Forum: Politik
Syrien-Konflikt: Unsolidarisch sind immer die anderen
Cpl. Gabino Perez/ U.S. Marine Corps/ AP

Sich über Donald Trump und seinen Abzug der US-Truppen aus Syrien zu empören, ist einfach. Dabei offenbart die eigennützige Aktion des US-Präsidenten auch die Bequemlichkeit deutscher Außenpolitik.

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Zirben 10.10.2019, 08:32
90. Deutschland und eigenständiges Handeln ?

Wenn man ehrlich ist existiert eine eigenständige deutsche Außenpolitik doch gar nicht. Seit Jahrzehnten wird in devoter Haltung alles für gut befunden was die USA für gut befand, alles für schlecht befunden was die USA für schlecht befindet. Und jetzt das Dillema-ein US Präsident dem das deutsche unterwürfige angebiedere völlig egal ist. Während eine Fr. Merkel im Ausland in Universitäten von der moralischen Verpflichtung Deutschlands schwadroniert, ihre berühmte Raute zelebriert und sich dafür feiern lässt , wird eine deutsche Panzerfabrik ( hauptsächlich durch Deutschland finanziert) in der Türkei gebaut. Jetzt reibt man sich verwundert die Augen weshalb die Türken nun deutsche Waffen tatsächlich einsetzen.Die derzeitige deutsche Polit-Elite ist absolut unfähig vorausschauend zu denken geschweige den zu agieren. Es wird lediglich auf aktuelle Lagen reagiert, ob Migranten oder wirtschaftliche oder militärische Konflikte. Das sich die dümmliche Scheckheftpolitik einer Frau Merkel kombiniert mit dauerhaftem aussitzen von Problemen dabei in jeder Hinsicht als nicht nachhaltig beweist wird nun immer sichtbarer.

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herb70 10.10.2019, 11:21
91. Darum gehts

Zitat von gerollheimer
fehlt mir hier die Rolle der Türkei unter Erdogan. Ein potentieller Schleuser fuer islamistischen Terror mit faschistischen Facetten im Inland. Leider gibt es einen Deal mit dieser kriegstreibenden Türkei, Es ist eine schaendliche schmutzige Diplomatie,
man hat sich diplomatisch in die Ecke manövriert, Druck auf andere Länder können wir Deutsche sowieso nur bedingt ausüben - Sanktionen sind wenig geeignet, um auf aktuelle Geschehnisse wie z.B. den Einmarsch der Türken in Syrien zu reagieren.
Die von Ihnen angesprochene Vereinbarung (den Begriff Deal verwende ich nicht, da er mich immer an eine gewisse Person erinnert) mit der Türkei ist der Grund allen Übels und macht uns im Grunde erpressbar. Man hat Erdogan dieses Druckmittel sozusagen auf dem Silbertablett serviert, einen Joker, den der Despot nicht müde wird einzusetzen - Demütigungen wie das Nazi-Gelaber, inhaftierte, deutsche Journalisten und den provozierten Rausschmiss aus Incirlik inklusive.
Es stimmt allerdings auch, dass diese Vereinbarung nur deshalb nötig wurde, weil es in Europa nur wenig Interesse gab, syrische Flüchtlinge aufzunehmen und gleichmäßig in Europa zu verteilen.
Es ist also durchaus auch wieder auf europäisches Gesamtversagen zurückzuführen, dass Erdogan jetzt ungehindert über die syrische Grenze marschieren kann.
Das alles wird kaum einen Kurden dazu bringen, sein vernichtendes Urteil über uns Europäer zu revidieren.
Wir Europäer reden gerne von Moral, wenn es allerdings darum geht, diese Moral auch zu manifestieren, erinnern wir uns plötzlich daran, dass wir a) militärisch gar nicht in der Lage sind, Invasionen anderer Länder zu unterbinden (nichts anderes ist das Überschreiten der syrischen Grenze durch türkische Truppen) und b) wirtschaftlich und gesamtpolitisch gar nicht willens sind, es uns mit den Erdogans dieser Welt zu verscheissen.
Ein unlösbares Dilemma - eine europäische Armee ist zwar eine nette Idee, allerdings eine völlig illusorische...
Wir Europäer sind ja nicht mal fähig, uns in weit weniger kontroversen Dingen zu einigen - wie soll das dann bei militärischen Interventionen funktionieren ?

Die bittere Wahrheit ist:

Wir Europäer sind gar nicht in der Lage, unsere Moralvorstellungen durchzusetzen. Das kann man nun sowohl gut als auch schlecht finden. Es führt jedenfalls dazu, die Aussagen unserer Regierung als hohle Phrasen dastehen zu lassen - und letztendlich sind sie wohl auch nichts anderes.

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Waahrer 10.10.2019, 11:51
92. Was ist denn das?

Steht der Spiegel jetzt für eine Politik, die den Nahen Osten schon mal für Deutschland erobern wollte? Incl. Palästina, um dort KZ´s zu errichten.

Das ist doch meschugge. Selbst die Regierung der USA sieht ein, dass die Kriege dort (wie alle Kriege) ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Nur der Spiegel hält noch an der Idee der US-Weltherrschaft ohne Recht fest, weil so der deutsche Untertan seine Erfüllung findet.

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docker 10.10.2019, 11:53
93. Passender Kommentar !

1.Leider hört man nichts ähnliches von Deniz Yücel oder Can Dündar etc. zu dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Türkei. Sind die Frauen und Männer der YPG es nicht wert ? Oder denkt man hier nur an sich selbst ?
2.Die deutschen Waffenexporte in die Türkei zu einem Zeitpunkt, als Erdogan bereits in Afrin einmarschierte, sind ein Zeichen , dass die Groko keine funktionierende Variante einer Regierung darstellen.
3. Was Rouhani anbelangt, der den Einmarsch für gut hält : Der politische Iran hat sich jede Sanktion ehrlich verdient.

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Ottokar 10.10.2019, 11:59
94. Jawoll die Amerikaner sind Schuld

die Kriege in Nahost und Afghanistan angezettelt zu haben, wie im Forum breitgetreten wird. Was hat denn Europa dagegen getan ausser es stillschweigend zu dulden und sogar Truppen in Afghanistan bereitgestellt und die USA mit Informationen im Irakkrieg gefüttert. Warum hat Deutschland im Nahen des Irakkrieges kein nachdrückliches Veto eingelegt und als Konsequenz Ramstein geschlossen. Trump wird nun verurteilt da er seine Soldaten aus Syrien abzieht. Warum soll er US Soldaten für Europas Sicherheit opfern. Die Pläne con Trump waren lange bekannt und Europa hätte mehr tun können, hat aber nichts ausser Sprüchen getan. In Punkto IS haben die Kurden und auch Assad selbst Schuld. Sie hätten nur das gleiche mit den IS Gefangenen machen sollen was der IS mit seinen Gefangenen, wenn es denn welche gab, gemacht hat. Dann würde es keine Gefangenenlager der Kurden und kein Idlip geben. Grausam ? Richtig, aber konsequent.

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Yoroshii 10.10.2019, 11:59
95. #14 Ishibashi = Steinbrück

Verehrter Ishibashi san
Ishibashi war ein wackerer Sozialist in Japan. Leicht hat er es nie gehabt. An der Regierung waren Leute anderer Geisteshaltung. Ishibashi müsste bittere Tränen weinen, wenn er Ihre Einlassungen lesen müsste.
Er würde resignierend feststellen: Es gibt einfach Menschen, die so verbissen in ihren Vorstellungen gefangen sind, dass sie nicht wechseln können. Auch der Verlauf der Geschichte ist ihnen egal. Man will nicht lernen.
Die Rolle der USA hat sich seitdem bedenklich in Richtung Autokratie entwickelt. Ein bitterböser Höhepunkt: Irak/Saddam. Das hat die Region in eine ausweglose Lage getrieben. Unsere Kanzlerin wollte damals mitmachen, wenn sie gewählt worden wäre. Ishibashi würde sie jetzt -als Dealmakerin- stirnrunzelnd beschauen. Mit Erdogan defakto und mit Trump in starrem Schweigen und festem Sitzen.

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Martin24 10.10.2019, 12:16
96. nicht vergessen

Syrien hat eine Regierung, die auf betreiben interessieter kreise geschwächt wurde. Gegner wurden bewaffnet und ausgebildet. Die US-Truppen befinden sich völkerrechtswiedrig in Syrien, und die EU hat nichts anderes zu tun, als ihre Sanktionen gegen die Syrische Regierung aufrecht zu erhalten. Sanktionen, die hauptsächlich die Zivilbevölkerungen treffen.
Zieht sich Herr Trump endlich aus Syrien zurück, ist es der Presse auch nicht recht. Auch die Türkei hat niemand eingeladen, und normalerweise würde die Syrische Armee die Grenzen und die Syrische Bevölkerung verteidigen. Da käme gar kein Gedanke an einen Einmarsch auf. Auch die EU hat in Syrien nichts verlohren. Der IS kann nicht begründung für die Missachtung der staatlichen Souveränität durch die EU sein.
Verantwortung auf der Welt zu übernehmen heißt nicht überall militärisch einzugreifen, insofern sollten die Mandate für Afghanistan, Syrien und Mali abgebrochen werden. Wir brauchen keine "Schutztruppen" in Afrika und anderswo, sondern eine gute Diplomatie im Rahmen der UN

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Beat Adler 10.10.2019, 12:21
97. Mehr Opfer, mehr Verstummelte, mehr Zerstoerung, mehr Fluechtlinge, me

Mehr Opfer, mehr Verstummelte, mehr Zerstoerung, mehr Fluechtlinge, mehr Leid, mehr Elend an einem Ort, wo seit 8 Jahren und 3 Monaten ein abscheulicher Buergerkrieg tobt. Ein Ende nun erst Recht nicht in Sicht ist. Alle wissen das, und tun nun was?

Erdogans Alleingang liesse sich durch den Einsatz von Softpower der EU innert Stunden stoppen. Keine Angst, es wird NICHT getan! Erdogans Drohung 3.5 Millionen Fluechtlinge aus Syrien in der EU abzuladen, wirkt.

Dass nun nach ueber 8 Jahren weitere neue Bloedheiten der westlichen Staatengemeinschaft dazu kommen, ist sicher der Fehler von Trump, der dem Erdogan indirektes gruenes Licht gab, Menschen zu ermorden, die ihm nie etwas angetan hatten, aber nicht nur.

Deutschland als einwohnerstaerkstes und wirtschaftlich wichtigstes Land der EU kann hier schon etwas tun: Alle Anderen der EU plus Verbandelte Schweiz und Norwegen unter wirtschaftlichen Druck setzen, um die 7 Millionen Syrer, die in der Tuerkei, im Libanon und in Jordanien unter widrigsten Umstaenden leiden, menschlich zu betreuen.

Erdogans Unsinn 2 Millionen Syrer in einem Gebiet, aus dem sie gar nicht stammen, zwangsweise unterzubringen, muss ein Riegel vorgeschoben werden.

Die Kurden im Nordosten Syriens sind keine Aufstaendischen, auch keine Freiheitskaempfer, sie versuchten nie die Assads weder Vater noch Sohn, los zu werden, und bestimmt keine Terroristen.

Sie griffen auf Befehl und mit Unterstuetzung der Anti-IS-Koalition zu den Waffen, um bei sich zu Hause die Terroristen des Islamischen Staates zu besiegen. Das forderte 11'000 Opfer unter diesen Kurden.

Sie nun von Erdogans Armee abschlachten zu lassen, geht gegen jegliche westliche Werte gueltig in der Zeit vom Mai 1945 bis zu Trumps Wahl. Sie sind wiederum gueltig mit der Neuen im Oval Office ab 21. Januar 2021.
mfG Beat

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Martin24 10.10.2019, 12:21
98.

Zitat von my.frey
Was lernt die Welt über die USA, Europa, und Deutschland? Von den einen fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel, die nächsten ein Papiertiger und die letzteren nur Blablabla. Wir treiben damit die Länder mit Krisensituationen in die Fänge von China und Russland. Wie beschämend. Unsere Aussenwirkung nur peinlich und lächerlich. Wir werden die Folgen zu spüren bekommen, nicht nur finanziell.
Da die genannten Länder ein Programm zur Konfliktlösung anbieten, was sich an die UN-Charta hält sind die Krisenländer dort wohl auch besser aufgehoben. Die EU sanktioniert die syrische Bevölkerung. In wieweit ist das jetzt eine Problemlösungsstrategie?

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Martin24 10.10.2019, 12:26
99.

Zitat von Atheist_Crusader
"you broke it, you bought it" Die Amis wollten unbedingt den Irak zerschlagen, weil sie sich nach 9/11 impotent gefühlt haben und die Verprügelungsaktion in Afghanistan noch nicht ausgereicht hat um ihren Status als Alphamännchen neu zu bestätigen. Ein Gutteil der Probleme in der Region ist darauf zurückzuführen. Ergo haben die USA (und zu einem geringeren Grad auch jene die ihnen dorthin gefolgt sind) eine moralische Verpflichtung dort zu bleiben, bis wieder eine gewisse Ordnung hergestellt ist. Wenn das bedeutet dass man Geld in den Ausguss kippen und Leben opfern muss... dann ist das halt so. Fangt halt mit denjenigen an, die den Mist verbockt und beklatscht haben. Schnappt euch Bush, Cheney, und die Kongressabgeordneten die dafür gestimmt haben, schickt sie ein paar Wochen ins Bootcamp und stellt sie dann dort an jede Straßenecke. Wenn sie Glück haben, überleben sie die Folgen ihrer kurzsichtigen Politik. Wenn nicht... tja, die Kugeln die sie treffen, treffen dann zumindest nicht die Einheimischen.
Die USA haben in Syrien genau gar nichts verloren. Sie befinden sich dort völkerrechtswiedrig. Eine Bewaffnung und Ausbildung einer Oppposition entspricht auch nicht dem Völkerrecht. Eigentlich müssten sie an Syrien, den IRAK, Libyen, Afghanistan gewaltige Reparationen zahlen. Wer einen Krieg anfängt muss bezahlen.

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