Forum: Politik
Steinmeier zu 30 Jahre Mauerfall: "Viele Ostdeutsche fühlen sich bis heute nicht gehö
Franziska Kaufmann/ DPA

Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier hat für mehr Anerkennung ostdeutscher Nachwendegeschichte geworben. Die Wahlergebnisse in Sachsen und Brandenburg hätten "neue, tiefe Risse" offenbart - Unzufriedenheit sei aber kein Freibrief.

Seite 2 von 17
MiguelD.Muriana 16.09.2019, 14:12
10. Ich wurde auch nicht gehört

Auch ich wurde im letzten halben Jahrhundert nie von einem höherrangigen Politiker gehört, mit einer Ausnahme, 1992 dem damaligen spanischen Arbeitsminister. Na toll, als er merkte, dass ich ihn nicht wählen durfte (deutscher Pass) wars auch schon vorbei. Bezirksbürgermeister die Hand schütteln war in D das höchste der Gefühle. Und was nun? Heul ich rum? Nein, aber in meinem Umfeld setze ich mich für meine Mitmenschen ein und wähle nicht rechts.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kuestenvogel 16.09.2019, 14:14
11. Präsident = politische Neutralität ist Pflicht

Offiziell ist die Afd nicht verboten, somit schrammt er mit seiner Kritik, die Partei hat er nicht genannt, hart an der Grenze des Erlaubten.

Persönlich habe ich nichts dagegen, aber die Rechten waren seit der Wende dort aktiv. Bei Dresden ging man im Dunklen Ende der 90er als Urlauber nicht aus dem Haus. Ich selbst wurde 1993 mit meiner Pfadfindergruppe bei Pasewalk (nahe polnische Grenze) von einer 30köpfigen Gruppe Rechter auf einer Wiese überfallen - sie dachten, wir seien Polen. Somit ist das Rechte dort nichts Neues.

Das Abgehängtsein haben auch westliche Dörfer, z. B. in S-H. Alle sollten im vereinigten D gleichbehandelt werden, bzgl. Breitband etc.

Dass grundsätzlich bei der Wende viele Fehler gemacht wurden, ist bekannt. Verwandte, gleichaltrige Freunde (1980^^) und deren Familien verklären das Ostsystem, schimpfen bis heute auf Wessies. Jeder verklärt seine Vergangenheit, so ist der Mensch - früher war alles besser. Dort jetzt Breitband in Dörfern zu legen und nicht in S-H-Dörfern, löst das gesellschaftliche Problem nicht.

Gesamtgesellschaftlich dachte ich, das gäbe sich durch die Generationswechsel. Die Nazis bleiben und gewinnen seit 1993 an Zulauf. Weshalb? Abgehängt sind auch westliche Gebiete in D, daran kann es nicht liegen. Wer stellt seine Firma, erst recht eine internationale, in ein Bundesland, das bekannt für Rechte ist?

Gleichzeitig merken die Menschen: Wir werden gleichgestellt mit Nazis, sind Ossies, nicht wertgeschätzt. Für Naturliebhaber ist der Osten Ds herausragend, Tourismus könnte gut entwickelt werden...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Edgard 16.09.2019, 14:18
12. Mir geht...

.. diese Jammerei gehörig auf den Keks.
Ist es vielleicht immer doch die Mentalität "soll es der Staat doch richten!" und das Unvermögen die gewaltigen Änderungen auf dem Gebiet der ehem. DDR auch nur zur Kenntnis zu nehmen?
Viele dieser Änderungen sind auch durch EU-Fördergelder erst möglich geworden. Freizügigkeit und internatiionaler Studentenaustausch - dank dem ERASMUS-Programm der EU.
Viele Firmen die sich dort angesiedelt haben sind auf EU-Markt unterwegs.
Dieses angebliche "Nicht-gehört-werden" als Begründung für Rechtsnationalismus, Fremdenhass, Islamophobie und dem Verlangen nach autoritärer Führung a´la AfD? Dieses Nicht-Ankommenwollen auf dem Boden der freiheitlich-denokratischen Grundordnung, ja sogar der Forderung nach Einschränkung und Abschaffung von Freiheitsrechten? Diese Vergessenheit dessen was in der Nazizeit und der DDR warc- oder dem Sehnen dorthin zurück?
"Wir sind ein Volk!"? Vergesst das - solange sich da nicht gewaltig etwas ändert - auch wenn "nur" jeder Vierte dort eine faschistioiden Partei wählt!
Jahrzehntelang sind Steuermittel aus einem auch Dank der EU gesunden Wirtschaft in Deutschland in die Ost-Bundesländer geflossen. Und nun sehnen sich die Leute dort nach einer Partei die mehrfach (Goldhandel, wirtschaftspolitische Positionen von deren "Fachleuten" wie Meuthen und Weidel die in der freien wirtschaft noch Nichts geleistet haben) ihre (nicht nur) ökonomische Inkompetenz gezeigt hat, mit dem "Deuxit" liebeugelt, den Klimawandel leugnet und deren "Fakten" oft genug nachweislich gefaked sind?
Ganz ehrlich - ich bin nicht der Einzige der sich immer mehr wünscht daß 1989 nie stattgefunden hätte....
Und hört auf mit der Schreierei daß sich Asländer gefälligt integrieren sollen - Ihr hattet inzwischen fast 40 Jahre Zeit dafür!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Röntgen 16.09.2019, 14:18
13. Mir ist schleierhaft

wieso über "den Osten" gebetsmühlenartig behauptet wird, er sei abgehängt und ungehört. Da schreibt ein Schreiberling vom anderen diesen Stuss ab, ohne das mal auf Realitätsgehalt zu prüfen. Auch in Westdeutschland wird jeder nur zu einem 80millionstel Teil des Ganzen gehört. Und: ist es nicht vielmehr so, dass auch in Westdeutschland ganze Landstriche wegen Abwanderung entvölkert scheinen, da die Leute lieber zu den vermeintlichen wirtschaftlichen Zentren strömen? Die scheinbar abgemeldeten Gegenden im Osten (die im Westen natürlich auch) haben aber wegen der stark gefallenen Bodenpreise und tieferen Löhne ein großes Wachstumspotenzial. Statt sich in Larmoyanz zu ergehen sollte man dort lieber diese Chancen ergreifen und initiativ werden. Manche Regionen haben das bereits begriffen und verfahren so sehr erfolgreich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whitewisent 16.09.2019, 14:21
14.

Feinheit der Deutschen Sprache, Herr Steinmeier meint scheinbar wirklich, dass dies nur ein "Gefühl" sei, und nicht Fakt, obwohl es zig Untersuchungen und Studien gibt, welche das belegen. Genau solche Reden sind es, die selbst den wohlmeinenden Ossis das Messer in der Tasche öffnen. Und das fehlende Gehörtwerden hat überhaupt nichts mit Arbeitslosigkeit oder der Landflucht zu tun.

Aktuell steht die Landtagswahl in Thüringen an (welche wohl eher Grund für die Rede ist). Im Kabinett Ramelow kommen wieviele Politiker/innen aus Thüringen? Antwort - Zwei. Wieviele kommen zumindest aus Ostdeutschland? Antwort - Sechs. Nun einfach mal im einem ähnlichen Bundesland wie Hessen oder Rheinland Pflanz vergleichen, und man bekommt die Antwort. Denn man wird in diesem Staat eben nur gehört, wenn man in einer entsprechenden Position ist. Nur das man im Osten wie Westen seit 3 Jahrzehnten scheinbar systematisch Ostdeutsche davon fernhält. Selbst ohne DDR-Biografie wird im Zweifelsfall für den Westdeutschen entschieden. Oder es tauchen Quotenzonis auf, die selbst im Osten keiner kennt, die sich aber gut als Beweis machen, dass die Gefühle falsch sind.

Das einzige Bundesland, wo die Einheit funktioniert hat ist Berlin. Aber eher dadurch, dass Westberlin auf Ostberliner Niveau herabgesetzt wurde, womit es dem Ruhrgebiet ähnelt. Es interessiert auch nicht wirklich, ob jemand aus dem Osten oder Westen kommt, hier ist das Problem eher, dass zwei Drittel Zugezogene gefühlt 100% der Stadtpolitik bestimmen. Was nicht stimmt, aber eben ein Gefühl ist, wenn man sieht, woher Finanzsenator und Vekehrssenatorin stammen, welche beispielhaft einen Politikstil "von Außen" verkörpern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Schartin Mulz 16.09.2019, 14:22
15. Das Problem

offenbart sich selbst in anscheinend wohlmeinenden Worten.
Denn auch diese Sätze offenbaren die Teilung: Da sind auf der einen Seite wir (also die richtigen Deutschen, die Wessis), die den anderen (denen, die nicht so richtig dazu gehören, die Ossis) evtl nicht gut genug zugehört haben.
Es ist nicht EIN Volk. Immer noch nicht. In den gehässigen Kommentaren über die Jammer-Ossis nicht, aber auch nicht in den auf den ersten Blick verständnisvollen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Skeptiker99 16.09.2019, 14:31
16. Man braucht also nur Nazis zu wählen

und schon wird man ernsr genommen?

Ich kann das gejammer der Ossis und ihre Ängste und Nöte nicht mehr hören. Wer in Regionen mit 0,2% Ausländeranteil Angst vor Überfremdung hat, den muss man nicht ernst nehmen, sondern einweisen. Vielen Ostdeutschen ist bis heute nicht klar, wie viel Geld in den letzten 30 Jahren rübergeschoben wurden und wie bankrott die DDR-Wirtschaft war. Es herrscht bis heute der Glaube vor, "Der Westen hat uns ausgeplündert". Ostdeutsche Städte sehen meist aus wie aus dem Bilderbuch, während das Ruhrgebiet auseinanderfällt. Dass ostdeutsche Lebensgeschichten gesamtdeutsch nicht so eine große Rolle spielen liegt auch einfach daran, dass in ganz Ostdeutschland weniger Menschen leben als allein in NRW. Zudem schießen sich die Ossis ständig selbst ins Knie. Welche große Firma möcht sich schon in einer Gegend ansiedeln in der ihre ausländischen Fachkräfte auf dem Heimweg um ihr Leben bangen müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brunellot 16.09.2019, 14:34
17. Nicht nur auf die Heulsusen schauen!

Die Politik tut sich, glaube ich, keinen Gefallen, wenn sie immer nur auf die Heulsusen schaut, die die lautesten Klagelieder anstimmen. Ich kann zwar verstehen, dass es frustrierend sein kann, wenn man es nicht bis ganz nach oben schafft und sich abgehängt fühlt - allerdings muss man sich dann auch gelegentlich selber rückblickend fragen, ob man auch immer die besten Entscheidungen getroffen hat. Die Anderen (hier den Westen) verantwortlich zu machen ist natürlich bequemer und zwingt einen auch nicht zur selbstkritischen Reflexion. In meinem Bekanntenkreis in München gibt es jedoch zahlreiche "Ostdeutsche" die recht erfolgreich die Karriereleiter hochgeklettert sind. Einige von ihnen sind nun zurück in Jena und starten dort richtig durch (u.a. bei Porsche). Ich selber habe auch 5 Jahre im Osten gearbeitet - ganz ohne erkennbare Schädigungen oder Nachteile.
Klar, wenn man in Görlitz aufgewachsen ist, niemals über den Tellerrand geschaut hat und auch nicht bereit ist sich zu bewegen (Mobilität???Weiterbildung???), dann kann es halt schon schwierig werden, mit dem Vorankommen...Das gleiche gilt aber auch für Menschen in anderen ländlichen Regionen wie z.B. dem Bayrischen Wald, Ostfriesland (das liegt im WESTEN!) und die Eifelregion, um nur ein paar ganz wenige zu nennen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
claus7447 16.09.2019, 14:34
18. Immer wenn ich Agenda 2010 als Schuld sehe - frage ich mich:

Zitat von Sensør
Und, Vorschläge, Herr Steinmeier? Bereitschaft zum Zuhören ändert auch nichts, wenn man anschließend seine asoziale sozialdemokratische Partei in Form einer Agenda 2010 dazu nutzt, die Einheit der deutschen Gesellschaft weiter auseinander zu treiben. Nicht mal entschuldigt hat der sich bisher dafür, da rieselt bei Predigten wie dieser auch nur weiter Sand ins Getriebe.
Was war flasch an dieser Agenda? - nur ein Punkt: Die Gleichsetzung von Langzeitbeschäftigten nach einem Jahr mit Menschen die aus irgendwelchen Gründen nie oder kaum gearbeitet haben!

Schauen sie selbst die H4 Sätze an - wo in West-EU haben sie diese Unterstützung! Schauen Sie nach Österreich, die haben zwar das deutlich bessere Rentensystem - aber Arbeitslosigkeit oder Sozial-Netz - da können sie weit laufen.

Jetzt versucht man wenigstens die Grundrente auf eine Höhe zu bringen die ein halbwegs anständiges leben ermöglicht (was es vermutlich immer noch nicht sein wird). Aber Einfach mal Fakten nennen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muellerthomas 16.09.2019, 14:38
19.

Zitat von whitewisent
Aktuell steht die Landtagswahl in Thüringen an (welche wohl eher Grund für die Rede ist). Im Kabinett Ramelow kommen wieviele Politiker/innen aus Thüringen? Antwort - Zwei. Wieviele kommen zumindest aus Ostdeutschland? Antwort - Sechs.
Also ich komme auf 7 von 10.

Und ich dachte, wir sind ein Volk...da sollte es doch egal sein, wo jemand herkommt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 17