Forum: Politik
SPD-Parteitag: Schmidt warnt vor deutscher Kraftmeierei in Europa

In der Schuldenkrise übernimmt Deutschland*die Führungsrolle in Europa - und vergrätzt viele seiner Partner. Vor den Folgen dieser "Kraftmeierei" hat jetzt Altkanzler Helmut Schmidt beim SPD-Parteitag in Berlin gewarnt. Deutscher Nationalismus löse bei den Nachbarn immer noch "Unbehagen und Besorgnis" aus.

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Chris110 04.12.2011, 14:13
150. Visionen...

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen (H.Schmidt).

All die Visionen von den "Vereinigten Staaten von Europa", von einer europ. Regierung, von gemeinsamer Haftung für alle Schulden: Vergesst es endlich.

Die europ. Staaten werden in absehbarer Zukunft niemals ihre nationale Souveränität aufgeben. Sie werden niemals im ganzen Umfang für die Schulden der anderen haften. Das sind Dinge, die einfach nicht durchsetzbar sind.

Die EU ist, was sie ist: Ein Zusammenschluss, eine Kooperation, ein Gebilde mit einer gemeinsamen Währung. Deshalb braucht sie eine gemeinsame Finanz- und Haushaltspolitik. Das war der Fehler. Aber mehr ist sie nicht! Keine Eurobonds, keine Haftung für Schulden anderer. Die EU ist kein Nationalstaat. Mit den Briten wäre das z.B. nie zu machen.

Verschont mich bitte mit euren Visionen, und insbesondere H.Schmidt sollte sich an sein eigenes Zitat erinnern.

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diefreiheitdermeinung 04.12.2011, 14:15
151. Also nehmen wir mal an

Deutschland nimmt die Worte vom Altbundeskanzler ernst und nimmt sich aus der Fuehrungsrolle heraus und zeigt statt "Kraftmeierei" Ideen- und Fuehrungs- und Entscheidungsschwaeche. Wer fuellt die Luecke ? Das Durcheinander von 27 verschiedenen Meinungen die zu keiner Entscheidung fuehren ? Die Kraftmeierei eines Herrn Juncker der Deutschland's Steuerzahlern vorschreiben will wo es hinzugehen hat ? Die verzweifelten aber nicht wirklich ernstgenommenen Versuche Herrn Baroso's sich gehoer zu verschaffen ? Wenn nicht Deutschland im Verband mit Frankreich, wer dann ? Die Schuldenstaaten etwa ? Oder jene die mir zwerghaften Betraegen nur an einer Rettung beteiligt werden ? Oder gar England das keinen Euro hat ? Wer zahlt schafft an und so ist es auch hier. Wem es nicht passt soll doch selbst bitte die Fuehrungsrolle und die finanziellen Konsequenzen daraus uebernehmen ? Aber ich warte; vielleicht hat Herr Schmidt statt parteipolitisch gefaerbte Kritik an Frau Merkel noch einen realistischen Vorschlag wie man es besser und fuer den deutschen Steuertzahler akzeptabler macht. Vielleicht. Meine Erwartung ist allerdings nicht sehr hoch. Schoen, dass wenigsten das Ausland seine Attacke beklatscht.

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alexbln 04.12.2011, 14:17
152. .

Zitat von recommentor
Die zum Teil sehr dümmlich erscheinenden Herablassungen über die Rede Schmidt's, die man in Gänze gehört verstanden haben sollte(!), werfen ein beredtes Schlaglicht auf eine primär materialistisch, egoistisch ausgerichtete Gesellschaft, der die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein scheint, Politik in ihrer geschichtlichen Dimension und demnach in historischen Zusammenhängen zu begreifen. Gerade für uns Deutsche eine dauerhafte, pflichtige Vorgabe! Man kann Schmidt als ehemals aktiven Politiker und Bundeskanzler selbstverständlich kritisieren, man mag sogar Widersprüche seiner heutigen Sicht mit seinem früheren, politischen Handeln aufzeigen; es grenzt aber geradezu an eine Verleumdung Schmidt's, wenn man ihm als 'Elder Stateman' und Zeitzeugen über rd. 65 Jahre politischen und journalistischen Wirkens die Aufrichtigkeit abspricht, aus der Distanz aktiver Tagespolitik fundamentale Zusammenhänge und Schlussfolgerungen aufzuzeigen, die namentlich im Interesse Deutschlands das einzige Ziel verfolgen, Europa und die fortzuschreibende Integration seiner Mitglieder aktiv sicherzustellen. Im Bewußtsein der katastrophalen Folgen nationalistischer Großmannssüchte hat sich Deutschland mit (Art. 23 GG) zur Mitwirkung bei der Verwirklichung eines vereinten Europas, bei der Entwicklung der Europäischen Union, die demokratischen, rechtsstaatlichen, sozialen und föderativen Grundsätzen und dem Grundsatz der Subsidiarität verpflichtet ist, verschrieben. Dem z.Bsp. entgegenzuhalten, nach Schmidt's Rede müsse Deutschland schwach werden, damit die anderen Länder keine Angst mehr vor Deutschland haben, ist törichter Unsinn und verkennt die politischen, finanzwirtschaftlichen und und psychologischen Zusammenhänge in einem Europa der Vaterländer, die jedes für sich und für das gemeinsame Ganze seinen Beitrag zu erbingen hat.
es hat im übrigen überhaupt nichts mit nationalismus zu tun.
darum geht es gar nicht. es geht hier um vernüftig und unvernüftig. mich verbindet zum beispiel mehr mit norditalien, finnland als berlin, wenns um haushalten geht. berlin ist (aus historischen gründen) pleite- aber diese gründe ziehen sich als mentalität bis in die gegenwart, weil auch berlin als bundesland maßlos über seine verhältnisse lebt(umsonst kita als kleines beispiel) und dinge gerne einfordert die dann andere bundesländer bezahlen sollen. sowas kann aber nicht funktionieren udn stiftet dauerhaft unfrieden

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chrimirk 04.12.2011, 14:17
153. Eine große Rede, typisch Helmut Schmidt!

Endlich wieder Jemand aus D. der zeigt, dass er Überblick hat.
In einem Punkt bin ich allerdings anderer Ansicht: Als Nachkriegsgeborener, frei aller bräunlicher Schattierung, will ich nicht mein ganzes Leben lang (und womöglich meine Kinder auch noch) im Büsserhemd und willigem Scheckbuch (im übetragenem Sinne) herumlaufen, womöglich bei allen Gesprächen/Begegnungen mit Ausländern, z. B. Polen, Russen oder Juden, schlechtes Gewissen haben und mich irgendwie schämen, ohne zu wissen wofür!
Die sog. "historische Verantwortung" bin ich nicht bereit im Sinne von H. Schmidt zu tragen, wohl aber ist mir sehr bewusst, welch unermessliches Leid und Übel aus deutscher Hand, gerade unseren Nachbarn, zugefügt wurde.
Ich nehme mir trotz dem oder gerade deshalb heraus, auf ungute politische Tendenzen oder Entwicklungen nicht nur in D. sondern auch bei unseren Nachbarn, hinzuweisen. Und -freilich muss Art und Weise der Äusserung angemessen sein- das wurde bislang auch akzeptiert, ja oft entstand daraus erst ein interessanter Dialog.

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curti 04.12.2011, 14:18
154. Phrasen und Realitätsverlust.........

mehr zeichnet Schmidt und den SPD-Parteitag bislang nicht aus. Da wettert er unter tosendem Beifall gegen die Finanzmärkte und was man nicht alles dagegen tun muß, ohne nur ansatzweise zu erwähnen, daß seine Partei mittels Eichel, Asmussen und Steinbrück kräftig mitgemischt hat all die Schweinereien erst zu ermöglichen. Und wenn er davon spricht, daß Zweifel am Euro Blödsinn seien und dieser >>wahrscheinlich<< stärker sei als die DM, bekundet er eigentlich nichts anders als zu keinem fundierten Urteil fähig zu sein. Er sollte seinen Ruhestand genießen und da die SPD nichts anderes kann als alte Werte zu propagieren aber nachweislich nicht zu erfüllen vermag, sollte sie in die gleiche Position eintreten.

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almabu! 04.12.2011, 14:22
155. Schmidt hätte sich zur grundsätzlichen Ausrichtung Europas

Zitat von recommentor
...
und der neoliberalen Reformen seines Nachfolgers Schröder und deren verheerenden Einfluss auf Europa äussern können!

Der Applaus wäre sicher um ein vielfaches höher gewesen in der Halle?

Es ging aber darum einen Bogen zu spannen vom Industrie- und Bankenhörigen Schmidt über den Industrie- und Bankenhörigen Schröder zu einem von ihm angepriesenen Industrie- und Bankenhörigen Steinbrück.

Gegen ein Deutschland mit einer ausgeglichenen Handelsbilanz in einem sozial ausgerichteten Europa GLEICHBERECHTIGTER Partner hat keiner etwas ausser dem ewigrechten SPD-Fossil Schmidt!

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notty 04.12.2011, 14:24
156. Was will er denn???

Zitat von sysop
In der Schuldenkrise übernimmt Deutschland*die Führungsrolle in Europa - und vergrätzt viele seiner Partner. Vor den Folgen dieser "Kraftmeierei" hat jetzt Altkanzler Helmut Schmidt beim SPD-Parteitag in Berlin gewarnt. Deutscher Nationalismus löse bei den Nachbarn immer noch "Unbehagen und Besorgnis" aus.
Schmidt mag ja in vielem richtig liegen, aber die Zeit der Scheckbuchdiplomatie muss aufhoeren.
Die deutschen Politiker sind zuallererst den deutschen Buergern verpflichtet....was stellt sich Schmidt denn vor, immer stillschweigend bezahlen, kuschen und Asche auf's Haupt streuen?
Ich bin nach dem Krieg geboren und soll IMMER weiterbezahlen, alternativlos?

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presidio 04.12.2011, 14:25
157. Schmidt als wahrer Europäer

Schmidt gehört in meinen Augen eben noch zu der Sorte Politiker, denen Europa viel mehr als nur eine reine Wirschaftsunion bedeutet. Europa ist in erster Linie ein Friedensprojekt, begründet auf GEMEINSAMEN Wohlstand. Während er und Giscard d'Estain, Kohl und Mitterand zumindest symbolisch versucht haben Einigkeit zu demonstrieren, sind mit Merkel und Sarkozy zwei Möchtegern-Europäer am Werk, die vor allem nationale Interessen vertreten, nach dem Motto "Was schert mich der griechische Steuerzahler, Hauptsache meine Wähler sind zufrieden". Ich unterstelle Merkel reines machtpolitisches Kalkül, wenn Sie EU-weit den Hardliner gibt und Chauvinisten wie Kauder ins Rampenlicht stellt. Wie Schmidt stelle ich bei Politikern der CDU/CSU ebenfalls einen starken Hang zur Deutschtümelei fest, der Blick in die Vergangenheit ist nur noch lästig, Vergessen und Verdrängen ist viel praktischer. Keine Spur mehr von der Hinterlassenschaft Adenauers oder Kohls. Schmidt, und mag er noch so alt sein, tut dies eben nicht und zeigt in einer einzigen Rede weit mehr Feingefühl im Umgang mit den europäischen Partnern als Merkel in ihrer ganzen Amtszeit!

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diefreiheitdermeinung 04.12.2011, 14:25
158. Die koennten noch zu einem ganz anderen Schluss kommen

Zitat von rugall70
Welche Konsequenzen sollen wir denn aus diesem Schmidtschen Vorwurf ziehen? Will er, dass die Politik Firmen wie Daimler und Siemens vorschreibt, weniger zu exportieren?
denn ... haette Portugal, Italien, Griechenland etc. nicht aus Deutschland importiert (naemlich z.B. Maschinen etc die in diesem Laendern teilweise ueberhaupt nicht produziert werden - aber warum eigentlich nicht aus Deutschland ?) so haetten diese Laender die Dinge ganz wonaders bezogen. z.B. aus Japan, den USA, Schweden, der Schweiz oder sogar aus Brasilien. Was haette es ihnen geholfen? Null komma Nichts! Es ist deshalb ganz einfach Bloedsinn zu argumentieren das Elend Italiens waere die Schuld deutscher Exporte. Wer aber z.B. nicht mehr will, dass Siemens & Co aus Deutschland heraus exportieren fuer den hat Siemens eine ganz andere Loesung parat: wie waers denn mit aequivalenten (jawohl. gibt es!) Produkten aus den Siemens Fabriken in China, Brasilien, Indien etc ? Dort wenigsten wird ein erfolgreicher Exporteur nicht auch noch von duemmlichen Politikern und sonstigen Apologeten niedergemacht.

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Zwrgns 04.12.2011, 14:29
159.

Zitat von Liberalitärer
... Seien wir lieber den USA dankbar. Ohne die Aktion letzte Woche wären die Geldautomaten in Europa im Streik - ja so drastisch war es wieder, vielen scheint das nicht so klar.
Von dieser Aktion, welche angeblich das Weltfinanzsystem gerettet hat, liest man in den Medien relativ wenig. Gibt es Quellen zu diesem Thema ?

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