Forum: Politik
SPD in der Krise: Am Abgrund einen Schritt zurück
imago/ Hohlfeld

Der Rücktritt von Andrea Nahles macht nichts besser für die SPD. Solange sich die Partei nicht erinnert, wofür und für wen es sie gibt, wird sie immer tiefer stürzen - egal mit wem an der Spitze.

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andre_36 04.06.2019, 14:47
200.

Zitat von Bondurant
aber offenbar nicht mehr zeitgemäß. Die Linken (alle) haben in den letzten Jahrzehnten eins vergessen: von Natur aus sind sie eine Partei der Mehrheit. Denn ihr Ansatz ist immer gewesen, dass es eine Minderheit gibt, die die Mehrheit ausbeutet und dass man diese Mehrheit vor der Minderheit beschützen muss. Und dafür war dann die SPD ganz konkret da, indem sie auf Teilhabe der Ihren am Wohlstand setzte, anstatt auf Revolution, wie das die ganz Linken im Seminar und bei Podiumsdiskussionen vertraten. Dann aber haben SPD und andere angefangen, die ausgebeutete Mehrheit in lauter Minderheiten zu unterteilen, um die man sich jeweils als entsprechende Minderheit kümmern müsste, das nannte man dann Identitätspolitik. Da sind dann die Interessen der "richtigen"SPD Anhänger mehr und mehr unter die Räder gekommen und die SPD hat sich als solche mehr und mehr überflüssig gemacht. Sehr schön zu beobachten ist das im Ruhrgebiet, wo früher die SPD gewissermaßen das ganze Leben mitbeherrscht hat, ob es jetzt um Schwimmbäder, Sportvereine, Museen, das Stadttheater, die Entsorgungsbetriebe oder eben auch die Ausländerintegration ging: Überall war SPD. Die Zeiten sind eben vorbei, aber daran ist die SPD zu einem nicht unerheblichen Teil selbst schuld.
Was Sie beschreiben, ist das Prinzip "Teile und beherrsche!" Indem die Mehrheit, die das wirtschaftliche Niveau des Staates erarbeitet, in viele Interessengruppen gespalten wurde, verhinderte man deren Solidarisierung. Stattdessen nehmen die Gruppen sich gegenseitig als Konkurrenz wahr und lassen sich von der herrschenden Minderheit am Nasenring durch die Manege führen. So glauben Arbeiter in Festanstellung, dass Hartz 4 nicht ihr Problem sei und deutsche Mindestlöhner juckt es nicht, das Asylbewerber keinen Mindestlohn erhalten. Die Medien beschäftigen sich ausführlich mit dem Geschlecht einer Handvoll Aufsichtsratsposten, während Millionen Menschen knapp über dem Existenzminimum leben. Festangestellte und Prekariat, Beamte und Angestellte des ÖD, Homosexuelle und Heterosexuelle, Osteuropäische, arabische, westeuropäische Migranten und Flüchtlinge. Junge und Alte, Frauen und Männer. Wessis und Ossis. Alle gegeneinander gehetzt, nur auf ihre kleine Gruppe fixiert, und die Großen sprechen sich mit der Politik ab, wie der Zustand weiter zu halten sei. Und die SPD mit dabei.

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markx01 04.06.2019, 17:51
201. Das tragische Element am Niedergang der SPD

ist im Grunde, dass die Zeiten eine starke sozailpolitisch orientierte Partei bräuchte und die SPD nicht zuletzt selbst daran schuld ist, dass man sie braucht.

Und nichts ist für eine Volkspartei schlimmer als Vertrauensverlust. Die CDU hat es da leichter mit Politik, weil man von ihr politisch nichts anderes erwartet. Deshlab dauert dort auch der Niedergang länger, obwohl sie genauso schuld an bestimmten Verwerfungen sind.

Insofern ist die SPD nicht nur Opfer ihrer eigenen Politik, sondern wird auch noch für die Fehler andere bestraft.

Im Zweifel muss man über die Opposition einen Teil des politischen Kurses bestimmen und sich so verlorengeganges Vertrauen zurückholen. Bleibt man in der Regierung, wird es schwierig.

Gruß

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DorianH 04.06.2019, 18:07
202.

Zitat von kakophoniephobie
Andrea Nahles ist wie Gabriel und Schulz das Opfer einer ideen- und orientierungslosen, viel zu selten Haltung zeigenden und mit sich selbst beschäftigten zerstrittenen Partei, die den Zorn der maßlos enttäuschten Mitglieder und Wähler deutlich zu spüren bekommt.
Nö, als Opfer sehe ich die Genannten ganz und gar nicht.
Denn die Haltung zu vielen Themen haben diese Personen allesamt mitgetragen und selbst auch vertreten.

Daher stehen die Roten da, wo sie stehen.
Und daher wurden diese Personen völlig zu Recht wieder in die Wüste geschickt.
Das wird sich erst wieder ändern, wenn die SPD im Programm und der entsprechend dazu passenden Personalauswahl glaubwürdig wird.

Vorher nicht.

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Rubikon_2016 04.06.2019, 19:14
203. Es ist an der Zeit,

sich ein neues Grundsatzprogramm zuzulegen. Und zwar absolut basisdemokratisch und ohne auf aktuelle Trends oder Wahlumfragen zu achten.
Und für dieses neue Programm, für diese Überzeugungen müssen die Wählerinnen und Wähler dann begeistert werden.
Denn Glaubwürdigkeit kann nur vermitteln, wer überzeugt ist, auf der richtigen Seite zu stehen und für eine wichtige und gerechte Sache einzustehen.

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Karla Winterstein 04.06.2019, 19:45
204. Was erwarte ich von den einzelnen Parteien

Ich habe mir eben mal genau diese Frage bezüglich aller derzeit im Bundestag vertretenen Parteien gestellt, und zwar in Bezug auf ihr zur erwartendes Handlungsspektrum in einer Regierung. Das ganze bevor ich mir jeweils Gedanken darüber machte, ob ich das nun jeweils befürworte, oder aber nicht.

Die Überraschung war, dass ich sehr schnell eine grundsätzliche Vorstellung bezüglich aller Parteien hatte, bis auf die SPD.

Wenn also jetzt eine Wahl anstehen würde, könnte ich diese Partei nicht wählen. Ich wüsste einfach nicht, was diese Wundertüte namens SPD nach der Wahl veranstaltet.

Es fehlt also ein wenig mehr, als nur eine Antwort auf die Frage, wofür die SPD steht. Mich würde nämlich auch noch sehr interessieren, wie sei das konkret umsetzen will.

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checkitoutple 05.06.2019, 02:19
205. Auf den Punkt gebracht Herr Kuzmany

Die SPD hat ihre Kernwähler so vergrault, das sie ihre Existenzberechtigung in Frage gestellt hat. Ach ja die Kernwählerschaft sind übrigenz nicht dke Harz 4 Empfänger!
Es war nicht der Sozialleiszungs Teil von Harz4 der die Stammwähler vergrault hat, der war gar nicht so schlecht gemacht.
Es war die Entsicherung der Arbeitsplätze, welcher eine Grundlegende Methode gewesen ist den Arbeitnehmer eine Verhandlungs Position zu geben und so für eine gewisse Teilhabe und einen kleine Anteil am Wohlstand geführt hatte.
Die einführung des neuen Präkatiats war der eigendliche Verrat der SPD an ihren Wählern. Das Resultat ist ja dann auch das Dumping Lohn Niveau in Deutschland derzeit.
Es ist nur eine Neben Aufgabe der SPD gewesen wenn auch eine wichtige nach dem.Fall in die Arbeitslosigkeit eine Grundsichetung zu erhalten.
Totales Versagen der SPD war den Angestellt Arbeitenden die Planungssichetheit zu nehmen und sie mehr oder weniger zu Mietfieh auf dem.Arbeitsmatkt zu machen.
Das sie das noch immer nkcht kapiert haben zeigt. das bei den Funktionären wohl keiner mehr wris, was Sozialdemokratie eigendlich meint.
Fie Botschaft war doch eigendlich klar Genossen der Bosse war die Kritik leider waren die Funktionäre wohl schon einen Schritt weiter, sie dind ja keine Genossrn mehr sondern eher Tischgesellen.
Denken sie zumindest. Wenn sie dereinst wach werden werden sie merken das sie immer am Katzentisch gesessrn haben.

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friesenpeter 05.06.2019, 08:07
206. Solidarität und Empathie

Der Kern der SPD kann nur Solidarität und Empathie sein. Alle mitnehmen, den einzelnen Menschen sehen und verstehen, zusammenarbeiten. Ihre Botschaft sollte die Liebe sein - die Liebe ist eine starke Botschaft. Sie sollte nochmal ihren Kropotkin rausholen und nachlesen, was das wirklich heißt.
Man kann es allerdings auch so sehen: Im Groben hat die SPD ihren Job gemacht. Es gibt bereits genügend Solidarität in Deutschland. Deswegen wählt sie auch keiner mehr, die Menschen haben andere Themen. Vielleicht sollte sie sich noch einmal aufraffen und denjenigen am unteren Ende einen etwas größeren Teil vom Kuchen besorgen. Ob der dann Rentenerhöhung, höhere Hartz4-Sätze, solidarisches Grundeinkommen oder sonstwie heisst, ist einerlei. Danach kann sie ein großes Fest geben und Ihre Auflösung feiern. Job done, mission accomplished.

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lollopa1 05.06.2019, 10:37
207. @checkitoutple

Sie sollten Ihre Beiträge nochmal lesen bevor Sie die abschicken, nur ein gut gemeinter Rat......

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rennflosse 05.06.2019, 11:30
208. Unmöglich

Zitat von Rubikon_2016
sich ein neues Grundsatzprogramm zuzulegen. Und zwar absolut basisdemokratisch und ohne auf aktuelle Trends oder Wahlumfragen zu achten. Und für dieses neue Programm, für diese Überzeugungen müssen die Wählerinnen und Wähler dann begeistert werden. Denn Glaubwürdigkeit kann nur vermitteln, wer überzeugt ist, auf der richtigen Seite zu stehen und für eine wichtige und gerechte Sache einzustehen.
Welche Partei kann heute mit ihrem Programm Wähler begeistern? SPD (und CDU) können es jedenfalls nicht. Das können nur kleine radikale Parteien, die mit einem entsprechend radikalen und auf wenige Punkte reduzierten Programm eine kleine Stammklientel aktivieren.
Ein Grundsatzprogramm ohne Berücksichtigung aktueller Trends und Umfragen führt genau dahin, wo die SPD ist: Ins Bodenlose.
Und welchen Politiker der SPD man auch immer fragen würde: die sind ALLE davon überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen. Leider sieht das Volk das anders.

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