Forum: Politik
SPD in der Krise: Am Abgrund einen Schritt zurück
imago/ Hohlfeld

Der Rücktritt von Andrea Nahles macht nichts besser für die SPD. Solange sich die Partei nicht erinnert, wofür und für wen es sie gibt, wird sie immer tiefer stürzen - egal mit wem an der Spitze.

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HARK 03.06.2019, 19:40
160. Grundeinkommen, bedingungslos

Das wäre eigentlich das Mega-Thema gegen die Ausbeutung der Dienstleistungs-Gesellschaft. Leider ist die gesamte SPD-Führung inkl. Nachwuchs zu borniert, um das zu erkennen. Jede entsprechende Diskussion wird im Keim erstickt...

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leserin62 03.06.2019, 19:40
161.

Absolut auf den Punkt gebracht. Der mit Abstand beste Kommentar zum Thema weit und breit. Bleibt zu hoffen, dass er sowohl für die Partei, als auch die potenziellen Wähler hilfreich ist.

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ArnoNyhm1984 03.06.2019, 19:51
162. Yep, genau so ist es!

Herr Kuzmany beschreibt das Dilemma der SPD sehr treffend. Interessanterweise gilt dasselbe aber ebenso für die CDU: Auch hier kann man nicht sagen, wofür diese Partei eigentlich steht -stellen wir uns also mal darauf ein, dass die CDU als nächstes zerstört werden wird.

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werner.kiefer 03.06.2019, 20:46
163. Sich selbst vergessen?

Der Aussage von Stefan Kuzmany, was der SPD heute fehle, sei ein „Kern“, der als „einleuchtende Botschaft“ quasi das Markenzeichen „SPD“ ausmacht, stimme ich gerne zu. Die SPD erzielte unter Willy Brandt 1972 ihr bestes Wahlergebnis mit 45,8 Prozent der Zweitstimmen, weil sie den Aufbruch aus den Verkrustungen des Kalten Krieges symbolisierte und damit massenhaft Menschen begeistern und mobilisieren konnte – die neue Ostpolitik, Maßnahmen zum Umweltschutz, mehr Demokratie, Frauenrechte und bessere Bildungsmöglichkeiten waren Schlagworte für das Ziel, mehr Lebensqualität schaffen zu wollen. Dies steht in starkem Kontrast zu dem Klein-Klein zwar berechtigter sozialer Forderungen, in denen sich SPD-Politik heute letzten Endes erschöpft, die aber kaum über Gewerkschaftspolitik hinausgehen und niemanden begeistern. Der SPD hat nicht den Mut, ihre nach Brandt vollzogene Anpassung an neoliberale Gesellschaftsvorstellungen aufzugeben und an einen gesamtgesellschaftlichen Entwurf auch nur zu denken, der über neoliberale Konstrukte hinausgeht, wie die parteiinterne Reaktion auf die Vorstellungen von Kevin Kühnert zeigt. Die SPD war die Partei der lohnabhängig Beschäftigten, denen es im Grunde egal war, was sie produzierten, ob die von ihnen abgebaute Stein- und Braunkohle, die Chemikalien, die Autos, die Waffen, etc., die sie herstellten, die Umwelt verschmutzten oder Menschen töteten, solange ihre eigene soziale Existenz gesichert war. Willy Brandt hat darüber hinaus gedacht, seine Offensive aber nicht lange aufrechterhalten können und letzten Endes gegen den ‚Pragmatiker‘ Helmut Schmidt aufgeben müssen, bevor auch dieser scheiterte. Das Momentum, über den Tellerrand der sozialen Existenzsicherung hinauszuschauen, sich auch für eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung des Einzelnen stark zu machen, neue Arbeits- und Lebensformen zu erproben, sich zu engagieren statt Macht zu delegieren, hatte die SPD zu diesem Zeitpunkt bereits an ‚Die Grünen‘ verloren, die seither enorm an Zugkraft gewonnen haben. Das kann nur denjenigen überraschen, der Wahlentscheidungen vor ihrem materiellen Hintergrund sieht und nicht von ihrem politisch-geistigen Impuls her, wie Gesellschaft strukturiert sein sollte und wo der Einzelne in der Welt steht. Dazu hat die SPD seit sehr langer Zeit nichts mehr zu sagen. Insofern glaube ich nicht, dass die SPD „sich selbst vergessen“ hat, wie Stefan Kuzmany vermutet, sondern sie hat in ihrem Einsatz für soziale Sicherheit – bei dem sie sicherlich viel erreicht hat – ‚vergessen‘, eine gesamtgesellschaftliche Idee zu entwickeln, für die sich ein Engagement lohnt.

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pygmy-twylyte 03.06.2019, 21:13
164. Das ist noch nicht das Ende

Zum Beitrag Nr. 156 von "vera gehlkiel": An dem regen Interesse am Zustand der SPD sehe ich persönlich weit weniger eine allgemeine Freude am Niedergang dieser zu Recht oder zu Unrecht als ideen- und orientierungslos, gestrig und überflüssig kritisierten Partei, sondern den Wunsch nach Besinnung und Erneuerung, Weichenstellung und Kurskorrektur, Neuaufstellung und Neuprofilierung. Und auch wenn auf die am Boden liegende Partei wie auf einen angezählten Boxer eingeprügelt wird, sehe ich dahinter nicht das Bemühen, ihr den Rest zu geben, wird sie doch - was die einen zu wissen glauben und andere nur ahnen - gebraucht, heute und vielleicht erst recht in der Zukunft. Welche andere Partei wäre denn in der Lage, die Lücke zu füllen, die bei einem totalen Abdriften der Sozialdemokraten entstünde? Die sozialistische Linkspartei, die mit ihrer als weltfremd und utopisch erachteten Politik selbst die im Osten beheimateten Stammwähler zusehends verschreckt? Oder die Partei, deren Markenzeichen die Umweltpolitik ist, ohne sozialverträgliche Konzepte auf den Tisch zu legen, und deren Wähler sich Grün leisten können? Die SPD wird also nach wie vor gebraucht, auch wenn die momentane Stimmung im Land nicht für sie und ihr Überleben spricht. Sie muss allerdings ihren Laden in Ordnung bringen, ihre Hausaufgaben machen und bei all ihren Entscheidungen Besonnenheit an den Tag legen.

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pygmy-twylyte 03.06.2019, 21:14
165. Das ist noch nicht das Ende

Zum Beitrag Nr. 156 von "vera gehlkiel": An dem regen Interesse am Zustand der SPD sehe ich persönlich weit weniger eine allgemeine Freude am Niedergang dieser zu Recht oder zu Unrecht als ideen- und orientierungslos, gestrig und überflüssig kritisierten Partei, sondern den Wunsch nach Besinnung und Erneuerung, Weichenstellung und Kurskorrektur, Neuaufstellung und Neuprofilierung. Und auch wenn auf die am Boden liegende Partei wie auf einen angezählten Boxer eingeprügelt wird, sehe ich dahinter nicht das Bemühen, ihr den Rest zu geben, wird sie doch - was die einen zu wissen glauben und andere nur ahnen - gebraucht, heute und vielleicht erst recht in der Zukunft. Welche andere Partei wäre denn in der Lage, die Lücke zu füllen, die bei einem totalen Abdriften der Sozialdemokraten entstünde? Die sozialistische Linkspartei, die mit ihrer als weltfremd und utopisch erachteten Politik selbst die im Osten beheimateten Stammwähler zusehends verschreckt? Oder die Partei, deren Markenzeichen die Umweltpolitik ist, ohne sozialverträgliche Konzepte auf den Tisch zu legen, und deren Wähler sich Grün leisten können? Die SPD wird also nach wie vor gebraucht, auch wenn die momentane Stimmung im Land nicht für sie und ihr Überleben spricht. Sie muss allerdings ihren Laden in Ordnung bringen, ihre Hausaufgaben machen und bei all ihren Entscheidungen Besonnenheit an den Tag legen.

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khs1959 03.06.2019, 21:34
166. Es gibt viel zu tun...

Wozu wir die SPD brauchen? Wie wär's z.B. für die Verteidigung unserer Demokratie? Für den Erhalt von Frieden und Freiheit? Für die Überwindung der von gewissenlos-verbrecherischen Kleptokraten herbeigespendeten Spaltung unserer pluralistischen Gesellschaft? Für die Sicherung und Fortentwicklung eines Sozialstaates, der allen Mitgliedern unseres Gemeinwesens ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht? Für die (überfällige!) Verwirklichung der durch das Grundgesetz garantierten Gleichstellung von Mann und Frau? Für die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen? Für die Abwehr des von einer bigotten Clique Ewiggestriger initiierten Generalangriffs auf die Werte von Humanismus und Aufklärung?

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kakophoniephobie 03.06.2019, 21:36
167. Gesamtgesellschaftliche Idee

Zum Post Nr. 164 von "werner.kiefer": Kompliment! Ein meines Erachtens sehr schön formulierter Beitrag, formal und inhaltlich eine Augenweide, dessen Aussagen ich nur unterstreichen kann. "Das Momentum, über den Tellerrand der sozialen Existenzsicherung hinauszuschauen, sich auch für eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung des Einzelnen stark zu machen, neue Arbeits- und Lebensformen zu erproben, sich zu engagieren statt Macht zu delegieren, hatte die SPD zu diesem Zeitpunkt bereits an 'Die Grünen' verloren, die seither enorm an Zugkraft gewonnen haben." Wie wahr! Nun also steht die SPD in der Pflicht, "eine gesamtgesellschaftliche Idee zu entwickeln, für die sich ein Engagement lohnt".

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willige 03.06.2019, 22:04
168. Gegemittel gegen Megaausbeutung?

Zitat von HARK
Das wäre eigentlich das Mega-Thema gegen die Ausbeutung der Dienstleistungs-Gesellschaft. Leider ist die gesamte SPD-Führung inkl. Nachwuchs zu borniert, um das zu erkennen. Jede entsprechende Diskussion wird im Keim erstickt...
Das von Heil vorgeschlagene Grundrente ohne jede Prüfung soll also was bringen.
Dann frage ich mich schon, weil dieses Thema ja schon vor der Eurowahl diskutiert wurde, warum die SPD davon nicht bei der Wahl profitiert hat.

Ich finde, die sogenannten kleinen Leute, die ja schon durch Erhöhung des Mindesteinkommens profitiert haben, welches ja hauptsächlich durch die SPD durchgesetzt wurde, sind undankbare Wähler. Die SPD sollte sich auf andere Gruppen konzentrieren, die Unteren bringen für die SPD nichts mehr.

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lalito 03.06.2019, 22:15
169. Mr. Bond

Zitat von Bondurant
Die "erste (bundesweite) Groko" regierte von 1966-1969 in der Bundesrepublik Deutschland und ebnete Willy Brandt den Weg zur Kanzlerschaft. Das kann ja kaum als entscheidender Fehler bezeichnet werden. Es ist aber typisch, dass solche Missverständnisse auftreten. Es mangelt vielen Diskussionsteilnehmer einschließlich der hochgelobten "Youtuber" vollständig an Geschichtsbewusstsein. Das auch kein Wunder in der Generation der Einzelkinder, die letzten Endes sich selbst für den Mittelpunkt der Welt halten und deren Begeisterung für Klimaaktivismus letzten Endes nur eine schlecht getarnte Selbstbefriedigungsfantasie ist: uns soll es in Zukunft noch besser gehen. Dass all ihre Pläne vielleicht dazu führen könnten, dass es gerade ihnen schlechter geht, kommt im Bewusstsein dieser Menschen gar nicht vor, eben weil sie kein Geschichtsbewusstsein haben und nicht wissen, dass es eben nicht zwangsläufig immer besser wird, ganz egal was man tut oder lässt. Wenn zum ersten Mal der Rechner nicht mehr angeht, weil der Akku leer ist und auch kein Strom zum Nachladen da, werden die Jungs und Mädchen erst begreifen, wie gut sie früher gelebt haben. Denen ist es ja zu gönnen, aber schade, dass auch andere darunter leiden müssen.
Die übliche Nummer, Rausschneiden aus dem Kontext, von oben herab, wie nur was, das Niedermachen - aber keine Ahnung von Thekla . . . sowie Biene Maja, oder Absicht?

Würden der Agent ihrer Magestät nicht auch nachvollziehen können, wie alle sonst beim Lesen des zitierten Posts, dass die erste der drei Spiderwomanfolgen gemeint war . . . warum nur, immer wieder solch hohle Masche? Bekannt.

Aber gut, man gönnt sich ja sonst nichts, nicht wahr?

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