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Sozialdemokratie in der Krise: Vorwärts nimmer, abwärts immer
picture alliance / Hendrik Schmidt

In ganz Europa kämpfen sozialdemokratische Parteien gegen den Bedeutungsverlust. Eine der ältesten politischen Ideen ist in der Krise. Eine Bestandsaufnahme.

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zeichenkette 26.12.2017, 23:29
1. Die Idee der Sozialdemokratie...

funktioniert am Besten in ziemlich reichen Länden mit gesundem Wachstum, in denen es kein Problem ist, ein wenig Profit gegen sozialen Frieden einzuhandeln, weil es eh gerade weiter nach oben geht. Aber sobald es eng wird, oder sobald die Profiteure die Oberhand haben oder der soziale Frieden so oder so wackelt, sind die Schwerter der Sozialdemokraten, die gerne den Ausgleich suchen, schnell stumpf. Da müsste man dann linker werden als man mag, also wird man lieber systemtragend und wirtschaftsfreundlich und setzt die Schere unten an, so wie Schröder es tat. Und dann wird man überflüssig, denn DAS können die Wähler bei anderen Parteien auch haben. Sozialdemokraten sind immer nur Schönwetterlinke. Nicht dass ich das verächtlich machen möchte (man braucht auch was für diese Zeiten), aber das Wetter ist gerade nicht so toll und dann kommt dieses hilflose hin- und herlavieren und niemandem weh tun wollen und große Worte, denen keine Taten folgen.

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multimusicman 27.12.2017, 07:54
2. Der erste Kommentar bringt es perfekt auf den Punkt,

was man schon daran sieht, dass Linke und Sozialdemokraten über 30% liegen, was so schlecht nicht ist.
Statt hier Ansatzpunkte zu suchen, wird über Vereinigten Stasten von Europa gefaselt, die momentan keine Priorität in den Köpfen der Nenschen haben.
Sollte die SPD unter Merkel in eine neue große Koalition gehen, wird sie sich abschaffen.
Bestes Beispiel ist die Anspache unseres Schönwetter Bundespräsidenten der SPD zu Weihnachten.
Er appellierte an den Zusammenhalt der Deutschen, ohne die Gründe dafür anzusprechen, warum es weiter auseinander geht und wie der Wohlstand immer weiter umverteilt wird.
Wer als SPD keine klare soziale Kante zeigen kann, wie es eine Linke Sara Wagenknecht macht, wird überflüssig und das ist nicht gut für unsere Demokratie.

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friedrich_eckard 27.12.2017, 08:10
3.

So kompliziert ist das doch aber alles nicht. Das Leiden, an dem zahlreiche sozialdemokratische Parteien in Europa erkrankt sind, z.T. auf den Tod, hat doch einen Namen: Morbus SchröderBlair. Das Beispiel GB zeigt, dass dieses Leiden durchaus mit Aussicht auf Erfolg behandelbar ist, nämlich mit Corbynin in hoher Dosierung. Da die SPD hierzulande derzeit keine Bereitschaft zeigt, sich einer solchen Kur zu unterziehen, obwohl geeignetes Personal in ihren Reihen ja sogar zu finden wäre, wird sich ihr Siechtum wahrscheinlich fortsetzen.

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andreas_leh 27.12.2017, 10:20
4.

Gut analysierter Artikel über den Zustand der Sozialdemokratie in Europa. Die SPD hat sich mit dem Neoliberalismus ins Bett gelegt und sich dabei eine fortschreitende Bedeutungslosigkeit eingehandelt. Eine erneute KroKo wäre das endgültige Aus. Aber offensichtlich merken das nur die Mitglieder der SPD während das Führungspersonal jeglichen Kontakt zu ihrer ehemaligen Wählerschaft verloren hat.

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Iggy Rock 27.12.2017, 10:22
5. Abgehoben

Wie weit sich die Sozialdemokraten in Deutschland vom Wähler wirklich entfernt haben, kann man dieser Tage bewundern. Nicht nur, dass man seine eigenen Prinzipien schnell ändert, wenn der staatspolitische Auftrag zweimal ruft, sondern auch noch eine Wundertüte an Forderungen in die Sondierung nimmt, die mit dem eigenen Wahlprogramm nicht viel zu tun hat.
In Europa zahlen die Sozialdemokraten für den Verrat an ihrer Kernwählerschaft. Irgendwann ist nun einmal der Punkt erreicht, an dem man dieser nicht mehr das Blaue vom Himmel versprechen kann, von dem sie nur grau abbekommt, während die eigentlichen Profiteure, die niemals Sozialdemokraten wählen würden, gemütlich in der Sonne liegen.

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Sandlöscher 27.12.2017, 10:25
6. Mausetot

Diese Parteien haben sich ideologisch den Konservativen bzw. Marktradikalen Parteien angenähert. Für die SPD begann das Unglück in dem Augenblick, als Schröder mit Blair das sog. Schröder-Blair-Papier aufgesetzt und mit der Agenda 2010 den angelsächsischen Wirtschaftsansatz importiert hat: Billig-Jobs, das Herunterfahren der gesetzlichen SV, das Öffnen des Finanzsekrors für Finanzheuschrecken.
Das Ergebnis war eine rot lackierte FDP und CDU, die niemand benötigt. Die Sozialausgaben sind jedweder Propaganda nicht gesunken, Millionen von Menschen wurden damit dauerhaft in Armut geparkt oder haben einen Job, der weder aktuell zum Leben reicht oder geschweige denn einen würdevollen Lebensabend ermöglichen wird. Die SOD feiert sich für einen Mindestlohn von unter 9,00 Euro brutto, obwohl seit Jahren klar ist, dass selbst ein Lohn von knapp über 10,00 Euro für eine Rente auf Grundsicherungsniveau reichen wird und das auch nur dann, wenn man keine gebrochene Erwerbsbiographie hat.
Ich bin noch zu einer Zeit aufgewachsen als es noch keine Tafeln etc. gegeben hat. Rekordniveau bei der Seniorenarmut, Kinderarmut etc. und das obwohl die SPD mehr als 15 Jahre an/mit in der Regierung war. Stattdessen faselt man von den Vereinigten Staaten von Europa. Die SPD hat nichts verstanden. Gut, dass das Willy Brandt oder Herbert Wehner nicht mehr mitbekommen müssen.

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hirnspender 27.12.2017, 10:25
7.

"Sozial" heißt, Politik für die Menschen zu machen. Auch Wirtschaftspolitik muss dann nach sozialen Aspekten gestaltet werden. Die Wirtschaft ist allerdings mächtig und erfahren genug, Politik nach ihren Vorstellungen zu lancieren (Lobbyismus, Postenschachern usw.). Die Sozialdemokratie ist deshalb ein lahmer Gaul, weil seit Jahrzehnten zu viele Sozialdemokraten Stiefellecker der Wirtschaft sind. Erstens entfernen sie sich dadurch von den Menschen, und zweitens sind sie nicht mehr unterscheidbar von den Parteien, denen per Definition mehr an der Wirtschaft als an den Menschen gelegen ist.

Aktuell arbeiten die "Seeheimer" am Todesstoß für die deutsche Sozialdemokratie: Der nächsten GroKo. Die letzte GroKo hat die SPD ausgeknockt, und jetzt tritt sie am Boden liegend selbst auf sich ein. Herzlichen Glückwunsch zu dieser unglaublich schlauen Vorgehensweise. Eure Machtgier besiegelt Euer Ende.

Ein ehemaliger SPD-Stammwähler.

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MKAchter 27.12.2017, 10:28
8. Irgendwann ist Ende

Zitat von friedrich_eckard
Das Beispiel GB zeigt, dass dieses Leiden durchaus mit Aussicht auf Erfolg behandelbar ist, nämlich mit Corbynin in hoher Dosierung.
"Corbyn in hoher Dosierung" ist nichts anderes, als (um in der Sprache des genannten Landes zu bleiben) noch hemmungsloseres Agieren mit "other people's money". Das Problem mit Sozialisten a la Corbyn ist bekanntlich nur, dass auch dieses Geld anderer Leute irgendendwann ausgeht....

Nein, da hatte ein G. Schröder doch deutlich besser den Gesamtüberblick über die Zusammenhänge.

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paula_f 27.12.2017, 10:30
9. aktuelle Themen nicht besetzt

Wahlen sind immer an Personen gebunden, in der SPD kommen nur Kader aus der Partei nach oben - möglichst solche welche auch schon verdiente Gewerkschaftsmitglieder sind. Im Übrigen auch ein Problem bei CDU /CSU. Viele SPD Mitglieder und Wähler haben sich abgewandt, die Gründe sind beispielsweise das Abwürgen der Energiewende, oder die Haltung zu TTIP oder die völlig undefinierte Haltung zur Einwanderung. Auftritte wie der von Gabriel bei der Eröffnung des TTIP Leseraumes oder aktuelle verstörende Auftritte von Frau Nahles sind die Ursache - keineswegs kann man einfach behaupten es sei ein europaweiter Trend sozusagen eine Naturgewalt. Nur ein gründlicher Wechsel bei dem Personal könnte die SPD retten. Die Verteilung der Posten und damit die Macht liegt aber bei der Führung und deshalb geht die SPD unter.

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