Forum: Politik
Skandal um Demütigungen - mangelnde Kontrolle bei der Bundeswehr?

Rohe Schweineleber und Alkohol bis zum Erbrechen - Rekruten in Mittenwald mussten sich offenbar entwürdigenden Ritualen unterziehen. Auch in Coesfeld wurden junge Soldaten von ihren Ausbildern gedemütigt und misshandelt. Muss die Bundeswehr stärker kontrolliert werden?

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h.brentano 26.01.2011, 12:41
680.

Zitat von gkiesewetter
Soldaten dienen unmittelbar dem Gemeinwesen. Sie tun das letztlich in einer Konsequenz, die von anderen Professionen selten verlangt wird. Militärischer Führernachwuchs braucht sich nicht beleidigen oder belästigen lassen - Die Alternative dazu kann nur ihr Rückzug von diesem Beruf sein. Der Umfang von Schonung, Schutz und persönlicher Wohlfahrtsfüsorge müssen ihre Grenzen in den Erfordernissen des Gefechts finden.
Befehl und Gehorsam ist das Grundgesetz des Soldaten. Im Kriegsfall können alle Verfassungsansprüche von Soldaten relativiert werden.

Das Postgeheimnis gehört auch dazu, wenn der MAD Informationen benötigt um die Moral der Truppe zu gewährleisten, so wird man auch vor der Feldpost nicht halt machen können.

Eine Heuchelei ist es, wenn keiner Anstoß daran nimmt, dass die Telefongespräche mitgezeichnet werden und man dann bei der Post ganz andere Maßstäbe anlegt.

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dan_iel 26.01.2011, 12:56
681.

Zitat von Palmstroem
Herabwürdigende Rituale und sinnloser Drill passen nicht in unsere Zeit. Dennoch muß man sich über die überbordende Skandalisierung von solchen Vorkommnissen in Zeiten wundern, in denen eine Sendung wie "Das Dschungelcamp" beste Einschaltquoten erzielt. Offenbar ist die Demütigung von Mitmenschen doch ein weitverbreitetes Laster.
Sehr guter Einwand!!

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gkiesewetter 26.01.2011, 13:13
682.

Zitat von Hubert Rudnick
... dass die den Beruf eines Soldaten ausüben, alles Freiwillige sind. Wir haben keinen Kriegszustand und wir müssen unser Land nicht von Angreifern verteidigen.....
Nun ja. Auch der griechische Hoplit war Freiwilliger. Er wollte ja freier (nicht versklavter) Bürger sein. Da gehörte die Verteidigung der eigenen, wie der allgemeinen Freiheit dazu :)!
Alles, was ich gesagt habe, gilt auch für Wehrpflichtige. Ausserdem befinden wir uns - seit rund 20 Jahren "im Krieg". In Kriegen sogar. Und die Verteidigung beginnt keineswegs mit dem ersten Schuss. Im Gegenteil - sie beginnt tunlichst viele, viele Jahre vorher. Durch bereitstellen der Verteidigung und die Präsenz von Kräften, die sie jederzeit führen können.

P.S.: Übrigens - 'Verteidigung' als völkerrechtliches Streitkräfteziel im Sinne des GG ist nicht dasselbe wie die Gefechtsart 'Verteidigung' im militärischen Sprachgebrauch.

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gkiesewetter 26.01.2011, 13:18
683.

Zitat von bibernell
...Darf eigentlich ein Oberstabsarzt im Hinterzimmer seines Behandlungsraumes eine Modelleisenbahn haben ?
So sehr - oder so wenig - wie der Oberarzt einer Zivilklinik in dem seinem. Oder ein Anwalt oder ein Architekt oder sonstwer. Warum denn nicht?
Wenn er sie ins Gefecht mitnehmen wollte, würde ich ihn aber der Aufmerksamkeit eines Fachkollegen anempfehlen :)

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skruffi 26.01.2011, 13:30
684. BW und Dschungelcamp

Zitat von Palmstroem
Das Leitbild des "Bürgers in Uniform" ist unverändert richtig. Herabwürdigende Rituale und sinnloser Drill passen nicht in unsere Zeit. Dennoch muß man sich über die überbordende Skandalisierung von solchen Vorkommnissen in Zeiten wundern, in denen eine Sendung wie "Das Dschungelcamp" beste Einschaltquoten erzielt. Offenbar ist die Demütigung von Mitmenschen doch ein weitverbreitetes Laster.
Man kann nicht herabwürdigende bzw. menschenrechtsun-
würdige Rituale und Demütigungen gegenüber z.B. Wehrpflichtigen mit Abartigkeiten des Fernsehens bzw. der
zivilen Gesellschaft vergleichen. Die, die FREIWILLIG gegen
viel Geld in dieses "Dschungelcamp" gehen und genau wissen,
was sie erwartet. Das sind keine Vergleiche.

Sehr bemerkenswert halte ich die Aussagen von dem m.E.
besten BK und Verteidungsminister, den wir hatten, Helmut
Schmidt.

http://www.zeit.de/politik/deutschla...eswehr-schmidt

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IB_31 26.01.2011, 13:40
685. Ähhh.....

Zitat von gkiesewetter
Ausserdem befinden wir uns - seit rund 20 Jahren "im Krieg". In Kriegen sogar. Und die Verteidigung beginnt keineswegs mit dem ersten Schuss. Im Gegenteil - sie beginnt tunlichst viele, viele Jahre vorher. Durch bereitstellen der Verteidigung und die Präsenz von Kräften, die sie jederzeit führen können.
Soso.
Wenn also alle durch Verbrennungsmotoren angetriebenen Einheiten der Bundesmarine ausgeschaltet sind, die elektrisch angetriebenen U-Boote auch nicht mehr so richtig funzen,
dann aufgepasst ! holt die Bundesmarine zum letzten Schalg gegen den Gegner aus:

Die Segel werden gesetzt……
Doch, doch, das ist logisch………

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gkiesewetter 26.01.2011, 13:43
686.

Zitat von alpenjonny
...Soviel mir bekannt ist, gibt es längstens griffige Dienstvorschriften, wie Vorgesetzte mit niedrigen Dienstgraden umgehen müssen. ... Regelmässige, unangemedlte Kontrollen durch geeignete Führungspersonen verhindern Schikane und all die Mätzchen,die jetzt ans Tageslicht kommen....
<xbg>
Nein!
Das ist eine sehr naive, im übrigen falsche Vorstellung. Also, dass unangemeldete Kontrollen die Zahl der Skandale senken würde. Das *Gegenteil* wäre der Fall. Je mehr kontrolliert wird, um so mehr Ergebnisse (vulgo: Verstöße) werden entdeckt :)!
Das Problem ist in der Tat, dass das, was vorschriftgemäßer Umgang mit Untergebenen ist, sich nicht so operationabel beschreiben lässt, dass jeder die gleichen Abgrenzungen zieht. Es ist und bleibt unvermeidlicherweise einer Interpretation durch Untergebene, Vorgesetzte und die Öffentlichkeit zugänglich.
Und es ist so, wie ich sage: Die Grenzen, die ein "Zivilist" aus seiner Welt gewohnt ist, können idR nicht die gleichen sein, wie die, die für Soldaten gelten müssen.

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gkiesewetter 26.01.2011, 13:44
687.

Zitat von zollagent
Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist, hier wird nicht über das Abverlangen Dinge diskutiert, sonder über Auswüchse, über Perversionen der soldatischen Tugenden, ....
Und wie scheiden sie das eine vom anderen?

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gkiesewetter 26.01.2011, 14:03
688.

Zitat von IB_31
...dann aufgepasst ! holt die Bundesmarine zum letzten Schalg gegen den Gegner aus: Die Segel werden gesetzt…… Doch, doch, das ist logisch………
Für den Fall, dass sie sachlicher Argumentation, statt parodistischer Polemik zugänglich sind, erkläre ich's gerne.
Schiffe bedienen und Gefechtsabschnitte führen lernen Offiziere nicht auf der Gorch Fock. Das ist ein kurzer Abschnitt der Ausbildung zum militärischen Führer. Und zwar derjenige Abschnitt, der dazu dienen soll, ihnen das 'Wesen der Seefahrt' auf der Ebene eigenen Er- und Zusammenlebens schätzen zu lernen. Sie sollen die Rolle der Persönlichkeit und ihres Beitrags fürs Ganze erfahrbar machen. Sie soll den Kadetten Gelegenheit geben, die eigene Bewährung beim Handeln in persönliche Gefahr hinein zu erleben und den Ausbildern ermöglichen, das Vorhandensein dieser Tugenden, ihren Umfang oder eben ihr Fehlen zu erkennen.
Von 07-17 Uhr beim Routinedienst wird so etwas aber nicht erfahrbar. Und deshalb beeinhaltet das Curriculum jeder Teilstreitkraft solch einen Ausbildungsabschnitt, bei dem die Ausbildungsumgebung so gestaltet ist, dass die Eignungsgrenzen der Anwärter wirklich aufgedeckt werden können.
Das ist kein "überholtes Ritual", das ist notwendige Grenzerfahrung.

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Knippi2006 26.01.2011, 14:31
689.

Zitat von gkiesewetter
Für den Fall, dass sie sachlicher Argumentation, statt parodistischer Polemik zugänglich sind, erkläre ich's gerne.... Von 07-17 Uhr beim Routinedienst wird so etwas aber nicht erfahrbar. Und deshalb beeinhaltet das Curriculum jeder Teilstreitkraft solch einen Ausbildungsabschnitt, bei dem die Ausbildungsumgebung so gestaltet ist, dass die Eignungsgrenzen der Anwärter wirklich aufgedeckt werden können. Das ist kein "überholtes Ritual", das ist notwendige Grenzerfahrung.
Aha, und dazu ist es notwendig, übermüdete Kadetten, die zudem noch selbst angeben, es nicht mehr zu schaffen, unter Lebensgefahr die Wanten hochzujagen?

Eigentlich dachte ich, wir wären weiter als zu Zeiten der Armada, aber wenn Sie meinen ...

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