Forum: Politik
Stadtentwicklung Ost: Frau Haubold reißt ihren Kindheitstraum ab

Eisenhüttenstadt war der Stolz der DDR, die "erste sozialistische Stadt" vom Reißbrett, modern, hell, eine Offenbarung für die Bewohner. Gabriele Haubold und ihre Familie zählten damals zu den ersten Bürgern. Heute arbeitet sie als Architektin und reißt den Traum ihrer Kindheit ab.

Seite 1 von 2
angara 02.01.2012, 10:27
1. Wohnen und Arbeiten!

Zitat von sysop
Eisenhüttenstadt ... war: eine Stadt ohne die Narben des Krieges, ein eigenes Kinderzimmer an der Straße der Republik, Licht in den Wohnungen und Birken im Hof.
War doch eine schöne und erfolgreiche Idee!
Zitat von sysop
Früher hieß Entwicklung: wachsen - heute heißt es: schrumpfen
Warum nur schrumpfen, wenn es doch so schön war? Ja wo ist die Antwort? Ohne Arbeit sind die Menschen eben nicht zu halten. Seit 20 Jahren ist die sozialistische Planwirtschaft zu gunsten der scheinbar überlegeneren Marktwirtschaft abgelöst und bringt es nicht auf die Reihe, in Brandenburg für Arbeit und Lohn zu sorgen. Warum? Marktwirtschaft ist nur dann der Planwirtschaft überlegen, wenn Sie das Attribut sozial beinhaltet!
Da spricht die Teilüberschrift "Entwicklung = schrumpfen" Bände. Das sagen Sie mal einem Herrn Wulff, Ackermann, Mehdorn u.v.a.m.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
huettenfreak 02.01.2012, 10:55
2. Also

die Häuser aus den 50igern sind doch sogar recht gut gelungen - erinnert mich an die Berliner Stalinallee/Karl-Marx-Allee.

Ein Negativbeispiel ist es vor allem deshalb weil die gesamte Stadt mit dem Untergang der DDR ihre Existenzberechtigung verloren hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mertrager 02.01.2012, 12:17
3. Haesslich

Es liegt mir fern, schlecht über Hütte zu reden. Die Stadt hat auch ihre schönen Seiten.
Obwohl dieser Artikel eigentlich wesentliche Probleme, also Negatives, darlegt, ist er sprachlich in einem positiven Grundton gehalten, der einen Aspekt verwischen könnte.
Die Art und Weise, wie hier Platte gebaut wurde, ist besonders abweisend. Da fehlen leider auch die passenden Fotos.
So wurden besonders auch im Stadtteil Fürstenberg Altbauten massiv durch Plattenbauten bedrängt.
Der Wohnkomplex an dem der Mann verantwortlich mitarbeitete, mit dem Frau Haubold vor der Wende verheiratet war, ist besonders bedrückend. Eigentlich so häßlich, daß ich auch das Wort grausam für passend halte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ZiehblankButzemann 02.01.2012, 12:41
4. Interessante Lebensgeschichte!

Würde mich mal interessieren was unser ewiger Kanzler "Abrissbirne" Kohl dazu sagen würde?

Wissenschaftler haben bei Untersuchungen entdeckt, daß Berufe bei denen Menschen etwas zerstören oder abreißen dürfen, besonders befriedigend sind weil anscheinend unheimlich viele Glückshormone dabei ausgeschüttet werden. Man kann ja beim Kleinkind schon herrlich beobachten wieviel Freude das Einreissen des gerade gebauten Bauklötzchenturms den Schnullerbacken bereitet.

Regt auf jedenfall zum Nachdenken an.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
paulvr 02.01.2012, 12:55
5. Plattenbau

Als nicht-Deutscher habe ich mich immer gewundert über dieses Wort daß in Westdeutschland immer wieder verwendet wurde um äußerst negativ über solchen Gebäuden aber ausschließlich in der DDR und anderen sozialistischen Ländern zu reden.

Ich war in verschiedenen "Plattenbäuten" in der DDR, und fand da eigentlich wenig anders als ich aus den Niederlanden (z.B. Bijlmer bei Amsterdam) oder Frankreich (HLM's) kannte.
Trotzdem habe ich nie gehört daß man dieses Wort verwendete für ähnliche "Massen-Mensch-Haltungen" im Westen. Oder habt Ihr aehnlichen Bauten oestlich von Paris nie gesehen?
Ist das bloß eine Propagandasache oder...?

Im allgemeinen empfand ich die DDR-Gesellschaft als weit normaler als uns im Westen vorgegauckelt wurde. Als wir in der BRD rumgereist sind zum Beispiel gab´s immer wieder den Làrm von Dùsenjàger und von Militaerkolonnen. Wir reisten in den Ferien von West nach Ost und von Sùd nach Nord durch die DDR, mehrere Jahren lang, und nur einmal fanden wir bei Zufall ein russisches Militaerlager im Wald in Norden von Berlin - und dafuer waeren wr dankbar weil wir den Weg nach Neubrandenburg suchten und die uns Auskunft gaben. Kolonnen oder Duesenjaeger wird es wohl irgendwo gegeben haben aber wir sahen davon absolut nichts. Ruhe, laendliche Ruhe, und freundliche Menschen die sich noch Zeit fuer einander nahmen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
phboerker 02.01.2012, 13:19
6. ...

Zitat von paulvr
Als nicht-Deutscher habe ich mich immer gewundert über dieses Wort daß in Westdeutschland immer wieder verwendet wurde um äußerst negativ über solchen Gebäuden aber ausschließlich in der DDR und anderen sozialistischen Ländern zu reden.
Doch, die Plattenbauten in Westdeutschland und West-Berlin heißen "West-Platte". Der Grund, warum die westlichen Plattenbauten nicht so stark thematisiert werden, ist einfach, dass kein ganzes westliches Land insgesamt nur eine Handvoll von verschiedenen Bauten errichtet hat, dafür aber jeden einzelnen Entwurf tausendfach und flächendeckend. Die Gropiusstadt, das Märkische Viertel oder die Thermometersiedlung sind gegen Marzahn eine Randerscheinung, jeweils aber (bei aller Hässlichkeit) voneinander architektonisch unterschiedlich. Den Plattenbau Typ Marzahn finden Sie hingegen in dutzenden ostdeutschen Städten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nikon2000 02.01.2012, 13:44
7.

Zitat von phboerker
Doch, die Plattenbauten in Westdeutschland und West-Berlin heißen "West-Platte". Der Grund, warum die westlichen Plattenbauten nicht so stark thematisiert werden, ist einfach, dass kein ganzes westliches Land insgesamt nur eine Handvoll von verschiedenen Bauten errichtet hat, dafür aber jeden einzelnen Entwurf tausendfach und flächendeckend. Die Gropiusstadt, das Märkische Viertel oder die Thermometersiedlung sind gegen Marzahn eine Randerscheinung, jeweils aber (bei aller Hässlichkeit) voneinander architektonisch unterschiedlich. Den Plattenbau Typ Marzahn finden Sie hingegen in dutzenden ostdeutschen Städten.
Es gibt noch die Hallesche Monolitbauweise etc...

Zwischen Plattenbauten und massiven Bauweisen gibt es Unterschiede- dass scheinen die nicht zu kapieren, die jeden Wohnblock als Platte bezeichnen

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nikon2000 02.01.2012, 13:45
8.

Zitat von angara
War doch eine schöne und erfolgreiche Idee! Warum nur schrumpfen, wenn es doch so schön war? Ja......
Und wo sind die Unternehmer in Brandenburg, Eisenhüttenstadt usw? Wo wird in BRandenburg um diese geworben?
Beschimpft werden diese als "Kapitalisten" von den Ex-SED-Schergen, die sich heute LINKE nennen und im Landtag in Brandenburg sitzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kvert 02.01.2012, 13:46
9. Vielen Dank

Zitat von paulvr
Als nicht-Deutscher habe ich mich immer gewundert über dieses Wort daß in Westdeutschland immer wieder verwendet wurde um äußerst negativ über solchen Gebäuden aber ausschließlich in der DDR und anderen sozialistischen Ländern zu reden. Ich war in verschiedenen "Plattenbäuten" in der DDR, und fand da .....
Vielen Dank!
Die Plattenbauten waren in den 70ern und 80ern hochbegehrt, denn die Altbauten wurden in der DDR nicht saniert, da die Miete inkl. Nebenkosten nur 20-30 Mark betrug und sich somit eine Sanierung für den Eigentümer nicht rentierte, ganz zu schweigen vom Bau-Materialmangel. Unsaniert, das bedeutete Kohlen-Ofenheizung anstatt Fernwärme, Warmwasser-Boiler mit wenig Liter-Inhalt anstatt fließendes Warmwasser, WC eine Treppe tiefer im Haus-Treppenaufgang, in ganz miesen Fällen sogar Trocken-Plumpsklo.

So wohnte früher ein Ingenieur neben einem Hilfskoch im Plattenbau.

Erst nach 1990 kamen die Plattenbauten in Verruf, da die Altbauten nun saniert wurden. Heutzutage leben nur noch Rentner, Russen, Vietnamesen, Hartz 4 Bezieher, Studenten und Schüler in Plattenbauten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2