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Syrien: Der Giftangriff auf Duma - die Fakten
AP/ Syrian Civil Defense White Helmets

Eine knappe Woche nach dem Angriff auf Duma sind die Fronten klar: Für den Westen steht fest, dass Syriens Armee Chemiewaffen eingesetzt hat - Russland bestreitet das kategorisch. Was stimmt?

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adal_ 14.04.2018, 14:58
170. Pazifisten und Bellizisten

Zitat von briefzentrum
Der strategielose Bellizismus des Westens in Syrien muss erschrecken.
Zugegeben. Der Vergeltungsschlag gegen das Assad-Regime wird nicht zur Befriedung Syriens führen. Er treibt lediglich den Preis für Giftgaseinsätze in die Höhe. Immerhin.

Der strategielose Pazifismus Obamas wirkte sich wesentlich verheerender aus. Denn als Obama seinen Worten von der roten Linie keine Taten folgen ließ, verstand Putin dies als Einladung, in Syrien einzumarschieren, um das personell ausgedünnte Assad-Regime vor dem drohenden Untergang zu retten.
Es besteht kein Zweifel: Die aktive Einmischung Russlands (passiv, als Lieferant schwerer Waffen war es von Anfang an mit dabei) führte zur Prolongierung und Brutalisierung des Gemetzels.

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pavel1100 14.04.2018, 15:04
171. Völkerrechtswiedrig

Zitat von Fürstengruft
Der gut recherchierte Artikel macht nachdenklich. Das eine Bild mit der Filmklappe, Nachstellen einer Szene nach einem Angriff, auch wenn es ein Dokumentarfilm sein soll, ist sehr irritierend. Kein psychisch normaler Mensch erträgt Bilder von nach Luft schnappenden Kleinkindern kurz vor dem Tod. Genau da ist aber auch nachzuhaken, ob Bilder für Propagandazwecke so inszeniert werden können. Was die Dokumentarfilmer können, können andere auch. Das Bombardement der USA, F und GB war eindeutig völkerrechstwidrig, wurde heute in Phönix im Kommentar nochmals bestätigt. Auch kennt das Völkerrecht nicht den Begriff der "Vergeltung". Wer heute die Regierungscheffin von GB live im TV gehört hat, wird sich vor allem zur Nichtbeantwortung zweier unabhängiger Fragen von Journalisten gewundert haben. 1.Frage: "Wurde das Parlament um Zustimmung gefragt?" Antwort abschweifend, keine Antwort. 2. Frage: "Nochmal als Nachfrage, wurde das Parlament um Zustimmung zum Angriff befragt?" Antwort: wieder abschweifend, keine Antwort. Ich frage mich, warum haben USA, F und GB nicht schon zu Beginn des Bürgerkriegs das Völkerrecht gebrochen und bombardiert? Jetzt ist es zu spät, Assad wird den Bürgerkrieg gewinnen. Auf die paar Marschflugkörper kommt es dem Regime auch nicht mehr an. Kleine Nadelstiche die militärisch sinnlos waren. Auf jeden Fall werden sich die Rüstungskonzerne freuen, denn 100 abgefeuerte Marschflugkörper müssen ersetzt werden. Eine BGM-109 Tomahawk kostet zwischen ca. 1 Million Dollar, ergibt also ein Folgeauftrag von ca. 100 Millionen Dollar. Mal sehen ob die Aktie vom US-Hersteller Raytheon am Montag steigt.
Der US Angriff auf Assads Giftgaslager war zweifellos Völkerrechtswiedrig. Andererseits müsste ja gerade Russland dafür großes Verständnis aufbringen, denn der russische Angriff auf die Ukraine war ja nichts anderes. Es muss auch überlegt werden, ob ein Rechtsbruch hinzunehmen ist, wenn dadurch schlimmeres Unrecht verhindert wird. Der Vernichtung von Assads Infrastruktur zur Herstellung von chemischen Kampfstoffen kann ich nichts schlechtes abgewinnen. Wenn es denn so ist. Wahrscheinlich wird es außer einer Signalwirkung nichts gebracht haben. Dafür eine Eskalation zu riskieren halte ich für extrem fahrlässig.
Mit dem Angriff wurden auch folgende Sachverhalte offenbart:
1. Assads militärische Infrastruktur wurde nicht angetastet. Er kann sich also, wie sie richtig sagen, als Gewinner des Bürgerkriegs betrachten. Auch mit dem indirekten Segen der USA.
2. Der Wirkungsbereich der russischen S400 soll (nach eigenen Angaben) 400 km betragen. Niemand hätte es Putin verdenken können wenn er ein paar Tomahawks abgeschossen hätte. Putin hat nicht eingegriffen. Schuldbewusstsein? Jedenfalls durfte Trump auch mit dem indirekten Segen Putins die Giftlager zerstören.

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Gruuber 14.04.2018, 15:07
172. So sehen die Beweise der lügnerischen Amis sowie "Ihrer" NATO aus

Da haben sie vor dem Irakkrieg im Sicherheitsrat (oder sollte man Unsicherheitsrat“ sagen) sogar Zeichnungen von fahrbaren Giftgasproduktionsstätten und von „Abhördokumenten“ über solche Giftgaslager vorlegt. Und dann haben sie auch noch Zeugen für die Erzeugung von Atombomben vorgelegt.
Dass bis zum heutigen Tage weder diese Giftgasproduktionsstätten noch Atombombenerzeugungsstätten gefunden wurde, obwohl die Amis auch selbst noch nach ihrem Überfall auf den Irak jahrelang vergeblich in diesem Land mit ihren besten Spezialisten danach gesucht haben, überrascht höchstens Leute, bei denen man sich fragt, welche Verbrechen die USA noch begehen müssten, bis sie ihre „Freunde“ endlich verurteilen würden. Wie z.B. Großbritannien, Frankreich, aber auch Deutschland.

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aysnvaust 14.04.2018, 15:11
173. Auch von mir einfach mal "Danke"...

...für klar strukturierte, nüchterne Auflistung der Fakten - auf solch einen Artikel habe ich die letzten Tage gewartet. Gerne mehr davon.

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bescheuert 14.04.2018, 15:32
174. ja...

Zitat von cerberus333
Schön einen differenzierten und informativen Arzikel zu lesen. Aber einer der wichtigsten Punkte fehlt leider noch: wer sind diese Rebellen? Sind das ausländische Söldner? Wer bezahlt sie und liefert ihnen Waffen? Und wenn das ausländische Kräfte sind, die mit Raketen in Damaskus Terror verursachen: warum nennt man sie nicht Terroristen?
ja genau das interessiert. Auch welches Motiv Assad haben sollte. Wo er doch Duma und den größten Teil Syriens unter Kontrolle hat.
Erklärlich ist es tatsächlich das die " Rebellen" durch den Gifteinsatz einen Angriff der USA erhofften und ihn tatsächlich selbst inzennierten.
Der Westen ( USA ) muß einsehen das die Millionen Doller und Waffen ein Schuß in den Ofen waren. Anders als in Libyen und Ägypten ist Russland mit Syrien verbündet. Das war dann wohl nix mit dem "Arabischen" Frühling"

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Wanax 14.04.2018, 15:45
175. Wau, der Irakkrieg mal wieder...

Zitat von Gruuber
Da haben sie vor dem Irakkrieg im Sicherheitsrat (oder sollte man Unsicherheitsrat“ sagen) sogar Zeichnungen von fahrbaren Giftgasproduktionsstätten und von „Abhördokumenten“ über solche Giftgaslager vorlegt. Und dann haben sie auch noch Zeugen für die Erzeugung von Atombomben vorgelegt. Dass bis zum heutigen Tage weder diese Giftgasproduktionsstätten noch Atombombenerzeugungsstätten gefunden wurde, obwohl die Amis auch selbst noch nach ihrem Überfall auf den Irak jahrelang vergeblich in diesem Land mit ihren besten Spezialisten danach gesucht haben, überrascht höchstens Leute, bei denen man sich fragt, welche Verbrechen die USA noch begehen müssten, bis sie ihre „Freunde“ endlich verurteilen würden. Wie z.B. Großbritannien, Frankreich, aber auch Deutschland.
haben Sie und Konsorten eigentlich keine neue Platte ? Der besagte Irakkrieg liegt nun 15 Jahre und zwei Administrationen (Regierungen) zurück. Geglaubt haben an diese "Beweise" nur wenige, vor allem westliche Regierungen, weshalb ja außer GB und Spanien groß keiner mitgemacht hat (und ein UN-Mandat gabs auch nicht) . Das wurde auch seinerzeit lange in der Presse durch debattiert. Abgesehen davon...es wurde bloß ein blutrünstiger Diktator und sein Regime, welches die Menschenrechte mit Füssen traten, hinweg gefegt (das ist Begründung genug). Und genau wie Assad, setzte Sadam Hussein ebenfalls Giftgas gegen sein eigenes Volk ein.

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bescheuert 14.04.2018, 15:48
176. Seit 7 Jahren

versuchen vom Westen bezahlte und durch Waffen versorgte Söldner (Rebellen) das Assad Regime zu beseitigen.
Es wurde dabei nicht bedacht das Russland der Verbündete Syriens ist. Da war es dann wieder nix mit "Arabischem Frühling".
Warum sollte Assad, der Duma und den größten Teil Syriens unter kontrolle hat Gift einsetzen? In Duma war es auch nixmehr mit Häuserkampf.
Warum waren nicht unmittelbar nach dem angeblichen Giftgaseinsatz Beobachter vor Ort? Der Flughafen in Damaskus ist geöfnet.
Von einem Gaseinsatz profitiren nur die Terroristen, wie sich ja nun an der reaktion der Usa, Gb und Frankreich gezeigt hat.
Ich schließe nicht aus das der nächste Giftgaseinsatz deshalb schon in Planung ist

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Wanax 14.04.2018, 16:00
177. Is nich wahr, oder?

Zitat von bescheuert
ja genau das interessiert. Auch welches Motiv Assad haben sollte. Wo er doch Duma und den größten Teil Syriens unter Kontrolle hat. Erklärlich ist es tatsächlich das die " Rebellen" durch den Gifteinsatz einen Angriff der USA erhofften und ihn tatsächlich selbst inzennierten. Der Westen ( USA ) muß einsehen das die Millionen Doller und Waffen ein Schuß in den Ofen waren. Anders als in Libyen und Ägypten ist Russland mit Syrien verbündet. Das war dann wohl nix mit dem "Arabischen" Frühling"
das wurde doch mehrmals die Tage beschrieben (Artikel Sydow hier im Spon), welche Motive und wozu.
Aber woher haben Sie das mit den Rebellen die hoffen, dass die USA eingreifen ? Ich weiss, dies wird jedesmal von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern und Diktatorenversteher in den Raum geworfen ...die klügeren stellen dies in mögliche Alternative dar...die weniger klügeren sprechen gleich von "bewiesen" und Tatsachen.

Auch hier: diese Platte hat einen Sprung.

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die-metapha 14.04.2018, 16:05
178.

Zitat von simonweber1
Das ist nicht ganz richtig. Die Vetomächte des Sicherheitsrates blockieren sich gegenseitig. Je nach dem welche Anträge gestellt werden. Hier können Sie nicht ausschließlich Russland verantwortlich machen.
Doch - das ist ganz richtig.
Bis vor einem Jahr - also 2014, 2015 und 2016 wurden sämtliche Resolutionen per Veto durch Russland verhindert. Als letztes Jahr die bisherigen Mandate der OPCW nicht verlängert wurde - wiederum durch Russland - legte Russland eigene Vorschläge auf den Tisch, den die Mitgliedsländer der United Nations mit überwiegender Mehrheit nicht für annehmbar betrachteten und es somit zur Ablehnung dieser Vorschläge kam.
Und wenn es um die kategorische Ablehnungen aller bisherigen Resolutionen (bis2017) durch Russlands Veto angeht, dann kann ich aber selbstverständlich ausschließlich Russland dafür verantwortlich machen.

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hitd 14.04.2018, 16:15
179.

Zitat von p.dornn
Chemiewaffenarsenal und Forschungseinrichtungen eingesetzt werden, so werden ja unkontrolliert große Mengen von diesen Kampfstoffen freigesetzt und bedrohen damit Zivilisten. Letztlich bedeutet ein derartiger Angriff faktisch auch ein Kampfstoffangriff.
a) fast alle Kampfstoffe sind bei hohen Temperaturen instabil. Die übliche Vernichtungsmethode ist Hochtemperaturverbrennung.

b) Da es sich um Kampfhandlungen zwischen Staaten handelt, können hier die Genfer Konventionen, insbesondere das I. Zusatzprotokoll angewendet werden. Artikel 56 verbietet die Freisetzung von "gefährlichen Kräften", nach Kommentar 2148 sollte das auch für die Freisetzung giftiger Stoffe gelten.

Der Angriff auf eine Forschungseinrichtung ist wohl kein Problem bezüglich Artikel 56.

Problematisch ist jedoch eventuell der Angriff auf zivile Einrichtungen, denn im Krieg darf man nur militärische Ziele angreifen. Zivile Dinge können zwar als Kollateralschäden draufgehen, durfen aber nicht das primäre Ziel sein.

c) kann es sein, daß ehemalige Anlagen zur Chemiewaffenherstellung zerstört wurden, selbst wenn die Substanzen gemäß CWC vernichtet wurden. Lagerbehälter oder Chemiefabriken werden von der CWC nicht beschränkt, nur die Stoffe selbst. Das wäre wohl m.E. mit den Genfer Konventionen verträglich.

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