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Streit um "Das Amt": Historiker zerpflückt Bestseller

Der Bestseller "Das Amt" über das Auswärtige Amt und seine Rolle in der Nazi-Zeit hat einen erbitterten Streit ausgelöst. Mit Johannes Hürter vom renommierten Institut für Zeitgeschichte hat nun erstmals ein Kenner dieser Materie das Buch umfassend analysiert. Sein Urteil ist vernichtend.

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moika 01.04.2011, 18:26
1. Bestellt - und wie gewünscht geliefert

Als Fischer das Gutachten in Auftrag gab, wollte er doch genau das von seinen "Experten" gelieferte Ergebnis - und nichts anderes, sehen.

Fischer hing ja selbst dann noch am ideologischen Tropf, als der Ostblock samt seines "real existierenden" Kommunismus längst auseinander gebrochen war.

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Newspeak 01.04.2011, 18:45
2. ...

"Die Kommission hatte behauptet, eine Weisung von AA-Staatssekretär von Bülow vom 13. März 1933 habe "auf dem Weg zur 'Endlösung der Judenfrage' gewissermaßen den Anfang" markiert. In der Weisung geht es darum, statistisches Material zum "Vordringen der Juden" im öffentlichen Leben Deutschlands zu sammeln. Dabei war Hitler 1933 keineswegs entschlossen, Juden in Deutschland und Europa umzubringen."

Wenn das die Meinung des Historikers ist, der seine Kollegen in fachlich unqualifizierter Weise persönlich diffamiert, dann kann es um seine eigenen historischen Kenntnisse über das Dritte Reich nicht weit her sein, oder er hat eine andere Vorstellung über Hitlers Entschlossenheit zum Massenmord. Die geht meiner Meinung nach schon klar aus "Mein Kampf" hervor. Wieviele Male muß man denn öffentlich vom Ausrotten etc. sprechen, damit das bei Historikern als Entschluss durchgeht? Hitler und die Nazis haben bereits sehr früh nach ihrer Machtergreifung wesentliche Schritte getan, um ihre "Feinde", darunter auch die Juden, in irgendeiner Form anzugehen. Die ersten Konzentrationslager gab es schon im Jahr der Machtergreifung (Dachau, 22.3.1933). In der Wikipedia heißt es dazu ( http://de.wikipedia.org/wiki/Deporta...Ernst_Goldmann ): "Zwei Fürther Bürger jüdischer Herkunft waren im April 1933 die ersten Todesopfer im KZ Dachau und damit die ersten jüdischen Opfer in Konzentrationslagern überhaupt: Dr. Rudolf Benario (* 1908) und Ernst Goldmann (* 1908), beide der KPD nahestehend." Man mag als Historiker nun noch nicht der Ansicht sein, zwei Ermordete seien der Beginn der systematischen Ermordung der Juden in Europa. Aber im Grunde genommen ist es so. Der Plan, systematisch vorzugehen, existierte bereits in den Köpfen und lässt sich in diversem Schrifttum auch vor 1933 schon nachweisen.

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sam clemens 01.04.2011, 18:45
3. Skandal?

Das Ganze ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung und sollte entsprechend begrüßt werden. Einen Skandal sollte man nicht daraus machen.

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Sardanapal 01.04.2011, 18:49
4. Nicht der erste

Sehr gut, wenn das jetzt ausführlich in einer Fachzeitschrift, wie der VfZ erscheint, aber so richtig neu ist die Kritik an Mängeln und Fehlern des Buches nicht.

Koerfer:
http://www.faz.net/s/RubBE163169B432...~Scontent.html

Mommsen:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1332017/

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analyst2 01.04.2011, 18:52
5. Und hinterher............

......will es keiner gewesen sein.
Da braucht es keinen Historiker,da weiß eigentlich jeder Normalo mit einigermaßen Hirn was und wie das abgelaufen ist und nicht nur im AA.
Zivilcourage war und ist eben nicht gefragt,Karriere steht über allem.

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velkoryn 01.04.2011, 18:53
6. Aha - woher wissen Sie das?

Zitat von moika
Als Fischer das Gutachten in Auftrag gab, wollte er doch genau das von seinen "Experten" gelieferte Ergebnis - und nichts anderes, sehen. Fischer hing ja selbst dann noch am ideologischen Tropf, als der Ostblock samt seines "real existierenden" Kommunismus längst auseinander gebrochen war.
So so - könnten Sie vielleicht mal mitteilen woher Sie das über Herrn Fischer wissen?
Vielleicht mal Behauptungen mit einer Quellenangabe unterlegen ...?
Ansonsten trifft Ihre Aussage als bloße Meinung ziemlich ins Leere.

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Julio58 01.04.2011, 19:00
7. Wen wundert das eigentlich?

Zitat von sysop
Der Bestseller "Das Amt" über das Auswärtige Amt und seine Rolle in der Nazi-Zeit hat einen erbitterten Streit ausgelöst. Mit Johannes Hürter vom renommierten Institut für Zeitgeschichte hat nun erstmals ein Kenner dieser Materie das Buch umfassend analysiert. Sein Urteil ist vernichtend.
Lt. Kopp-Online haben die als Verfasser des Buches ganze Passagen weder selbst geschrieben noch gelesen. Es ging, wie hier schon gesagt nur darum, ein von vornherein vorgegebenes Ergebnis zu unterfüttern.
Ganz abgesehen davon - was ist daran eigentlich so sensationell? Natürlich haben die Mitarbeiter-/innen des Auswärtigen Amtes weltweit auf Weisung aus Berlin gehandelt, das war doch kein unabhängiger Verein!
Glaubt denn bspw. jemand, der Vertreter Deutschlands bei der Uno hätte sich aus eigener Entscheidung heraus bei der Abstimmung über Libyen enthalten?
Dieses ganze Buch, dass wieder der Befeuerung der deutschen Schuldkultur dienen sollte ist lediglich ein grandioses Beispiel für die sinnlose Verschwendung von Steuergeldern, wofür man den Auftraggeber auch heute noch dran kriegen sollte - dann kann er wieder in Turnschuhen rum laufen!

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albert schulz 01.04.2011, 19:01
8. irgendwie wollen die Jungs eben Geld verdienen

Wenn ich mich recht entsinne, war der Spiegel seinerzeit hellauf von dem Machwerk begeistert, was er eigentlich nur ist, wenn abseitige und unwahrscheinliche Märchen per Druckerschwärze verbreitet werden. Es scheint sich also um die bekannte Historikermethode zu handeln: draufhauen, die sind längst tot, außerdem sind die Thesen beliebt. Wir Laien können nur feststellen, daß eine Sorte Historiker ihre Bücher verkauft, weil sie beweist, daß es gar nicht so schlimm war, während die andere Sorte wahllos auf alle eindrischt, die es damals zu einer gewissen Wesentlichkeit gebracht haben. Immerhin wird nicht mehr behauptet, das Dritte Reich wäre das Werk von vier Geisteskranken gewesen, völlig unbemerkt hätten sie ihre Greuel verübt, und sie wären aufgeknüpft worden und damit wäre es erledigt.

Das eigentliche Resümee heißt: vergiß die Historiker, die lügen, weil es Kohle bringt, die paar korrekten wirst du niemals finden. Die Politiker, die die Geschichte gerade so zurechtbiegen, wie es ihnen in den Kram paßt, darf man auch vergessen. Vor allem die, die die DDR auf die Eigenschaft „Unrechtsstaat“ reduzieren. Das ist so sagenhaft infantil und verlogen. Lügen bringt Geld und es bringt Stimmen.

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Esmöller 01.04.2011, 19:07
9. Geschichtswissenschaft mal anders

Zitat von sam clemens
Das Ganze ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung und sollte entsprechend begrüßt werden. Einen Skandal sollte man nicht daraus machen.
Rein wissenschaftlich ist diese Auseinandersetzung mit Sicherheit nicht. Fischers Auftrag war in erster Linie politischer und ideologischer Natur. Das wird umso klarer, je mehr grobe wissenschaftliche Mängel nun an das Licht kommen. Und es gab eben "willige Vollstrecker" aus der Wissenschaft. Das war es dann hoffentlich für den wissenschaftlichen Ruf von Conze & Kollegen.

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