Forum: Politik
SPD-Politiker Hartmann: "Ich war tot"
Christian Thiel

Michael Hartmann hatte eine Lebenskrise. Dann nahm er Crystal Meth und verlor fast alles. Jetzt ist der SPD-Politiker zurück im Bundestag. Zu Besuch bei einem, der neu anfangen will.

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Celestine 18.10.2014, 15:28
110.

Tja, bei der Politprominenz wird einfach entschieden, das alles wieder gut ist, von heute auf morgen, und es gibt eine nette Homestory.

Sorry, aber das ich Heuchelei pur! Die Diskriminierung von Personen, die Drogen missbrauchen und dabei auffliegen, ist ein riesiges Problem in diesem Land. Kein Wort davon in diesem Artikel, ging ja auch nicht um einen "normalen" Jugendlichen oder einen Durchschnittsarbeitnehmer. Als Schüler wird man aus der Schule geschmissen (es sei denn, die Schulleitung wäre modern, aufgeklärt und verständnisvoll), beinahe jeder fliegt vom Job, ob Hilfsarbeiter oder Manager. Daher wird das Problem vertuscht.

Außerdem: Wer Drogen missbraucht, um seine Befindlichkeit zu regulieren, sozusagen als Ersatz für Antidepressivum z.B., hat ein gravierendes Problem. Es gibt den unproblematischen Drogengebrauch, aber nicht, um eine Depression oder eine Krise zu "behandeln". Im Nebensatz wird erwähnt, dass Herr Hartmann eine Therapie macht, immerhin.

Löblich ist der offene Umgang mit dem Drogengebrauch, selbst, wenn er diesem Fall sehr oberflächlich ist. Das Problem ist, dass nun der Eindruck entsteht, als ob das in den meisten Fällen auch so möglich sei. So ist es keineswegs. Geheimhaltung ist eher die Normalität.

Ich kann nicht beurteilen, ob Herr Hartmann von Drogen süchtig war. Wenn ja, so ist der Weg der Überwindung der Sucht eine lange und steinige, welche viel Entschlossenheit und Beharrlichkeit von dem Betroffenen verlangt, durch eine professionellen Therapie, flankiert durch eine liebevolle und empathische Begleitung durch Lebenspartner, Familie und Freunde. Falls es so ist, so wünsche ich Herrn Hartmann auf jeden Fall, dass ihm dies gelingt.

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Celestine 18.10.2014, 15:40
111.

Zitat von ornitologe
ich habe meine Bruder durch Drogen + Aids verloren. Vielleicht urteilen Sie ein wenig zu schnell - ohne Ihr Gegenüber zu kennen. Und wenn ich der Meinung bin, dass Drogen und Politik keine gute Mischung ist, nennen Sie mich schlicht? Sehr seltsam...
Es ist ein schreckliches Schicksal, dass Menschen an Drogensucht und/oder AIDS sterben. Viele Suchtkranke haben einen langen Leidensweg, werden trotz unzähliger Versuche, clean zu bleiben, immer wieder rückfällig. Aber das ist nicht bei allen so.

Es gibt viele Erfolgsgeschichten, aber sie bleiben zum Großteil geheim. Was in die Öffentlichkeit kommt, sind diese traurigen Schicksale. Daher entsteht auch der Irrglaube, dass es immer und zwangsläufig so ist. Das ist falsch.

Was glauben Sie, wie viele Politiker Alkoholiker sind? Wo ist der Unterschied? Für mich gibt es keinen.

Jeder hat eine zweite Chance verdient, unabhängig von dem Suchtmittel.

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