Forum: Politik
Streitthema Inklusion: Übergang in eine neue Welt

An deutschen Schulen hat ein radikales Bildungsexperiment begonnen: Erstmals ist für die Zulassung zu Realschule oder Gymnasium nicht mehr entscheidend, ob jemand dem Unterricht folgen kann. Was allein zählt, ist die Utopie einer Welt ohne Grenzen.

Seite 40 von 57
einfachKurt 18.06.2014, 09:33
390. Die Sache hat auch etwas Gutes

Am Ende steht der Offenbarungseid des staatlichen Bildungsmonopols. Danach fällt die Kulturhoheit. Parallele Entwicklungen beseitigen andere Monopole wie das Gewaltmonopol. Die epochalen Umwälzungen des Digitalen Zeitalters werden weitere Funktionen unseres Staatswesens überflüssig machen. Unser Staat wie wir ihn kennen wird untergehen. Zusammen mit dem Zeitalter, das ihn hervorgebracht hat. Das Alphabetische Zeitalter.

Beitrag melden
elliot_69 18.06.2014, 09:36
391. Unglaublich

Sowohl der Artikel, als auch die meisten Kommentare strotzen nur so vor Unwissenheit und Panikmache. Irgendein Forist hat den Inklusionsbefürwortern pure Ideologie vorgeworfen. Das könnte man wohl auch den Gegnern vorwerfen, oder?
Tatsache ist, dass es viele Länder gibt, die Inklusion schon seit Jahrzehnten praktizieren und siehe da, es funktioniert. Hierzulande schickt man Lehrer, die nicht dafür ausgebildet sind in die Klassen, Integrationshelfer werden für nur wenige Stunden bewilligt, den Rest der Zeit sind Lehrer auf sich allein gestellt. Es wird an einem einheitlichen Bildungsziel festgehalten, statt individuell zu lehren und zu fördern (was übrigens auch vielen nicht behinderten Schülern gut tun würde). Ich könnte noch weitere Beispiele der Inklusion in Deutschland nennen. Unter diesen Bedingungen kann Inklusion nur scheitern und die Gegner können sich befriedigt zurücklehnen und sagen "seht ihr, wir haben doch gleich gesagt, dass Inklusion nicht funktioniert".
Einfach nur traurig, wie hier in Deutschland mit diesem Thema umgegangen wird!

Beitrag melden
Herr Hold 18.06.2014, 09:42
392. Antrieb

Zitat von hadock
scheint ja hier die Meisten anzutreiben. Angst vor menschenfressenden Behinderten, Angst vor verdummenden Nichtbehinderten, Angst vor endgültig ausgebrannten Lehrern usw. Und alle sorgen sich ja so um ihre Kinder. Und natürlich auch um Menschen mit Behinderung. Klar: Behinderte auszugrenzen geht auch für Kariere-Eltern nicht. Wenn diesen Menschen aber eine gleiche Schulbildung verwehrt wird (jajajaja: es gibt natürlich Menschen, bei denen ein Abitur nicht zu erwarten ist - jajajaja: Inklusion kostet Geld), werden sie ausgegrenzt. Egal aus welchem Grund. Übrigens scheint es der Menschwerdung gut zu tun, sich auch an schwächeren Menschen zu orientieren. Was allein schon die merkwürdige Mischung aus Ergeiz, Wut und Angst der meisten Schreiber hier belegt. All diese Menschen jammern ansonsten genau über diese speziell deutsche Mischung und orientieren sich gerne am fortschrittlichen Ausland. Könnte man ja bei der Inklusion auch.
Wenn man den Artikel aufmerksam liest und sich dann die Beiträge hierzu ansieht, erkennt man auch das Problem beim Thema Inklusion. Sowohl im Artikel ("Das Leben ohne Gehör oder Augenlicht ist etwas ganz anderes als schwerer Autismus oder eine ähnliche Entwicklungsstörung. Aber genau diese Differenzierung lehnen die entschiedenen Inklusionsbefürworter ab.") als auch in der UN- Konvention wird auf die unterschiedlichen Behinderungen Rücksicht genommen. Auch die UN-Konvention fordert nicht, dass offensichtlich geistig behinderte auf ein Gymnasium geschickt werden. Sie sollen am "gesellschaftlichen Leben teilhaben". Hier werden wieder Extremfälke diskutiert, die so nie gewollt waren. Körperlich behinderte konnten und können, wenn sie dann die gleichen Lernfähigkeiten haben, die gleichen Schulen besuchen.

Beitrag melden
Herr Hold 18.06.2014, 09:45
393. Tja

Zitat von Velociped
Die gute Idee der Inklusion wurde falsch als Sparmodell umgesetzt. Die Idee ist partiell behinderte Schüler_innen durch gezielte Unterstützung die Teilnahme an der Regelschule, der sie ansonsten folgen können, zu ermöglichen. Wer im Rollstuhl sitzt oder stark sehbehindert ist, kann dem Unterricht mit Unterstützung trotzdem folgen. Inklusion hätte bedeutet, zusätzliches Personal in die Schulen zu bringen, die sich gezielt darum kümmern können, dass Schüler_innen mit Einschränkungen trotz dieser Einschränkungen dem Unterricht folgen können. Dieses Personal hätte Geld gekostet. Auch die Schulung der Lehrer_innen hätte Geld gekostet. Defacto werden Lehrer_innen nun mit Schüler_innen konfrontiert, von deren Behinderung sie keine Ahnung haben und für deren Betreuung sie keine Zeit haben. Im Ergebnis ist der Unterricht für die Regelschüler_innen als auch für die Inklusionsschüler_innen ungenügend - hier hat der Beitrag recht. Dies allerdings der "Inklusion" an sich anzulasten, ist verkehrt. Schuld sind die Kultusministerien, die es in letzter Zeit immer wieder geschafft haben, unter dem Vorwand inhaltlicher Reformen vor allem zu sparen. Inkompetente Umsetzung von Reformen bei der nur zählt, dass am Ende weniger Geld als zuvor ausgegeben wird, können unser Bildungssystem nur kaputt machen - da ist Inklusion leider nur ein Beispiel unter vielen.
Die Diskussion dreht sich aber nicht um geisig fitte aber körperlich Behinderte.Das stellt niemand in Abrede. "Das Leben ohne Gehör oder Augenlicht ist etwas ganz anderes als schwerer Autismus oder eine ähnliche Entwicklungsstörung. Aber genau diese Differenzierung lehnen die entschiedenen Inklusionsbefürworter ab."

Beitrag melden
Tiananmen 18.06.2014, 09:45
394.

Zitat von giespel
...so sachlich und wohl recherchiert wie immer. Macht sich gut wichtig Stammtischgeschwafel im intellektuellen Speckmantel.
Sicher haben Sie recht. Warum wird zwar nicht klar, aber wenn man sachliches Argumentieren duch Logorhoe ersetzen kann, dann muss man einfach Recht haben.

Beitrag melden
gianfranco 18.06.2014, 09:47
395. "Deutschland schafft sich ab"

Zitat von Steinwald
Stimmt alles, Inklusion ist praktisch und pragmatisch gesehen völliger Unsinn, der nur auf moralischer Schiene nach vorn fährt, gegen die man praktisch kaum ankommt. Iklusion bestraft nichtbehinderte Kinder in völliger unangemessener Art und Weise. Ganz nebenbei ist auch dem Behinderten nicht geholfen. Deren Eltern müssen anerkennen, daß ihr Kind eine Behinderung hat. Ein geistig Behinderter auf dem Gymnasium?? Ich spiele ja auch nicht bei der WM mit.
Sinn und Zweck des Programms - Inklusion benannt - sind klar: Erzeugung von Bildungsbrache. Einfalt lässt sich besser versklaven.
Daran erkennt man es schon: 40% wählen Merkel.

Beitrag melden
Leser161 18.06.2014, 09:48
396. Zu schwierig

Wir Menschen haben uns unsere Welt so kompliziert gemacht, dass wir sie selbst nicht mehr verstehen (oder die meisten von uns). Statt nachzudenken was für jeden Einzelnen oder unsere Gesellschaft in Summe das Beste ist, suchen wir einfache Schlagwörter, einfache Regeln, die wir ohne Sinn und Verstand befolgen. Inklusion ist eins davon.

Beitrag melden
grafkoks2002 18.06.2014, 09:49
397. Ja und nein

Der Kommentar von Herrn Fleischhauer schwankt. Einerseits beklagt er das Ende der Lehre, wie wir sie kennen, andererseits zeigt er sehr wohl eine Sympathie für die betroffenen Kinder. Tja, und so ist die Geschichte - zwiespältig. Als Vater eines Sohnes mit einer Behinderung kann ich nur sagen - die Politik hierzulande will Inklusion, die Schulen können sie aber kaum bewerkstelligen. Das ist das Problem. Das Gewollte wird nicht durch die finanziellen und personelle Mittel unterstützt. Im Falle meines Sohnes hatten wir das unglaubliche Glück, dass die Direktorin der Schule - nachdem die Klassenlehrerin ihn bereits aufgegeben hatte - alle Schalter und Hebel in Bewegeung setzte, um ihm zu helfen. Im Gegensatz zu seiner Klassenlehrerin, die ihn in die Kategorie "lieb, aber leider nicht wirklich schlau" abschob und erklärte, er sei nicht in der Lage, einem normalen Unterricht kognitiv zu folgen (und sie dürfe die anderen Kinder nicht aus den Augen verlieren), erkannte die Direktorin sehr wohl, dass die Geschichte etwas komplexer war.

Sie setzte den gesamten Apparat in Bewegung (vom Psychologen über Tests bis Analysen zu ich weiß nicht was - und hat selbst so manchen Kamp mit Behörden ausgefochten - unser Sohn galt nämlich vor dem Gesetz als nicht behindert. Er hat zwar Problemchen, abe alles Kleinigkeiten im Sinne der Leute, die bestimmen, in welchem Grad jemand behindet ist). Zusammen haben wir gekämpft. Und am Ende war es eine Blindenlehrerin, die erkannte, dass im Fall meines Sohnes eine sehr, sehr seltene Augenkrankheit offenbar Grund für seine Probleme war (es war nicht seine Augenärztin - und da sage einer, Lehrer hätten keine Ahnung / und ja, Augen können die Wahrnehmung der Welt ziemlich seltsam beeinflussen...).

Mit dieser Diagnose war es nun möglich, bestimmte Hilfeleistungen zu erhalten, die es ihm ermöglichten, sich in der normalen Schule zurecht zu finden. Und siehe da: Plötzlich wurde er ein guter Schüler. Er ist kein Einser-Kandidat, aber er kommt gut klar, hat ein paar richtig gute Fächer (Mathe, Sachkunde), in den anderen steht er überall befriedigend. Damit wird er durchs Leben kommen.

Das Problem ist: Hier hat die Inklusion funktioniert, weil eine Direktorin schlicht und ergreifend gesagt hat: Ich hänge mich da rein. In gewisser Weise hielt sie damit auch der Klassenlehrerin meines Sohnes den Rücken frei, die sich nicht dezidiert um ihn kümmern musste.

Wir hatten Glück, aber ob dies ein Verdienst der Inklusion als solcher ist? Keine Fragen: Hilfeleistungen gibt es. Aber wir haben kämpfen müssen, um sie gestellt zu bekommen.

Beitrag melden
Tiananmen 18.06.2014, 09:50
398.

Zitat von steuerzahler24
Behinderte haben das Recht, nicht diskriminiert zu werden!!! Für die Lehrer bedeutet das hohe pädagogische Herausforderungen. Aber so sind die Zeiten nunmal.
Ist Diskrimination auch die absichtliche Verwischung von objektiven Unterschieden? HINSCHAUEN ist schwerer, als die Augen zu zu machen. Unterschiede sachlich und so vorurteilsfrei wie möglich wahrzunehmen ist das Ziel. Erst dann kann man Menschen so helfen, wie sie es brauchen. Aber die moralische Gießkanne ist halt bequemer und braucht weniger Mut und Intelligenz.

Beitrag melden
Herr Hold 18.06.2014, 09:54
399. Andere Länder

Zitat von elliot_69
Sowohl der Artikel, als auch die meisten Kommentare strotzen nur so vor Unwissenheit und Panikmache. Irgendein Forist hat den Inklusionsbefürwortern pure Ideologie vorgeworfen. Das könnte man wohl auch den Gegnern vorwerfen, oder? Tatsache ist, dass es viele Länder gibt, die Inklusion schon seit Jahrzehnten praktizieren und siehe da, es funktioniert. Hierzulande schickt man Lehrer, die nicht dafür ausgebildet sind in die Klassen, Integrationshelfer werden für nur wenige Stunden bewilligt, den Rest der Zeit sind Lehrer auf sich allein gestellt. Es wird an einem einheitlichen Bildungsziel festgehalten, statt individuell zu lehren und zu fördern (was übrigens auch vielen nicht behinderten Schülern gut tun würde). Ich könnte noch weitere Beispiele der Inklusion in Deutschland nennen. Unter diesen Bedingungen kann Inklusion nur scheitern und die Gegner können sich befriedigt zurücklehnen und sagen "seht ihr, wir haben doch gleich gesagt, dass Inklusion nicht funktioniert". Einfach nur traurig, wie hier in Deutschland mit diesem Thema umgegangen wird!
"Heute unterscheidet sich der Alltag in der Mittelschule in Deutschnofen nur wenig von der Praxis integrativer Schulen in Deutschland. Drei bis vier Stunden am Tag, je nach Tagesform, sitzt Aaron im Klassenzimmer. Die restliche Zeit verbringt er in einem Rückzugsraum, macht Sprachübungen, hört Lieder oder Geschichten.".
http://www.zeit.de/2012/23/Schule-Inklusion

Beitrag melden
Seite 40 von 57
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!