Forum: Politik
SPD auf Weg in GroKo: Volkspartei AfD
MESSINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Das Ja zur Großen Koalition war ein Nein zur Zukunft der SPD. Die deutsche Sozialdemokratie hat fertig. Früher war sie die Volkspartei des kleinen Mannes. Den Platz wird die AfD einnehmen.

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teacher20 22.01.2018, 17:54
290.

Na na, wer wird den gleich so schwarz malen! Totgesagte leben bekanntlich länger - wenn auch auf niedrigem Niveau. Andererseits ist nicht DIESE Parteitagsentscheidung der Anfang vom Ende der SPD als Volkspartei. Dieser Prozess ist vielmehr schon seit dem unrühmlichen Abgang Schröders im Jahre 2005 schleichend im Gang.
Was wäre denn die Alternative gewesen? Eine "Erneuerung" der SPD in der Opposition, von der die GroKo-Gegner träumen, wäre mitnichten ausgemacht gewesen. Und wie diese ominöse Erneuerung aussehen soll, können sie nicht sagen, abgesehen davon, dass sie die altbackenen Phrasen von der "sozialen Gerechtigkeit" mit all ihren Unterpunkten herunterbeten, mit denen schon Martin Schulz im Wahlkampf nicht verfing, zu einer Zeit, in der sozialdemokratische Sozialromantik angesichts einer knallharten wirtschaftlichen Globalisierung (und der damit einhergehenden Entsolidarisierung der „sozialistischen Internationale“) allenfalls noch von nostalgischem Interesse sind.
Das Problem, dem sich die SPD programmatisch gegenübersieht, ist das (letztlich unlösbare) Problem aller linker Parteien: die internationale humanitäre Solidarität (Stichwort: "Keine Flüchtlingsobergrenze"), die unweigerlich zu einer Überforderung des nun einmal auf nationaler Basis ruhenden Sozialstaates führt, im Zielkonflikt mit dem Bemühen um die "soziale Gerechtigkeit" für die eigene Klientel der "kleinen Leute". Internationalismus versus Nationalismus also.
Nur dass Sozialdemokraten immer dann schlecht ausgesehen haben, wenn sie die „nationale Karte“ spielten.

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GoaSkin 22.01.2018, 17:55
291. die Abspaltung der Linken ist ein Symptom gesellschaftlichen Wandels

Zitat von severus1985
Die Volkspartei SPD war in dem Moment zum Scheitern verurteilt, als sich die Partei "die Linke" ausgegründet hat. Durch den Verlust der wirklich linken Konzepte ist die SPD zu einer Partei des Einheitsbreis geworden. Oder anders gesagt, die Linke und die SPD müssen sich jetzt das Wählerklientel, welches sozialen Wohnungsbau, Lohngerechtigkeit etc. möchte teilen. Daher verstehe ich auch nicht, warum man eine Koalition mit den Linken auf Bundesebene so kategorisch ausschließt.
Die SPD war einst eine Volkspartei, weil sie eine breite Arbeiterschicht vertreten hat, die es heute nicht mehr gibt. Während es früher ein legitimer Lebensweg war, einen Hauptschulabschluss zu machen, um eine Arbeiterkarriere zu starten, bemühen sich die Leute heute eher, um jeden Preis Abitur zu machen, um einem Leben mit häufiger Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung zu entgehen. Die SPD wollte jedoch immer eine Arbeiterpartei bleiben, die weder Modernisierungsverlierer vertritt, noch für Leute, die aus dem Arbeitermilieu heraus Akademiker geworden sind. Die Linke bot sich als Partei an, die Menschen vertritt, die auf den Sozialstaat angewiesen sind. Der Nachwuchs aus den Arbeiterfamilien mit einer guten Ausbildung hingegen wählt CDU oder grün. Und wer von jeglichen anderen Parteien enttäuscht ist AfD.

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prologo 22.01.2018, 17:55
292. Die SPD macht sich überflüssig, und das ist gut so.

Zitat von e.pudles
besteht nun darin, dass die 400,000 SPD Mitglieder, zumindest die grosse Mehrheit vernünftiger und gescheiter sind als ihre sogenannten Top Politiker und bei der Abstimmung zur KroKo NEIN sagen. Denn wie Hr. Augstein es richtig beschreibt, die SPD ist dem Tode geweiht. Vielleicht gibt es noch eine Chance, dann wenn es in Kürze Neuwahlen gibt und die SPD dafür bestraft wird. Dann müssen die alt eingesessenen wie Schul, Nahles, Dryer, und wie sie alle noch heissen den Hut nehmen. Da wäre dann die Gelegenheit der SPD sich neu aufzustellen und zu orientieren. Sich wieder an ihre Grundwerte und Aufgaben erinnern. Dann könnte sie in 4 Jahren wieder bei 20% landen. Geht sie eine GroKO ein verschiebt sich das ganze 4 Jahre nach hinten, bedeutet aber das sichere Todesurteil für die Partei. Vermutlich ist das den heutigen Granden egal, haben sie dann gute Jobs in der Wirtschaft für sich besorgt, lassen es sich gut gehen und verlassen das sinkende Schiff unter dem Motto: "Nach mir die Sintflut"
Hallo e.pudles,
sehr treffend, Ihre Analyse. Wie auch die von Augstein. Aber ein Punkt wird von Euch beiden vernachlässigt. Schulz und sein SPD Führungsgremium, ich nenne das Komplott, haben gar nicht für die SPD gekämpft, sondern nur für sich selbst. Ohne neue GroKo wären sie weg vom Fenster, mitsamt Merkel und Seehofer.

Das wäre die richtige Erneuerung der SPD, um auch wieder die Glaubwürdigkeit einer sozialen Partei zu gewinnen. Denn die Glaubwürdigkeit der SPD hat Schulz regelrecht vernichtet. Zumindest hätte er nach der Wahl zurück treten müssen. Wie auch Merkel. Jetzt drohen uns weitere vier Jahre alternativ lose Stillstand, aber begleitet von ständigen Querelen zwischen SPD und CSU, begleitet von einer hilflosen Merkel.
prologo

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fraluxx 22.01.2018, 17:57
293. Hey Leute,

der Augstein schreibt doch nicht, dass die AfD die Partei des kleinen Mannes ist, sondern dass sie sich als solche geriert und vom kleinen Mann, der schon immer gross drin war, gegen seine eigenen Interessen zu stimmen als solche gesehen wird...

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hypnos 22.01.2018, 17:57
294.

Zitat von Spr.
Die Nazis interessieren sich nicht im Mindesten für die Probleme der kleinen Leute, sondern benutzen diese nur! Wer einmal genauer hinsieht, was in deren Programmen steht und wie deren Personal sich äußert merkt schnell, dass die Nazis, was den Abbau von Arbeitnehmerrechten und Sozialstaat angeht, die Wirtschaftsradikalen sehr weit hinter sich lassen. Gerade in den Hochburgen in den neuen Bundesländern ist überdeutlich zu erkennen, dass die soziale Komponente von den Wählern dort in die Nazi-Partei hineininterpretiert wird. So, wie die gleichen Wähler es vorher mit erst der CDU und dann mit der Linken getan haben. Sobald sich herausstellt, dass die Nazis den dortigen sich abgehängt fühlenden Wählern auch nicht die Taschen füllen, werden diese sich einen neuen Messias suchen. Das war es dann mit der Nazi-"Volkspartei".
Als Lehre aus der Katastrophe der Nazi Schreckensherrschaft und des 2. Weltkrieges beteiligte man die arbeitende Bevölkerung an dem Wirtschaftswachstum. Bis Mitte der 1980er Jahre konnte sich eine wachsende Mehrheit das Auto, ein Häuschen, einen Urlaub, das Einkehren in der Gastronomie leisten. Das Leben war planbar. Unter Kohl ging's los. Unter Schröder dann der neoliberale Putsch. Die SPD kassierte alle Errungenschaften für die Menschen. Seitdem prekäre Beschäftigung, Altersarmut für die Babyboomer, drohende Obdachlosigkeit. Und da schwafelt ein Schulz davon, dass die SPD unbedingt gebraucht wird, um den kleinen Leuten wenigstens etwas Erleichterung zu bringen? Für wie blöde hält die SPD die Leute?

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robertreagan 22.01.2018, 17:58
295. Wie passt es da zu Ihrer These

Zitat von nach-mir-die-springflut
Ihre Definition ist gut, Ihre Beispiele auch - bei Ihrer Ableitung aber hapert es. Vielleicht hören Sie ein bisschen mal den Aussagen von gerade Schulz und Stegner zu oder überhaupt den Parlamentsdebatten, Ihnen müsste auffallen, dass diese "Volks-"parteien in die Leidenschaften gefallen sind wie die Wespen in den Honigtopf. Nach Ihrer Definition sind eben die großen Parteien deshalb keine Volksparteien mehr, weil sie der Definition selbst nicht mehr entsprechen. Dass die AfD ein Feindbild hat, unterstellen Sie. Nicht alles, wogegen man sein kann, ist sogleich Feind und Kriegsgegner. Was Sie in den sozialen Netzwerken lesen, ist direkter formuliert, als es die AfD formulieren dürfte. Dass sie Frieden mit Russland will, NATO und Pentagon aber Russland als "Feind" erklärt haben, Merkel und Gabriel ja nun alles abgenickt haben, was NATO und Pentagon wollten, ein Blick nach Bremerhaven, was da angelandet ist bis jetzt an Kriegsgerät, spricht für sich selbst, ignorieren Sie. Links und rechts und Mitte passen heute nicht mehr in ihren Dogmen, man muss sich der einzelnen Sache widmen. Ist anstrengend, ist klar, zeitaufwendig, kein Platz für Parties und Shoppen.
über die AFD, dass diese Frieden mit Russland wolle, wenn aus deren Reihen - wie von mir zuvor beschrieben - in der Bundestagssitzung die Erhöhung des Wehretats auf 2% des BIP gefordert wurde? Da erkennt man doch die Heuchelei! Angeblich Frieden fordern, weil sich die Menschen das ja wirklich wünschen und somit Sehnsüchte und Instinkte angesprochen werden und dann klammheimlich für massive Aufrüstung werben.

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ingo.adlung 22.01.2018, 17:59
296. Den SPD Wähler ...

Zitat von dkdc
Frau Nahles hat sehr recht, wenn sie sagt, dass die Wähler die SPD bei Neuwahlen abstrafen würden, denn die SPD entzieht sich ihrer Verantwortung, wenn sie sich Koalitionsverhandlungen und ggf. einer GroKo entziehen würde.
... gibt es so nicht. Ich bin einer, der diesmal versucht hat strategisch zu wählen und wählte die SPD, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie so dumm sein könne sich nochmal in einer großen Koalition vorführen zu lassen und wollte ihr meine Stimme geben, damit wir eine starke Opposition haben, statt AfD und FDP das Feld zu überlassen. Ich habe mich geirrt und werde der SPD meine Stimme nicht mehr geben. Aber sie mag ja andere gewinnen. Ich glaub's nur nicht.

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qoderrat 22.01.2018, 18:01
297.

Zitat von djimi_btv
Haha, mit dem gleichen Personal? Noch am Wahlabend hat Schulz vom Neuanfang gesprochen. Und dann sind's gleiche Gesichter! Nahles, Scholz! Kaum einer aus der zweiten geschweige denn dritten Reihe! Ich fürchte es wird keine fundamentalen Änderungen geben!
Genau das habe ich mir auch gedacht. Dieselben Gesichter haben 8 Jahre Zeit gehabt ihr Profil zu schärfen, aber jetzt, jetzt plötzlich wird mit demselben Personal alles ganz anders. Irgendwie kann mich das jetzt nicht wirklich überzeugen. Muss es aber zum Glück auch nicht, icn habe wirklich links gewählt.

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hirnspender 22.01.2018, 18:02
298.

Zitat von oceang
So etwas hat es noch nie gegeben, dass eine amtierende Kanzlerin die Parteiführung ihres eigentlich politischen Gegners derart einphasen kann, dass diese sich sich bis zur Selbstzerstörung aufopfert nur um die Macht der Kanzlerin zu erhalten. Und das, ohne es selbst zu merken. Da fehlen einem schlicht die Worte. Wer sich da noch wundert, wenn Politikverdrossenheit aufkommt, demist nicht zu helfen.
Schade nur, dass Hasspolitik der Reflex vieler Verdrossener ist.
Empört Euch - aber richtig.

Möge Orakel Augstein irren...
Das kommt sicher nur von den Orakeldämpfen.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/daempfe-in-delphi-das-orakel-war-high-a-145502.html

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Pecaven 22.01.2018, 18:03
299.

Warum bedanken sich die Sponleser hier im Forum bei Augstein fuer diese schlechte und inhaltslose Kolumne. Merken die Leser denn nicht, dass sie ver..scht werden, oder sind sie auch nur links mit vielen Hoffnungen?

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