Forum: Politik
Sterbehilfe: Verschont den Tod!
DPA

Sterbehilfe gehört verboten. Der Tod auf Bestellung nimmt dem Leben die Würde. Er passt zu einer Gesellschaft, die überall und immer Optimierung und Effizienz anstrebt. Wenigstens das Lebensende sollte davon verschont bleiben.

Seite 72 von 82
mrkanister 14.11.2014, 16:21
710.

Guter Artikel Herr Augstein! Ich bin zwar überhaupt nicht Ihrer Meinung begrüße es aber sehr das mal jemand Stellung bezieht und nicht immer ohne Meinung da steht (Typ Merkel)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DariusSp 14.11.2014, 16:22
711. Zum Glück haben wir Sie

Als meine Großmutter im vergangenen Jahr an Darm-Krebs starb wurde mir das Thema, dass hier angesprochen wird sehr bewusst.
Ich weiß nicht, ob sie die Sterbehilfe genutzt hätte, aber sie in ihren letzten Tagen zu besuchen, war eine sehr harte Erfahrung (Es folgt eine härtere Beschreibung. Bitte nicht weiterlesen, sollten Sie sich nicht sicher sein, ob dies schwer erträglich für Sie ist).

Sie lag ihre letzten zwei Wochen mit offenen Bauchdecke im Bett, da es zu Entzündungen an der Operationswunde kam (ihre dritte). Ihre Ausscheidungen mussten über einen künstlichen Darmausgang den Körper verlassen. Der Geruch im Raum war kaum auszuhalten, ohne Pfefferminzpaste unter der Nase. Sie war nur noch selten ansprechbar und auch dann waren Gespräche sehr schwierig für Sie... das war nicht schön.

Ich glaube nicht an etwas religiöses, was nach dem Tod folgen soll. Auch wenn wir mit unseren Gedanken und Gefühlen andere Menschen berühren, so sind wir doch mehr oder weniger immer alleine. Die im Beitrag von Herrn Augstein vorgebrachten Argumente, sind von vorne bis hinten seine eigene Meinung. Diese mögen Menschen teilen und auch schön besser, oder populärer vorgebracht haben, jedoch ändert sich dadurch nicht, dass es eine private Meinung ist.

Ich hätte Sie, Herrn Augstein, sehr gerne erlebt, wie sie sich um meine Großmutter einen Tag lang kümmerten und sie zuvor erlebt hätten, als einen der freundlichsten Menschen, die ich in meinem Leben kennenlernen durfte.
Es ist anmaßend solche Entscheidungen für andere Treffen zu wollen. Wir sind so viele Menschen in diesem Land, dieser Welt, die nicht in der Haut dieser Menschen stecken, dass es einfach zu bequem ist mit einer 2€ Moral Entscheidungen zu treffen.
Sie sollten Demut im Leben lernen, bevor Sie von anderen Demut in den schwierigsten Situationen ihres Lebens verlangen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kratzdistel 14.11.2014, 16:24
712. Beschluss des BGH vom 17. 9. 2014, XII ZB 202/13

viele diskutanten übersehen die gesetzlichen regelungen der §§ 1901 a ff BGB und den o. g. beschluss des bundesgerichtshofes. danach können lebenserhaltende maßnahmen abgebrochen werden, wenn der betroffene das in einer patientenverfügung so niedergelegt hat oder das seinem mutmaßlichem willen entspricht.auch gibt es regelungen nach den freiheitsentziehungsgesetzen der länder, menschen vor einem bevorstehenden suicid einstweilg unterzubringen.das ist auch gut so. das thema ist vollkommen ideologisch überfrachtet. gerade deshalb ist der kommentar sehr hilfreich.das leben ist zu schützen und die ausnahmen ergeben sich in den o. g. fällen.deshalb bedarf es auch keiner zusätzlichen gesetze. wir haben aus diesem grunde auch die bindung an recht und gesetz in unserem grundgesetz aus leidvoller vergangenheit. was gesetzmäßig ist, kann rechtswidrig sein, wenn es gegen höherrangiges recht
verstößt

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fachlaie 14.11.2014, 16:24
713. Das Verbot von Sterbehilfe

kann, so widersprüchlich es sich zunächst anhört, zu einem verkürzten Leben in noch vorhandener Lebensqualität führen, da sich manche Menschen, die sich ängstigen in geraumer Zeit nicht mehr in der Lage zu einem solchen Schritt zu sein, möglicherweise vor dieser Zeit bereits das Leben nehmen könnten.
Der Begriff "Selbstmord" sollte in jedem Fall durch "Freitod" ersetzt weren, um den betroffenen Menschen nicht noch die letzte Würde abzusprechen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
symolan 14.11.2014, 16:25
714.

Die Frage, ob dann die Oma in den Selbstmord getrieben wird ist im grossen und ganzen vernachlässigbar. Die kann man ebensogut im Altersheim vergessen wie auf dem Friedhof. Das ist m.E. pure Angstmacherei. Nicht, dass dies vollkommen ausgeschlossen ist. Irgendwo wird's sicher einmal so einen Fall geben, aber wären dann aus ethischer Sicht nicht auch gleich die Abstellgleise Altersheim zu verbieten? Auch dorthin kann man abgeschoben werden und ob es menschenwürdig ist hängt wohl dann stark von der individuellen Situation ab.

Die übrigen Argumente die Herr Augstein vorbringt, sind wie so häufig in seinen Kolumnen, Scheinargumente. Was kümmert uns die Situation vor einigen Hundert Jahren? Da wurden auch noch Hexen verbrannt.

Mein Leben, Herr Augstein, geht sie - so lange ich ihres nicht beeinträchtige - nun mal nichts an. Entsprechend geht sie auch mein Ableben nichts an. Halten sie sich raus.

Und zu guter Letzt: Die Medizin schreitet voran und wird immer mehr in der Lage sein, Mumien nominal am Leben zu erhalten. Wer gibt ihnen das Recht, mir vorzuschreiben, wie lange ich in einem Bett dahin zu vegetieren habe?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
adal_ 14.11.2014, 16:26
715.

Zitat von Softship
Wenn Sie "terminale Sedierung" verstanden haben... welchen Sinn hat es, einen Menschen terminal zu sedieren, statt gleich zu töten?
Die terminale Sedierung ist schon jetzt erlaubt.
Für die Aufhebung des Tötungstabus müssen Sie erst noch die Gesetze ändern. Und Sie müssen bereit sein, sämtliche, eigentlich gar nicht gewollte, Rechtsfolgen und ethischen Dilemmata die mit einem solchen Gesetz einhergehen, inkauf zu nehmen.

ZITAT: [i]Wieso kommen Sie hier auf direkte-aktive Serbehilfe?[(i]
Wer seinen Willen nicht (mehr) selbst bestimmen kann oder komplett gelähmt ist, kann schwerlich Suizid begehen und sei er auch noch so gut assistiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Softship 14.11.2014, 16:27
716.

Zitat von hotgorn
Es ist ein Gegenseitiges geben und nehmen das abschiednehmen und sterben, bei meinem Vater war es das Asbest das ihn vergiftete da er an der arbeit immer mit soldatischer Tugend dabei war. Wieso kein langsames abschied nehmen wieso muss es ein Gift sein. Ein Giftdoktor hätte von mir höchstens einen Arschtritt bekommen.
Keiner redet davon, dass es "kein langsames Abschied nehmen" sein darf. Wer langsam sterben möchte, soll das auch tun dürfen.
Viel wesentlicher in diesem Fall ist das, was Ihr Vater gewollt hätte, nicht as Sie wollten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
symolan 14.11.2014, 16:27
717.

Zitat von holy10
Sie plädieren dafür, dass sich ein 17 jähriger köperlich gesunder Mensch sich von einem Arzt töten lässt? Das sind genau die Gefahren, die im Artikel beschrieben werden.
Ist wohl ausgeschlossen, nicht? Nach meiner Auffassung wäre das schon was, dass zwei Voraussetzungen braucht:
- Mündigkeit
- bereits auf dem Weg zum Exit

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bssh 14.11.2014, 16:27
718. Doch

Zitat von mr.andersson
Nein, es geht um den Fall wo man sich eben nicht mehr selbst umbringen kann. Wenn man das noch kann, braucht man ja keine Sterbehilfe. Wenn ich 100% bettlägrig bin, keine Chance auf Heilung habe und vor Schmerzen noch ein noch aus weiß, habe ich keine Möglichkeit mir selbst das Leben zu nehmen. Wie sollte ich an irgendwas rankommen? Und wenn ich dass dann wollen würde, brauche......
Es geht eben nicht nur dem Fall, wo man sich nicht mehr selbst umbringen kann, denn auch die andere, die es noch können brauchen Hilfe! Sei es, dass man ihnen hilft ihre Situation zu bewältigen oder ihnen eine halbwegs gute Möglichkeit bietet ihr Leben zu beenden.
Aktive Sterbehilfe ist eine andere Sache. Ich habe da auch starke Bedenken einem Arzt oder wem auch immer zu erlauben jemand anderem eine tödliche Spritze zu geben. Passive Hilfe, jemandem zu ermöglichen es selber zu tun, ist eine andere Sache.
Wenn jemand nicht mehr in der Lage ist, einen Becher selber zu leeren, seine Entscheidung kund zu tun, den möchte ich nicht von anderen umbringen lassen, nur weil ein Angehöriger evtl. sagt, dass er nicht mehr leben möchte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
freiheitimherzen 14.11.2014, 16:35
719. viel zu eingeschränkte Wahlmöglichkeiten

Zitat von matijas
Das hört sich für mich nach der Einforderung soldatischer Tugenden an. Das soll ja für so manchen der Kern von "Würde" sein. Keiner darf schwach werden, keiner darf aufgeben, alle müssen durchhalten, egal wie. Das nur noch bewusstlose Anhängsel eines Apparates zu sein soll mehr Würde haben als das bewusste Abschiednehmen? Und wer bestimmt das? Sie?
Sehr geehrter matijas,

Sie können auch heute schon sich gegen lebenserhaltende und -verlängernde Maßnahmen aussprechen. Dann werden Sie auch heute kein "Anhängsel eines Apparates".

Ihre hier angebotenen Wahlmöglichkeiten sind eingeschränkter als in der Realität.

Und wie so viele hier im Forum lassen auch Sie offen was "Würde" genau ist und wie man sie erhält.

Viele Grüße

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 72 von 82