Forum: Politik
Soll die Wehrpflicht abgeschafft werden?

Verkürzung, Aussetzen - was tun mit der Wehrpflicht? Bundeskanzlerin und Verteidigungsminister sind sich weitgehend einig, dass etwas geschehen muss, doch wie weit die Entscheidung gehen soll, steht nicht fest. Soll die Wehrpflicht lieber gleich ganz abgeschafft werden? Kommt die Berufsarmee?

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oasis 30.08.2010, 15:07
2610.

Zitat von alsibra
Mein Gehirn zeigt mit Sicherheit nicht die starre Blockade hinter der Sie all Ihre Argumente verstecken
Mut zum Klartext halt.
Wirklich schade, dass Sie sich abgemeldet haben. :(

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gloriaD 31.08.2010, 07:51
2611. Mit Wehrpflichtigen könnte man heute solche Kriege nicht führen .......

En kleines Schlaglicht auf die Frage, was denn eigentlich eine Gesellschaft am Kriegführen stört und wie sie mit dem Leben ihrer eigenen Soldaten umgeht, gibt ein fast nebensächlicher aber lesenswerter Bericht der FR:

Zitat von
(...) Bis zum 6. April 2009 war die Ankunft der Kriegstoten in Dover ein Geheimnis. Reporter waren nicht zugelassen, Familien auch nicht. Besorgt um den Rückhalt in der Bevölkerung wollte Präsident George Bush im Golfkrieg....
Die, die da in der Eisbox zurückkommen, müssen sich immer sagen lassen, sie hätten es ja schließlich gewusst, als sie sich verpflichtet haben.
Mit Wehrpflichtigen könnte man heute solche Kriege nicht führen, ohne die nächste Wahl zu verlieren.

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gloriaD 31.08.2010, 08:34
2612. Abmeldung als ultimativer Protestschrei gegen die empfundene Demütigung

Zitat von alsibra
entlarven Sie einmal mehr als FälscherIn die Aussagen anderer so verfälscht dass . Mein Gehirn zeigt mit Sicherheit nicht die starre Blockade hinter der Sie all Ihre Argumente verstecken : es passt Ihnen einfach nicht dass einer hier die Wehrpflicht als das bezeichnet was es ist : . Ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht ...
Der Zusammenhang macht die Sache nicht besser. Hier ist er:
Zitat von alsibra
Interessant ist an solchen Texten im vorliegenden Zusammenhang ja alleine, aus welchen Elementen sich der Widerstand gegen die Wehrpflicht zu einem erheblichen Teil dort speist, wo er sich auf die beklagte "schreiende Ungerechtigkeit" durch die Ungleichbehandlung der Geschlechter bei der Heranziehung beruft:
"Frauen und Zwang" sind da häufig symbolisch ein und dasselbe, manchmal angstbesetzte Komplementärbegriffe und manchmal fast schon Synonyme.
Und so wird "Mann" der Gedanke unerträglich, dass gleichsam die Frauen der ganzen Welt zusehen, wie er sich vor ihnen im ohnehin verhassten Dienst erniedrigen muss, wo doch vielleicht das genaue Gegenstück dem geheimen Wunsch entspräche. Die Demütigung findet im eigenen Kopf statt.
Da gibt es durchaus eine gewisse Seelenverwandtschaft zum Militarismus oder jedenfalls geistige Berührungspunkte.
Die Abmeldung war dann wie die "Fahnenflucht" der ultimative, sprachlose Protestschrei gegen die empfundene Demütigung, weil ein Verbalisierung dieser Wut nicht mehr gelingen konnte. Schade.

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zerberus und co. 31.08.2010, 19:49
2613. Auch dieser Tod ist so "freiwillig" wie die Verpflichtung zum Dienst

Zitat von gloriaD
Ein kleines Schlaglicht auf die Frage, was denn eigentlich eine Gesellschaft am Kriegführen stört und wie sie mit dem Leben ihrer eigenen Soldaten umgeht, gibt ein fast nebensächlicher aber lesenswerter Bericht der FR: Die, die da in der Eisbox zurückkommen, müssen sich immer sagen lassen, sie hätten es ja schließlich gewusst, als sie sich verpflichtet haben. Mit Wehrpflichtigen könnte man heute solche Kriege nicht führen, ohne die nächste Wahl zu verlieren.
Hier der zugehörige Link: http://www.fr-online.de/politik/heim...0/-/index.html
Instruktiv ist volle Passage:
Zitat von FR
(...) Bis zum 6. April 2009 war die Ankunft der Kriegstoten in Dover ein Geheimnis. Reporter waren nicht zugelassen, Familien auch nicht. Besorgt um den Rückhalt in der Bevölkerung wollte Präsident George Bush im Golfkrieg 1991 keine Bilder von der Heimkehr gefallener Soldaten. Seine Nachfolger blieben dabei. Offiziell ging es darum, die Würde der Toten zu schützen. Erst Barack Obama machte mit der Geheimniskrämerei Schluss. Kriegsgegner hatten das immer wieder gefordert. (...) Meist kommt nur Steve Ruark, ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP. (...) Ruark hat gelernt, die Presseerklärungen des Pentagon zu entschlüsseln:
Das zeigt, dass es zwei Seiten der Medaille gibt, die nicht zu trennen sind:
Die Öffentlichkeit interessiert sich nicht für das Schicksal der "Freiwilligen", weil sie ihr einen Teil der eigenen dunklen Seite abnehmen.
Wenn es die Eigenen trifft, hilft auch alle ideologische Verbrämung des Sterbens nichts!

Die steigende Selbsttötungsrate ist ein Indikator für das Problem der "Freiwilligkeit". Auch dieser Tod ist so "freiwillig" wie die Verpflichtung zum Dienst.

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Joachim Kr. 31.08.2010, 20:20
2614.

Zitat von gloriaD
... Die Bundeswehr wäre nicht die Bürgerarmee und die Bundesrepublik läge vielleicht längst in Schutt und Asche, wenn von Anbeginn die Wehrpflicht nicht eine wirksame Bremse gegen militärische Abenteuer dargestellt hätte.
Sehr schön recherchiert, mein Lob!
Habe vor Jahrzehnten Zivildienst geleistet. Habe damals geglaubt, man käme ohne Wehrhaftigkeit aus und die Anwesenheit von Wehrpflichtigen würde Militaristen nicht wirklich bremsen. Srebreniza hat mich eines besseren belehrt. Wir europäischen Moralapostel haben diskutiert, die Serben haben Fakten geschaffen und nur die vermeintlich imperialistischen Amerikaner haben endlich eingegriffen. Wir brauchen die wehrhafte Demokratie. Also am besten Professionelle, die wirksam kontrolliert werden.

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Peet89 31.08.2010, 22:50
2615. Überflüssige Grundausbildung,,,

Zitat von Joachim Kr.
Wir brauchen die wehrhafte Demokratie. Also am besten Professionelle, die wirksam kontrolliert werden.
Professionell, bitte schön! Aber dann als Berufsarmee. Ist hier jemand der was zur aktuellen Ausbildung der Bundeswehr sagen kann? Wenn ja, bitte melden!

Das was ich erlebt habe, war ein großer Witz...Da kann jeder Feind Urlaub nehmen und wir würden verlieren. Es werden teilweise Szenarien aus dem Kalten Krieg nachgestellt, die mit der momentanen Lage bzw. den momentanen Kriegen mal absolut nichts am Hut haben.

Hier ein Beispiel:

- Seeland steht 50 Kilometer im Landesinnere!
- Stärke: 50.000 Soldaten
- Ausrüstung: Stark gepanzert

Auftrag: Wichtige Stellungen zu sichern und Feind, wenn möglich, zurück drängen.

Wofür brauchen wir solche Szenarien noch?

Wir leben hier im Frieden. Alle unsere Nachbarn sind engste verbündete. Wenn überhaupt würde sich eine schlagfertige und jeder Zeit einsatzfähige Berufsarmee deutlich mehr rentieren. Meine Grundausbildung bestand aus Kaffee kochen und dumme Melden ein Zimmer weiter bringen. Die Ausbildung mit dem G36 oder der P8 ist absolut lächerlich. Falls es zum großen Krieg kommt, kann jeder der hier lebenden innerhalb von zwei Stunden lernen ein G36 zu benutzen...Die Waffe ist so einfach zu handhaben, da wird jeder hier innerhalb ein paar Stunden zum guten Schützen.

Selbst unsere Ausbilder zweifeln sehr stark an der Grundausbildung bzw. dem Wehrdienst. Sie sagen, das man sich lieber auf das wesentliche Konzentrieren solle. Nachwuchsgewinnung und den Einsätzen weltweit. Und wer gerne Cowboy und Indianer spielen will, der soll das für sich entscheiden.

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ANDIEFUZZICH 31.08.2010, 23:00
2616. Berufsarmee

Zitat von Peet89
Professionell, bitte schön, Hier ein Beispiel: - Seeland steht 50 Kilometer im Landesinnere! - Stärke: 50.000 Soldaten - Ausrüstung: Stark gepanzert Auftrag: Wichtige Stellungen zu sichern und Feind, wenn möglich, zurück drängen. Wofür brauchen wir solche Szenarien noch? Wir leben hier im Frieden. Alle unsere Nachbarn sind engste verbündete. Wenn überhaupt würde sich eine schlagfertige und jeder Zeit einsatzfähige Berufsarmee deutlich mehr rentieren. Meine Grundausbildung bestand aus Kaffee kochen und dumme Melden ein Zimmer weiter bringen. ...für sich entscheiden.
Soweit es das Grundgesetz erlaubt...

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gloriaD 01.09.2010, 21:58
2617. Geht es denn immer nur in Extremen?

Sehr schön recherchiert, mein Lob!
Habe vor Jahrzehnten Zivildienst geleistet. Habe damals geglaubt, man käme ohne Wehrhaftigkeit aus und die Anwesenheit von Wehrpflichtigen würde Militaristen nicht wirklich bremsen. Srebreniza hat mich eines besseren belehrt. Wir europäischen Moralapostel haben diskutiert, die Serben haben Fakten geschaffen und nur die vermeintlich imperialistischen Amerikaner haben endlich eingegriffen. Wir brauchen die wehrhafte Demokratie. Also am besten Professionelle, die wirksam kontrolliert werden. Was Sie als Ihre Erfahrungsgeschichte beschreiben, haben viele so erlebt und empfunden: Die aus der Erfahrung des 2. Weltkrieges geborene intuitive Abwehr gegen jeglichen Militarismus, das "Nie wieder Krieg" wurde zunächst gleichsetzt mit "Nie wieder Soldat sein!".
Das war nur die halbe Wahrheit, nur die halbe Wirklichkeit, die da gesehen wurde.

Allerdings scheint mir das mit einem anderer Effekt einherzugehen, der sich fatal auswirken könnte:
Viele derer, die so dazugelernt haben, haben dann einfach genauso pauschal die Seiten gewechselt und reden nun in der Sprache der Militaristen von "Moralaposteln", als ob Ethik und Moral im Zusammenhang mit Krieg damit erledigt und gleichsam abgehakt seien, erledigt, Jugendtorheiten, vergessen: Jetzt darf wieder gebombt werden?
Viele wollen gar auf ihre frühere Position gar nicht mehr angesprochen werden, schämen sich dafür und meinen, durch besondere Bekenntnisse zum Militarismus Abbitte tun zu müssen.

Geht es denn immer nur in Extremen?
► Bleiben Krieg und militärische Gewalt nicht auch dann Mord und Rückfall in die Barbarei, wenn wir nicht vollständig und für jeden denkbaren Fall darauf verzichten können?
► Ist nicht die Lehre aus einem Kriegsinferno, das die ganze Menschheit und die Welt, die Kulturen, unser Denken und Fühlen bis in die letzten Winkel tief erschüttert und verändert hat, einerseits und der Erkenntnis, dass das Potential zum Völkermord mit dieser Erschütterung gleichwohl nicht verschwunden ist, andererseits, ist nicht die Lehre daraus, dass die Regeln und Maßstäbe für die Anwendung militärischer Gewalt andere werden müssen?
► Ist die lehre nicht, dass wir uns mit aller Macht dafür einsetzen müssen, dass die Bedingungen, unter denen wir bereit sind, zu diesen Mitteln zu greifen, grundsätzlich enger definiert und deren Einhaltung durch andere, wirksame Maßnahmen abgesichert werden müssen?

► Bleibt nicht als Resultat aus dieser doppelt bitteren Erkenntnis die vervielfachte Notwendigkeit, die Bestie Militarismus mit den Maßstäben der Ethik und der Moral zu zügeln - auch und gerade dann, wenn man auf sie nicht gänzlich verzichten kann?

Wenn wir in dieser Sache nach dem Motto verfahren "Ist die Moral erst ruiniert, bombt sich‘s gänzlich ungeniert", dann wäre das Infernos zweier Weltkriege, der letzte mit 50 Millionen Toten, letztendlich nicht der erhoffte und viel beschworenen Schock gewesen, der zur Selbstbeherrschung führt und zur Einsicht, dass der nächste Krieg der letzte der Menschheit sein könnte, sondern der Dammbruch, der buchstäblich alles für legitim erklärt.

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gloriaD 01.09.2010, 22:13
2618. Die wirklichen Motive, die Wehrpflichtigen als Bürger in Uniform loszuwerden

Zitat von SZ
Verteidigungsminister Guttenberg will die Bundeswehr umbauen, mehr Soldaten sollen ins Ausland geschickt werden. . Die Bundeswehr soll künftig trotz der angestrebten deutlichen Verkleinerung mindestens 10.000 Soldaten . Das wären 3000 mehr, als derzeit verfügbar sind. Dies kündigte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Mittwoch im Verteidigungsausschuss des Bundestags an.
Der Herr zu G. möchte gerne bei den Großen mitmischen und sich dann gelegentlich vor eindrucksvoller Kulisse mit ein paar archaischen Kämpfern ablichten lassen. Das putzt ungemein und macht was her im Milieu - in seinem.

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Schurawi 02.09.2010, 02:53
2619.

Zitat von gloriaD
Viele derer, die so gelernt haben, haben dann einfach genauso pauschal die Seiten gewechselt und reden nun in der Sprache der Militaristen von "", als ob Ethik und Moral im Zusammenhang mit Krieg damit erledigt und gleichsam abgehakt seien, erledigt, Jugendtorheiten, vergessen: ?.
Und das passiert genau deswegen, weil nach dem 2 WK schon so vielen Jahren vergangen sind. Das die Leute haben schlicht und einfach vergessen, wie ist es so, seine Kinder oder Eltern zu Grabe tragen! Was ist das für ein unendliches Leid!!!! Die Leute kennen das nur aus Filmen und Action- Serien! Die „Hemmungs- schwelle“ ist zurzeit so niedrig, dass die Leute sind steht’s bereit, für irgendwelche illusorischen Werte, haufenweise Menschenleben auf den Altar zu werfen! Aber nicht seines eigenes! Sonder von irgendwelchen Söldnern, die „für Apfel und Ei“ für Sie und Ihren Werte sterben müssen!

Und genau deswegen bin Ich für die Wehrpflicht! Damit jeder kriegt dieses Gefühl, eine Waffe in den Händen zu halten! Um endlich zu begreifen, was für Wirkung hat sie!!! Damit Sie auch einsehen, das nur im Film ist es so einfach! Im wahrem Leben ist der Krieg- eine widerliche „Gott verdammte“ Arbeit!!!!
Warum Ihre Meinung nach, nach dem 2 WK haben so viele gesagt: Nie wieder Krieg!!
Weil Sie haben das nicht aus Filmen gewusst, was es bedeutet!!!! Sonder auf Ihrem eigenen Leib erfahren!!!
Versuchen Sie es einem kleinen Kind beizubringen, die heiße Herdplatte nicht anzufassen! Sie können Sich den Mund „fransselig“ reden! Er begreift das so lange nicht bis Er hat damit „eigene Erfahrung“ gemacht hat. Erst dann weißt Er, was ist „heiߓ und wie schmerzhaft so was ist! Und rührt das nie wieder an! Aber Ihm seine Kinder werden es Ihm wieder nicht „aufs Wort“ glauben!
Über eins bin Ich Mir aber todsicher. Diejenige, auf Die schon mal wurde geschossen und diejenige, die auf Menschen geschossen haben und seine Kameraden „Stückelweise“ vom Feld räumen müssten. Die werden nur im „äußeren Notfall“ wieder eine Waffe anpacken!!!

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