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Sterbehilfe: Verschont den Tod!
DPA

Sterbehilfe gehört verboten. Der Tod auf Bestellung nimmt dem Leben die Würde. Er passt zu einer Gesellschaft, die überall und immer Optimierung und Effizienz anstrebt. Wenigstens das Lebensende sollte davon verschont bleiben.

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Monty76 13.11.2014, 16:44
280. So wohlmeinend...

und wenig zielführend, wie des Öfteren von Herrn Augstein zu lesen.

Es ist wahr, der Versuch, die Sterbehilfe zu entkriminalisieren, ist ein Schritt in eine Richtung, in welcher der Tod wägbarer gemacht wird. Das scheint Manchem das Ergebnis des menschlichen Willens zu sein, alles kontrollieren zu müssen.

Wer einem leidenden Sterbenskranken die Erlösung vorenthält und sich dabei auf Menschlichkeit beruft, der meint nur sich selbst und sein Gewissen. Der Tod kann (!) Erlösung sein. Wer diese ganz grundsätzlich verwehren möchte, handelt - entgegen allen guten Absichten, die ich allen Beteiligten unterstelle - nicht (!) barmherzig sondern (besonders aus der Sicht des Kranken) im Ergebnis grausam.

Der Tod ist ein Tabu - und zwar zu Lasten solcher Todkranker, denen nicht mehr geholfen werden kann - zur Zeit nicht einmal mit dem Tod.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es für mich wäre, unter Schmerzen um den Tod zu bitten und um mich herum nur wohlmeinende Menschen zu haben, die mir allesamt nicht helfen können/wollen.

Ich hoffe auf pragmatische (wenngleich vorsichtige!) Lösungen. Wie der Tod in Zukunft gesehen und behandelt wird, wird nicht durch ein "ja" zur Sterbehilfe entschieden, sondern durch die Art und Weise, wie eine solche Regelung aussähe. Die Möglichkeiten müssten eng begrenzt und möglichst weitgehend abgesichert sein, um Mißbrauch vorzubeugen.
Ein "ja" ohne Vorbehalt ist aus meiner Sicht ebenso schädlich, wie ein vorbehaltloses "nein" zur Sterbehilfe. Das "wie" macht den Unterschied. Wer nicht einmal hierüber nachdenken kann, handelt aus meiner Sicht nicht moralisch wertvoll, sondern verschließt die Augen vor einem Thema, das ihm unvorstellbar sein mag, für Manche aber notwenig ist. Insoweit handelt er m.E. eigennützig.

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zaphod_beeblebroxiii 13.11.2014, 16:46
281. Ich finde das bewundernswert

Zitat von horsteddy
Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich Herrn Augstein mal voll zustimmen würde. Sehr guter Artikel. Ich bin todkrank, ich habe Krebs. Ich möchte leben, solange wie möglich. Und ich ertrage bereits seit über einem Jahr tapfer die entsetzlich Schmerzen. Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich noch leben darf, das können die Schmerzen und die Einschränkungen nicht mindern. Verbietet die Sterbehilfe, den Selbstmord auf Verlangen. Gott gab das Leben, Gott nimmt es. Nicht der Mensch.
aber genauso ist es doch akzeptabel, wenn ein Erkrankter die andere Seite wählt. Oder nicht?

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spon-facebook-10000081266 13.11.2014, 16:47
282. Und andersherum?

Herr Augstein,
was ich in ihrem Artikel vermisse, ist die Frage, ob es denn auf der anderen Seite so erstrebenswert ist die Menschen mit aller Macht und allem Wissen das uns zur Verfügung steht, am Leben zu erhalten. Würden wir diesen Menschen, ihrer Situation und ihrer Würde mit Demut begegnen müssten wir es ihnen auch erlauben in Frieden sterben zu dürfen. Dies geschieht, meiner Ansicht nach, in Deutschland viel zu spät.

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kfm12 13.11.2014, 16:50
283. Was Augstein,

wenn Dich eine unheilbare, schmerzende Krankheit am Wickel hat? Was soll ihr pseudoreligiöse Geseire? Die Menschen leiden! Das können Sie sich sicher nicht vorstellen, wie sie so fit in die Kamera grinsen. Weniger von solchem.

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AlbertGeorg 13.11.2014, 16:50
284. Grundlage unserer Demokratie

Es ist Grundlage unserer Demokratie, dass jeder frei ist zu tun was er will, solange er nicht die Freiheit anderer tangiert - Also ist es nur folgerichtig, dass die Selbsttötung erlaubt ist!
Wenn nun ein anderer jemand hilft, sich selbst zu töten, so wird natürlich kein Dritter in seiner Freiheit tangiert - Also ist es auch in diesem Fall nur folgerichtig, dass dies erlaubt sein muss!
Alles andere ist Ideologie und Glaubenssache. In diesem Fall muss jeder für sich entscheiden und kein Augstein, kein Politiker und kein anderer Besserwisser hat das Recht sich über das Recht des Einzelnen zu stellen!
Also: Im Zweifel gegen Augstein!

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buntesmeinung 13.11.2014, 16:50
285. Nein, Herr Augstein!

Mein erster Reflex, als ich mit dem Lesen des Artikels begonnen hatte, war, Ihnen, Herr Augstein, ein qualvolles Sterben (starke Schmerzen, die auch mit Morphium nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sind, massive Atemnot und ein völliges Angewiesensein auf fremde Hilfe) zu wünschen.
Das war natürlich mur mein erster Reflex. Und selbstverständlich wünsche ich Ihnen das so wenig, wie ich es anderen Menschen oder mir selbst wünschen würde.
Aber ich frage mich, ob Sie sich eine solche Situation vorstellen können oder ob Sie sie vielleicht schon einmal im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis miterlebt haben.
Wenn ja, dann kann ich Ihre Haltung nicht verstehen.
Ich finde, dass jeder Mensch das Recht hat, selbst zu entscheiden, wann und vor allem wie er sterben möchte.
Ich bin dagegen, Menschen zu unsäglichem Leid zu zwingen, wenn doch absehbar ist, dass sie an ihrer schweren Erkrankung sterben müssen.
Einzig, Ihre Bedenken, dass möglicherweise ein gesellschaftlicher oder auch nur selbst empfundener Druck bei Schwerstpflegebedürftigen entsteht, teile ich.
Dem kann man aber entgegenwirken.
Berichte aus Ländern, die die Sterbehilfe bereits rechtlich abgesichert haben, zeigen keine entsprechend erhöhten Fallzahlen.
Die Sicherheit der Patienten, dass sie, wenn Ihnen ihr Leiden unerträglich wird, auf Hilfe hoffen können, führt im Gegenteil häufig dazu, dass sie dann leichter ja zum (Weiter-)Leben sagen.
Ich jedenfalls möchte mich nicht dazu erheben, anderen Menschen ein qualvolles Sterben aufzuzwingen. Ich will auch nicht, dass es mir aufgezwungen wird.
Weil es aber eine Vielzahl qualvollster, zum Tode führender Erkrankungen gibt, muss eine gesetzliche Regelung her, die für die Sterbehelfer Rechtssicherheit schafft.

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pilatus0381 13.11.2014, 16:51
286. wollen wir mal hoffen

In Wahrheit ist der Tod auf Bestellung kein Gewinn an Freiheit. Sondern eine Kapitulation - vor dem Leben und vor dem Geist des Zwecks.

Vielleicht aber auch eine Kapitulation vor dem Schmerz und dem Leid.

Beide Wörter kamen in dem Beitrag gar nicht vor....

wollen wir mal hoffen, dass der Autor nicht irgendwann mal krank wird und bis zu seinem - dann seiner Aussage nach nicht selbst bestimmte - Lebensende an unfassbaren Schmerzen leidet. Wenn er vor Schmerzen nicht mehr weiß wie er heißt, kann er sich seinen Beitrag ja noch mal zu Gemüte führen.

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Der Doc 13.11.2014, 16:52
287. Inkonsequent

Zitat aus dem Text:

"Aber am Ende sollten wir im Tod etwas üben, was wir im Leben leicht verlernen: Demut. Das Leben ist nicht beherrschbar, der Tod sollte es auch nicht sein."

Tja ... dann sollten wir konsequent sein und die komplette Medizin abschaffen. Das Leben sollte selbst entscheiden dürfen, wie es in der Tierwelt auch ist, oder?! Was sagt der Autor hierzu?!

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oposit 13.11.2014, 16:52
288. Schwierig...

Zuerst war ich empört, weil ich dieses Recht auf den selbstbestimmten Tod uneingeschränkt befürworte. Dann habe ich etwas länger über das nachgedacht, was Herr Augstein geschrieben hat und ja, ich kann sehen, dass in dieser überoptimierten, effizienten und zunehmend zynischen Gesellschaft irgendwann mal, auch und gerade aus Kostengründen, Sterbehilfe contra entsprechende Versorgung eingesetzt wird. Sprich, bring dich doch endlich um, damit du uns kein Geld mehr kostest... Wer will denn sagen, dass es nicht so kommt? Wer will denn sagen, dass nicht irgendwann mal ein Druck auf junge Frauen in Richtung social Freezing ausgeübt wird? Unternehmen wollen niemand mehr über 50 oder vielleicht schon nicht mehr über 40 und sie versuchen, ältere Mitarbeiter los zu werden. Vielleicht wird die Gesellschaft irgendwann ihre Alten und Kranken los werden wollen, aus rein ökonomischen Gründen. Die Sterbehilfe (und bitte, ich bin NICHT dagegen) könnte dann ein zynisches Mittel zum Zweck sein.

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spon-facebook-10000185715 13.11.2014, 16:54
289.

Ich war selbst lange Zeit ein Gegner der Sterbehilfe bis ich bei meinen Großeltern miterlebt habe wie ermüdend, kraftraubend und entwürdigend der stetig steigende verfall vor dem erlösenden Ende sein kann. Selbstverständlich bedeutet die Sterbehilfe einen Freiheitsgewinn, schließlich handelt es sich um eine Entscheidungsmöglichkeit und die Möglichkeit sich entscheiden zu können ist immer ein Freiheitsgewinn

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