Forum: Politik
Streit über Annäherung: Republikaner wüten gegen Obamas Kuba-Kurs
REUTERS

Die Annäherung zwischen Kuba und den USA ist eine historische Wende - und ein politisches Minenfeld. Republikaner und Exil-Kubaner empören sich über Barack Obamas neuen Kurs. Geht der Präsident zu weit?

Seite 12 von 13
neuronenuser 18.12.2014, 14:18
110. Der Niedergang der s.g. Exil- Kubaner

Schreitet schon lange unaufhaltsam voran. Militante Gruppen, wie die hier im Artikel genannte, bekommen zwar immer noch eine grosse Bühne von den Medien geboten. Und sie heimschen auch immer noch grosse Aufmerksamkeit ein, aber nur weil sie am lautesten Schreien. Sie repräsentieren nur noch eine (auch aus biologischen Gründen) immer kleiner werdenden Minderheit. Der Grossteil der Kubaner, die heute in den USA leben, sehnten eine Normalisierung der Beziehungen genauso herbei, wie ihre Brüder und Schwestern auf der Insel. D.h. nicht, dass es irgenwelche Sympathien für die kommunistische Regierung gibt. Im Gegenteil. Desweiteren haben Politiker der reaktionären Garde wie Menendez, Rubio, Ros-Lethinen oder Diaz-Balart übrigens viel weniger Einfluss, als hier suggeriert. Wie kann man einen Politiker ernst nehmen, der behauptet, das Embargo wäre ein Massnahme zur Unterstützung des kubanischen Volkes? Ich kann mich an einen Besuch in Miami im Jahr 2000 erinnern. Dort fand ein Konzert der wohl berühmtesten kubanischen Salsa- Band Los Van Van statt. Rechtsextreme Exil-Gruppen versuchten, dass Konzert zu verhindern. Vergeblich. Vor dem Venue standen dann vor dem Konzert noch ein paar (teilweise bezahlte) Krawallmacher dieser "Freiheitskämpfer" und wurden von den meist kubanischen Konzertbesuchern einfach nur ausgelacht. Ein Freund sagte damals zu mir: "30 Jahre lang hat man mir in Kuba gesagt, was gut und was schlecht ist, was ich machen darf und was nicht, was ich denken soll und was ich sagen darf. Jetzt bin ich hier und diese unverschämten Greise wollen mir verbieten, ein Konzert meiner Lieblingsband zu besuchen? Und erzählen dazu noch etwas von Freiheit?"

Beitrag melden Antworten / Zitieren
manque_pierda 18.12.2014, 14:24
111.

Sie irren in vielfacher Hinsicht. manque_pierda ist der Schlachtruf des andalusischen Fußballklubs Betis Sevilla VIVA EL BETIS, MANQUE PIERDA was eher bedeutet, wir sind Anhänger, auch wenn Betis verliert, dass dazu Fehlschüsse vielleicht notwendig sind, mag sein

Aber Ihre Argumentation ist nicht ganz schlüssig, den wenn Sie die ökonomische Situation Kubas im Gegensatz zum Rest Lateinamerikas als Gradmesser der Legitimität des Systems nehmen, waren die DDR-Bürger, Tschechen oder Polen 1989 wohl völlig auf dem Holzweg, denn besser als Schwellenländern ging es diesen wohl auch, was mir als ehemaligen DDR-Bürger bewusst ist. Die von Ihnen angesprochene "Entfesselung" der Privatwirtschaft ist eine nach Gutsherrenart, die wiederum die Kluft gerade zwischen den angesprochenen akademischen Teil der Kubaner Ärzte etc. und nun selbständigen Restaurant- und Kleingewerbebetreibern vertieft und eher die Niesche darstellt, in der auch in der DDR Privatwirtschaft mit privilegierter ökonomischer Stellung ermöglichte. Da mögen am Malecón in Havanna jetzt manche Ruinen, der vorher bewusst verfallenen gelassenen Gebäude, verschwinden, ändert aber nichts am Gesamtbild einer ideologischen Planwirtschaft. Sie haben natürlich recht, dass das Embargo während der Sowjetzeit sozusagen neutralisiert wurde, aber zeigt nicht gerade dieser Umstand, wie wenig lebensfähig dieser Staat ohne Alimentierung aus ideologischen Gründen ist, so dass letztlich das Embargo seit dem glücklicherweise Zusammenbruch des Sowjetimperiums eben doch sehr wohl wirkt. Das Kuba dazu viel ideologisches Geld verbrannt hat mit seinen Militärberatern in Mittelamerika und den Interventionen in Äthiopien und Angola (wie weit ist das von Kuba weg?) zeigt den Charakter des Regimes. Nun Gott sei Dank hat Angola ja jetzt auch Öl und sogar ein eigenes Terminal am José Marti Flughafen aber das wird nicht reichen. Wenn das alles so toll und im Aufbruch ist wiundert es mich bloß, wie häufig sich Kubanerin mir als westlichen Ausländer für 30-50 CUC angeboten haben (sie haben sicher bemerkt, dass es keine Bordelle oder Rotlichtmeile dort gibt, wo ich aus Unkenntnis hätte hingeraten sein könnte) und das sind eben Dinge, die man in Lateinamerika nicht überall trifft. Was sozialistische Regime betrifft, warden Sie mir als ehemaligen DDR-Bürger nichts positives verkaufen können.

Saludos manque_pierda

Beitrag melden Antworten / Zitieren
umweltfreak 18.12.2014, 15:35
112. Demokratie

"Demokratie, freie Wahlen, Achtung der Menschenrechte in Kuba - all das bleibt weiterhin erklärtes Ziel der US-Politik..." Na, da fangen die USA am besten mal bei sich zuhause an. Waehlerunterdrueckung (hauptsaechlich gegen Schwarze und Latinos), Wahlfaelschung, Rassismus, Guantanamo, Drohnen, Folter, Todesstrafe, Hinrichtung Jugendlicher, Waffenobsession und und und. Nicht gerade erstrebenswert fuer Kuba oder jedes andere Land.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Celestine 18.12.2014, 16:30
113.

„…will Obama nun die diplomatischen Beziehungen wieder aufnehmen, hat Reiseerleichterungen für US-Amerikaner verfügt, will amerikanische Unternehmen auf der Insel investieren lassen…“

Tja, Einreiseerlaubnisse für Amerikaner (auf Kuba gibt es inzwischen wunderschöne moderne Holiday Resorts) und dort investieren aka Geschäfte machen, aber am Embargo festhalten: Das eigene Vorteil an erster Stelle, so gehört sich das.

Vielleicht steckt dahinter auch der Gedanke, dass Kuba angesichts des neuen Kalten Krieges sich Russland noch ein Stück annähern könnte … Dies will Obama mE verhindern.

Aber Obama gilt ja nach wie vor als uneigennütziger Weltverbesserer ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
guentilein 18.12.2014, 16:30
114. Wie behaupten doch CIA Verantwortliche von sich?

Die Destabilisierung von Staaten ist unsere Aufgabe. Mit den anstehenden Reiseerleichterungen, werden die es nicht mehr ganz so schwer haben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Reinhold Schramm 18.12.2014, 16:50
115. Der 51. Bundesstaat der USA

Bereits im September 2010 hatte die Staatsführung die Entlassung von eine Million überzählige Staatsangestellte angekündigt, binnen sechs Monaten eine halbe Million und weitere 500.000 sollten folgen. Nun dürfte sich diese kapitalistische Arbeitskräfte-Transformation realisieren. Die Überführung der kubanischen Werktätigen in Arbeitsverhältnisse im "nicht-staatlichen Sektor", in kapitalistische Arbeitsverhältnisse und Bedingungen. Damit bedeutet diese ökonomische und gesellschaftspolitische Entwicklung zugleich, die größte Öffnung und Realisierung kapitalistischer Wirtschaftsaktivitäten.

Es handelt sich nicht mehr um "Sozialismus" (Realsozialismus), sondern um die Transformation -- der bisherigen werktätigen Gesellschaft -- in eine kapitalistische Gesellschaftsformation. // Möglicherweise wird man diesen Systemwechsel, analog wie beim Bourgeoissozialismus "chinesischer Prägung", als Bourgeois'sozialismus "kubanischer Prädung" noch eine gewisse Zeit, insbesondere gegenüber den ausländischen Kleinbürgern und vorgeblichen 'Freunden', verkaufen. Es bleibt zur Zeit die Frage noch unbeantwortet: "Der 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten", der zukünftige Bundesstaat Kuba? (!)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
KurtT. 18.12.2014, 17:06
116.

Zitat von manque_pierda
(...) Was "sozialistische Regime" betrifft, werden Sie mir als ehemaligen DDR-Bürger nichts Positives verkaufen können. Saludos manque_pierda
Ich möchte Ihnen überhaupt nichts "verkaufen"; jeder soll meinen, was er meint - habe Sie aber (offensichtlich vergeblich) darauf hinweisen wollen, dass IHRE Gewichtung der Kuba betreffenden Fakten "von gestern" ist! *

* Wie verschieden man diese bewerten kann, trotz teilweise ähnlicher Erfahrungen: Auch ich war (bis Februar '65, als ich als Decksmann bei der ostdeutschen Hochseefischerei im norddänischen Skagen "achteraus segelte", danach bei meinem Vater im Schwäbischen lebte) DDR-Bürger, sogar in jener Zeit, als der Stalinismus die Lebenswirklichkeit prägte, hätte also viele Gründe für "negative Erinnerungen" - die ich aber nie pauschalisierte. Denn ich reiste viel in in der Welt rum, auch in Ländern "unter dem Dach des Islam", ebenso in Mittelamerika, kann also "vergleichen" bzw. adäquat relativieren. Und Kuba und seine Menschen waren mir immer sehr sympathisch - nicht aber jene Exil-Kubaner, die sich von US-Interessen instrumentalisieren ließen und von jenem Kuba träumten, das mit Fidel Castro im "Müll der Geschichte" verschwand. Ich jedenfalls wünschte mir, dass sich Kuba noch mehr "öffnet" - und trotzdem nicht "US-amerikanisiert", so frei und überlebensfähig wie etwa Jamaica wird ...

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit - in der Sie vielleicht auch pauschalisierende Vorurteile auf ihre faktische Substanz überprüfen, zumindest aktualisieren könnten!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
luciusvoldemort 18.12.2014, 17:41
117. Wandel durch Annäherung?

Bestimmt nicht. Zum einen bin ich für die Kubaner froh, wenn es zuerst einmal ein kleines Loch in der Blockade / Embargo Mauer gibt. Der amerikanische Tourismus wird Kuba in Schwung bringen und dieses wunderschöne Land schnellstens weiter entwickeln. Die "leidtragenden" werden hier in der Dominikanischen Republik sitzen, die sich bis jetzt auf ihren Stränden ausgeruht haben. Ich wohne hier in der DomRep seit mehr als zwanzig Jahren und war immer wieder zu Besuch in Kuba. Dieses Land ist sicherer als die DR, die Bewohner sind insgesamt klüger (keine Analphabeten wie hier), interessierter am Weltgeschehen. Ich gönne das den Kubanern, das es endlich besser wird.
Aber nun zu Obama. Der steht mit dem Rücken zur Wand. Putin sucht überall neue Freunde (Türkei, China). Warum sollte Putin nicht auch versuchen, alte Freundschaften zu reaktivieren? Mit einem Mal sitzen wieder die Russen in Kuba (übrigens hier in der DomRep haben wir inzwischen eine Vielzahl von Residenten Russen deren politische Meinung nicht unbedingt Putin UNfreundlich ist.) Der Ami (Regierung) macht NICHTS aus Selbstlosigkeit, er denkt nur an seinen Vorteil und da ist eine angekündigte Öffnung zu Kuba das kleinere Übel.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
götzvonberlichingen_2 18.12.2014, 18:42
118. Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt

Zitat von manque_pierda
war dieses Jahr in Kuba und konnte feststellen, dass das Land ökonomisch am Ende ist, Havanna sieht wie eine DDR-Stadt gegen Ende der 80er aus. Viehanhänger als Überlandbusse und die gleichen weltfremden Parolen in den Straßen, wie in der DDR. Interessant dabei, dass Leute, die sich mir gegenüber sogar als Mitglied der kommunistischen Partei ausgaben, ungeschönte Kritik am Gesamtzustand und den Castros äußerten. Vor 6 Jahren war dies nicht so. Ich denke es braucht nicht mehr viel und die Leute stehen endgültig auf, zumal die Venezuela-Connection wegen des verfallenden Ölpreises eh ausgedient hat. Wenn Ärzte aus ökonomischen Gründen lieber Taxi fahren, weiß man wo man hingekommen ist. Insofern ist eine Aufweichung der Blockade gerade jetzt politisch unklug.
Tolle Idee. Immer schön auf den Rücken der normalen Kubaner die politischen Ziele austragen. Sie revoltieren noch nicht? Cool, verschärfen wir die Blockade damit sie weniger als nichts haben. Erst wenn es den Kubanern so richtig schlecht geht, werden sie das tun was für sie am besten ist und die Castros stürzen.
Und danach ist Russland dran.
Der Plan hat zwar die letzten 50 Jahre nicht funktioniert, aber hey - warum nicht weitere 50 Jahre blockieren? Da muss halt mal der kleine Kubaner leiden. Er hat ja immer noch Zigarren und die tollen Oldtimer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
note4shape 18.12.2014, 19:11
119. Das Ende der anti-Cuba

ist hoffentlich der Anlass dafuer, dass die USA aufhoeren ganz Lateinamerika als Hinterhof zu missbrauchen und stattdessen als ebenbuertige Partner zu begegnen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 12 von 13