Forum: Politik
Streitthema Inklusion: Übergang in eine neue Welt

An deutschen Schulen hat ein radikales Bildungsexperiment begonnen: Erstmals ist für die Zulassung zu Realschule oder Gymnasium nicht mehr entscheidend, ob jemand dem Unterricht folgen kann. Was allein zählt, ist die Utopie einer Welt ohne Grenzen.

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Biegel 17.06.2014, 18:34
20. Bildungsexperiment

Jo, das ist es. Und es wird in der jetzigen Form grandios scheitern. Unsere Kinder sind die Versuchstiere.

Aber sind ja nur unsere Kinder. Wo ist das Problem ...

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MünchenerKommentar 17.06.2014, 18:35
21. Vernünftige Inklusion

Ich stelle mir eigentlich Inklusion so vor, dass ein rollstuhlfahrendes Kind, ein blindes oder auch ein taubes Kind, das aber intelektuell normal begabt ist, auf eine ganz normale Realschule oder ein ganz normales Gymnasium geht. Bei einem rollstuhlfahrenden Kind muss das selbstverständlich sein, bei einem blinden oder tauben Kind braucht man sicher zusätzliche Betreuung, die entweder den Tafelanschrieb oder die akusitische Kommunikation abtippt, so dass sie elektronisch verfügbar ist. Was ich nicht weiß, ist wieviele "Extrastunden" blinde oder taube Kinder bekommen, um Sachen zu lernen, die nicht-blinde oder nicht-taube Kinder gar nicht lernen müssen. Diese Stunden müsste es dann eben zusätzlich geben.

Was es aber sicher nicht braucht, ist Inklusion in dem Sinn, dass Kinder, die von ihren intellektuellen Fähigkeiten her maximal Hauptschulniveau erreichen, auf der Realschule oder auf dem Gymnasium landen. In der Schule wird nun mal nach Intellekt sortiert, damit jeder so viel lernen kann, wie möglich.

Ich persönlich hätte auch nie verlangt, dass ich auf einer Sport- oder Musikhochschule zugelassen werden, statt auf einer normalen Uni, einfach weil ich in beiden Fällen nur blöd rumgestanden wäre und die anderen von ihrer Ausbildung abgehalten hätte.

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karend 17.06.2014, 18:36
22. Keine Entfaltung

"Die Frage ist damit, wer für die Durchsetzung der neuen Schulideologie den höheren Preis zahlt: Die Kinder, die nicht mehr ungestört dem Unterricht folgen können, weil immer jemand Radau macht - oder die Kinder mit schweren Beeinträchtigungen, denen man jetzt spezielle Hilfe versagt."

Nein, gratulieren kann ich zu dieser Entscheidung nicht. Wird die Folge sein, dass Deutschland mehr "intelligente" Schulabgänger aus anderen Ländern abwerben muss? Durchaus möglich. Warum wird zugelassen, dass sich die Schüler in ihrer Entfaltung gegenseitig behindern? Denn genau das wird m.E. geschehen.

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Flipp1982 17.06.2014, 18:37
23. Oh Wunder...

Ich muss nun 20 Jahre zurückgehen, in meine Schulzeit. Weit weg von der heutigen Inklusionsthematik. Ich hatte in meiner Klasse auf dem Gymnasium (ja, wirklich!) einen sogar schwer körperlich und geistig Behinderten Schüler. Rollstuhl, Schulbegleiter, kaum Möglichkeiten zur verständlichen Verständigung. Der Grund damals war ganz einfach: Unser Gymnasium war im Landkreis die einzige Schule mit Fahrstuhl, sprich Rollstuhlgerecht. Und ob Sie es glauben mögen oder nicht - kein einziger Mitschüler wurde durch seine Anwesenheit vom Lernen abgehalten. ER hat eine Menge von uns gelernt, WIR eine Menge von ihm. Wir waren Freunde - und die Lehrer standen vor keiner unlösbaren Aufgabe wie heute oft geheult wird.

Tenor: Man muss jeden Inklusionsfall separat betrachten. Einerseits schreiben Sie, das man "Behinderte" nicht pauschal betrachten kann - und tun es in Ihrem Artikel doch. Mit Vorurteilen und einer Angst um die Leistungsgesellschaft. 1994 war das bei mir im Gymnasium schon kein Thema mehr, aus welchem Jahr stammt Ihre Sicht der Dinge?

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macfan 17.06.2014, 18:38
24. Europa

Es geschehen noch Zeiten und Wunder! Zum ersten Mal halte ich eine Kolumne von Herrn Fleischhauer nicht für blanke Polemik, sondern muss ihm Recht geben. Allerdings fehlt ein wesentlicher Satz im Artikel: Das haben sich nicht irgendwelche deutsche Bildungspolitiker ausgedacht, sondern es muss hier eine EU-Richtlinie umgesetzt werden.

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mborevi 17.06.2014, 18:40
25. Es wäre doch gelacht, wenn ...

Zitat von sysop
An deutschen Schulen hat ein radikales Bildungsexperiment begonnen: Erstmals ist für die Zulassung zu Realschule oder Gymnasium nicht mehr entscheidend, ob jemand dem Unterricht folgen kann. Was allein zählt, ist die Utopie einer Welt ohne Grenzen.
... wir unser früher ganz gutes Bildungssystem ( ich meine, vor 60 Jahren) nicht noch vollends kaputt bekämen. Aber auch die Einstufung in verschiedene Schulformen auf Empfehlung der Lehrer war unbrauchbar: Ich sollte angeblich das Gymnasium nicht schaffen (später wurde ich Universitätsprofessor).

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nadennmallos 17.06.2014, 18:40
26. Vielleicht etwas überspitzt geschrieben ...

Zitat von sysop
An deutschen Schulen hat ein radikales Bildungsexperiment begonnen: Erstmals ist für die Zulassung zu Realschule oder Gymnasium nicht mehr entscheidend, ob jemand dem Unterricht folgen kann. Was allein zählt, ist die Utopie einer Welt ohne Grenzen.
... aber es ist nun mal Realität, leider. Und wirft die Frage auf, an was man denn die zukünftigen Bürger / innen messen möchte. Früher oder später wird gesiebt. Basta. Möglich, dass für den ein oder anderen Spätzünder so ein System taugt, aber generell ...?

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na!!! 17.06.2014, 18:41
27. guter bericht

Es gibt zuviele Eltern, besonders mütter die Realität. Nicht erkennen wollen.

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spindoc 17.06.2014, 18:42
28. Ja, Herr Fleischhauer,

wer sich für eine differenziertere Sichtweise einsetzt bekommt sofort Prügel. Es darf eben keine Menschen mit Behinderungen geben, es darf nicht sein, dass sie vom regulären Schulbetrieb ausgeschlossen werden, es darf nicht sein, dass sie nicht am Bildungsangebot teilhaben können. Das Problem an der Inklusion ist aber doch, dass sie Normalbegabte Schüler mit u.U. berechtigter Aussicht auf eine höhere Schulbildung zu Behinderten machen. Die Hoffnung, dass die Schulpolitiker wachwerden, was man übrigens schon hätte voraussehen können, die habe ich schon längst aufgegeben. Mal davon abgesehen, dass den Lehrern auch die nötige Ausbildung fehlt. Aber selbst mit Ausbildung würden/werden sie an diesem Experiment scheitern und das ist wahrlich armselig für unsere Politiker. Das schöne an Politikern ist eben, dass sie über Dinge zu entscheiden haben und die Verantwortung dafür auch nicht zu übernehmen brauchen, das ist doch recht bequem, oder??

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Otoshi 17.06.2014, 18:42
29. Finde ich toll.

Ich werde als Mittvierziger mit Übergewicht auf inklusion bei der naechstn Fussball WM pochen. Dann kann ich auchmal mitkicken. Wen stört es da, wenn die anderen damit Probleme haben und automatisch schlechter spielen?

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