Forum: Politik
SPD-Hoffnungsträger Schulz: Plötzlich Kanzlerkandidat
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Martin Schulz hatte drei Tage Zeit, sich auf die SPD-Kanzlerkandidatur vorzubereiten - bis Samstag wähnte er sich als künftiger Außenminister. Stattdessen soll er nun die Kanzlerin schlagen. Was ist sein Plan?

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Kit Kerber 26.01.2017, 10:25
90. Was ist der Plan?

Der gut geschriebene Artikel von Gathmann gibt Antworten auf viele Fragen, nur eben nicht auf die eingangs gestellte Frage: "Was ist sein Plan?"

Bisher wissen wir nur, daß in der SPD eine Euphorie tobt. Aber das ist noch kein Plan. Ob aus der Euphorie am Sonntag, wenn sich Schulz erklärt, ein Plan wird, steht in den Sternen. Vielleicht sollten wir einfach abwarten. Aber da alle schon heftig diskutieren und Dreyer gestern bei Maischberger sogar versicherte: "Wir sind die Partei der Zukunft", erlaube ich mir eine vorsichtige Vermutung: Es gibt keinen Plan, außer dem alten Plan, nach der BT-Wahl irgendwie wieder bei Merkel am Kabinettstisch zu sitzen.

Daß Schulz - als ehemaliger Bürgermeister von Würselen - die "Sorgen der Menschen" kennt und seine Parteigenossen "wichtig" findet, nehme ich ihm voll und ganz ab. Ohne Menschen, die ihn wählen, und ohne Genossen, die ihm zujubeln, kann er nichts bewegen, zumal er in Berlin schwach vernetzt ist. Und so üppig ausgestattet, wie er in Brüssel war, ist er in Berlin noch lange nicht. Immerhin: Er hat eine Sekretärin. Ein Anfang. (Wenn er sie gut erzieht, macht sie ihm den Kaffee, genau wie er's haben will.)

Jetzt muß er noch einen Plan vorlegen. Wir kennen bislang nur das Ziel: "Ich stehe vor einer Fraktion, die nach der BT-Wahl den Kanzler stellt". Dafür bekommt er stehende Ovationen. Nicht nur diese Euphorie ist erstaunlich, auch der grenzenlose Optimismus. Wenn keine gute Fee eingreift, wird die nächste Kanzlerin wieder Merkel heißen. Und die SPD kann froh sein, überhaupt noch mit am Tisch zu sitzen.

Bernstein - ein alter Sozialdemokrat der revisionistischen Richtung, heute würde man Seeheimer sagen - meinte mal: Der Weg ist das Ziel. Vielleicht meint Schulz ja: "Das Ziel ist der Plan." Ich vermute es sogar. Offen gesagt, ich bin schon lange kein großer Freund der SPD mehr. Mich interessiert das nur noch theoretisch. Wie kann es diese Partei, die meiner Meinung nach jegliches Vertrauen verspielt hat, und kein Vertrauen mehr verdient, doch noch irgendwie schaffen, den Kanzler zu stellen? Alles kommt jetzt auf den Plan an...

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localpatriot 26.01.2017, 10:29
91. Dampfredener = Vizekanzler

Zitat von herbert
Anders gefragt? Was hat Herr Schulz gegen die europaweite EU Frust und Absturz des Euros getan? Wo die 1 Millionen Fluechtlinge Europa und Deutschland ueberrollten, hat man ihn und seinen Freund Juncker Monatelang gar nicht bemerkt. Er ist ein Dampfredner aber es mangelt gewaltig an Taten. Von denen haben wir in Berlin schon reichlich.
Die SPD spielt sich gross und nennt den netten Herrn Schulz einen Kanzlerkandidaten. Aber höchstens wird er Vizekanzlerkandidat und dabei kommt es darauf an ob nicht eine andere Randpartei, wie z B die FDP oder die Grünen nicht in der Lage wären eine Regierung zu mitzubieten.

Leider hat die SPD unter Herrn Gabriel noch mehr an Substanz verloren.

Aber net ist er, und grosse Wellen wird er auch kaum schlagen.
Berlin kann weitermerkeln.

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dieter 4711 26.01.2017, 10:45
92. Vorteil für unser Land

Zitat von paulpuma
Ein unredlicher eitler Scharfmacher, der in Brüssel einen Scherbenhaufen hinterläßt, der keinen Erfahrung im Heimatland hat, soll nun so mal eben Kanzler werden? Naja. Was denkt sich eigentlich die Elite unserer "normalen Parteien". Gibt es nur eine handvoll ziemlich unqualifizierter Leute in einem 80-Mio-Volk, die dessen Geschicke bestimmen soll? Ganz schön abgedreht!
Lieber Paul,
was Du schreibst ist nicht die Wirklichkeit in Deutschland. Es ist für unser Land ein Vorteil, dass Schulz Kanzlerkandidat wird.

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pulverkurt 26.01.2017, 10:58
93. Re: Was wollt ihr eigentlich?

Zitat von Sal.Paradies
Wenn man sich in großten Teilen dieses Gemeckere über Hr.Schulz anhört, bekomme ich den Eindruck, hier gibt es unendlich viele Menschen die nach dem Motto verfahren, ich möchte den jetztigen Zustand nicht, lehne aber jede realistische Alternative ebenso ab !? (...)
Ich habe so eine Ahnung dass die meisten, die hier ihre Hasskübel über Herrn Schulz auskippen, am liebsten Frau Petry als Kanzlerin hätten. Diese Leute sind sowieso für eine vernünftige Diskussion verloren, und sie stellen auch nicht die Mehrheit (auch wenn ihr Geschrei in diesem Forum das vielleicht gerade suggeriert). Doch, Martin Schulz ist schon ein guter Mann, und seine klare Kante gegen rechte Hetzer macht ihn natürlich zu einem Angriffsziel von Rechtsaussen.

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Negira 26.01.2017, 11:19
94.

Ich bin ein bischen erstaunt über die Kommentare wie z.B. Unbekannt.
Er ist neben Jean Claude Juncker der bekannteste EU-Politiker. (mal abgesehen von Öttinger, aber das hat ja andere Gründe ;) )
Unbeliebt ? Ich weiß nicht. Gefühlt ist er sehr viel beliebter als Gabriel, der mit seiner miesepetrigen Miene die Leute verschreckt.
Ich denke seine Chancen sind gar nicht so schlecht, da die meisten Leute Frau Merkel einfach nicht mehr sehen können. Die Leute wollen frischen Wind und da er in der momentanen Regierung nicht vertreten ist, geht das schon in die richtige Richtung.
Aber er hat meiner Meinung nach nur eine Chance, wenn er auch die Leute von sich überzeugt, die panische Angst vor Rot-Rot-Grün haben, nämlich die wirkliche Mitte.

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prinoset 26.01.2017, 13:50
95. Die Frage ist

doch, zumindest bei dieser Konstellation, Pest oder Cholera. Merkel hat Deutschland und Europa zerlegt und steht für den globalen Rechtruck und für den Brexit und den Trumpsieg. Wofür, außer großem Tamtam, steht Schulz. Wer weiß das schon. Seine Politik steht eigentlich für die selben Vorsätze wie Merkel. Mithin , warum sollte man ihn wählen. Davon abgesehen, wird er noch durch die Medien gejagt werden, weil die Zukunft auch der Presse geht nur mit Merkel; zusammen in den Untergang oder nicht, das ist dann die Frage. Allerdings werden wir sehen, dass alle Vorhersagen nicht zutreffen, da Trump unberechenbar ist. Leider wird es nicht spannend, sondern düster.

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prinoset 26.01.2017, 14:23
96. Viele, die nun

Schulz präferieren, drücken doch eigentlich nur die Hoffnung auf Änderung aus, egal wer es ist, Hauptsache eine andere Politik. Nur die werden sie mit Schulz nicht bekommen. Die gleiche Politik nur im anderen, etwas lauterem Gewand.

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ackergold 26.01.2017, 16:02
97.

Zitat von prinoset
Schulz präferieren, drücken doch eigentlich nur die Hoffnung auf Änderung aus, egal wer es ist, Hauptsache eine andere Politik. Nur die werden sie mit Schulz nicht bekommen. Die gleiche Politik nur im anderen, etwas lauterem Gewand.
Das ist eine Behauptung, die letztlich auf keinem Fundament gründet, also "Fake News". Tatsächlich ist davon auszugehen, dass Schulz sehr wohl die Baustellen angeht und etwas ändert. Allen anderen ist dies eher nicht zuzutrauen.

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messwert 26.01.2017, 17:23
98. M. Schulz soll die SPD retten?

Als treuer SPD-Genosse einstmals als Parlamentarier in einer seinerzeit noch wenig wahrzunehmenden EU gut untergebracht, hatte sich Martin Schulz, vor allem rhetorisch verbindlich, zum Parlamentspräsidenten gemausert. Aufgrund der zwischenzeitlichen Problemhäufung die die EU meist unvorbereitet traf, rückte M. Schulz kraft seines Amtes, voll in den Fokus der EU-Mitgliedsstaaten und darüber hinaus. Entsprechend unschwer waren seine jeweiligen Parteinahmen und Statements zu allen bedeutenden Problemstellungen via Medien zu verfolgen. Von wegen,- Hr. Schulz sei hierzulande wenig bekannt! Im Gegenteil, für mich und viele anderen, wurde er zunehmend zum Buh-Mann. Neben seiner deutlich spürbaren Lobby-Verbundenheit und ausgeprägten EU- Bürgerignoranz, machte er sich auch zum Verfechter der Schuldenvergemeinschaftung, sprich, die Schulden der Euro-Mitgliedsstaaten per Euro-Bonds auf alle Euro-Mitglieder zu übertragen. Unabhängig von den jeweils herrschendend Wirtschafts-und Landesverhältnissen. Als starker Globalisierungsbefürworter trotzte er dem verbreiteten EU-Bürgerunmut und beteiligte sich am Durchboxen des Handelsabkommens Ceta und hätte TIPP am liebsten gleich mit erledigt. Es gäbe zwar noch Einiges anzuführen wofür Martin Schulz am angeschlagenen EU-Zustand mitverantwortlich ist und damit vielen dt. Bürgern eher wenig vertrauenswürdig erscheint. Doch er ist nun mal Kanzlerkandidat der SPD! Warum auch nicht? Nachdem sein Verbleiben als EU-Parlamentspräsident nicht möglich war, zieht es der Macht-Verliebten Martin Schulz eben vor, anstelle eines einfachen EU-Parlamentsposten, hierzulande die beiden SPD –Spitzenpositionen zu übernehmen. Na dann gilt es halt abzuwarten.

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Gudrun3 27.01.2017, 23:36
99.

Erkennungsmelodie der SPD muss statt personeller Fragen endlich wieder die soziale Frage sein, also echte Reformen zu Gunsten der ungeheuren Mehrheit der Habenichtse gegen die organisierte Bourgeoisie.

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