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Sozialpolitik in Hamburg: Kita-Gebühren bringen Schwarz-Grün in die Bredouille

Zehntausende Eltern in Hamburg sind sauer auf Schwarz-Grün, weil die Kita-Gebühren steigen: In der Spitze fallen künftig über 500 Euro pro Kind im Monat an. Das droht die Koalition auch beim Schul-Volksentscheid im Juli Stimmen zu kosten.

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christiane006 20.04.2010, 21:20
50. Gesellschaftspolitik hat viele Facetten

Zitat von derfugu
Ich wohne seit einiger Zeit in London (um Spekulationen vorzubeugen, ich bin kein Banker sondern Promotionsstudent mit einem 6-Monate altem Sohn). ... Zur Frage der Offenlegung - wer Ansprueche an den Staat stellt, die in irgendeiner Weise vom Einkommen oder Vermoegen abhaengen, muss dieses auch offen legen; das ist selbstverstaendlich und praktisch ohnehin umungaenglich. Wenn jemand sich so gluecklich schaetzen darf, dass es ihm oder ihr die Zeit oder den Aufwand nicht wert ist, dann scheint auch die Notwendigkeit fuer staatliche Unterstuetzung begrenzt.
da Kitas, ebenso wie Schulen, der Bildung dienen, sehe ich keinen Grund, warum hier bei der Finanzierung so große Unterschiede gemacht werden. Im Gegenteil, je eher man mit der frühkindlichen Förderung beginnt, desto besser das Ergebniss. Wir haben Probleme mit der Integration von Migranten, wer hier nicht auf die Idee kommt, dass eine Kindergartenpflicht, sehr geeignet ist, Integration zu fördern und damit zukünftige Kosten durch schlechte Integration zu verhindern, der ist schlicht fantasielos.
Hier sollte man alle Parameter in Betracht ziehen, beispielsweise die Kosten für Haftplätze, die fällig werden, wenn man durch Bildungsversäumnisse, Chancenlosigkeit produziert und damit Delinquenz fördert.
Wenn man weiss, das Hamburg, Investoren der Hafencity subventioniert, indem es zu überteuerten Mieten, Büroräume für die Wirtschaftsbehörde anmietet, dann muss es erlaubt sein, zu fragen, warum derart merkwürdige Prioritäten gesetzt werden.
Wir verlieren unsere Zukunft, weil wir nur allzu gern auf "Korinthenscheisserei" setzen, aber einfach nicht in der Lage sind, Zusammenhänge zu erkennen.
Wer der jungen Generation hilft Fuss zu fassen, der kann auch beruhigt dem eigenen Alter entgegensehen.

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Diskutant_EF 20.04.2010, 21:34
51. KiTa-Kosten

Zitat von derfugu
500 Euro scheint mir nicht wenig, aber wahrscheinlich noch deutlich subventioniert.
Der Hamburgische Senat gibt die tatsächlichen Kosten eines KiTa-Platzes mit etwa 1.200 Euro an. Ob dies den Tatsachen entspricht und wieviel verbeamteter Wasserkopf in den Behörden mitbezahlt werden muss, kann ich Ihnen nicht sagen. Die Gehälter der Erzieherinnen sind es sicher nicht, die die Betreuungskosten in die Höhe treiben.

Zitat von derfugu
In London kostet ein Kitaplatz privat ca. 1200-1500 Euro pro Monat, das Kindergeld betraegt ca. 100 Euro pro Monat und staatliche Kitaplaetze gibt es nicht. In der Tat lohnt es sich bei 2 Kindern haeufig nicht fuer eines der Elternteile zu arbeiten, wenn man nur Nettoeinkommen mit Kitakosten vergleicht.
Interessant wäre hierbei die Relation zu den bei Ihnen üblichen Nettolöhnen. Was verdient denn beispielsweise ein Akademiker-Ehepaar in London? Wenig kann es ja schon wegen der exorbitanten Mieten/Hauskosten im Großraum London nicht sein.

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BEA-Bergedorf 21.04.2010, 16:41
52. Kitakosten

Zitat von derfugu
Was mich interessieren wuerde waere, wieviel es eigentlich in Hamburg kostet, einen Kitaplatz zur Verfuegung zu stellen. Gibt es einen privaten Markt fuer Kitas anhand dessen man den Preis ablesen koennte?
Es ist bekannt, was die Kitas pro Kind bekommen. Der klassische 5-Stunden Platz kostet mit Mittag rund 480 Euro (zum Vergleich: der maximale Elternbeitrag ist dort 313 Euro), ein 12 Stunden Platz rund 800 Euro (maximaler Elternbeitrag 517 Euro). Da nicht alle Eltern den maximalen Beitrag zahlen (bisher rund ein Drittel), gibt Hamburg etwa 77% der Kosten zu.

Einen anderen, ganz interessanten Vergleich gibt es bei den Hort-Plätzen: so bekommt die Kita für 3 Stunden Hortbetreuung rund 440 Euro (von denen maximal 316 Euro die Eltern zahlen) --- die gleiche (zeitliche) Betreuung ist in Privatschulen in der Regel jedoch schon für unter 300 Euro zu bekommen...

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derfugu 21.04.2010, 18:24
53. Der hinkende Vergleich

Zitat von Diskutant_EF
Der Hamburgische Senat gibt die tatsächlichen Kosten eines KiTa-Platzes mit etwa 1.200 Euro an. Ob dies den Tatsachen entspricht und wieviel verbeamteter Wasserkopf in den Behörden mitbezahlt werden muss, kann ich Ihnen nicht sagen.
Das wiederum scheint eher viel, denn dafuer kann man in London auch einen Platz bekommen und - wie Sie richtig bemerken - muesste die Kita sicherlich zumindest doppelt so hohe Mietkosten haben.

Zitat von Diskutant_EF
Interessant wäre hierbei die Relation zu den bei Ihnen üblichen Nettolöhnen. Was verdient denn beispielsweise ein Akademiker-Ehepaar in London? Wenig kann es ja schon wegen der exorbitanten Mieten/Hauskosten im Großraum London nicht sein.
Das ist sicher richtig und daher will ich mich auch nicht beschweren. Es ist ja meine freie Entscheidung hier zu leben und auf viele Annehmlichkeiten des Kinder-Erziehens in Deutschland zu verzichten. Ein Nettolohnvergleich ist aber wahrscheinlich nicht unter drei Seiten abzuhandeln, denn wenn man eine Stichprobe von 100 Akademiker-Ehepaaren nehmen wuerde, waere das Durschnittsgehalt voellig dominiert von einem einzigen Managing Director bei Goldman, JP Morgan oder einem Hedge Fund, das leicht 50-100fache eines Akademikers betragen kann, der beispielsweise an der Uni oder als Arzt im Krankenhaus arbeitet. Ich war ueberascht zu sehenden, dass das durchschnittliche verfuegbare Einkommen in Inner London nur etwa 10% hoeher sein soll als in Hamburg, siehe

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/por...ta/main_tables

"Da nicht alle Eltern den maximalen Beitrag zahlen, gibt Hamburg etwa 77% der Kosten zu."

Wenn das so ist, dann scheinen mir die Kitasaetze angemessen, aller richtigen gesellschaftspolitischer Bedenken zum Trotz. Ich bin ein grosser Freund von Eigenbehalten, weil es wichtig ist zumindest teilweise zu fuehlen, dass Leistungen auch etwas kosten. Ueber Studiengebuehren von 500 Euro, schuettelt man hier den Kopf, da sie wahrscheinlich noch nicht einmal 10% der Kosten abdecken. Und trotz der wichtigen Rolle, die Kindern in unserem Gesellschaftssystem spielen (werden), haben wir Henri nicht in die Welt gesetzt, weil wir dem Staat etwas Gutes tun wollten, sondern aus dem puren Egoismus, das Kinder etwas wunderbares sind, fuer das man gerne auf einen Teil seines Konsums verzichtet.

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lady_gacker 21.04.2010, 22:27
54. Idealismus?

sondern aus dem puren Egoismus, das Kinder etwas wunderbares sind, fuer das man gerne auf einen Teil seines Konsums verzichtet.[/QUOTE]
Hier steht zwar "Egoismus", es ist aber wohl eher "Idealismus" gemeint. Und der hält vielleicht auch beim ersten Kind noch etwas länger als 6 Monate, meist aber leider nicht ein Leben lang! Immerhin bekommen die wenigen Idealisten noch Kinder, den größeren Rest der Kinder bekommen dann die Dummen und ein paar wenige noch die Superreichen. Bezogen auf die persönlichen Verhältnisse sind Erzieher von Kindern für den Rest ihres Lebens dreimal die Dummen: Sie verzichten auf Karriere und Einkommen, sie haben permanent Verpflichtungen und höhere Kosten (siehe aktuell Hamburg), und schließlich haben sie im Alter auch noch geringere Rentenansprüche und weniger gespart. Beim letzten Punkt scheint mir sogar die größte Ungerechtigkeit zu liegen: Die Rente wurde zwar vor langer Zeit einmal u.a. dafür eingeführt, dass auch Leute ohne Kinder im Alter nicht verhungern. Jetzt ist sie aber weit über dieses Ziel hinausgeschossen und bewirkt das Gegenteil: Leute ohne Kinder stehen sich wesentlich besser! Das Rentensystem muss in dieser Hinsicht dringend geändert werden! Oder sollte man es vielleicht sogar wieder abschaffen?
Kinderlose jammern trotzdem sogar noch gerne über eine hohe Abgabenlast und wollen sich in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge verdrücken. Vielleich müssen sie alle aber noch erleben, dass diese schönen Papiere nur noch zum "abwischen" taugen, sobald die Wertschöpfungskette mangels qualifiziertem Nachwuchs nicht mehr funktioniert.

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Diskutant_EF 23.04.2010, 23:19
55. Kinderlose und Rente

Zitat von lady_gacker
Hier steht zwar "Egoismus", es ist aber wohl eher "Idealismus" gemeint.
Wen der Forist Idealismus gemeint hätte, dann hätte er es sicher auch geschrieben.

Zitat von lady_gacker
Die Rente wurde zwar vor langer Zeit einmal u.a. dafür eingeführt, dass auch Leute ohne Kinder im Alter nicht verhungern. Jetzt ist sie aber weit über dieses Ziel hinausgeschossen und bewirkt das Gegenteil: Leute ohne Kinder stehen sich wesentlich besser!
Kinderlose stehen sich mitnichten besser, sie bekommen in der gesetzlichen Rentenkasse exakt genau so viel Rente für jeden eingezahlten Euro heraus wie Eltern.

Zitat von lady_gacker
Kinderlose jammern trotzdem sogar noch gerne über eine hohe Abgabenlast und wollen sich in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge verdrücken.
Geht's noch pauschaler? Ich kenne genug Kinderlose, die die Belastungen von Eltern anerkennen und sich keineswegs aus den Sozialkassen verabschieden (zumindest nicht häufiger, als dies auch viele Eltern tun).

Übrigens: Sehr viele Kinderlose sind dies unfreiwillig. Sie sollten nicht ganz so sehr auf diese Personengruppe herabschauen.

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