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Spanien: Verfassungsgericht erklärt Katalonien-Referendum für unrechtmäßg
AFP

Das spanische Verfassungsgericht hat die geplante Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens für unrechtmäßig erklärt. Die Region im Nordosten könne auf keinen Fall einseitig ein Referendum anberaumen.

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Forenadmin 26.03.2014, 23:58
1. .

Da muss man wohl Nachhilfe erteilen. Im Artikel 1, Absatz 2 der Uno Charta kann jeder nachlesen:
Zitat von
Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele: freundschaftliche, auf der Achtung vor dem Grund satz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln und andere geeignete Maßnahmen zur Festigung des Weltfriedens zu treffen.
Ich wieder hole noch mal: „[...]SELBSTBESTIMMUNG der VÖLKER! [...]“ Nicht der Staaten! Kann jeder nachlesen oder dumm sterben. Die Katalanen haben jedenfalls sowohl auf französischem als auch auf spanischem Reichsgebiet eine gemeinsame Sprache und Tradition. In Deutschland werden diese sogar als Ethnie bezeichnet. Da hat Madrid nichts zu melden wenn das katalanische Volk auf sein Recht der Selbstbestimmung besteht! Wie verlogen kann man sein dies zu ignorieren! Das ist übrigens auch der Grund warum die Krim, deren Einwohner mehrheitlich Russen sind und seit über 10 Jahren zu Russland gehören wollen, ein Referendum abhalten dürfen!

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breguet 26.03.2014, 00:55
2. Jaja

Ich wohne in Valencia und kann ihnen sagen dass Sie vermutlich Schläge angedroht bekommen wenn Sie hier sagen in Valencia wird Katalan gesprochen, hier wird Valenciano gesprochen. Und in Mallorca wird auch nicht Katalan gesprochen, das fehlte noch.

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Estelat 26.03.2014, 01:30
3.

Das Verfassungsgericht in Spanien ist völlig befangen und kontrolliert von den 2 größten Parteien PPSOE. Im Gegenzug zu dem deutschen BVerfG genießt es kein Ansehen in den Augen der meisten Bürger. Das Urteil war zu erwarten und werde gar nichts an der Entschlossenheit der Katalanen ändern, das Bestimmungsrecht auszuüben, durch Volksabstimmung oder einseitige Unabhängigkeitserklärung des katalanischen Parlaments. Die spanische Verfassung ist nichts anderes als ein Gefängnis für das Volk geworden. Das Vereinigte Königreich lässt seine schottische Bürger wählen, Spanien erklärt den Willen der Katalanen für verfassungswidrig und verbietet dessen Ausdruck.

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querollo 26.03.2014, 01:32
4. Besorgnis erregend

Zitat von sysop
Katalonien hat 7,6 Millionen Einwohner und verfügt über eine eigene Sprache und Kultur. Katalanisch wird auch in Valencia, auf den Balearen und in Andorra gesprochen.
Offen gestanden ist Ihre Berichterstattung über Katalonien wirklich Besorgnis erregend tendenziös. Seriöser Journalismus sollte anders aussehen.

Von den 7,6 Mio. Einwohnern, sprechen nur etwa 30% Catalan als Muttersprache etwa weitere 5% sprechen Catalan ebenso gut und oft wie Kastilisch und die große Mehrheit spricht überhaupt nur Spanisch. Und ob es sich bei Catalan um eine Sprache oder einen Dialekt handelt, wird hier eher nach politischer Couleur beurteilt.

Catalan ist meiner Meinung nach ebenso zu beurteilen wie etwa Bayrisch. Und ebenso wie die Bayern so ihre Eigentümlichkeiten pflegen, tun das eben auch die Katalanen. Ob das nun gleich einen eigenen Staat rechtfertigt, mag jeder selbst beurteilen.

Weil es hier (ich wohne in Barcelona) in der Unabhängigkeits-Diskussion immer um das Absetzen von den Anderen geht, sollten Sie auch nicht unerwähnt lassen, dass sie die Balearen und Valencia ebenso wenig gemein mit Katalonien machen, wie Andorra. In keinem der genannten Landstriche wird der katalanischen Nationalfeiertag gefeiert (11. September). Und alle bestehen darauf, dass auch das bei ihnen in Verwendung befindliche Idiom eine ganz ureigene Sprache sei, nämlich Mallorquin oder Valenciano.

Was nun schließlich sie Umfrage angeht, auf die Sie sich stützen, würde ich da ganz gern eine Quelle genannt haben. Meines Wissens sinken nämlich die Zustimmungsraten seit Jahren. Mir mag da aber irgendeine ganz brandneue Umfrage von einem wirklich unabhängigen Institut entgangen sein. Die letzten Zahlen, die überwältigende Zustimmung suggerierten, die ich kenne, sind Jahre alt und das Ergebnis einer freiwilligen Umfrage, die nur in den ländlichen Gebieten stattgefunden hat und zu der nur gegangen ist, wer eben tatsächlich für die Abspaltung war. Ich glaube das lag so um die 85% - bei einer Wahlbeteiligung, die unter 30% lag. In der Metropole Barcelona würde man die Frage mit großer Sicherheit anders beantwortet haben.
Ich persönlich wäre deswegen sehr für ein Referendum - damit dieses unselige Thema endlich vom Tisch ist und die Politiker, die dieses Thema immer wieder anheizen endlich sehen, dass sie damit von ihren Fehlern nicht ablenken können.

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staubtuch 26.03.2014, 04:22
5.

Die Wirtschaftskraft Kataloniens ist begrenzt und erscheint nur auf den ersten Blick so, wie es immer wieder in den Medien dargestellt wird. Bei genauerem Hinsehen sieht das schon ganz anders aus. Und nicht immer war es um die heutige Boomregion Barcelona so gut bestellt. Dazu braucht man nicht lange in der Geschichte zurück zu blättern. Aber das wird gern vergessen. Hinzu kommt, dass Katalonien nicht nur Barcelona & Umgebung ist. Anstatt solch eines dusseligen Referendums sollten sich die Katalanen mit ihrer Energie nicht in Richtung eines Separatismus bewegen, sondern eher den Gedanken der EU annehmen: öffnen statt verschließen! Aber das ist viel anstrengender und führt auch bei Wahlen nicht zu dem gewünschten Effekt, zumindest weit weniger als die ewige Leier der populistischen Parolen.

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Helmarita 26.03.2014, 05:36
6.

Die vorherige span. Regierung hatte Katalonien mehr Rechte zugestanden, auch im steuerlichen Bereich, in welchem das Baskenland und Navarra schon längst Eigenständigkeit genießen. Deshalb sind dort die Unabhängigkeitsrufe auch längst nicht mehr so laut. Leider hatte die jetzige konservative Regierung Spaniens diese Rechte für Katalonien gleich wieder rückgängig gemacht. Dadurch haben sie jetzt ein umso größeres Problem. - Es stimmt das Katalonien eine eigene Kultur und Sprache besitzt, ein unabhängiger Staat ist es jedoch meines Wissens nie gewesen, sondern war Teil des Königsreichs Aragòn, der heutigen Nachbarregion, und später dann ganz Spaniens.
Was die Kultur betrifft, so ähnelt Bayern ja auch nicht gerade Ostfriesland. Die eigene Sprache, die allerdings sowieso in Katalonien vorrangig ist, mag zwar ein Thema sein, aber der ausschlaggebende Grundfür die meisten Katalanen ist wohl doch der wirtschaftliche.

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nomadas 26.03.2014, 05:53
7. Viva Espana?

Es war nicht anders zu erwarten. Das ungeliebte Madrid muss allen Anfängen wehren, sonst zerfällt das künstliche Gebilde. Heute Catalunia, morgen Pays Basquos übermorgen Andalucia. Es wäre das Ende des Zentralstaates. Doch Barce wird sich nichts vorschreiben lassen von Madrid. Und so werden wir spannende Zeiten vor uns haben. Das Umfeld ist explosiv: Gigantische Arbeitslosigkeit, Zerfall des Königshauses, Korruption in den großen Parteien, keine Aufarbeitung der Franco-Greul gegenüber den Ermordeten der Republikaner im Bürgerkrieg etc. pp - Die alte, braune Garde in Madrid y Castilla, die Falange, wird es schwer haben, die reichen, selbstbewussten Catalanen zu stoppen oder gar zu dominieren. Es riecht nach Zerfall. adios y hasta la proxima

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Meconopsis 26.03.2014, 07:03
8. Völkerrecht und die Völker

Wenn es denn ein Völkerrecht gäbe, das diesen Namen auch verdiente, dann sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass eine Region mit weitgehend einheitlicher Bevölkerung, Sprache und Kultur (sprich: ein Volk) einen eigenen Staat bilden darf, ohne dass der Zentralstaat das unterbinden dürfte. Im Falle von Katalonien wären für mich alle diese Bedingungen erfüllt.

Aber das aktuelle Völkerrecht orientiert sich zu sehr an bestehenden Grenzen und schreibt heterogene Staatsgebilde fest. Auf diese Weise kann immer ein Mehrheitsvolk ein Minderheitsvolk unterdrücken, indem es dem Minderheitenvolk die Unabhängigkeit verweigert, so wie es jetzt hier in Spanien geschieht. Insofern ist das, was wir im Moment haben für mich gar kein "Völker"recht, sondern eine Regelung, die einseitig die Grenzen bestehender Territorien favorisiert, und das Streben nach Autonomie und Eigenstaatlichkeit in den meisten Fällen unterbindet.

Auch ein Anschluss eines mehrheitlich von einem Minderheitenvolk bewohnten Gebiets an sein benachbartes Mutterland, wie im Falle der Krim, ist in meinen Augen etwas sehr Vernünftiges und zukunftsgerichtetes - damit legt man die Basis, dass künftige gewaltsame Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen gar nicht erst aufkommen können und keine Kriege entstehen. Und man vermeidet dabei Kleinstaaterei, wie im Falle des Kosovo, den man ja konsequenterweise mit Albanien hätte vereinen können. Dann hätte man auch die serbischen Gebiete im Norden wieder Serbien zuschlagen können. Und es wäre auf Dauer Ruhe im Haus. Und jetzt ? Mitrovica und Umgebung kommen nicht zur Ruhe. Wie kann man die Serben dort zwingen, im Kosovo leben zu müssen, obwohl Serbien direkt angrenzt ? Im übrigen herrscht im Kosovo die Mafia und das Land hängt nahezu komplett von Transferleistungen der EU ab. Eine größere Mißgeburt eines neues Staates hat es in Europa kaum je gegeben.

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Hamberliner 26.03.2014, 07:32
9. Ist ja auch logisch.

Zitat von sysop
Das spanische Verfassungsgericht hat die geplante Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens für unrechtmäßig erklärt. Die Region im Nordosten könne auf keinen Fall einseitig ein Referendum anberaumen.
Es ist ja auch logisch und entspricht dem gesunden Menschenverstand, dass nur alle Spanier gemeinsam darüber entscheiden können, ob die Existenz Spaniens beendet werden soll oder nicht. Wer dieses Argument belächelt kann sich vor Augen führen, dass auch Valencia, Baskenland, Asturien und Galicien ein Separatismus-Problem haben, und sich fragen, ob das, was ohne diese Regionen übrig bleibt, noch als Spanien definiert werden kann.

EU-Mitglied wär ein unabhängiges Katalonien sowieso nicht.

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