Forum: Politik
Start der SPIEGEL-Reihe "Wir seit '89": Wächst jetzt zusammen, was zusammengehört?
CHUTE DU MUR BERLIN/ Gamma-Rapho via Getty Images

Die Mauer trennte Millionen Menschen - vor 30 Jahren fiel sie. Bis heute wirkt die deutsche Teilung nach. Sie ist abzulesen in Statistiken und im Wahlverhalten, sie ist zu spüren, wenn wir übereinander reden. Start der großen SPIEGEL-Reihe.

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echtermünchner 01.08.2019, 16:40
1. Vermögensbildung

Hyperinflation Anfang des 20.Jahrhunderts, die Zerstörungen des 2.Weltkriegs, Flucht und Vertreibungen,die ärmlichen Verhältnisse in der DDR, all das waren Gründe oder sind Gründe weshalb man keinen Spielraum für Vermögensbildung hat. Und deshalb hat man hierzulande eine niedrige Eigenheimquote und im Schnitt ein Vermögen pro Kopf von 45.000? im Median. Während Italiener, Spanier und Franzosen durchschnittlich 125.000? pro Kopf haben, jeweils im Median. Nach 30 Jahren Wiedervereinigung immernoch arm wie eine Kirchenmaus. Und seit Generationen nichts zum weitergeben gehabt. Das wird auch die nächsten 30 Jahre so sein. Nichtsdestotrotz, es wächst was zusammenwachsen soll. Prostit Deutschland.

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brunellot 01.08.2019, 16:46
2. Gravierende Unterschiede gibt es auch sonstwo!

Dieser ganz Hype über das Ost-West Gefälle ist m.E. maßlos übertrieben. Gefühlte und reale Unterschiede gibt es auch sonstwo ohne dass die Welt unter geht. Beispiele gefällig?
1.) Nord-Süd: Ganz klare Unterschied in Mentalität, Sprache und politischer Orientierung
2.) Stadt-Land: Diese Unterschiede sind regional schon extrem ausgeprägt und möglicherweise viel stärker als das "Ost-West" Gefälle
3.) Regionale Unterschiede: Oberbayern und Franken (beides Bayern) sind wie Feuer und Wasser. In gleicher weise sind sich die Schwaben und Badener fremd obwohl sie ein gemeinsames Bundesland haben. Gibt's übrigens im Osten und Leute aus Mäckpomm ticken völlig anders als Leute aus, z.B. Sachsen.
Trotz all diesen Unterschieden ist es bis jetzt erstaunlicherweise noch nirgends zum Desaster gekommen...
Regionale Unterschiede und Eigenheiten sind doch toll und wünschenswert!

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hausfeen 01.08.2019, 16:53
3. Da war die Sehnsucht nach westlichen Konsummöglichkeiten.

Aber andererseits auch eine seit 1933 mehr als nur erduldete oder gwohnte Sicherheit durch den autoritären Staat. Das wirkt nach. Nach den ersten Enttäuschungen der Paradiesvorstellungen kroch langsam wieder die alte Sehnsucht nach starker politischer Führung durch das aufgegebene Land. Die PDS und später die verwestlichte Linke konnten das nicht mehr geben. So ist die Hinwendung zur AfD nur logisch. Was soll da zusammenwachsen? Diese Frage stellt sich so doch gar nicht!

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muellerthomas 01.08.2019, 17:01
4.

"Die Menschen im Westen interessieren sich nicht für uns"

Mein Eindruck ist eher, dass über den Osten überproportional viel berichtet wird.

Und welche Erwartung hat Frau Brüning da eigentlich?

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PTerGun 01.08.2019, 17:01
5. Wie war das denn damals vor dem Krieg?

Mich würde an dem Thema interessieren, als jemand, der geboren ist, als die Mauer schon stand, ob denn Deutschland vor der Mauer, oder sagen wir, vor dem Krieg, so ein homogenes Gebilde war, oder ob es nicht schon damals ein Ost-West-Unterschied gab, so etwas, wie die Mauer in den Köpfen. Haben sich beispielsweise die Sachsen-Anhaltiner und die Thüringer und deren Verhältnis zu den westlichen Bundesländern durch die DDR so nachhaltig geändert? Oder ist das Verhältis der westlichen Bundesländer in manchen Bereichen halt so, wie es vor der Mauer oder vor der DDR war?
Waren manche östlichen Bundesländer früher eigentlich sehr strukturstark und industriell, oder die wirtschaftlich starken blühenden Landschaften und sind es heute eben nur durch die DDR und die Wende nicht mehr? Oder ist eigentlich alles beim Alten? Waren Sachsens Provinzen schon im 19 Jahrhundert dafür bekannt, nicht besonders fremdenfreundlich zu sein oder ist das ein Klischee, das sich erst nach der Wende gebildet hat?
Ich finde diese Aspekte vor dem Hintergrund solcher Betrachtungen unerlässlich. Man liest nur nichts darüber.
Wenn politisch über das Ost-West-Gefälle gesprochen wird, dann hört sich das so an, als sei früher in Deutschland jedes Bundesland gleich gewesen und nur durch die DDR sei alles unterschiedlich geworden. Das glaube ich so nicht.

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quark2@mailinator.com 01.08.2019, 17:06
6.

Bzgl. der Erkenntnisse Darwins habe ich mal was Interessantes gelesen, das wohl auch hier gut paßt. Da hieß es, Neues würde sich gewöhnlich nicht dadurch durchsetzen, daß Menschen überzeugt werden, sondern dadurch, daß die Menschen mit der anderen Meinung irgendwann aussterben. Ich kann es an mir selbst feststellen - auch wenn ich die Investitionen in die Infrastruktur sehe, es reißt mich nicht vom Hocker und ich werde wohl bis zu meiner letzten Stunde davon überzeugt bleiben, daß der Osten 89/90 über den Tisch gezogen wurde und das er seither weiter unfair behandelt wird, seine Errungenschaften nicht gewürdigt werden, seine Helden nicht geehrt werden, seine historische Bedeutung nicht verstanden wird ... und das wir auf einem guten Weg sind, die Schmerzen vor 45 zu wiederholen, weil wir es eben nicht geschafft haben, das Grundproblem zu lösen. Millionen Biografien wurden nach 90 schwer gestört. Und das war aus meiner Sicht nicht unvermeidbar und da waren viele gute Menschen darunter. Von der Umverteilung von Besitz ganz zu schweigen. Und eine ehrliche Aufarbeitung findet nicht statt, die Verantwortlichen bilden in der Politik quasi eine Verschwörung derer die wissen. Sie sind unantastbar, die de Maiziers, Merkels, Breuels, etc. Das wird alles erst rauskommen, nachdem wir weg sind. Und dann nützt es niemandem mehr.

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spon-46s-f3h0-2 01.08.2019, 17:09
7. Vermögen

@1
Italien und Frankreich ok - aber wie kommen Sie auf Spanien?
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Vermögen_pro_Kopf
Abgesehen davon ist diese Information für sich alleine ziemlich nichtssagend.

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colossus3 01.08.2019, 17:12
8. Ich bin

lupenreiner Wessi, und der Osten war für mich Niemandsland.
Heute muss ich sagen:
Der Osten it so, wie Deutschland in meiner Jugend war und wie ich es mir wünsche.
Den Westen haben Merkel und ihre Gutmenschenbrigade versaut.
Ich habe wenig Hoffnung, dass wir im Westen noch die Kurve kriegen.
Und dem Osten wünsche ich, dass er standhaft bleibt und sich noch lange gegen die Bevormundung und Überfremdung wehrt.

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juba39 01.08.2019, 17:22
9. Werte Redaktion, wir schreiben 2019!

Und dann dieser Satz:
"Zudem wird DER SPIEGEL in seiner Reihe SPIEGEL live seine Gäste künftig auch ins Dresdner Staatsschauspiel einladen."
KÜNFTIG AUCH! (Maximal Berlin war doch, zwangsläufig als Regierungssitz, tiefster Osten.)
Da erübrigt sich doch jeder Kommentar, ob denn wenigstens der Spiegel etwas zur Einheit beigetragen hat.
Oder, wie es jemand mal ausdrückte. Die Einheit Deutschlands ist dann vollzogen, wenn der erste Ostdeutsche in einem westdeutschem Flächenland MP geworden ist. Ich persönlich wäre schon froh, wenn das schon auf die Justiz zutreffen würde, ich als (ostdeutscher) Schöffe, an einem ostdeutschem Landgericht, nicht im 30. Jahr immer noch westdeutschen Richterimporten die ostdeutsche Lebenswirklichkeit erklären muß.
Zur Erkläerung: Auch heute noch gibt es Richter, die von westdeutschen Gerichten zeitweilig an ostdeutsche Gerichte abgeordnet werden, wie im Jahr 1990, also nicht auch ihren Lebensmittelpunkt hierher verlegt haben. (als ich übrigens meine erste Wahlperiode als Schöffe hatte!)
Kann mir also jemand erklären, warum man heute den Aktivismus entfaltet, den man vor 30 Jahren gebraucht hätte? Ist es doch etwa die Angst, den Osten komplett an die Blauen zu verlieren? Wäre zwar wenigstens selbst verschuldet. Aber, das mein Beitrag zur Spiegeldikussion, auch DIESES braune, westimportierte Gesocks, werden wir mit unserer Erfahrung von 1989 wegfegen. Nur steht dann keine Mauer mehr, um diese Aufstanderfahrung an Elbe und Werra zu stoppen.

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