Forum: Politik
Sozialreport: Ostdeutsche fremdeln mit der Bundesrepublik

Sie hadern mit der Demokratie und sehen sich als Bürger zweiter Klasse: Viele Ostdeutsche blicken einer Studie zufolge auch mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall skeptisch auf die deutsche Einheit. Aber auch West-Bürger sind genervt von staatlichen Institutionen.

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die_andere 05.09.2010, 20:37
440. Schade, Sie gehören nicht dazu...

Zitat von mac4ever
Sie sind gegen Ostalgie. Ich finde Ostalgie und Westalgie gleichermaßen zum K****en. Die Welt hat sich verändert, sie tut das immer schneller, und daran "schuld" ist die durch die technologische Revolution, vor allem weltweit vernetzende Kommunikation, ermöglichte Globalisierung.
Jo, Sie werden auch bald abgeschafft. Eine Forschungsgruppe (gepampert mit EU-Geldern) arbeitet schon daran, den "neuen Deutschen" zu definieren. Da Sie Deutscher sind, gehören Sie leider nicht dazu. :-(

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laribum 05.09.2010, 20:47
441. .

Zitat von mac4ever
Staatsbürgerkundelehrer: Denen ging/geht es gut, die waren/sind im Staatsdienst. Für die Seinen sorgte schon immer jeder Staat gut. Und der ÖD der DDR wurde ja übernommen. ...
Das ist so nicht ganz richtig. Insbesondere Staatsbürgerkundelehrer durften nicht mehr als Lehrer arbeiten und sind auch nicht übernommen worden.
Ob die Politik diesbezüglich in allen fünf ostdeutschen Bundesländern überall gleich war oder ob es ggf. Ausnahmen gab, entzieht sich meiner Kenntnis.

Und da in Ostdeutschland Lehrer im Gegensatz zum Westen nicht verbeamtet waren und nicht verbeamtet sind, ist die Aussage "Denen ging/geht es gut, die waren/sind im Staatsdienst" auch für alle anderen Lehrer unzutreffend.

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mr_supersonic 05.09.2010, 21:10
442. Zynismus? Realität!

Zitat von mac4ever
Unangebrachter Zynismus. Ich bleibe lieber bei den Fakten: Staatsbürgerkundelehrer: Denen ging/geht es gut, die waren/sind im Staatsdienst. Für die Seinen sorgte schon immer jeder Staat gut. Und der ÖD der DDR wurde ja übernommen. Es waren die kritischen Bürger, die, die nicht so gut gesicherte Nischen hatten, die ins berufliche Aus fielen. Denn Altersdiskriminierung, worin die BRD inzwischen Weltmeister ist, gab es in der DDR nicht - wenigstens das nicht. 2/3 der DDR-Bürger haben sich nach der Wende "beruflich umorientieren" müssen, d.h. arbeiten nicht im erlernten Beruf. Für die Generation, die zu Wendezeiten 40 war, bedeutete das: zu jung für die Rente, zu alt für den Arbeitsmarkt. Die 50jährigen konnten sich wenigstens noch ein paar Jahre mit ABM durchmogeln und nur die jüngeren hatten Glück und konnten sich "neu aufstellen", wie das so schön heißt. Sie sind gegen Ostalgie. Ich finde Ostalgie und Westalgie gleichermaßen zum K****en. Die Welt hat sich verändert, sie tut das immer schneller, und daran "schuld" ist die durch die technologische Revolution, vor allem weltweit vernetzende Kommunikation, ermöglichte Globalisierung.
Das war kein Zynismus meinerseits, ich habe das so erlebt in der Wendezeit. Das sind persönlich erlebte Tatsachen. Aufgewachsen bin ich in einem Teil Berlins, wo es recht viele überzeugte DDR-Bürger gab. (Also nicht Prenzlberg);o)

Dass die "kritischen" Bürger schlechtere Chancen haben sollen halte ich für ein Gerücht. Im Gegenteil, es sind die einfachen unkritischen Leute, denen es eigentlich egal ist ob sie nun im Kapitalismus oder im Sozialismus als Landarbeiter oder Maurer arbeiten.
Mit Kritisch meine ich fundiert kritisierend und nicht so pauschal meckernd gegen alles a la die_andere.

Ihre Schlussanmerkung finde ich passend, aber auch etwas sehr allgemein, denn nicht nur irgendwelche Ostalgien oder Westalgien fallen unter diese Globalisierungsthematik, auch viele andere Debatten wie z.B. die Sarrazinische.

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schwarzer Schmetterling 05.09.2010, 21:40
443. Bin ich jetzt auch ein Fremdler?

Ja- ich bin ein Ossi - blödes Wort, genau wie Wessi.

Und ich will keine ddr wieder haben. Deren Fürsorge war wirklich umfassend - im wahrsten Sinne des Wortes. Inklusive Jobverlust bei Kritik am System. Was ja aber noch anging - andere traf es schlimmer.

Und war heilfroh, dass man endlich was tun konnte, und auch entsprechend Geld dafür bekam - nicht nur so ein Schulterklopfen. Gereist bin ich vorher viel in den Osten des Kontinents und danach in den Westen desselben. Und gesehen habe ich auch im Westen der Republik Gegenden, die ein Aufbau-Programm bräuchten. Aber das man was leistet, und dafür sich was leisten kann, ja so muss das sein.

Wenn ich zur Zeit Flash-Backs habe, dann nur bei unseren Volksver..., die mich in ihrem Verhalten an die späten Jahre der DDR erinnern. Das macht unruhig, Hetze, gleichgeschaltete Medien, Staatsfernsehen neuer Prägung u.u.

Insofern fremdle ich halt mal bissel - dürfte aber Menschen im Westen des Landes genauso gehen.

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mac4ever 05.09.2010, 22:17
444. Wer kam wie über die Runden?

Zitat von mr_supersonic
Dass die "kritischen" Bürger schlechtere Chancen haben sollen halte ich für ein Gerücht. Im Gegenteil, es sind die einfachen unkritischen Leute, denen es eigentlich egal ist ob sie nun im Kapitalismus oder im Sozialismus als Landarbeiter oder Maurer arbeiten.
...und deshalb konnte sie einfach weiterarbeiten, falls der Betrieb nicht geschlossen wurde. Das war bei Angestellten im ÖD aber nicht der Fall.

"Gut durch" kamen auch die Funktionäre und Organisatoren, die "Beziehungen" hatten.

Das mit den kritischen Bürgern habe ich so erlebt: sie hatten kein Herrschaftswissen, hatten keine Westreisen, wo sie schon mal "vorfühlen" konnten oder Beziehungen aufbauen, die ihnen später nutzten, waren allgemein gesellschaftlich weniger integriert.

Ein Sonderfall waren die Künstler. Die waren in der Mehrzahl kritisch, hatten aber auch viele Freiheiten. Nach der Wende fielen die meisten in ein fürchterliches Loch, denn das Wichtigste zum wirtschaftlichen Überleben, was ein Künstler hat, sind die Beziehungen zu Veranstaltern, Clubs, Medienleuten usw.
Und die waren nach der Wende nichts mehr wert, da diese Leute ausnahmslos "abgewickelt" wurden, wie auch die 6000 Jugendclubs in der DDR.

In dieses Loch stieß und stößt bis heute die rechte Szene. Das hätte man sich ersparen können.

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Ursprung 06.09.2010, 00:52
445. Unterschiede West- und Dunkeldeutschland

Rudimentaere Verhaltenssteuerungsandererungen (essen, schlafen, koerperliche Anpassunge (z. B. Verdauungsvorgaenge) beduerfen Genaenderungen, die erst in Millionen von Jahren wirksam werden. Solange ist das mit der DDR noch nicht her. Also, die Gene sind es nicht.

Auch, wenn solch ein Bloedsinn wie von Sarrazin, Nazis, Nahrungsmittelindustrievertretern, Aerzten, Landbauern und Sarkozys ueber Genen gefaselt wird, die festmachbar waeren in unterschiedlichen heutigen Menschentypen und Staatsangehoerigkeiten, Hautfarben und die so Auffaelligkeiten beschreiben wollen.

Demgegenueber gibt es aber Mitochondrien, die muetterlicherseits weitergegeben kurfristiger merkbare Veraenderungen des Sozialverhaltens weitergeben.
Denn Mitochondrien koennen verschiedene, ohnehin alle bei allen schon vorhandene Genschalter aktivieren oder deaktivieren.
Und zwar schon innerhalb einer Generation notfalls.
So erscheint oft schon die naechste Generation nach einer Hungerzeit umgeschaltet auf sorglosere Nahrungsmittelverwertung, vulgo Fettleibigkeit und Krankenhaeufigkeit. Das wird in der Folgegeneration schlagartig mehr: weil etwas hungern aeusserst gesund und natuerlich ist dies wenigstens in den Anfangsrjahren noch erhoehte Gesundheit verspricht.
Aehnliches passiert mit Sozialiserungsmechanismen.
Bespielsweise entwickelt die Weiblichkeit oft eine grosse Fertigkeit in der Verfuehrungskunst maennlicher Geschlechtspartner, wenn bevoelkerungsvernichtende Kriegswalzen ueber ein Land gingen.
Aus naheliegenden Gruenden: die Evolution sorgt mittels kurzfristiger Schalterumlegungen vorhandener Gene fuer schnelleren Bevoelkerungsnachschub. Und das geht halt nur ueber die Frauen und deren Hoheit ueber die Schalter in den Mitochondrien.
Es liegt nahe, das auch andere gesellschaftliche Sozialisierungsverhaltensmuster ueber die Mitochondrien auf Generationsbasis gesteuert werden.

Und das fuehrt zum Thema ostdeusche und westdeutsche Verhaltensungleichkeiten. Gilt natuerlich genau so in Stammesgesellschaften aus Afrika, Tuerkei, Afghanistan, USA.

Die spaeteren DDR-ler und -lerinnen haben ja nicht nur den Sozialismus eine Generation lang ueberstehen muessen, sondern lebten seit vielen Generationen in einer Diktatur, die uebergangslos vom Kaiserreich ins 1000jaehrige ueberging (wenn auch nur eine halbe Generation lang) und dann in der Stalindiktatur. Bis dies System 1990 abrupt endete.
Ist mehr als logische, dass es mindestens 1, eher 2 Generationen dauert, indem durch Ab- und Zuwanderung und Fortpflanzungsvermischung die Genschalterspuren der DDR-lerinnen sich vermischt haben werden mit denen der Westlerinnen.
Also: gemach, es wird noch kommen, Im Verlaufe der naechsten 30 bis 40 Jahre. Solange wird man mit den Mentaliteatsunterschieden von West- und ehemals Dunkeldeutschland im Alltag rechnen muessen.

Von sowas haben Politiker natuerlich keine Ahnung. Hat man professionell eigentlich ueberhaupt noch von etwas Wichtigem Ahnung, wenn man sich entscheidet, als Berufsweg die Schleimspur der Parteienkarriere zu durchkriechen?

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mr_supersonic 06.09.2010, 10:02
446. ...

Zitat von mac4ever
...und deshalb konnte sie einfach weiterarbeiten, falls der Betrieb nicht geschlossen wurde. Das war bei Angestellten im ÖD aber nicht der Fall. "Gut durch" kamen auch die Funktionäre und Organisatoren, die "Beziehungen" hatten. Das mit den kritischen Bürgern habe ich so erlebt: sie hatten kein Herrschaftswissen, hatten keine Westreisen, wo sie schon mal "vorfühlen" konnten oder Beziehungen aufbauen, die ihnen später nutzten, waren allgemein gesellschaftlich weniger integriert. Ein Sonderfall waren die Künstler. Die waren in der Mehrzahl kritisch, hatten aber auch viele Freiheiten. Nach der Wende fielen die meisten in ein fürchterliches Loch, denn das Wichtigste zum wirtschaftlichen Überleben, was ein Künstler hat, sind die Beziehungen zu Veranstaltern, Clubs, Medienleuten usw. Und die waren nach der Wende nichts mehr wert, da diese Leute ausnahmslos "abgewickelt" wurden, wie auch die 6000 Jugendclubs in der DDR. In dieses Loch stieß und stößt bis heute die rechte Szene. Das hätte man sich ersparen können.
Aber die meissten Betriebe wurden doch geschlossen. Und bei der Übernahme in andere Betriebe oder beim Aufkauf wurde erstmal gesiebt. In manchen Branchen weniger (z.B. im Technikbereich), in manchen mehr (Produktion, Chemie, Landwirtschaft). Fahren Sie mal aufs Land, da wo früher ganze Dörfer angestellt waren in einer LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft), bewirtschaften jetzt 5 Leute komplette Landstriche.

Also haben sich wenn dann nur die Fähigsten wieder einen Job angeln können. Und besonders fähig heisst gerade heutzutage vielseitig und eben nicht engstirnig.

Ich weiß dass viele Funktionäre quasi immernoch umhergeistern, aber eben nicht alle. Diejenigen, welche vom System überzeugt waren, sind es meiner Erfahrung nach nicht. Sondern Wendehälse, die sich durch die Welten schlängeln. Die bedeuten meineserachtens keine Gefahr für das "System", sondern für die Mitmenschen, denn die machen alles für das "System", egal welches.

Was den ÖD angeht, hatte ein Mitforist schon angemerkt, dass viele ehem. ÖDler nach der Wende als Angestellte weiterbeschäftigt wurden, eben weil es nicht klar ist wer welche Rolle wo gespielt hat. Es ist auch logisch, dass ein Physiklehrer vielleicht nicht ganz so indokriniert sein musste wie ein Staatsbürgerkundelehrer.
Aber auch dort muss ich sagen, dass eher die Pesönlichkeit des einzelnen ausschlaggebend ist. Denn manch ein Lehrer mit unscheinbarem Fach war früher eiserner Verfechter des Sozialismus und hat jetzt dennoch seinen Job behalten, weil es keine Anhaltspunkte ausser Schüler als Zeugen gab.

Schlussendlich bin ich der Meinung, dass wenn sich jemand unbedingt beschweren will darüber, dass "Ossis" mit der BRD fremdeln, dann liegt das Meinermeinung nach daran, dass man enttäuscht ist, dass es trotz großer Freiheit und unendlichen Möglichkeiten nicht gelingt, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Platz für jeden ist.
Es geht einfach um das persönliche Glück, was gerade auf dem Gebiet der ehemaligen BRD nur im Zusammenhang mit berufl. Erfolg und materiellem Reichtum gleichgesetzt wird.

Und die daraus entstandene Ellenbogengesellschaft mit all seinen Egoisten und Ignoranten ist vielleicht nicht für alle Erstrebenswert.....

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mac4ever 06.09.2010, 12:15
447. Systemwechsel

Zitat von mr_supersonic
Also haben sich wenn dann nur die Fähigsten wieder einen Job angeln können. Und besonders fähig heisst gerade heutzutage vielseitig und eben nicht engstirnig.
Das hatte mit Fähigkeiten kaum etwas zu tun, sondern mit Glück, Alter, Branche und dann erst mit Qualifikation.

In meinem Bereich hieß es immer "überqualifiziert" - und qualifizierte Jobs gab es nicht. Nicht im Osten und auch im Westen suchte man hauptsächlich nur Verkäufer.

Die Leute waren schon sehr kreativ, wenn es ums Überleben ging. Ich mußte es auch sein, wie ich es ja auch in der DDR war.
Ich war Diplomingenieur und Musiker. Mein Dipl.-Ing. war nichts mehr wert, da ich 6 Jahre aus dem Beruf war und schon über 40, das DDR-Ingenieurswissen war veraltet, für die Musik fehlten die Connections, denn die gesamte Infrastruktur, von der ich gelebt hatte, wurde abgewickelt.
Ich hätte neu anfangen müssen, was Promotion und Eigenwerbung und Selbstverkauf betrifft. Irgendwelchen Medienfuzzis und Promotern klar machen "wer man ist". Da ich kein Narzist bin, war das immer der unangenehmste Teil des Berufs.
Also hatte ich dazu nicht nur keine Lust, ich konnte mich selbst um den Preis meiner beruflichen Existenz nicht dazu überwinden, diese Ochsentour, die schon in der DDR den Hauptteil meiner Kraft gefordert hatte, noch einmal durchzustehen. Ich bin kein Sysiphos! Selbstdarstellern macht soetwas Spaß, mir nicht.

Ich hatte deshalb von Anfang an keine Illusionen, habe alles gemacht, was irgendwie Geld brachte und habe es geschafft, nach einer Durststrecke mit ABM und teilweiser Arbeitslosigkeit seit 15 Jahren wieder freiberuflich zu arbeiten. Einen festen Job werde ich nie mehr bekommen, aber mich kann auch keiner rausschmeißen. Und im Moment habe ich sehr viel Arbeit, auch wenn es immer wieder mal Durststrecken gibt.

Ich habe das alte System gehaßt, weil es mich wie einen Dreikäsehoch im Laufgitter gehalten hat, aber ein Freund des neuen bin ich auch nicht geworden.

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laribum 06.09.2010, 19:51
448. Sehr gut

Zitat von mr_supersonic
... Schlussendlich bin ich der Meinung, dass wenn sich jemand unbedingt beschweren will darüber, dass "Ossis" mit der BRD fremdeln, dann liegt das Meinermeinung nach daran, dass man enttäuscht ist, dass es trotz großer Freiheit und unendlichen Möglichkeiten nicht gelingt, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Platz für jeden ist....
Das ist genau der Punkt.

Ich würde aber sogar noch weiter gehen, dass es nämlich auch eine nicht geringe Anzahl Westdeutsche gibt, die sich eine Gesellschaft wünschen würden, in der Platz für jeden ist. Nur wird das im Rahmen solcher (überflüssigen) Ost-West-Vergleichsstudien nicht als "Fremdeln mit der BRD" gewertet.

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