Forum: Politik
Syrien-Konflikt: Unsolidarisch sind immer die anderen
Cpl. Gabino Perez/ U.S. Marine Corps/ AP

Sich über Donald Trump und seinen Abzug der US-Truppen aus Syrien zu empören, ist einfach. Dabei offenbart die eigennützige Aktion des US-Präsidenten auch die Bequemlichkeit deutscher Außenpolitik.

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qoderrat 11.10.2019, 07:32
130.

Zitat von
Denn Trump trifft mit seiner Ankündigung, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen, einen schmerzhaften Punkt: Warum sollten US-amerikanische Soldaten im Hinterhof Europas Terroristen bekämpfen und für Frieden sorgen?
Diese Frage ist leicht zu beantworten. Da die USA seit Jahrzehnten den nahen Osten systematisch destabilisiert und damit die Ursache für all diese Kriege, Krisen und Flüchtlinge sind, sind sie auch für die Folgen verantwortlich.

Wenn hier Verantwortung für D und die EU entsteht bestenfalls aus dem willfährigen Vasallentum der USA gegenüber.

Ein Einsatz eigener Kräfte ist überhaupt nur zu rechtfertigen, wenn es dafür ein UN Mandat gibt und die USA gleichzeitig mit allen Mitteln daran gehindert werden weiter die Region zu destabilisieren und mit Krieg zu überziehen. Es muss eine Befriedung stattfinden und keine weitere Eskalation.

Erdogan droht jetzt schon wieder 3,6 Mio Flüchtlinge nach Europa weiterzuschicken. Was das für Folgen hätte, kann sich jeder selbst ausmalen. Wir sind erpressbar geworden, das ist zwar gut für die USA in einem Wirtschaftskrieg, den die USA anzettelt, aber so einfach sollte man ihnen das nicht machen. Inzwischen sollte man wirklich erkennen, dass die USA kein Partner mehr ist, wenn sie es denn je waren.

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fatherted98 11.10.2019, 07:44
131. Mit der Zeit...

Zitat von hinschauen
Warum sollten die Amerikaner in Europas Hinterhof kämpfen? Mal überlegen.... Vielleicht weil sie durch ihre durch nichts gerechtfertigte Invasion im Irak die Region ins Chaos stürzten und weil es von den USA inhaftierte Offiziere der Armee von Saddam Hussein waren, die den IS gründeten? Reicht das als Grund?
....nicht mehr. Es ist schon drei Amtszeiten her, dass George Bush an der Macht war....und ja....er hat getan was sie oben beschreiben....nur....ergibt sich daraus eine ewige Verpflichtung der USA mit Blut, Material und Geld diese .... Countries zu unterstützen?

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HeisseLuft 11.10.2019, 09:03
132. Das ist kein Problem des Horizonts

Zitat von trickydicky
Ich weiß nicht, wie weit Ihr zeitlicher Horizont zurück reicht, aber tatsächlich wurde Saddam mindestens in den 80ern von USA ordentlich gefördert und gepäppelt - u.a. um den ersten Golfkrieg gegen den Iran zu führen.
Mein zeitlicher Horizont reicht ziemlich weit zurück. Weit genug, um Ihre Aussage in den richtigen Kontext stellen zu können.

1. "Am Ende des Ersten Golfkriegs verfügte der Irak über mehr als 120 Divisionen und 1.500 Kampfflugzeuge, wobei das Land militärisches Gerät hauptsächlich aus sowjetischer und französischer Produktion erworben hatte."
https://de.wikipedia.org/wiki/Irakis...räfte_bis_2003
Also am Ende der 80er Jahre, klar?

2. Die USA haben nach Sowjetunion und Frankreich ebenfalls an den Irak geliefert - und nebenher, gemeinsam mit Israel, auch an den Iran:https://de.wikipedia.org/wiki/Erster...fenlieferungen

Ergo: ohne Zweifel haben die USA gerne gesehen, wie sich zwei ihrer Gegner untereinander zerfleischten. Nur war Saddam nie die Marionette der USA, so wie von dem Foristen dargestellt, dem ich geantwortet hatte.

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Duzend 11.10.2019, 10:13
133. Vom Eigennutz und der Feigheit

Frau Shalloum bedient hier in meiner Ansicht eine leider weit verbreitete irrige Auffassung, wonach "Eigennutz" für einen Staatschef ein schlechter Handlungsleitfaden sei. Wohlverstanden: Die persönliche Bereicherung an Staat und Volk ist selbstverständlich verwerflich. Aber sonst? Wenn jeder Staatschef konsequent für sein Land und seine Bevölkerung das beste versucht rauszuholen und zu erreichen, dann sind in Summe alle schon mal nicht schlecht bedient. Gerne kann man dann auf diesen "Eigennutz" noch eine Wahrnehmung der Menscheit als Gesamtheit gleichwertiger Überlebensinteressen draufsetzen, Kompromisse, Ausgleich und Frieden mit seinen Nachbarn suchen, bzw. diesen auch durch Abstriche am unmittelbaren Eigennutz erreichen. Aber wer macht das schon?

Diese ewige Rhetorik von der "Drecksarbeit", für die man sich nicht zu schade sein solle, immer wenn es um Kriege geht, ist zutiefst zynisch und verlogen, weil so getan wird, als gäbe es einen Kriegs- und Gewaltimperativ. Denn mag es geben, wenn man sich wirklich nicht mehr mit anderen Mitteln zur Wehr setzen kann. Aber nur dann.

Und ob die Deutschen mitmachen sollten? Bei den Bombenteppichen? Bei den Waffenlieferungen? Eigene Bodenkämpfer opfern, damit sie im Nahen Osten irgenwie zur Ruhe kommen? DIe ewig Zerstrittenen, von denen viele anderes im Sinn haben als Demokratie, Gleichberechtigung, Pluralität, sozialen Frieden und Aufklärung. Vielleicht wäre es ja ein Anfang gewesen, dafür zu sorgen, dass auf der Ecke Südtürkei/Irak/Syrien usw. niemand mehr frieren oder hungern muss, und zuzulassen, dass sie ihr dort gefördertes Erdöl zum, ja: Eigennutz - sei es durch Konsum oder Verkauf - einsetzen können. Aber was machen die Deutschen? Sie halten Regierungen im Amt, die niemals gegen die Usurpation des syrischen Erdöls durch Kurden und Amerikaner aufbegehren und sich parallel dazu an Sanktionspaketen beteiligen, die vor allem die syrische Zivilbevölkerung treffen.

Bevor also auch nur ein einziger Soldat oder Flieger in diese Region abkommandiert wird, sollte man sämtliche Sanktionen gegen Syrien aufheben und sich konstruktiv an der Wiederherstellung seiner nationalen Integrität beteiligen. Und gut, wenn sich der Staatschef dann nach Kräften für das Vorankommen seiner Nation einsetzt.

Nationale "Eigennützigkeit" als verpönt darzustellen, geht in eins mit dem Salonfähigmachen der Auslieferung der eigenen Nation und der eigenen Bevölkerung an fremde Interessen, so wie das Bundesregierung und US-Regierung vor aller Augen die längste Zeit durchexerzierten. Das kleingeistige Genörgel, das bisher jedem von Trumps Schritten von diesen ewigen nicht gewinnbaren Kriegen weg auf dem Fuße gefolgt ist, spricht Bände. Es zeigt uns Journalisten, die es begrüßen, wenn anderswo die Einzelteile durch die Gegend fliegen oder Leute verhungern, erfrieren oder einfachen Erkrankungen erliegen. Fast als ob es zu befürchten wäre, dass der Flüchtlingsstrom gen Deutschland zu Erliegen kommen könnte.

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gosol 11.10.2019, 10:58
134. Deutschlands Beteiligung

an der internationalen Koalition gegen den „IS“ ? Wohl eher Luftaufklärung für den völkerrechtswidrigen türkischen Angriff auf Syrien. Und nein, einen Hufeisenplan für den Kosovo müssten wir diesmal nicht erfinden um eine „humanitäre Katastrophe“ abzuwenden, der Sultan hat sich zur ethnischen Säuberung in Nordsyrien eindeutig geäußert: IS statt Kurden! Bombardieren wir deshalb Belgrad - Entschuldigung: Ankara ? Aber nicht doch! Wir sind unter Freunden.

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HeisseLuft 11.10.2019, 11:06
135. .

Zitat von qoderrat
Diese Frage ist leicht zu beantworten. Da die USA seit Jahrzehnten den nahen Osten systematisch destabilisiert und damit die Ursache für all diese Kriege, Krisen und Flüchtlinge sind, sind sie auch für die Folgen verantwortlich. Wenn hier Verantwortung für D und die EU entsteht bestenfalls aus dem willfährigen Vasallentum der USA gegenüber. Ein Einsatz eigener Kräfte ist überhaupt nur zu rechtfertigen, wenn es dafür ein UN Mandat gibt und die USA gleichzeitig mit allen Mitteln daran gehindert werden weiter die Region zu destabilisieren und mit Krieg zu überziehen. Es muss eine Befriedung stattfinden und keine weitere Eskalation. Erdogan droht jetzt schon wieder 3,6 Mio Flüchtlinge nach Europa weiterzuschicken. Was das für Folgen hätte, kann sich jeder selbst ausmalen. Wir sind erpressbar geworden, das ist zwar gut für die USA in einem Wirtschaftskrieg, den die USA anzettelt, aber so einfach sollte man ihnen das nicht machen. Inzwischen sollte man wirklich erkennen, dass die USA kein Partner mehr ist, wenn sie es denn je waren.
Es ist schlichter Unfug die USA als Verantwortlichen für alles Ungemach in der Region hinzustellen. Vor allem dann, wenn ihre wesentlichen Beiträge waren, die Al-Qaida und die Taliban in Afghanistan um die Macht zu bringen und eine Diktatur im Irak völkerrechtswidrig zu beenden.

Es gibt da in der Region zufällig noch ein paar andere Mitspieler mit vollem Kerbholz.
https://www.spiegel.de/forum/politik...stbit_79950179

Zitat aus dem Post, auf den sie geantwortet hatten:
"Warum sollten US-amerikanische Soldaten im Hinterhof Europas Terroristen bekämpfen und für Frieden sorgen?"
Beim nächsten Mal werden sie sicher einfach zu Hause bleiben. Dann darf Europa sehen, wie es Probleme in seinem Umfeld lösen will.

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volkerettlich 11.10.2019, 12:47
136. Im "Hinterhof Europas" für Ordnung sorgen...

Diese Wortwahl zeugt von einem seltsamen Verständnis des immerhin noch geltenden Völkerrechts.
Wo leben wir denn und wie bitte definiert man den "Hinterhof". Es gibt das unabhängige Land Syrien, das hat einen gewählten Präsidenten. Dessen Aufgabe ist es die Ordnung im Lande durchzusetzen. Kann er das allein nicht und er hat Verbündete, kann er diese ins Land rufen und um Hilfe bitten.
Es gibt für niemanden das Recht einfach in das Land reinzugehen und wen auch immer zu bekämpfen. Das ist schlicht illegal und ein Völkerrechtsverbrechen.
Wenn der rechtmäßige Präsident und seine Verbündeten siegen sollten, gibt es für die Kopfabschneider eigentlich nur 3 Optionen:
1. sie ergeben sich und gehen dann für 10 - 20 Jahre in Kriegsgefangenschaft ( hatten wir hier nach dem II. WK )
2. sie kämpfen bis sie nicht mehr kämpfen können ( siehe 6. Armee )
3. ihnen gelingt die Flucht in ihre Heimatländer (das ist dann deren Sache ).

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fkfkalle3 11.10.2019, 16:01
137. Wenn schon "Heisse Luft " dann wenigstens ordentlich

Die Russen haben die Nachschubwege des IS , die Öltransporte, die Logistik eben dieser Terrortruppe in Richtung Türkei erheblich gestört , am Ende unterbunden. Da waren die USA gelegentlich auch einmal vorhanden. Erdokan hatte in dieser Zeit freudliche Kontakte mit dem IS, auch das ist bewiesen. In diesem Zusammenhang wurde ein russisches Flugzeug vom Himmel geholt, um die glänzenden Profite abzusichern. Der weitere Werdegang ist auch bekannt. Die Kritiker in der Türkei wurden dann einmal aus dem Verkehr gezogen .An einen anderen Völkerrechtler, es ist durchaus möglich Staatsbürger eines feindlich eingestellten Staates auszuweisen. Das Öffnen der Grenze wäre eine feindliche Massnahme.

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