Forum: Politik
Soll die Wehrpflicht abgeschafft werden?

Verkürzung, Aussetzen - was tun mit der Wehrpflicht? Bundeskanzlerin und Verteidigungsminister sind sich weitgehend einig, dass etwas geschehen muss, doch wie weit die Entscheidung gehen soll, steht nicht fest. Soll die Wehrpflicht lieber gleich ganz abgeschafft werden? Kommt die Berufsarmee?

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Meckermann 12.06.2010, 09:27
1. weg damit

Die Wehrpflicht besteht eh nur noch als Rechtsgrundlage für den Zivildienst, der mit der letzten Verkürzung auch grenzwertig sinnlos geworden ist, also einfach weg damit. Verteidigungstechnisch dürfte sie etwa so wichtig sein wie die Kavallerie - die war früher auch mal toll, hat sich aber inzwischen überlebt...

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gloriaD 12.06.2010, 09:33
2. Ach ja, die Geschichte mit der geschichte .... I

Zitat von fatalismo
Der erste Bundespräsident unserer Republik, Theodor Heuss, hat bei seinem ersten Besuch der ersten Bundeswehrtruppe bemerkt: 'Dann siegt mal schön!' Ironie oder Sarkasmus? Wenige Jahre zuvor - anderthalb, exakt - hatte der Kanzler Adenauer noch erklärt, dem 'Deutschen solle die Hand abfaulen, der auch nur noch einmal ein Gewehr anfasst.' Ziemlich schamlos die Lüge, denn die präzisesten Daten belegen, dass zum Zeitpunkt des Zitats schon längst ausländische Abnehmer auf 'made in germany' abgefahren waren.
Nein, es war nicht der Alte aus Rhöndorf, der diesen legendären Satz gelogen hat, es war sein ebenso wahrheitsverliebter Helfer Franz Josef Strauß, der schon damals den Posten des noch nicht existierenden Verteidigungsministers im Auge hatte.

Adenauer allerdings hatte am 4.12.1949 erklärt:
„In der Öffentlichkeit muss ein für allemal klargestellt werden, dass ich prinzipiell gegen eine Wiederaufrüstung der Bundesrepublik Deutschland und damit auch gegen die Errichtung einer neuen deutschen Wehrmacht bin.“während er zur gleichen Zeit bereits mit den USA in Verfolgung von Trumans „containment“-Doktrin“ gegen die Sowjetunion über einen "deutschen Wehrbeitrag" von 500.000 Soldaten verhandelte.
In einer Vortragsnotiz der „Dienststelle Blank“, die zur organisatorischen, propagandistischen und ideologischen Vorbereitung militärischer Maßnahmen eingesetzt worden war, heißt es dazu, „der Begriff Remilitarisierung (sei) wegen seiner Nähe zum Begriff ‚Renazifizierung’ zu vermeiden.“
Als Alternative wurde vorgeschlagen: „Besser: ‚Eingliederung in die europäische Abwehrfront aus Notwehr“.

Im Oktober 1950 trat Gustav Heinemann, der spätere Justizminister und dann Bundespräsident, aus Protest
gegen die von ihm ausdrücklich so bezeichnete „Remilitarisierungspolitik“ der Regierung Adenauer als Innenminister zurück.

Alles das scheint heute vergessen zu sein und das Ob und das Wie einer militärischen Einrichtung wird nicht mehr in einen Zusammenhang gestellt, weil das Ob selbstverständlich erscheint und das Wie nur noch nach dem Prinzip betrachtet wird: "Was betrifft mich am wenigsten?"
Dabei würde doch gerade die Vorstellung, dass eine Armee nur im aller äußersten Notfall als ultima ratio eingesetzt werden sollte, wie das den meisten Bundesbürgern ganz selbstverständlich erscheint, nahelegen, diese Bremse nicht nur in die Verfassung zu schreiben, sondern auch mit aktiven Wächtern in der Praxis zu versehen wie das bisher der Fall war und jetzt in Frage gestellt wird.
das könnte sich als verhängnisvoller Fehler erweisen!

Die Bundeswehr wäre nicht die Bürgerarmee und die Bundesrepublik läge vielleicht längst in Schutt und Asche, wenn von Anbeginn die Wehrpflicht nicht eine wirksame Bremse gegen militärische Abenteuer dargestellt hätte.

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gloriaD 12.06.2010, 09:35
3. Ach ja, die Geschichte mit der Geschichte .... II

Zitat von mundi
Als 1952/53 im Bundestag um die Änderung des Grundgesetzes zwecks Wehrpflicht gerungen wurde, gab es leidenschaftliche Debatten, quer durch alle Parteien. Die Lage war ernst, der Westen fühlte sich durch die zum Aufmarsch bereiten Warschauer Pakt-Staaten mächtig bedroht. Trotzdem ist die Entscheidung für die Wehrpflicht den Abgeordneten sehr schwer gefallen, .... Ich behaupte: Würde man heute versuchen, die Wehrpflicht neu einzuführen, gäbe es im Bundestag keine Mehrheit, ... Somit wäre das Aussetzen der Wehrpflicht der richtige Schritt.
Nein, die Diskussion ging 1952/53 nicht eigentlich um die Wehrpflicht, sondern um die "Remilitarisierung der Bundesrepublik", wie das so selbst von den Verfechtern dieser Politik ganz offen genannte wurde, also um das Ob der erneuten Aufstellung von Streitkräften. Das scheint heute gänzlich vergessen zu sein.
Dass es - wenn schon - eine Wehrpflichtarmee sein würde, war nicht wirklich streitig. Die alten Nazi-Offiziere, die Ihre Bereitschaft zum Mitmachen davon abhängig machten, wurden inklusive SS!! durch Ehrenerklärung der USA in voller Kenntnis deren Kriegsverbrechen und Vökermordaktionen rehabilitiert (mit Verbrechern zusammenzuarbeiten, gehörte schon damals zur Politik der USA!).

Nein, "der Westen" fühlte sich 1952/53 nicht "durch die zum Aufmarsch bereiten Warschauer Pakt-Staaten mächtig bedroht". Die Gründung des Warschauer Paktes 1955 war die Antwort auf den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur "Westeuropäische Union", die am 23.10.1954 als kollektiver militärischer Beistandspakt gegründet wurde.

Die Einrichtung der Wehrpflicht war nicht die Antwort auf irgendeine - inzwischen weggefallene - Bedrohung von außen, sondern Antwort auf die vorausgegangene Entscheidung zur Remilitarisierung Deutschlands. Wenn schon wieder Armee, dann sollte es nicht eine sein, die als Staat im Staat existieren kann, sondern eine, die in vollem Umfang in der Hand der Bürger ist. Daher stammt die Idee vom "Bürger in Uniform" und so hat sich die Bundeswehr im Laufe der Jahrzehnte - bei aller angebrachten Kritik im Detail - zu einer beachtlich demokratischen Bürgerarmee entwickelt.

Die Verhältnisse haben sich in 60 Jahren geändert. Die Gefahr der alten Nazi-Generale gibt es nicht mehr. An deren Stelle ist die Gefahr der neuen Weltstrategen getreten, die überall auf der Welt Märkte und Handelswege, Profite und Herrschaftsansprüche mit militärischer Gewalt sichern wollen.
Da gilt es um so mehr, dafür zu sorgen, dass das militaristische Instrumentarium nicht lediglich in der immer weniger wirksamen parlamentarischen Kontrolle bleibt, sondern dass es unmittelbar die Bürger in ihrer ganzen Breite betrifft, wenn wieder zum Krieg geblasen wird.
Wenn es überhaupt ein einigermaßen wirksames Mittel der Kontrolle gegen den Missbrauch militärischer Mittel gibt, dann ist es das der unmittelbaren Betroffenheit der Gesellschaft insgesamt.
Die abenteuerliche Afghanistan-Strategie wäre kaum denkbar, wenn es Wehrpflichtige getroffen hätte.
Wir wüssten viel mehr über das, was dort wirklich passiert, wenn Wehrpflichtige tagtäglich von dort berichten würden, denen nichts schlimmeres als das Beste passieren könnte: die Entlassung, und nicht Zeit- und Berufssoldaten, die um ihren Job fürchten müssen, wenn sie offen berichten.

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Skade 12.06.2010, 09:38
4. besondere Verankerung in der Gesellschaft

Familienministerin Schröder meint also das die Bundeswehr für eine besondere Verankerung in der Gesellschaft sorgt.
Aber doch nur im männlichen Teil der Gesellschaft.
Ist das nich ein ziemliches "Ungleichgewicht" oder will sie ihre Geschlechtsgenossinnen jetzt auch zur Bundeswehr schicken?

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sukowsky 12.06.2010, 09:40
5. Das gibt es auch selten

Das gibt es auch selten, dass ein Verteidigungsminister seine Soldaten im Regen stehen läßt, es sei denn es ist der ausdrückliche Wunsch der Generäle die für die heutigen militärischen Aufgaben Soldaten benötigen die auch für die Einsätze taugen.

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yomow 12.06.2010, 09:40
6. Abschaffen - endlich!!

Dieses Relikt aus dem Kalten Krieg gehört abgeschafft. Kein Soldat, der bei der Grundausbildung war, muss jemals wieder zurück zu dem Laden. Die ersten 3. Monate sind hart, die letzten 6 (bald nur noch 3) sind saufen und unnötiges früh aufstehen. Darauf kann man verzichten.

Am Ende wird einem ein Jahr seiner Zeit geraubt (natürlich nur dem männlichen Teil der Gesellschaft). Das ist unfair und auch darum ist es gut, dass es bald wegfällt.

Krankenhäuser, Kindergärten, Essen auf Rädern, Gemeinden usw. werden wohl auf die Barrikaden gehen, da ohne Zivis in vielen Bereichen absolut nichts mehr geht, aber im Grunde ist es auch nur gut, wenn dieses Lohndumping für 2,5€ die Stunde zu arbeiten endlich aufhört.

War natürlich klar, dass die CDU/CSU sich größtenteils dagegen stellt. Und das natürlich aus rein ideologischen Gründen!

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ernie30 12.06.2010, 09:42
7. Ein großer Fehler...

Hallo,

ich persönlich halte die Abschaffung der Wehrpflicht für einen der größten Fehler, welche die Politik nun machen kann.

Man muss sich mal vor Augen führen, welche Gründe für die Urväter unseres Landes für die Einführung einer Wehrpflicht gesprochen haben. Hier muss man zwischen den Unterschieden der Einführung einer Armee und der Einführung einer Wehrpflicht strikt unterscheiden.

Eine Wehrpflicht hat nicht nur die Aufgabe einen hohen Anteil an Waffenträgern auszubilden, sondern sollte es gerade in Deutschland verhindern, das sich ein sogenannter "Staat im Staat" bildet.

Natürlich kostet eine Wehrpflichtarmee Geld und ist auch mit den liberalen Grundsätzen vieler Menschen nicht mehr vereinbar, aber es ist die letzte große Pflicht eines deutschen Mitbürgers gegenüber seinem Vaterland, was aber auch den allgemeinen Werteverfall unserer Gesellschaft wiederspiegelt.

Ich halte es also für einen Fehler, das ökonomische Interessen vor die eigentliche Idee der "Bürger in Uniform"-Idee gestellt wird. Das wäre mir auch ein Prozent Mehrwertsteuererhöhung wert.


Mfg

ernie

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wusalio 12.06.2010, 09:42
8. Die Antwort lautet:

JA, natürlich sollt man die Wehrpflicht endlich abschaffen.

Ich wurde zu Beginn meines Studiums eingezogen (2. Semester) um dann 3 Monate Grundausbildung zu absolvieren und die restliche Zeit Kieselsteine von den Wiesen aufzulesen!

Der einzige Grund sich noch an die Wehrpflicht zu klammern, ist wohl der, dass man nicht auf die Zivis verzichten kann.. (wer arbeitet schon für 300eu im monat..)
Aber hier wär doch mal ein Klasse Einsatzgebiet für Arbeitslose.

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alsibra 12.06.2010, 09:43
9. Hallo

Zitat von chirin
Eine Berufsarmee hatte Frankreich mit den Fremdenlegionären. ... Wenn wir weiter einsparen - auch bei den Politikern - oder gerade bei denen, können wir unsere Budneswehr, die wir hier auch für Notzustände - wie Flut benötigen - locker weiter halten. Nebenbei , eine Verweigerungspfeife hätte ich sowieso nie geheiratet.
Frauen sollten sich beim Thema einseitiger ZWANGSDIENSTE für Männer besser zurückhalten ...

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