schlecht schützen, falls sie in eine ähnliche als traumatisierend erlebte Situation geraten sollten, in welcher Konstellation auch immer. Alles in allem ist ein solches Gesetz ein wichtiges Signal, dass die Missachtung der sexuellen Selbstbestimmung von anderen Menschen egal welchen Geschlechts kein Spaß ist, sondern kriminelles Verhalten. Ganz egal ob es denn nun in jedem Fall umsetzbar ist oder nicht.

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MWTH 11.07.2016, 16:04
3.

Der Gesetzgebungsprozess ist ein permanenter Vorgang, der den Rahmen der Regeln, nach denen wir zusammenleben den aktuellen Gegebenheiten anpasst. Wenn wir plötzlich mit vielen Menschen konfrontiert werden, deren Verhaltensmuster sich außerhalb unserer Gesellschaft gebildet haben, dann ist es ein gutes Zeichen, wenn sich unsere Gesetzgebung dem anpasst. Und wenn dies bedeutet, dass wir Gesetze verabschieden, die in die 50er Jahre zu gehören scheinen, dann sei's drum. Das sagt etwas über die dazugekommenen Menschen aus und ihre Probleme, sich unseren Regeln anzupassen und nicht notwendiger weise etwas über den Zustand der Menschen, deren Verhaltensmuster sich hier gebildet haben. Wenn die Geschichte eins lehrt, dann das jede größere Menschengruppe genug Menschen jeder Couleur bereithält. Die Mengenverteilung hängt dann von der Sozialisierung und den Umständen ab. Also - es ist bleibt und wird immer so sein, dass die offene Diskussionsfähigkeit der Demokratien zur besseren Anpassung in Form neuer Gesetze führt. Erst wenn dies nicht mehr der Fall ist, müssen wir uns vor Autokratien wegen ihrer vermeintliche Stärke fürchten.

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moneysac123 11.07.2016, 16:09
4.

Frauen sind schon Opfer, will uns zumindest die Gesellschaft weismachen. Warum kein Aufschrei der Feministinnen, ich dachte wir wären der Gleichstellung schon näher, doch jetzt werden Frauen entgültig mit aller Macht des politischen Establishments in die Opferrolle gedrängt. Das trägt sicherlich zu einer Polarisierung und Förderung von Singlehaushalten bei.

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Zaphod 11.07.2016, 16:24
5. Was nichts kostet ist nichts wert!

Es ist erfreulich, dass Herrn Fleischhauers Beiträge nun kostenpflichtig sind. Dadurch wird wenigstens die Reichweite seiner meistens unerträglichen Meinungen eingeschränkt!

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Olaf Köhler 11.07.2016, 16:29
6. Es ist traurig

und beschämend, dass heutzutage noch solche Diskussionen geführt werden müssen, die in einer merkwürdigen Gesetzesänderung münden. In welchem Jahrhundert leben wir? Haben das die Männer immer noch nicht begriffen? Seit Hunderten von Jahren keinerlei Weiterentwicklung des männlichen Geistes und Verhaltens? Da frage ich mich: Was stimmt mit den Typen nicht? Endpunkt der geistigen Entwicklung erreicht - vor geraumer Zeit und keine Besserung in Sicht.

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mazzmazz 11.07.2016, 16:37
7. Dieses Gesetz macht in meinen Augen...

...niemanden automatisch zum Opfer.
Aber es ermöglicht, Straftäter, die Menschen zu Opfern machen, besser zu verfolgen und zu verurteilen.
Zudem wurde eine Verknüpfung zum "Abschieberecht" hergestellt, was ich begrüße.
Die sexuelle Selbstbestimmung der Frau und fröhliches HJerumwurzeln werden doch von diesem Gesetz nicht eingeschränkt.
Nur wer nicht mitspielen mag, kann sich nun wirksamer wehren. Denn potentielle Täterinnen müssen eben aufpassen, ob nicht wirklich mal kurz das Wort "Nein" fällt. Wenn ja, gibt´s Ärger.
Dass dieses Gesetz aber von frustrierten Ehefrauen im Scheidungsprozess sehr viel häufiger "gezogen" werden wird als von Opfern krimineller Migranten, halte ich für gesetzt.
Schön dabei ist, dass der zukünftige Ex-Ehemann diese Karte auch spielen könnte. Er muss nur schneller sein...
In jedem Fall ist es Opfern anzuraten, sofort laut zu schreien und Umstehende sollten Zivilcourage beweisen und helfen. Die üblichen Täter sind ohnehin eher Feiglinge, die sich nur in der Gruppe gegen Schwächere trauen. Drei g´standene bayerische Jungs haben einen Haufen Kleinkrimineller mit dem üblichen Hintergrund bislang noch immer in den Griff bekommen.
Wehrt Euch und verteidigt den Anstand. Dabei ist es auch egal, woher die Betroffenen stammen. Schwächere haben ein Recht auf Schutz.

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wolffm 11.07.2016, 16:39
8. Kein Ja heisst nicht Ja

Mit "Kein Ja heisst nicht Ja" wäre die Intension des neuen Gesetzes eher auf den Punkt gebracht. "Nein heisst Nein" galt bereits vorher.
Die Gruppenhaftung ist ein Novum. Im Sinne dieser Änderung darf ich jetzt eine ganze(!) Gruppe Frauen anzeigen, die mich bei Weiberfasnacht ungefragt in den Po kneifen und mir den Schlips abschneiden.

Die müssen mich jetzt ganz korrekt vorher fragen :-)

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Erik.R 11.07.2016, 16:41
9.

Immer schön den Finger in der Wunde. Wie immer guter Artikel!

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