Forum: Politik
Sprache und Diskriminierung: Die sollen erst mal anständig deutsch lernen!
DPA

Integration gelingt über die Aneignung der Landessprache - dieser Satz ist Allgemeingut. Doch welche Logik steckt hinter dieser Forderung? Ist Sprache tatsächlich ein Hauptmerkmal "nationaler Identität"?

Seite 2 von 15
kantundco 02.07.2016, 16:34
10. Hä?

Wie meinen, Frau Getz?
"Die Rolle von Sprache wird in unserer Gesellschaft diskriminiert." Was soll dieser Satz bitteschön aussagen? Diskriminierung heißt ja Abgrenzung. Also wir die Rolle von Sprache in unserer Gesellschaft abgegrenzt? Von was? Und wozu?
Auch den Begriff "meint" als Ersatz von "bedeutet" zu verwenden, zeugt nun nicht von sprachlicher Glanzleistung.
Natürlich ist gerade im Deutschen (und nicht nur auf die Bundesrepublik beschränkt) die Sprache der Zugang zum Kulturverständnis. Dies mag in anderen, weit über den eigentlichen Ursprungs-Kulturraum verbreiteten, Sprachen etwas anders sein. Es braucht auch keine teuren Sprachkurse für Ausländer. Man muss einfach nur Anschluss suchen und mit den Deutschen deutsch sprechen. Wer da am Anfang Fehler macht, wird auch nicht ausgelacht, sondern seine Anstrengungen für den Spracherwerb werden respektiert. Wer allerdings nach ein paar Jahren in Deutschland nicht die Landessprache sprechen kann, der hat tatsächlich ein Problem. Ginge jedem Auswanderer auch nicht anders. Wenn man sich nicht nur einzelne Trainer, sondern die ausländischen Fußballspieler selbst ansieht, dann stellt man verwundert fest, wie schell unsere Sprache doch erlernt werden kann. Nur der Will muss halt da sein. Geld braucht dafür allerdings keines.

Beitrag melden
Juro vom Koselbruch 02.07.2016, 16:44
11. Mein ...

... unaufgeregter aufgeklärter Umgang mit der Muttersprache besteht darin, dass ich eindeutig nicht Türkisch lernen werde, um türkische Kinder in meiner Klasse zu unterrichten, deren Eltern mindestens zwei Jahre hier sind und sich um das Erlernen der deutschen Sprache nicht kümmern oder nicht kümmern wollen oder nicht kümmern dürfen, weil z.B. Männer ihren Frauen verbieten, in Deutschkurse zu gehen, weil da ja Männer anwesend sein oder unislamische Dinge gelehrt werden könnten.

Ähnliches gilt für Russisch, Italienisch usw.

In der Pflicht sind da die Immigranten.

Beitrag melden
alexnoe 02.07.2016, 16:46
12.

Es gibt auch noch etwas zwischen dem Unverständlichen Pseudodeutsch mancher Fußballtrainer und dem Verlangen nach "akzentfreiem Deutsch". Estland z.B. verlangt, dass man Estnisch auf Stufe B1 des europäischen Referenzrahmens lernt. Die Ausrede, dass Estnisch eine gewisse Einstiegshürde mitbringt, gilt nicht.

Beitrag melden
apestuipe 02.07.2016, 16:47
13. guter Artikel, Frau Götz

Ein paar mal musste ich schmunzeln: Wenn ausgerechnet Berliner auf akzentfreies Deutsch pochen. Oder bei den kosmopolitischen Eltern. Ich komme aus einem Land in dem Mehrsprachigkeit die Regel ist. Die deutschen Zuwanderer bei uns in Südafrika glänzen nicht gerade durch schnellen Spracherwerb, schon garnicht durch akzentfreien. Und in mittlerweile etlichen Jahren in D habe ich gerade mal eine Handvoll Leute mit richtig gutem Englisch kennen gelernt. Die jüngeren können es besonders beklagenswert schlecht und man fragt sich warum. Bis D ein multilinguales Land ist dürfte noch viel Wasser den berühmten Rhein hinunter fließen

Beitrag melden
Metalhead 02.07.2016, 16:52
14. Sprache, Umgangsformen, Auftreten

Zitat:

Dabei werden auch hier Unterschiede gemacht: Die Sprache der europäischen Nachbarländer haben einen hohen Distinktionswert - Englisch, Spanisch, Französisch sind in den Schulen vermittelte Zweitsprachen, kulturelles Kapital der gebildeten kosmopolitischen Eliten. Doch wie sieht es mit Türkisch oder Polnisch aus? Auch hier spiegeln sich althergebrachte Hierarchisierungen und Diskriminierungen.

Das ist so ein Quatsch - ob Sprachen gemeinhin gelernt werden hängt von ihrer Mächtigkeit ab. Während im Mittelalter fleißig Latein gebüffelt wurde, im Barock Französisch und jetzt eben Englisch hat mitnichten was mit "Diskriminierung" zu tun. Das hat einfach pragmatische Gründe.

Türkisch ist nur interessant, wenn man direkte Beziehungen in die Türkei oder bestenfalls noch Aserbaidschan hat. Wo wird polnisch gesprochen? Ah, doch nicht etwa exklusiv in Polen?

Hinzu kommt das einige Sprachen erheblich komplexer zu lernen sind als andere: Versuchen Sie als nicht Muttersprachler sich mal an Sätzen wie "Stół z powyłamywanymi nogami." Da kommt uns die historische Tatsache das die Insel von Angeln, Sachsen, Dänen und Normannen überannt wurde doch sehr entgegen. Alternativ können Sie ja mal gucken welche Chance Gälisch als Weltsprache hätte.

In sehr weiten Zeiträumen gedacht könnte mal Hochchinesisch oder Arabisch wichtiger werden als Englisch - aber soweit ist es noch nicht.

Meine eigentliche Gegenfrage lautet: Warum sind Vietnamesen, Russen und Polen erfolgreicher in der Schule und besser integriert? Warum spricht bereits die zweite Generation dieser Leute besser Deutsch als zum Teil die 3. und 4. aus dem orientalischem Kulturkreis?

Ein kleiner Tipp - an der Sprache liegt das ganz sicher nicht!

Beitrag melden
Sueme 02.07.2016, 16:55
15.

Ihnen ist jetzt aber schon klar das Englisch, Französisch und auch Spanisch in irgendwie mehreren Ländern gesprochen werden wie Türkisch oder Polnisch, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben. Das mit den Sprachen ist so ein kleines wenig Historisch Kolonial bedingt, muss man aber nicht wissen oder sich gar Gedanken um ein "wieso ist das so" machen wenn man denn nur mal wieder die Schuld bei anderen suchen möchte.

Ich wage mal zu behaupten in jedem Land dieser Erde wird es von den Einheimischen als unhöflich empfunden wenn zu gereiste nach Jahren sich immer noch nicht verständlich in der Landessprache ausdrücken können. Und das lernen der Landessprache ist nicht wirklich eine Bringschuld, es ist auch nicht Schuld des Staates wenn Familien zu Hause lieber in ihrer gewohnten Sprache sprechen und ihren Nachwuchs damit hindern die "Landessprache" zu lernen und ihm damit vielleicht auch einen Teil seiner Zukunft verbauen.

Beitrag melden
Checkweg 02.07.2016, 16:56
16. Ja aber sicher

Sprache baut die Brücken in ein Land und in eine Gesellschaft...
Ich lebe seit 9 Jahren im nicht englischsprachigen Ausland und erst so langsam bin ich in der Lage tiefere Kontakte und Freundschaften zur lokalen Bevölkerung problemlos zu knüpfen.
Es ist für Ihr Gegenüber unheimlich anstrengend wenn man sich nicht ausdrücken kann bzw. man nicht zwanglos kommunizieren kann.
Und sich Leute (als Freunde, als Nachbarn zum Schwätzchen etc.-ausserhalb der Arbeit) zu suchen die in der Hinsicht nicht "anstrengend" sind da sie vernünftig die Landessprache sprechen hat NICHTS mit Rassismus, NAtionalismus oder sonstwas zu tun..nirgendwo.

Beitrag melden
Hagbard 02.07.2016, 17:00
17.

Zitat von paulvernica
Wenn Sie mich hören würden würden Sie hören das ich Kölsch spreche. Dadurch werde ich in Köln völlig akzeptiert. In Düsseldorf jedoch werde ich natürlich ausgegrenzt. Natürlich ist Sprache der stärkste Identitätsbestimmer. Oft höre ich türkische Kollegen klagen, dass sie in der Türkei nicht mehr als Türken akzeptiert werden, weil sie nicht richtig türkisch sprechen können. In Deutschland werden sie nicht akzeptiert weil sie nicht dialektfrei Deutsch sprechen können. Also multi-kulti ist Mist, für alle.
Aber nur, weil die, die sagen er wäre Mist, ihn zum Mist machen.
Wenn man jemanden wegen seines Akzents, Dialekts oder Radebrechens ausgrenzt und diese Ausgrenzung dann zum Beleg nimmt, dass jemand der Sprache wegen ausgegrenzt wird, ist das doch Käse.

Für mich stellt sich das so dar: Mit Leuten, zu denen man Kontakt haben will, ist man nachsichtig oder bemüht sich. Bei den anderen nimmt man die Sprache halt als Vorwand.

Beitrag melden
xxgomeraxx 02.07.2016, 17:01
18. Deutsch können, um sich zu integrieren

Natürlich ist es absolut notwendig, die Landessprache zu können, um sich wirklich zu integrieren. Deutsch ist nun mal die Amtssprache hierzulande, in einigen Regionen gehören das Sorbische oder Dänische dazu. Wer das nicht begreifen möchte, sollte sich als Migrant dann doch lieber dort niederlassen, wo gesichert ist, dass sein "exotischer Dialekt" (=andere Sprache) verstanden wird. Wer meint, das Erlernen der deutschen Sprache beginne erst mit dem notwendigen, weil gesetzlich verlangtem Schulbesuch hierzulande, obwohl der Sprössling in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, dürfte seinem Kind einen Bärendienst erwiesen haben. Er trägt zum Scheitern der Integration bei. Ich bin dafür, dass alle Kinder ab 3 Jahren den (deutschsprachigen) Kindergarten besuchen, einen Kindergarten mit vielen Lernangeboten und der Möglichkeit, bis zum Schulbesuch soviel Deutsch erlernt zu haben, dass man dem Unterricht sofort folgen kann! Alles andere ist Blödsinn! Es führt zum Scheitern der Kinder und noch mehr Problemen. Kinder von Flüchtlingen sollten auch erst am allgemeinen Unterricht teilnehmen dürfen, bis ein gewisser Mindestwortschatz als Grundlage verankert ist. Wer nicht Probleme "noch und nöcher" haben möchte, müsste mir eigentlich zustimmen können! Außerdem werden durch mehr Kindergärten auch mehr Arbeitsplätze der sinnvollsten Art geschaffen.

Beitrag melden
menschsagmal 02.07.2016, 17:02
19. Es geht doch um Integration und

nicht Nationalität. Wer in einem fremden Land lebt und nicht die Sprache spricht, kann nicht integriert werden. Ich verstehe die Menschen nicht, die schon Jahre hier wohnen und kein Wort sprechen.

Beitrag melden
Seite 2 von 15
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!