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Sprache und Diskriminierung: Die sollen erst mal anständig deutsch lernen!
DPA

Integration gelingt über die Aneignung der Landessprache - dieser Satz ist Allgemeingut. Doch welche Logik steckt hinter dieser Forderung? Ist Sprache tatsächlich ein Hauptmerkmal "nationaler Identität"?

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stempelchen 02.07.2016, 19:47
90. Fordern und Fördern

Im letzten Absatz spricht die Autorin eine berechtigte Forderung der Migranten aus, egal wo sie her kommen: "auch die Einwanderer sollten in diesem Sinne fordern dürfen, dass sie respektvoll und differenziert in ihrer persönlichen Kultur und Sprache wahrgenommen werden." Die Forderung ist sehr bescheiden aber angemessen.

Zu Beginn des Artikels schreibt die Autorin viel über Bildungsnachteile durch Sprachdefizit bei Kindern. Das muss nicht sein, aber die Behebung des Sprachdefizit ist Sache der Eltern. Sie müssen nur erlauben was alle Kinder dürfen: Auf Straße und Spielplätzen mit anderen Kindern spielen. Dann kommt die deutsche Sprache en passent, um es mal auf hochdeutsch zu sagen.

Leider bleiben die Eltern unter sich und verlangen das gleiche von den Kindern. So wird das nichts.

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euenos 02.07.2016, 19:48
91. Als Deutscher, der im aussereuropäischen Ausland lebt,

war es für mich nie eine Frage, ob ich die Landessprache erlerne oder nicht. Wie will ich mich mit meinen neuen Nachbarn und Mitarbeitern unterhalten, wenn nicht in Portugiesisch, da ich seit fast 60 Jahren in Brasilien lebe ?
Dass mich heute noch mancher an meinem Akzent als Deutscher erkennt, stört weder mich noch ihn.

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jan07 02.07.2016, 19:49
92.

Zitat von desertman
"Integration" und "nationale Identität" sind zwei verschiedene Dinge. Das sollte eine Professorin für Europäische Ethnologie eigentlich nicht in einen Topf werfen. Ich lebe seit 15 Jahren in den USA, bin ziemlich gut integriert und spreche natürlich auch die Sprache des Landes. An meiner nationalen Identität hat das aber nicht viel geändert (weshalb ich heute Fußball gucke und hoffe, das Deutschland gewinnt).
Wenn ich als 60 jähriger Deutscher z.B. in die Türkei auswandere, kann ich machen, was ich will: ich werde dort immer als Deutscher wahrgenommen. Auch Sprachkenntnisse und Doppelpass würden daran nichts ändern. Was a berichtet heisst, dass ich nicht die Landessprache nach bestem Wissen und Gewissen lernen sollte. Sonst geht Integration gar nicht.

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Metalhead 02.07.2016, 19:50
93. die soziale Frage

tja, in der Schweiz ist Mensch gezwungen italienisch, französisch oder schwiizerdütsch zu lernen.

Ein Freund von mir hat es zu einem Unternehmen in die frz. Schweiz verschlagen. Er konnte Deutsch, Englisch und Spanisch - nun nach 3 Jahren in der frz. Schweiz auch ganz gut Französisch.

Ich denke Einwanderer aller Couleur tun sich gut daran die sie umgebende Sprache zu lernen. Man lernt ja auch die Sprache der Mathematik, will man sich technisch ausdrücken können.

Oder ist es diskriminierend, wenn ein Sprachwissenschaftler einer Diskussion über E-Technik nicht folgen kann?

@russischen Mitforisten - ihre Vermutung betreffend des polnischen Satzes war hervorragend. Meine polnischen Freunde fanden es immer wieder sehr witzig mich polnisch sprechen zu hören, da die korrekte Aussprache sehr schwierig ist. Aber Polen sind sehr stolz, wenn Ausländer versuchen polnisch zu sprechen.

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tempus fugit 02.07.2016, 20:01
94. Jo,....

Zitat von smokerslounge
Deutsch muss vorherrschend bleiben, und zwar gutes Deutsch. Das Chaos, was sonst entsteht, erlebe ich täglich auf der Arbeit. Und das hat auch sicherheitstechnische Relevanz, da es sich bei mir um einen Chemiebetrieb handelt. Da ist mit kultureller Vielfalt und Gedöns nicht viel zu erreichen.
....wessen Deutsch?


Ein Freund aus dem Logistikbereich kolportierte, dass
eine Sendung statt nach Porto von einem östl. deutschen Zeitgenossen nach Bordeaux abgefertigt wurde...

Aber noch aus der Zeit, als Transportaufträge noch mit der 'Schreibmaschine' erfolgten... (;>)))

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CancunMM 02.07.2016, 20:02
95.

Und da wundert man sich, wenn die AfD immer mehr Zulauf bekommt. Da theorisiert eine lebensfremde Professorin völlig wissenschaftlich verquast warum wir unsere eigene Kultur und Sprache nicht schützen und erhalten sollen. Mein Gott. Wie soll jemand aus einem anderen Kulturkreis unsere Kultur, Errungenschaften, Demokratieverständnis und Gesellschaft respektieren, wenn wir das selbst nicht machen. Wie in dem Fall von der muslimischen Familie in Berlin, die sich diskriminiert fühlt, weil eine Lehrerin auf den Handschlag bestand. Der Vater der Familie, der die Lehrerin deswegen anzeigte lebt seit über einem Jahrzehnt in Berlin und redet nicht ein Wort deutsch. Weil er es nicht kann oder nicht will. Und darüber regt sich keiner auf. Wenn Özil die Nationalhymne nicht mitsingt muss man Verständnis dafür haben, gleichzeitig werde ich bei jedem Spiel anderer Nationen vom Kommentator darauf hingewiesen, dass unter Videotexttafel xy der Text der Nationalhymne von Nation xy ist damit man mitsingen kann. Wir Deutsche sind schon komisch. Die eine Hälfte übersteigert nationalistisch und die andere bis zur Selbstaufgabe die eigene Kultur verleugnend.

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kunibertus 02.07.2016, 20:04
96. Mein Sohn (Deutscher)

lebt mit seiner Frau (Weissrussin) in der französischsprachigen Schweiz. Da stand die Frage nach der Sprache überhaupt nicht. Er spricht sowieso französisch - er war vorher in Frankreich tätig - sie hat es gelernt und mein Enkel wächst nun dreisprachig auf. Allerdings hat das in Genf praktizierte französische Schulsystem einen entscheidenden Vorteil. Dort beginnt die Schule im Alter von vier Jahren mit verpflichtendem Französischunterricht. Ich bin zur Einschulung meines Enkels gewesen. Nach meiner Einschätzung hat keines der Kinder französisch als Muttersprache gehabt - wer Genf kennt weiß, dass es dort Stadtviertel gibt. die überwiegend von Ausländern bewohnt werden. Jedenfalls haben die Kinder, wenn der reguläre Schulunterricht beginnt ein solches Sprachniveau, dass sie dem Unterricht folgen können. Selbstverständlich wird in der Familie auch überwiegend französisch gesprochen.

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leinritt 02.07.2016, 20:07
97. Oh. ja die Sprache,

ist Nummer 1, die man lernen sollte. Bin vor 52 Jahren in die USA eingewandert und weiss wie wichtig die Sprache des neuen Landes ist. O.K. habe bis heute immer noch einen leichten deutschen Akzent, kann mich aber mit jedem unterhalten und musste auch Jury-Duty verrichten und da ist Englisch wohl wichtig. Mein erster Chef hier sagte " If you speak more English, you get more money" werde das nie vergessen und ich lernte schnell mehr englisch. Das selbe gilt auch fuer D, ohne die Kenntnisse der Sprache ist eine Intergration sehr schwer. Viele in New York geborenen Latinos sprechen oft nur spanisch und bei vielen kommt es dann spaeter zur Kriminalitaet u.s.w. Leider ! Deswegen die Beherrschung der Sprache ist fuer mich Nummer eins ! Es wuerde heute keine USA geben, haetten die Deutschen, Schweden, Franzosen etc. weiterhin ihre eigene Sprache gesprochen, eine Sprache brachte alle zusammen " Englisch".

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Wirbelwind 02.07.2016, 20:09
98. So langsam wird es lächerlich

Dass nationale Identität nichts mit Abstammung oder Religion zu tun haben soll, ist ja noch vermittelbar. Aber wenn jetzt zusätzlich auch noch behauptet wird, die deutsche Identität habe nichts mit der deutschen Sprache zu tun, dann wird es langsam lächerlich.

Schon lange bevor es einen deutschen Staat gab, wurde der deutsche Sprachraum als "Deutschland" bezeichnet. Lange Zeit war die deutsche Sprache also im Grunde sogar das *einzige* Identitätsmerkmal der Deutschen. Und das soll jetzt im Zuge der totalen Diskriminierungsfreiheit auch noch für illegitim erklärt werden?

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räbbi 02.07.2016, 20:32
99.

Nunja, ich habe den Artikel jetzt eher quer gelesen, aber davon abgesehen erwarte ich einfach, dass man sich zumindest um die Landessprache bemüht.

Da muß ich mich nur in meinem Kollegenkreis umsehen. Kollege A bemüht sich um die deutsche Sprache. Für den gebe ich nebenher, wenn es gerade möglich ist, quasi den Deutschlehrer.
Wie ging das Futur II noch gleich und wofür gibt's das überhaupt...?
Kollege B ist der Meinung, dass er mit seinen paar Brocken schon klarkommt. Er ist ja zum arbeiten da.
Aber dann rumheulen, wenn ihn die pösen Deutschen nicht richtig integrieren. Glücklicherweise halb so schlimm, er hat ja noch Landsmann C, der ähnliche Ansichten vertritt. Der kommt jetzt nach 4 Wochen Urlaub in der Heimat endlich wieder. ;)

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