Forum: Politik
Streit um Niebels Gaza-Reise: Israels Fehler

Der Zoff um die verweigerte Einreisegenehmigung nach Gaza für Entwicklungshilfeminister Niebel zeigt vor allem eines: Israel kann mit Kritik nicht umgehen. In den vergangenen Monaten sind reihenweise Freunde auf Distanz gegangen, die mit gutem Rat abgeblitzt sind.

Seite 7 von 17
erzengel_gabriel 21.06.2010, 16:33
60. Zentralrat d. Juden in Deutschland

Sehr unglücklich, diese prompte Stellungnahme des Zentralrates gegen Niebel.

Eine für mich politisch völlig undurchsichtige Einrichtung, die man auf die eine oder andere Weise in der Reflexhaftigkeit ihrer politischen Äuerungen neben Meißners und Mixas stellen kann, dabei aber noch nicht einmal soviel PR-Schmalz haben, den Eindruck einer zweiten israelischen Botschaft zu verhindern. Das an sich wäre alles nicht so schlimm, aber dass der Zentralrat sich so unreflektiert angesichts der gegenwärtigen israelischen rechtskonservativen Regierung äußert, ist mehr als verantwortungslos.

Beitrag melden
dist-bln 21.06.2010, 16:35
61. Ende der bedingslosen und uneingeschränkten Unterstützung Israels

ich denke es wäre an der Zeit zu verstehen, das die jahrzentelange -bedingslose und uneingeschränkte- Unterstützung Israels, die Region keinen Milimeter näher an einen umfassenden und ausgleichenden Frieden gebracht hat.

Beitrag melden
Sapientia 21.06.2010, 16:36
62. Ich verstehe diese ganze Erregung nicht.

Zitat von sysop
Der Zoff um die verweigerte Einreisegenehmigung nach Gaza für Entwicklungshilfeminister Niebel zeigt vor allem eines: Israel kann mit Kritik nicht umgehen. In den vergangenen Monaten sind reihenweise Freunde auf Distanz gegangen, die mit gutem Rat abgeblitzt sind.
Was erwartet man denn von seinem Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt mit berechtigt empfundenem Profilierungsdefizit?

Beitrag melden
khid 21.06.2010, 16:36
63. Kritikfähigkeit zur Disposition...?!

Zitat von Andreko
Und wie bitte? Durch verschwinden von der Landkarte wie von Hamas und Iran gefordert?
Diese Art der populistischen Verschärfung kann ich nicht mehr hören! Überzogen, zynisch, deplaziert!

Zitat von Andreko
Dummerweise hat Israel aber nicht nur Freunde. Außerdem muss ich sagen, das ich die Floskel vom "Existensrecht Israels" schon nicht mehr hören kann. Hat schon jemals wer, beispielsweise das Existensrecht Belgiens betont, ein Land das immerzu auseinanderfallen will und in der Welt nur für seine Schokolade und Kinderschänder berühmt ist? Das ewige Gerede über Israels Existensrecht deutet nur an, dass das eben doch zur Disposition stehen könnte.
Nein, die Israelis pochen immer wieder mit eben dieser Formulierung auf ihren Staatsgrenzen! Historisch gesehen liegt darin aber genau der Fehler!
Es geht nicht darum, ob es einen Staat Israel gibt - sondern darum, wo die Grenzen liegen - und welcher Raum historisch gesehen den Palästinensern im Mindesten zusteht!

Ihre Art der Argumentation klammert deren Rechte offenbar aus - warum? Haben die Palästinser in Ihren Augen nicht das gleiche Recht wie die Israelis? Wenn ja, wüsste ich gerne warum!

Beitrag melden
Helmut Pirkl 21.06.2010, 16:36
64. Destruktive Politik

Das Verhalten der israelischen Führung zeigt eindeutig, worum es im NO geht. Israel strebt mit allen Mitteln einem Staat der Apartheid entgegen. Dabei sind die dafür Verantwortlichen bemüht, die Palästinenser abzudrängen. Aber die wehren sich mit aller Kraft dagegen. Inzwischen ist man in dieser Hinsicht im Grenzbereich angelangt, wo diese Bestrebung für die ganze Welt offensichtlich werden. Der Druck von außen und von innen, selbst aus den eigenen Reihen wird immer stärker und lässt sich kaum noch halten.

Die israelische Führung befindet sich in einer ausweglosen Lage. Sie hat sich in der eigenen Falle gefangen und dreht sich nun darin wie der Hamster in seinem Rad.

Hilfe kann nur noch von außen kommen. Die aber muss mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt, welche die UNO aufzubieten hat, eingesetzt werden. Nur so kann nicht nur den Palästinensern, sondern auch der israelischen Bevölkerung geholfen werden, die ebenfalls unter dieser destruktiven Politik ihrer Führung leidet.

Beitrag melden
izzl 21.06.2010, 16:36
65. Sprichworte?

Zitat von Narn
absolut lächerliche Argumentation. In Bezug auf Israel gibt es so einige Sprichwörter, die man hier anbringen sollte. "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen" wäre eines davon. Israel ist ein Mitglied der UNO, ein demokratischer Staat (im Gegensatz zu den Palästinensern, die keinen Staat haben!), der sich (vorgeblich) an die UN-Menschenrechtcharta hält. Man soll Israel nciht dafür kritisieren, wie sie mit ihren Feinden umgehen? Wenn in Nordkorea oder Myanmar oder China die "Dissidenten" hingerichtet oder weggesperrt werden, dass es keine "freien Wahlen" gibt, da ist die Kritik legitim. Dass diese Staaten es satt haben, dass sich die UNO in ihre Angelegenheiten einmischt, ist natürlich egal, aber dass sie sich nicht an die Resolutionen halten ist eine unverschämte Dreistigkeit, nicht wahr? Zur Erinnerung, die Golanhöhen hat Israel bis heute nicht geräumt, die Resolution die dies fordert stammt aus den 70er Jahren.
Nun, Steine werfen ist, bildlich gesprochen, leider fast das einzige, was Israel tun kann, um seine arabischen Nachbarn von einer zweiten Endlösung abzuhalten. Sorry, aber Spruchweisheiten auf den Nahostkonflikt anzuwenden ist von einem deutschen Sofa aus ja recht bequem, taugt aber nicht für die Wirklichkeit.

Und ja, man MUSS Israel kritiseren. Man DARF dann aber auch nicht beleidigt sein, wenn die Kritik nicht verfängt. Ganz abgesehen davon: wir bezeugen ja immer so lautstark, wie gut wir doch mit Israel befreundet sind. Sagt man einem guten Freund nicht auch ab un zu mal, wie gern man ihn hat?

Beitrag melden
nurdieruhe 21.06.2010, 16:41
66. Leider nur "deftige Worte"...

Zitat von izzl
Verhält sich Israel jedoch mal so, wie es der Staatengemeinschaft nicht passt, darf es sich erstens gleich ein paar deftige Worte anhören und zweitens muss es sich noch kritisieren lassen, dass es die Kritik nicht annehme. Zynischer geht es ja wohl nicht.
Unrecht muss man Unrecht nennen, und Unmenschlichkeit muss man anprangern, immer und überall auf der Welt, egal von wem es begangen wird, das ist doch das Vermächtnis des Holocaust. Die unbestreitbaren Verbrechen der terroristischen Hamas legitimieren den militärischen Kampf dagegen, aber weder die Siedlungspolitik noch die Quasi-Apartheidspolitik, noch die Defizite in der Rechtsstaatlichkeit, etwa bei der Strafverfolgung der zahlreichen Morde israelischer Soldaten während der Besatzungszeit. Es wird den Regierungen vieler westlicher Länder zurecht vorgeworfen, bei den Menschenrechten mit zweierlei Maß zu messen. In unverantwortlicher Weise trägt Israel zur Verarmung der Bevölkerung bei und schafft damit den Nährboden für die nächste Generation Terroristen. Ich wünsche mir, dass wir als Deutsche allen gegenüber angemessene Distanz wahren, die durch Gewalt die Lösung des Konflikts blockieren. Das sind in erster Linie der Potentat aus Teheran, die Hamas, aber genauso auch ein israelischer Staat, der meint, über dem internationalen Recht zu stehen.

Beitrag melden
settembrini. 21.06.2010, 16:42
67. wo ist nun Europa?

Zitat von 445
Weder wurde das Verhältnis durch Niebel belastet noch die Diskussion um israels Politik erschwert. Ganz im Gegenteil. Das Verhältnis belastet vor allem Israel und wird dabei immer unerträglicher. Sollte Israel so weiter machen, wird es sich vollständig isolieren. Gerade durch diese Aktion wird doch die Diskussion um Israels Politik angekurbelt. Das gefällt Israel und dem ZDJ natürlich nicht.
Wir, also Deutschland, tun gut daran unseren berechtigten Protest mit Europa zu synchronisieren. Schon die letzten militärischen Konflikte die Israel provozierte, hätten einer schnellen und eindeutigen europäischen Haltung bedurft. Dieser Abstimmungsprozess, wenn er denn überhaupt stattfindet, läuft viel zu zäh und bestärkt Israel immer wieder so zu handeln. Einzelne Mitgliedsstaaten müssen dann einfach mal ihre Partikularinteressen zurückstellen und wie brauchen nicht fürchten immer wieder Vergangenheitsdiskussionen aufgedrängt zu bekommen.

Beitrag melden
dr_tone 21.06.2010, 16:46
68. Erstens, zweitens, frittens...

Zitat von dasbertl
Erstens: Es war das Gebiet der Palestinenenser, bevor es durch die jüdischen Siedler illegal annektiert wurde. Was die Palestinenser für SIE sind ist unwichtig, rechtlich, ethnisch und ethisch sind die Palestinenser ein Volk. Zweitens: Die Raketen mögen ein Problem sein, allerdings hat Israel für jeden ermordeten Israeli inzwischen gut 1000 Palestinenser ermordet. Drittens: Das den Juden zugefügte Unrecht gibt Israel nicht das Recht, das selbe Unrecht an den Palestinensern auszuüben. Viertens: Sie scheinen zu übersehen, dass die jüdischen Siedler selbst mit eigenen Terrororganisationen den Völkerbund/die UNO dazu gezwungen hat, den Staat Israel anzuerkennen, in der Größe, wie sich die Israelis das damals vorgestellt hatten. Urspünglich war der Staat wesentlich kleiner gedacht, schließlich versprach der Völkerbund beiden Gruppen ein eigenes Land Fünftens: Durch die Aktionen, die Israel gegen die Bevölkerung in Gaza vollführt riskiert es, auf dauer völlig isoliert zu werden. Damit riskiert vor allem Benjamin Netanjahu die Existenz Israels. Denn, wenn Israel erst einmal keine Freunde mehr im Westen hat, werden die arabischen Staaten drum herum irgendwann keine Veranlassung mehr sehen, Israel nicht anzugreifen. Israel mag zwar besser bewaffnete, besser ausgebildete Truppen haben, aber auf Dauer kann Israel isoliert kaum bestehen. (...)
Erstens, zweitens drittens, viertens... das nummerierte Halbwissen. Gehen wir das durch. Kurz, das reicht.

ad erstens. Was ist ein "Volk"? Sie selbst stellen mit diesem Argument ihr völkisches Denken aus. Volk, der Begriff hat als Grundlage für jegliches Staatsrecht ausgedient.

ad zweitens: 1000:1, die Zahl ist unbelegbar. Kommen Sie nicht mit dem Internet, ich habe ds selbst schon mehrfach ausgiebig recherchiert. Es gibt keine genauen Zahlen. Und das wichtigste ist: Zahlen sind kein Argument sondern bedürfen stets der Interpretation.

ad drittens: wohl wahr. Ich vermute aber, als Berechtigung für das Vorgehen der Juden gegen Hamas dient ihnen die Shoa gar nicht. Das ist lediglich die deutsche Wahrnahmung.

ad viertens: Richtig. Es wäre sicher auch anders gekommen, wenn die arabischen Anrainerstaaten nicht noch in der Gründungsnacht einen Krieg gegen das neugeborne Israel begonnen hätten... die Geschichte ist vertrackt. Es hat keinen Sinn, von ihr ausgehend ein Recht finden zu wollen.

ad fünftens: Das ist der einzig halbwegs vernünftige Gedanke Ihrer Nummerierungen. Die military Blockheads um Netanjahu können nicht aus ihrer Logik und sind unelatisch. Das ist sicher eine Gefahr für Israel... dennoch ist falsch, deswegen die Existenzfrage zu stellen. Vergleichen Sie das zB. mit dem England/Irland-Konflikt oder den Basken in Spanien oder den Kurden in ihren jeweiligen Staaten. Es gab kluge und unkluge Weisen mit diesen Problemen umzugehen, aber in keinem Fall stellt sich deswegen die Existenzfrage für die okkupierende Macht. Warum stellt die Öffentlichkeit diese Frage im Falle Israels?

Beitrag melden
rick.sander 21.06.2010, 16:46
69. Wir Deutsche haben

eine besondere Verpflichtung gegenüber der jüdischen Religion und wir stehen dazu.
Das heißt aber nicht, daß dies auch für die Isralische Regierung gilt. Auch für sie gilt Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Da muß sich israel Kriik gefallen lassen an seinem Vorgehen, an den Mauern, den unberechtigten Siedlungen und dem Verstoß gegen die Menschenrechte genau wie jeder andere Staat.
ich hätte es für richtig gehalten, Niebel hätte auf dem Absatz kehrt gemacht.

Beitrag melden
Seite 7 von 17
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!