Forum: Politik
Syrienkrieg: Schachfiguren in einem tödlichen Spiel
Privat

Ein Putzmann, ein Krämer, ein Koch, zwei afghanische Bauarbeiter: Sie gingen zum Kämpfen nach Syrien - für das Assad-Regime oder für die Islamisten. Mal freiwillig, mal gezwungen.

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sarkasmis 08.10.2016, 14:43
1. Ja klar!

"Ich hatte keine andere Wahl". Das ist das "Ich habe nur Befehle befolgt" der Söldner und anderer Verbrecher. Es gibt ein paar Milliarden Menschen, die es hinbekommen unter adverseren Bedingungen ihren Lebensunterhalt friedlich und rechtstreu zu bestreiten und das in ärmeren Gegenden als im Südirak. Die "Wir werden unterdrückt"-Ausrede der Sunniten ist ebenfalls nur eine billige Rechtfertigung für eigene Gewalttaten. In sunnitischen Ländern wird alles was nicht sunnitisch ist gnadenlos niedergehalten. Wen man sich im Iran verfolgt fühlt kann man ja nach Saudi-Arabien oder an den Golf gehen. Dort sind 80 % der Menschen Fremdarbeiter, Migranten also willkommen und auch versorgt. Wenn man lieber in Syrien kämpft ist man einfach ein menschenverachtender Extremist den hoffentlich bald der (Drohnen-)Schlag trifft.

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Airkraft 08.10.2016, 15:07
2. Solange...

Zitat von sarkasmis
"Ich hatte keine andere Wahl". Das ist das "Ich habe nur Befehle befolgt" der Söldner und anderer Verbrecher. Es gibt ein paar Milliarden Menschen, die es hinbekommen unter adverseren Bedingungen ihren Lebensunterhalt friedlich und rechtstreu zu bestreiten und das in ärmeren Gegenden als im Südirak. Die "Wir werden unterdrückt"-Ausrede der Sunniten ist ebenfalls nur eine billige Rechtfertigung für eigene Gewalttaten. In sunnitischen Ländern wird alles was nicht sunnitisch ist gnadenlos niedergehalten. Wen man sich im Iran verfolgt fühlt kann man ja nach Saudi-Arabien oder an den Golf gehen. Dort sind 80 % der Menschen Fremdarbeiter, Migranten also willkommen und auch versorgt. Wenn man lieber in Syrien kämpft ist man einfach ein menschenverachtender Extremist den hoffentlich bald der (Drohnen-)Schlag trifft.
Solange man sich noch nie in einer solchen Situation befunden hat kann man das wohl auch nicht richtig einordnen und bewerten. Vom heimischen Computerterminal aus lässt sich das leicht verdammen. Mann weiß auch nicht, wie man sich selber in einer solchen Situation verhalten hätte/würde. Diese "Lemminge" handeln ja offensichtlich auf der Basis von Not, falschen Versprechungen, Illusionen und Selbstüberschätzung.

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Beat.Adler 08.10.2016, 15:57
3. 1 Million Syrer leben zusaetzlich in den Golfstaaten seit 2011

Zitat von Gerixxx
Aber halten sie die Regimes am Golf, ergo Saudi-Arabien, Katar, Bahrein etc. wirklich für eine Alternative? Deren Behandlung und Unterdrückung "Ungläubiger", von Frauen, Dissidenten und Zugewanderten schafft auch nur den Nährboden für Terroristen und zukünftige failed states. Und was die Behandlung von Gastarbeitern (sie schreiben von "Fremdarbeitern" ??!!) angeht - menschenwürdig inmitten des protzenden Reichtums der selbstgerechten Ölmilliardäre ist das wohl nicht - könnte ebenfalls zur Radikalisierung beitragen.
1 Million Syrer leben zusaetzlich in den Golfstaaten seit 2011, als Einwohner mit Arbeits -und Aufenthaltsbewilligung. Heute, 2016, sind es insgesamt 1.5 Millionen, 2010 waren es gerade einmal 0.5.

Es konnten also 1 Million zusaetzlich umsiedeln. Das sind alles keine Fluechtlinge. Dass 1000 US$ im Monat, vom Ayatollay in Teheran, jemand verfuehrt, der sich gerade so ueber Wasser haelt, versteht jeder, der die Situation kennt.

Vor 3 Tagen habe ich hier in Dubai, wo ich mich z.Z. aufhalte, 2 Syrer getroffen, beide Akademiker, Beide Anfang 50, Beide arbeiten fuer die Regierung Dubais, Beide konnten ihre Familien in Deutschland und Frankreich in Sicherheit bringen, Beide besuchten ihre Familien in D und F diesen Sommer und Beide finden es in Dubai besser. Sie versuchen Beide ihre Familien hierher zu bringen.
mfg Beat

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Trockenfisch 08.10.2016, 16:01
4. Alternative?

Zitat von Gerixxx
Aber halten sie die Regimes am Golf, ergo Saudi-Arabien, Katar, Bahrein etc. wirklich für eine Alternative? Deren Behandlung und Unterdrückung "Ungläubiger", von Frauen, Dissidenten und Zugewanderten schafft auch nur den Nährboden für Terroristen und zukünftige failed states. Und was die Behandlung von Gastarbeitern (sie schreiben von "Fremdarbeitern" ??!!) angeht - menschenwürdig inmitten des protzenden Reichtums der selbstgerechten Ölmilliardäre ist das wohl nicht - könnte ebenfalls zur Radikalisierung beitragen.
Aber ja, wenn er wählen muss zwischen Mord und Totschlag ist das Leben in einem Gebiet wo man wenigstens nicht wegen seiner Religion verfolgt wird doch ehrlicher und besser.
Den deutschen Soldaten wurde und wird doch auch nicht der Befehlsnotstand als Entschuldigung durchgehen lassen wenn sie sich deshalb an Erschießungen im 2. WK beteiligt haben.
Warum sollte dies denn jetzt für die IS Söldner und die Söldner anderer Milizen und der syrischen Armee gelten?

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Nur ein Blog 08.10.2016, 16:25
5. Das wahre Gesicht des Krieges

Wie immer bei Christoph Reuter - aufklärend, objektiv, unbestechlich und menschlich. Reuter gibt den "Einheiten" die neutralisiert werden sollen, ein Gesicht.
Jeder Soldat hat zwei Armee gegen sich, die feindliche vor sich, die eigene im Rücken.
Viele, gerade im Westen begeistern sich im postheroischen Zeitalter für Drohnenkrieg und Kampfroboter, die die eigenen Soldaten schonen und die "Kollaterschäden" unter der Zivilbevölkerung unsichtbar machen.
Das Unangenehme an Reuter, Pelda und auch Todenhöfer ist, dass sie alle drei nicht vom Westen "eingebettet" sind, Todenhöfer war es vom IS, aber dennoch ergibt sich für den Leser eine verstörende Information. Kurt Pelda, der im Gegensatz zu Christoph Reuter lange kein Hehl gemacht hat aus seinem Engagement für die Rebellen ist auf seiner letzten Reise ins Kriegsgebiet von seit Jahren vertauten Rebellen"freunden" um ein Haar einer Geiselnahme durch sie entkommen. Es wird seine allerletzte Reise gewesen sein, die Schweiz zahlt wie Deutschland, die USA und die Briten auch keine Lösegelder. Was den Herren Rebellenfreunden und Schachfiguren wohl nicht bekannt war. Auftrag scheint Auftrag zu sein - da werden im Krieg auch die letzten Hemmungen zu Verrat fallen gelassen. Der Überlebenstrieb ist noch immer der primäre Trieb realen existierender Menschen.
Assad muss weg, diese Wahl kann Europa nicht akzeptieren, stellte Klaus Kleber nach den letzten Wahlen in Syrien apodiktisch fest.
Wirklich? Gibt es einen Plan für den "Tag danach"? Oder gilt die kolportierte Doktrin der US-Falken: Die Frage ist nicht, ob wir destablisieren - die einzige Frage ist WIE machen wir das am effizientesten. Mit Reuter: wie setzen wir welche Bauernopfer am besten ein beim Schach? Bei dem ja nur der gegnerische König matt gesetzt werden soll - wie ist überhaupt keine Frage der Opfer in einem Spiel, bei dem die Opferpartie die höchste Schule überhaupt ist.
Ich bereue, den Artikel gelesen zu haben - er rüttelt unerträglich auf. Die Kinderbilder und Weisshelmberichte sind Soma dagegen. Oder Propaganda zum Ignorieren, wie Jakob Augstein m.E. zu Recht festgestellt hat. Das geht nicht bei Reuter!

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klmo 08.10.2016, 16:34
6.

Zitat von Beat.Adler
Vor 3 Tagen habe ich hier in Dubai, wo ich mich z.Z. aufhalte, 2 Syrer getroffen, beide Akademiker, Beide Anfang 50, Beide arbeiten fuer die Regierung Dubais, Beide konnten ihre Familien in Deutschland und Frankreich in Sicherheit bringen, Beide besuchten ihre Familien in D und F diesen Sommer und Beide finden es in Dubai besser. Sie versuchen Beide ihre Familien hierher zu bringen. mfg Beat
Ja warum wohl finden die es in Dubai besser als in Frankreich oder Deutschland? Als Akademiker haben die kaum Probleme, da Sprache/Schrift (Engl.Arabisch) und Kultur identisch. Also Grundvoraussetzung für eine unproblematische Integration, die es so in Europa nicht gratis geben kann.

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lupenreinerdemokrat 08.10.2016, 16:35
7.

Zitat von sarkasmis
"Ich hatte keine andere Wahl". Das ist das "Ich habe nur Befehle befolgt" der Söldner und anderer Verbrecher. Es gibt ein paar Milliarden Menschen, die es hinbekommen unter adverseren Bedingungen ihren Lebensunterhalt friedlich und rechtstreu zu bestreiten und das in ärmeren Gegenden als im Südirak. Die "Wir werden unterdrückt"-Ausrede der Sunniten ist ebenfalls nur eine billige Rechtfertigung für eigene Gewalttaten. In sunnitischen Ländern wird alles was nicht sunnitisch ist gnadenlos niedergehalten. Wen man sich im Iran verfolgt fühlt kann man ja nach Saudi-Arabien oder an den Golf gehen. Dort sind 80 % der Menschen Fremdarbeiter, Migranten also willkommen und auch versorgt. Wenn man lieber in Syrien kämpft ist man einfach ein menschenverachtender Extremist den hoffentlich bald der (Drohnen-)Schlag trifft.
Da sind die russischen und syrischen Luftschläge deutlich zielführender.
Aber die Intention des Artikels lässt im übrigen nichts gutes erahnen. Soll hier etwa den islamistischen Terroristen und Söldnern ein Gesicht gegeben werden? Sollen wir womöglich mit den Typen Mitleid empfinden und Verständnis für ihre Entscheidung haben, wenn sie nun von der russischen und syrischen Armee wieder dahin gejagt werden, wo sie hingehören, nachdem sie über Jahre die syrischen Frauen und Kinder versklavt, gefoltert und ermordet haben?

Einer ihrer Kumpanen ist ja offenbar seit heute aus seiner Chemnitzer Wohnung geflohen und hat offenbar einen Sprengstoffanschlag auf einen deutschen Flughafen geplant. Das sind genau die Typen, die von den USA, Saudi-Arabien, Qatar und der Türkei mit Waffen und Geld versorgt werden und die USA fliegt sogar Angriffe für den IS / Al-Nusra gegen die syrische Armee.

Einfach krank ist das, was zur Zeit abgeht.

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blob123y 08.10.2016, 16:41
8. Man sollte mal die Fakten sehen

und nicht immer polemisch auf den Assad losgehen. Der ganze Krieg da unter ist von den Golfarabern (Saudi / Katari) losgetreten worden da der Assad nicht in deren islamistisches Konzept passte. Vorher gab's dort gar keine "Revolution" und wirklich heiss losgetreten wurde das Ganze von der Merkel und dem Hollande die so naiv waren auf den imaginaeren Revolutionszug aufzuspringen und den Brand entfachenten. Ich habe mich dort ueber einen laengeren Zeitraum mal aufgehalten und deshalb ersthand Erfahrung was dort eigentlich los ist. Niemand in der deutschen Politikerriege war doch jemals selbst dort, die wissen doch gar nicht was da los ist und haetten deshalb nicht mit den Islamisten (Saudi / Katari) zusammengehen sollen. Was hat die Merkel jetzt errreicht? > Millionen Fluechtlinge die Europa destabilisieren ganau wie die Islamisten vom Golf es wollen aber da blicken die EU Politiker sowieso nicht durch.

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-su- 08.10.2016, 16:45
9.

Laut diesen Artikel scheint, das Interview von Todenhöfer keine Fläschung gewesen zu sein.
https://www.jungewelt.de/m/artikel/294939.ausgeblendete-wahrheit.html
Bin mal gespannt, welche Folgen das haben wird.
Wahrscheinlich keine.

Wie auch beim Krieg der Saudis, gegen die Zivilbevölkerung im Jemen, da gibt es auch keine Erklärungen des Westens und Sanktionsdrohungen gegen die Saudis. Einzig der Iran wird da verurteilt.

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