Forum: Politik
Soziale Unruhen: Tunesische Regierung schließt alle Unis und Schulen

Der Jugendaufstand in Tunesien eskaliert: Bei einem Polizeieinsatz gegen Demonstranten sind zehn Menschen getötet worden. Auch ein Versprechen von Diktator Ben Ali für mehr Jobs kann die Lage nicht beruhigen - jetzt hat das Regime alle Universitäten und Schulen dicht gemacht.

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Tunesier 10.01.2011, 21:46
1. Lage in Tunesien, Vergleich zu Iran und Türkei, und wie der Westen damit umgeht

Fakt ist, dass Tunesien eine sehr schlimme und totalitäre Diktatur immer war und noch ist. Fakt ist, dass die Korruption extrem weit verbreitet ist. Fakt ist, dass die Meinung- und Presse-Freiheiten in Tunesien stark eingeschränkt sind. Fakt ist, dass die Groß-Familie des Präsidenten das Geld des Landes geraubt haben, wie das auch WikiLeaks berichtet. Fakt ist, dass die Lage in Tunesien zur Pressefreiheit und Parteiarbeit viel schlimmer als im Iran oder in der Türkei ist. Ähnlich schlecht ist die Lage in Ägypten oder Lybien. Und trotzdem interessiert die Lage in Tunesien den Ländern wie Frankreich oder die EU nur am Rande. Sie verfolgen die Lage und erwarten von der Regierung, dass sie Demos zulässt und Menschrechte achtet. Fakt ist, dass die EU und der Westen die Demos im Iran angeheizt haben, und jetzt versuchen sie die Lage in Tunesien kleinzureden!!! Fakt ist, dass die Regierung Tunesiens ohne die Unterstützung von Frankreich, Italien und Spaniens (unter Anderem) bis dahin es vermutlich nicht geschafft hat!! Was ist denn das für eine Heuchlerei? Wieso bescheinigt Sarkozy Tunesien besondere Fortschritte in Sachen Menschenrechte? Wieso schweigt die Welt über die Lage in Tunesien obwohl sie die Lage im Iran mit allen erlaubten Mitteln angeheizt ist? Der Grund ist einfach: Tunesien hat weder Öl noch Gold, aber sie verfolgt einen pro westlichen Kurs, sie agiert stark und gewaltsam gegen Islamisten und sogar gegen Menschrechtler. Der Westen ist mit Sicherheit nicht glücklich über die Lage in Tunesien, aber er macht gerne beide Augen zu, wenn es um die eigenen Interessen geht, Demokratie und Menschrechtverletzungen hin oder her. Aber Eins sollen alle wissen: Das tunesische Regime wird nicht lange überleben können. Dieses Mal wird (hoffentlich) das erste arabische Land mit eigener Kraft demokratisiert. Wichtig ist aber auch, dass bei den Dritte-Welt-Ländern immer mehr die Gewissheit größer wird, dass der Westen nur eigene Interessen wahren will. Schade eigentlich, denn die Lage ändert sich, die Dritte-Welt wacht auf, und sie wird sich nicht mehr versklaven lassen, weder von den eigenen Regierungen noch vom Westen.

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Dr. Allesklar 10.01.2011, 22:08
2. Hoffentlich!

Hoffentlich ist dies der Anfang einer Demokratisierung Nordafrikas! Hoffentlich werden die Demonstrationen nicht wie im Iran mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Hoffentlich springt der Funke über auf andere Länder der Region und schafft endlich pluralistische, freie Gesellschaften. Meine Gedanken und Hoffnungen sind mit den Protestierern. Möge ihr mutiger Einsatz nicht umsonst sein.

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bauagent 10.01.2011, 22:17
3. Ich hoffe dass Sie recht behalten !

Zitat von Tunesier
Wichtig ist aber auch, dass bei den Dritte-Welt-Ländern immer mehr die Gewissheit größer wird, dass der Westen nur eigene Interessen wahren will. Schade eigentlich, denn die Lage ändert sich, die Dritte-Welt wacht auf, und sie wird sich nicht mehr versklaven lassen, weder von den eigenen Regierungen noch vom Westen.
Es wäre sicher auch für den Westen eine Lehre wenn er merkt, dass das Hegemoniestreben Amerikas im Tandem mit Europa nicht der Weg des 21th Jahrhunderts sein kann.

Hoffen Sie mit darauf, dass das alles vernichtende Geldsystem in Flammen aufgeht, dann dürften auch die Despoten und Marionetten des Westens auf dem Scheiterhaufen der Geschichte landen.

Es wäre uns allen zu wünschen, vor allem für die folgenden Generationen auf deren Kosten sich diese Eliten bereichern und Schutt und Asche hinterlassen.

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efez 10.01.2011, 22:17
4. Unstimmigkeiten im Artikel

Riqab (Regeb) ist in der Nähe von Sidi Bouzid wo die Dinge ihren Lauf genommen haben. Sidi Bousaid ist das Touristenort und ist ca. 300 km nördlich davon entfernt.

Der Machthaber ist schon 23 Jahre dabei, die Leute haben Angst daß es 25 oder mehr werden.

Die USA und die EU sind besorgt, aber deshalb bestellt das tunesische Außenministerium nicht den amerikanischen Botschafter ein, sondern als Reaktion auf die Bestellung des tunesischen Botschafters seitens des US-Außenministeriums.

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toledo 10.01.2011, 22:19
5. ....

Häh? Ist der Islam in Tunesien nicht Staatsreligion? Wie soll sich das mit Demokratie vereinbaren..?!?!?

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Koltschak 10.01.2011, 22:21
6. Der Gaul hat 1968 in Frankreich auch Panzer auffahren lassen

...Nichts Neues unter der Sonne. Presidente de Galle hat 1968 die komplette Staatsmacht gegen die unbotmäßigen Studenten aufgeboten!

Was in Tunesien passiert, passiert dort schon seit Jahrzehnten. Wer auch nur ein bisschen Ahnung von Nordafrika hatte, wusste das genau. Aber wer hier von Demokratie schwärmt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das werden genau so Gottesstaaten wie der Iran. Die Uhren werden noch viel weiter zurück gestellt, als sie jetzt schon sind.

Demokratie und Islam haben keine Berührungspunkte.

Wir hätten es auch nicht verstanden, wenn die Indianer tagelang bei einem Palaver sitzen und diskutieren, bis auch der letzte mit der Meinung aller übereinstimmt.

Es gibt halt andere Lebensformen als die Demokratie auf dieser Erde.

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Prach 10.01.2011, 22:43
7. Wirklich?

"Nichts Neues unter der Sonne. Presidente de Galle hat 1968 die komplette Staatsmacht gegen die unbotmäßigen Studenten aufgeboten! "

Interessante These und zudem neu für mich, obwohl ich neueste französische Geschichte mit Schwerpunkt auf der V. Republik studiert habe.

Wenn ich mich recht entsinne, gab es bereits früh die Entscheidung zu einem Abzug der Polizei und für eine generelle Amnestie gegenüber den Protestierenden. Und dann löste de Gaulle das Problem auf eher unkonventionelle Weise: er verschwand einfach mal, ohne irgendwen zu informieren (tatsächlich war er in Baden-Baden), zog damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich - und rief dann Neuwahlen aus, um den Unruhen die Grundlage zu entziehen und eine demokratische politische Entscheidung herbeizuführen.

Aber Sie wissen sicherlich alles viel besser und sprechen auch ganz gut Französisch, da Sie ja sonst nicht diesen Beitrag verfaßt haben, n'est-ce pas?

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alijak 10.01.2011, 22:57
8. Nieder mit ZABA

Zitat von Koltschak
Wer auch nur ein bisschen Ahnung von Nordafrika hatte, wusste das genau. Aber wer hier von Demokratie schwärmt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das werden genau so Gottesstaaten wie der Iran.
Ah so, aber Sie scheinen ja genau zu wissen wovon Sie sprechen... Die Proteste hier bei uns in Tunesien sind keine homogene Bewegung unter irgendeiner beschränkten Idiologie oder Religion. Sämtliche Bevölkerungsschichten bzw. -Gruppen protestieren hier vereint gegen den Präsidenten und die Mafia welche hier seit Jahren alles an sich reisst was nur irgendwie nach Profit aussieht.
Es gibt Versuche von diversen religiösen Fanatikern die Stimmung für sich zu nutzen, genauso wie von irgendwelchen buckligen Oppositionspolitikern oder Exil-Militanten-Schwachsinnigen, da können wir uns gerne einig sein. Allerdings ist dies den meisten, die grade auf die Strasse gehen und für ihre Rechte demonstrieren sehr wohl bewusst. Es ist deshalb jetzt an der Zeit, dem tunesischen Volk zur Seite zu stehen und ihm zu helfen seine Freiheit zu erlangen!

Also hören Sie bitte auf so einen Blödsinn zu verzapfen und tun Sie lieber selber etwas Sinnvolles und weisen ihr Umfeld auf die Probleme in Tunesien hin.

Danke und Gruss aus Tunis!

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Tunesier 10.01.2011, 23:03
9. @Koltschak(1)

Zitat von Koltschak
Was in Tunesien passiert, passiert dort schon seit Jahrzehnten.
Falsch! Es ist die erste richtige Demo gegen das Regime von Ben Ali seit 23 Jahren! Sind Sie Tunesier? Ich bin Einer, also reden Sie nur über das, was Sie wissen.
Zitat von
Wer auch nur ein bisschen Ahnung von Nordafrika hatte, wusste das genau. Aber wer hier von Demokratie schwärmt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das werden genau so Gottesstaaten wie der Iran. Die Uhren werden noch viel weiter zurück gestellt, als sie jetzt schon sind.
Ach so. So denken Sie. So denken übrigens auch die Machthaber im Westen. Genau darüber habe ich gesprochen. Der Westen hat die Wahl zw. mehreren Alternativen:
1. Sich aus den ganzen Sachen raushalten.
-> das kann der Westen nicht tun, denn sie mischen sich überall ein.
2. Eine wahre Demokratisierung der arabischen Ländern unterstützen oder zumindest Druck üben, damit Menschenrechte und Freiheiten besser respektiert werden.
-> Das will der Westen nicht riskieren, denn es bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder eine Radikalisierung einiger Länder oder demokratische Systeme, die für eigene Interessen arbeiten und sich nicht alles diktieren lassen, von den USA und von Ländern wie Frankreich und GB. Beide Alternativen sind für den Westen schlecht. Die erste aus Sicherheitsgründen. Die zweite aus Interessengründen.
3. Die Unterstützung aller Diktaturen, die gegen die Islamisten agieren, egal ob mit Wahrung von Menschenrechte oder nicht. Beispiele gibt es in Tunesien, Ägypten und Co. Und gleichzeitig das Üben von massiven Druck auf Ländern und Unterstützung von Opposiotionnellen, die einen radikalen Kurs verfolgen, wie Iran und Syrien. Und zuletzt das Üben von vielen Medienkampagnen gegen Länder, die zwar halb demoraktisiert sind, aber nicht mehr ganz pro-westlich sind. Z.B. de Türkei.

[QUOTE]Demokratie und Islam haben keine Berührungspunkte. [/QUTOE]
Es kann sein, dass der Islam in manchen Sachen streng sein kann, aber Freiheiten und Rechte können sich im Sinne des Islams wohl entwickeln. Sie vergessen außerdem, dass das tunesische, ägyptische, syrische, irakische, lybische, algerische (etc.) keine islamische Diktaturen sind. Im Gegenteil sie sind totalitäre Regime, die hart gegen Islamisten vorgehen, sogar viel härter als sich manche westliche Staaten vorstellen oder üben könnten. Wichtig ist jedenfalls, dass die aktuellen Demos in Tunesien weder pro-islamisch noch gegen-islamisch sind. In der aktuellen Bewegung, die schon seit Jahren vorbereitet wird, agieren sowohl religiöse wie liberale Menschen, Rechte wie Linke und sogar zum Teil Kommunisten. Ich begrüße diese Entwicklung. Wenn das so weiter geht, dann schafft Tunesien den ersten Sprung in einem wahren Staat, der Freiheiten respektiert und der alleine für die eigenen Interessen agiert. Tunesien hat sogar die besten Chancen unter den arabischen Ländern, denn die Jugend ist dort vergleichsweise gut gebildet und die Frauen sind sehr aktiv. Das sind zwar zwei Entwicklungen, die zum Teil auch dem aktuellen Regime zu verdanken sind. Aber sonst hat das Regime uns nichts gebracht, außer Angst, Korruption und absolute Menschen- und Gedanken-Kontrolle

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