Forum: Politik
SPD in der Krise: Am Abgrund einen Schritt zurück
imago/ Hohlfeld

Der Rücktritt von Andrea Nahles macht nichts besser für die SPD. Solange sich die Partei nicht erinnert, wofür und für wen es sie gibt, wird sie immer tiefer stürzen - egal mit wem an der Spitze.

Seite 12 von 21
Bondurant 03.06.2019, 16:33
110.

Zitat von Hang.on
...dass die ganzen Möchtegernanalysten und Tagträumer immer noch davon fabulieren, dass die Agenda 2010 Schuld am Desaster sei. Das beweist wiederum nur, dass man nicht rechnen und schon gar nicht analysieren kann. Es gibt gar nicht so viel prekär Beschäftige, dass man damit Volkspartei wird. Wer von der Mehrheit gewählt werden möchte, muss Politik für die Mehrheit machen.
So einfach wäre das.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
heissSPOrN 03.06.2019, 16:34
111.

Zitat von Hang.on
...dass die ganzen Möchtegernanalysten und Tagträumer immer noch davon fabulieren, dass die Agenda 2010 Schuld am Desaster sei. Das beweist wiederum nur, dass man nicht rechnen und schon gar nicht analysieren kann. Es gibt gar nicht so viel prekär Beschäftige, dass man damit Volkspartei wird. Wer von der Mehrheit gewählt werden möchte, muss Politik für die Mehrheit machen.
Doch, es gibt davon viel mehr als vor der Agenda 2010 - denn diese hat erst die Aufweichung der Tarifautonomie, Leiharbeit und ein Sanktionierungsinstrumentarium geschaffen, die auch bei denen die Angst vor dem Abrutschen schürten, die vorher noch gute unbefristete Jobs hatten. Zu Zeiten der Inqusition hiess das "die Instrumente zeigen"!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gantenbein3 03.06.2019, 16:35
112. Soziale Gerechtigkeit

Zitat von muellerthomas
Eben, von den 6 Mio. Hartz IV-Beziehern sind zwei Millionen Kinder und deren meist alleinerziehende Mütter. Denen ist es schlicht nicht möglich, Vollzeit zu arbeiten und daher gibt es zusätzlich Hartz IV. Soll die SPD nun dafür sorgen, dass diese Mütter mit einem Halbtagsjob so viel verdienen, dass weder sie noch deren Kinder Hartz IV-Anspruch haben?
ist nichts für sonderbare Argumente, sondern ein Wert, wie Klimaschutz z.B., d.h. man braucht ein Programm mit dem Ziel, so wenig Ungerechtigkeit wie möglich zuzulassen und muss das dann auch ordentlich begründen können. Im Rahmen eines solchen Programms ginge es unter anderem darum, dass Mütter mit einem Halbtagsjob ein für sie und ihre Kinder ausreichendes Einkommen haben müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muellerthomas 03.06.2019, 16:43
113.

Zitat von dr.eldontyrell
Die Agenda hat nämlich auch in der Mittelschicht die Ängste vor dem Absturz in H4 geschürt und somit die Reallöhne kräftig gedrückt. Das haben mittlerweile viele kapiert. Und die Nutznießer dieses Systems sehen ihre Felle schwimmen.
Die Reallöhne steigen seit vielen Jahren. Und es mag sein, dass es bei einem Teil der Mittelschicht ABstiegsängste gibt. Einen Großteil der Mittelschicht spricht die SPD aber eher nicht an, weil die SPD keine Aufstiegsstory mehr bietet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
upalatus 03.06.2019, 16:47
114.

Zitat von Bondurant
Es gibt keinen deutschen Steinkohlebergbau mehr, aber Bergleute gibt es immer noch: Jeden Morgen fahren sie ein in den Schacht, nicht mehr vertikal wie damals, sondern horizontal mit der U-Bahn. Sie sitzen in abgedunkelten Räumen, damit die Sonne nicht blendet, und starren auf Bildschirme. Sie fördern Daten zutage, schieben sie hin und her, hacken sie mit bloßen Händen in die Tastaturen. Man kann jedenfalls festhalten, dass der Autor von Bergleuten und Industriearbeiterschaft keine Ahnung hat. Die Menschen, die er als moderne Bergleute bezeichnet, entsprechen eher der seinerzeit vorhandenen Klasse der Hausangestellten oder gar Diener: Leute, die Arbeiten machen, die eigentlich jeder machen kann und die entsprechend schlecht bezahlt werden, weil sie eben jeder machen könnte. Und mittlerweile auch in Indien oder Indonesien machen kann, ohne dass das dem hiesigen Auftraggeber auch nur auffiele. Die Bergarbeiter oder Stahlkocher von früher dagegen, das waren zu ihrer Zeit unersetzliche Spezialisten. Wenn es also so etwas wie die Aufgabe einer SPD gäbe, dann wäre es diese, wieder solche Schichten von Unersetzlichen zu schaffen und damit zugleich auch ein Wählerpotenzial. Wenn man aber natürlich immer nur auf die setzt, die der ständigen Fürsorge bedürfen - das können am Ende alle und die die am meisten leere Versprechungen machen am allerbesten.
...'Wenn es also so etwas wie die Aufgabe einer SPD gäbe, dann wäre es diese, wieder solche Schichten von Unersetzlichen zu schaffen und damit zugleich auch ein Wählerpotenzial.'

Diese Schichten von Unersetzlichen (eine zutreffend gewählte Bezeichnung, man könnte es auch 'ohne die geht nichts' nennen) gibts doch bereits. Die Crux an der Sache jedoch ist, dass diese Berufe gesellschaftlich, also von uns allen in wirksamer Gesamtheit, zunehmend als mindere Arschkartetätigkeiten betrachtet wurden/werden. Kaum einer will die machen, weil die Gesellschaft sozialprestigemäßig nach höherem streben möchte. Da findet eine klassische Arbeiter-Sozialdemokratiepartei halt kaum mehr Adressaten. Was jetzt für die spd an erster Stelle zu stehen scheint ist tatsächlich Hauptfokus auf die Fürsorge für jene, die dieser ständig bedürfen. Dann wird sie wohl zur all-season-Weihnachtsgeschenkepartei, wo überhaupt keiner mehr nach Herkunft von dicken finanziellen Mitteln fragt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
53er 03.06.2019, 16:49
115. Wie wäre es mit einer SPD

die sich für mehr netto vom Brutto für alle Arbeitnehmer und Angestellten stark macht? Egal ob das nun durch (viel) mehr Brutto oder durch wirklich nennenswerte Steuer- und Beitragssenkungen geschieht. In der GKV ist z.B. genügend Luft um an diesem Ziel zu arbeiten, hier wird ausgebeutet was auszubeuten ist, das ist zu stoppen denn im EU-Ausland geht das auch billiger. Und wenn schon Migration, dann bezahlt von allen Steuerzahlern, d.h. Löcher stopfen und nochmals Löcher stopfen damit kein noch so windiger Steuerhinterzieher sich entlasten kann. Tragt die CDU zum Jagen und wenn sie sich wehrt, zeigt mit dem Finger auf sie und schreit: "Haltet den Dieb". Ich denke bei soviel Lumperei müßt ihr euch heiser brüllen. Die CDU hat gerade ein Problem, das ist grün aber für euch weniger ein Problem. Und noch eins: Raus aus der GroKo, sonst seid ihr Kumpane beim Diebstahl und dann erübrigt sich das Obige.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muellerthomas 03.06.2019, 16:50
116.

Zitat von gantenbein3
ist nichts für sonderbare Argumente, sondern ein Wert, wie Klimaschutz z.B., d.h. man braucht ein Programm mit dem Ziel, so wenig Ungerechtigkeit wie möglich zuzulassen und muss das dann auch ordentlich begründen können. Im Rahmen eines solchen Programms ginge es unter anderem darum, dass Mütter mit einem Halbtagsjob ein für sie und ihre Kinder ausreichendes Einkommen haben müssen.
Da bin ich auch ganz bei Ihnen.

Aber bleiben wir mal bei der Mutter: Ein Einkommen aus einem Halbtagsjob wird so gut wie nie hoch genug sein, damit eine alleinerziehende Mutter und ihr Kind keinen Anspruch auf Unterstützung mehr haben.

Was wäre denn nun gerecht? Erhöhen Sie Hartz IV steigt die Zahl der Anspruchsberechtigten sogar. Dann wäre den Betroffenen zwar geholfen, aber auf dem Papier gäbe es nicht weniger, sondern mehr Bedürftige.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
salomon17 03.06.2019, 16:54
117. Den Nagel auf den Kopf getroffen!

Genau das ist das Problem der SPD. Aber einen Namen gibt es für das Dilemma schon: Schröder.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frenzelwildau 03.06.2019, 16:56
118. Reise nach Jerusalem

Schröder ist 1998 mit dem Slogan "Die neue Mitte" in den Wahlkampf gezogen, um unmittelbar nach dem Wahlsieg genau diese Mitte zu schröpfen - mit Ökosteuer, einer unsäglichen Rentenreform, die eigentlich nichts weiter bedeutete als ein unentwegtes Absenken des Rentenniveaus und nicht zuletzt den Hartz-IV -Gesetzen sowie einer dramatischen Ausweitung prekärer Beschäftigung (Werklohn, Zeitarbeit, Praktika), die Deutschland in ein Niedriglohnland verwandelte. Gleichzeitig hat der Genosse der Bosse mit Steuergeschenken für Konzerne dafür gesorgt, dass deren Manager vor Lachen nicht in den Schlaf fanden! Mit anderen Worten: Die SPD hat die CDU rechts überholt. Neoliberalismus pur !!! Das typische SPD-Klientel ist dabei durchaus vorhanden. Da hat der Auto völlig Recht. Nur traut dieses Klientel der SPD nicht mehr über den Weg. Auf vielen ihrer Themen sitzt heute Mutti Merkel mit ihrer CDU. Und echte sozialdemokratische Politik macht heute eine Partei, die die SPD noch mehr scheut als die CDU - nämlich die Linke. So steht die SPD derzeit ohne erkennbaren Markenkern da. Es ist ein bisschen wie bei der Reise nach Jerusalem. Ein Kreis voller Stühle mit SPD-Themen - aber drauf sitzen tun andere.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
willi.thom 03.06.2019, 16:56
119.

es ist richtig, was Herr Kuzmany schreibt, aber mit welchen Themen erreicht man die modernen Arbeitssklaven? Diese Menschen haben ja noch andere Rollen in unserer Gesellschaft. Die Menschen unter 30 Jahren mit der Grundrente? Mit so einem nebulösen Thema wie soziale Gerechtigkeit? Als Arbeitsministerin hat Frau Nahles Erfolge erzielt, für die sich die Kanzlerin in Harvard feiern ließ.
Es fehlt der SPD also das Gespür für die richtige Zielgruppe und die richtigen Themen. In dieser GroKo. die schlechteste Regierung seit langem , ist für die SPD nichts zu holen. Sie müßte an Neuwahlen interessiert sein, die die CDU fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, denn mit AKK ist kein Staat zu machen, das war hoffentlich der letzte große Fehler von Frau Merkel..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 12 von 21