Forum: Politik
Soll der Westen in Afghanistan mit den Taliban zusammenarbeiten?

Über die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?

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Saint_Jimmy 25.01.2010, 19:22
540.

Zitat von Nachtschwester Ingeborg
Und was wollen Sie damit im Hinblick auf Afghanistan belegen?
1.) Der CIA hat bereits in Afghanistan im Drogenhandel mitgemischt (s. den Heise-Artikel, zu dem ich verlinkt habe). Und zwar in den 80ern, damals, als die Bärtigen noch die Guten waren, weil es einen gemeinsamen Feind gab.

2.) Einen Beweis, dass sich dies heute erneut so verhält, habe ich nicht gefunden. Geheimdienstaktivitäten bringen es aber häufig mit sich, dass sie erst mit einer gewissen Verzögerung (wenn überhaupt) an das Licht der Öffentlichkeit kommen. Insofern: Harren wir der Dinge, die da möglicherweise noch kommen werden (oder auch nicht).

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Joachim Voß 25.01.2010, 19:29
541.

Zitat von zenobit
Im offiziellem UNDOC-Bericht können sie die Entwicklung bis 2009 betrachten (Seite 10): Auffällig ist der enorme Anstieg im Jahre 2006. In meiner zugegebenermaßen etwas emotional geführten Argumentation wollte ich auch lediglich darauf hinweisen, dass die Taliban 2001 den Drogenanbau unter Strafe gestellt haben und Verstoße schwer geahndet haben. Sie haben recht, dass sie die beschlagnahmten Mengen zu ihren eigenen Zwecken gelagert und anschließend verkauft haben, jedoch wäre (bei Beibehaltung des Verbots) trotzdem kein "neues" Opium nachgekommen. Also wäre der Spuk faktisch nach einem weiteren Jahr vorbei gewesen. Gut wir können jetzt nicht mehr wissen, was passiert wäre, da der Afghanistan-Einsatz dazwischen kam. Und sicherlich kann man die Schwächung der Opposition als den wahrscheinlichsten Beweggrund anführen.
Sie haben Recht.
Mir ging es eigentlich nur darum darzustellen, dass die Taliban es nicht aus Nächstenliebe gemacht haben, als sie den Drogenanbau gestoppt haben. Ich hatte nämlich den Eindruck, dass man die Taliban in dieser Hinsicht ein positives Image verpassen will.

Meiner Meinung nach war es ein Fehler, dass sich die ISAF nicht um den Drogenanbau gekümmert hat. Die Geberstaaten hätten ihre Hilfsgelder an die Bedingung knüpfen sollen, dass der Drogenanbau verboten bleibt. Gleichzeitig hätten die Bauern entsprechend unterstützt gehört, damit sie Alternativen zum Drogenanbau bekommen. Leider hat man dies nicht gemacht, mit den bekannten Folgen.

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zenobit 25.01.2010, 19:31
542.

Zitat von Claes Elfszoon
Bei Nasrat bin ich etwas zurückhaltender, ob er so für die wazirischen Taliban sprechen kann oder die nicht, wenn es darauf ankommt ihr eigenes Süppchen kochen und damit allen anderen wieder einen Anlaß zum Losschlagen geben, dafür möchte ich nicht einstehen müssen. Aber wenigstens ist Bewegung im Prozeß und das kann für De-eskalierungsprofis, wie sie der Westen vor Ort bereithät, eine gute Vorlage sein.
Natürlich muß man seine Worte auch mit Vorsicht geniessen, aber ganz abwegig finde ich sie nicht. Man hört immer häufiger von solchen Gesprächsangeboten. Und wenn ich dem Krieg überhaupt etwas positives abgewinnen möchte, dann ist es diese Entwicklung. Die Taliban haben auch ihre Zustimmung zum Schulbesuch von Mädchen signalisiert. Ein weiterer positiver Lerneffekt. In diesem Fall sogar nachweislich glaubhaft. Ich habe in diversen Beiträgen schon öfter auf die Arbeit der Kinderhife-Afghanistan hingewiesen. Diese baut Schulen für Mädchen gerade in den Talibanhochburgen im Osten. Sie schaffen es mit steten Kontakt (~Taliban) und mit Verhandlungen, dass diese unbeschadet bleiben.

Die Sache mit den wazirischen/pakistanischen Taliban ist natürlich schwierig einzuschätzen. Ob sie auf die Autorität der afghanischen Taliban hören ist fraglich. Einen Versuch die beiden Gruppen (die sich auch nicht sonderlich gut verstehen sollen) zu spalten wäre aber vielleicht erfolgversprechend!
Zitat von Claes Elfszoon
Dazu braucht man aber eine glaubwürdige militärische Druckkulisse im Hintergrund (auch für die erste Zeit nach der Einigung), vielleicht nicht unbedingt durch westliche Truppen innerhalb Afghanistans.
Hier bin ich mir auch nicht vollkommen sicher. Eine Schutztruppe (am besten muslimisch) ist auf jeden Fall ratsam. Da sind wir uns ja auch einig. Mir leuchtet nur nicht die Truppenverstärkung ein. Laut General McChrystal sollen die Taliban ja verandlungsbereit "gebombt" werden. Ich habe eher die Befürchtung, dass sie momentane Bereitschaft dadurch wieder zerstört werden könnten. Da kann man sich eher über die ernstgemeinte :-) deutsche Verstärkung von 500 Soldaten freuen!
Zitat von Claes Elfszoon
Wenn es schon ein Wagnis sein soll, auch die andere Seite des Konfliktes zu zitieren, dann müßte das Zitieren manch unqualifizierter Einlassung deutscher Politiker doch fast schon mutprobenpflichtig sein.
Naja- bin einiges gewohnt hier..

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Nachtschwester Ingeborg 25.01.2010, 19:31
543.

Zitat von zenobit
In meiner zugegebenermaßen etwas emotional geführten Argumentation wollte ich auch lediglich darauf hinweisen, dass die Taliban 2001 den Drogenanbau unter Strafe gestellt haben und Verstoße schwer geahndet haben.
Nun ja, was ist in diesem Report zu lesen:

When the Taliban were in power (in the late 1990s) they
extracted US$ 75-100 million a year from taxing opium.


und weiter:


In the 2005-2008 period the cumulative revenue from
opiate farming and trade accruing to Taliban insurgents
is estimated at US$ 350-650 million, or an annual average
of US$ 90-160 million in Afghanistan alone. This
estimate does not include insurgents’ potential revenues
from other drug-related activities (labs, imports of precursors)
in Afghanistan and from the US$1 billion opiate
trade in Pakistan.


Was also wollen Sie damit beweisen? Dass die Taliban mit Drogen sehr viel Geld verdienen hatte ich hier schon mehrfach belegt.

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lassedoch 25.01.2010, 19:33
544. Afghanistan wird zum Härtetest für Westerwelle

aber das Forum dazu ist geschlossen. Wir brauchen dringend Neuwahlen. Mit Westerwelle und der FDP in der Regierung gehen wir vor die Hunde. Himmel hilf!

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Nachtschwester Ingeborg 25.01.2010, 19:34
545.

1.) Der CIA hat bereits in Afghanistan im Drogenhandel mitgemischt (s. den Heise-Artikel, zu dem ich verlinkt habe). Und zwar in den 80ern, damals, als die Bärtigen noch die Guten waren, weil es einen gemeinsamen Feind gab.

2.) Einen Beweis, dass sich dies heute erneut so verhält, habe ich nicht gefunden. Geheimdienstaktivitäten bringen es aber häufig mit sich, dass sie erst mit einer gewissen Verzögerung (wenn überhaupt) an das Licht der Öffentlichkeit kommen. Insofern: Harren wir der Dinge, die da möglicherweise noch kommen werden (oder auch nicht). Den Beweis haben Sie nicht gefunden und der Heise Artikel belegt auch rein gar nichts in dieser Richtung. Was also wollen Sie erzählen?

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Alter_Reservist 25.01.2010, 19:35
546.

Zitat von RagnarLodbrok
Während die Opiumproduktion durch das Verbot der Taliban völlig einbrach und fast auf Null sank, laut UNO Statistik im Jahre 2001, stieg nach dem US-geführten Krieg die Produktion höher als die Jahre zuvor.[25] 2006 betrug der Handel mit Opium 46 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Anbaufläche für Schlafmohn stieg seit der Beseitigung des Taliban-Regimes kontinuierlich, im Jahr 2006 erneut um 59 Prozent auf rund 193.000 Hektar. Nach Angaben des UNO-Büros für Drogen und Verbrechen wurden im Jahr 2006 über 6.000 Tonnen Opium geerntet, das entspricht 92 Prozent der gesamten Weltproduktion. Der Exportwert dieses Opiums liegt nach Angaben des Außenministeriums der Vereinigten Staaten bei 3,1 Milliarden US-Dollar, dagegen liegt der Straßenpreis bei rund 38 Milliarden US-Dollar.
Und wie sind die aktuellen Zahlen seit 2006?
Wo liegen die Anbaugebiete?

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lebenslang 25.01.2010, 19:38
547.

Zitat von adama.
Im Irak und Afghanistan treffen sich die fanatisierten Moslems der ganzen Welt, die schon bei der Anreise bereit sind ihr Leben zu opfern. Die kann man nicht kaufen.
sicher religiös motivierte mit der waffe in der hand missionierende hard-core taliban und international agierende islamische testosteron-rabauken wird man nicht kaufen können.

damit sich deren unwesen im wesentlichen auf afghanistan beschränkt ist es wichtig in afghanistan militärisch präsent zu sein um sich dort mit ihnen zu schlagen und diese möglichst klein zu halten.

sollte afghanistan in die hände islamischer fanatiker fallen zieht der djihad-wanderzirkus weiter, vielleicht verstärkt nach pakistan oder in den norden, man wird auch mal wieder den golf antesten wollen.

wichtig ist das diesen djihad-rabauken keine ruhezone überlassen wird, erdlöcher sind der angemessenen unterschlupf.

dieser harte kern läßt sich nicht schnell und unbegrenzt bei verlusten vermehren, um schlagkräftig zu bleiben brauchen sie die unterstützung einheimischer milizen, stammesführen und klammen afghanischen söldlingen, daraus rekrutiert sich deren kanonenfutter im kampf gegen die westlichen truppen und afghanischen sicherheitskräfte.

hier kann es durchaus sinnvoll sein mit finanziellen mitteln wirken zu wollen.

das man in afghanistan schnell die weiten wechselt wenn man sich einen vorteil erhofft hat das jahr 2001 gezeigt, innerhalb weniger wochen war der taliban-spuk vorbei, man hat rasch und konsequent auf den sieger gesetzt.

vieles hängt davon ab, ob man im laufe des jahres die militärische verstärkung sinnvoll einsetzen kann um den druck auf die weichen ränder der taliban zu erhöhen es lieber doch mal geld mit geld zu versuchen.

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gg art 5 25.01.2010, 19:42
548.

Zitat von Joachim Voß
Sie haben Recht. Mir ging es eigentlich nur darum darzustellen, dass die Taliban es nicht aus Nächstenliebe gemacht haben, als sie den Drogenanbau gestoppt haben. Ich hatte nämlich den Eindruck, dass man die Taliban in dieser Hinsicht ein positives Image verpassen will. .
Richtig. Es waren und sind rein religiöse Gründe.

"Im Jahr 2000 haben die Taliban den Opiumanbau aus religiösen Gründen verboten. Warum lasst ihr den Anbau nun zu?
Wir haben den Opiumanbau nicht legalisiert. Während unserer Herrschaft haben wir das Opium-Problem mit einem einzigen Befehl eliminiert. Seit das Land unserer Herrschaft entrissen wurde, haben die Bauern von neuem mit dem Anbau begonnen. Karzai und die 42 Koalitionsstaaten können sie nicht stoppen. "

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/200...st-global.html

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henningr 25.01.2010, 19:43
549.

Zitat von Michael Schnarch
Ich habe Wahlen gesagt, nicht demokratische Wahlen. Aber nicht einmal das gab es bei den Taliban. Die Taliban waren die Okkupanten, nicht Karzai
Achso, hauptsache Wahlen veranstalten, egal ob das Ergebnis schon vorher feststeht. Ist m.E. rausgeschmissenes Geld und nur ein zusätzliches, unnötiges Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung - aber wenn Sie Demokratiefan dies anders sehen...

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