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Syrische Provinz Idlib: Die Dschihadisten erobern, die Türkei schaut zu
AFP

In Nordsyrien rückt die Terrormiliz HTS vor, ein fatales Signal. Die Offensive zeigt: Entweder ist die Türkei nicht in der Lage, die Macht der Dschihadisten zu brechen - oder nicht willens.

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anonym07 08.01.2019, 21:54
1. Was soll die gespielte Verwunderung...

Was soll die gespielte Verwunderung, die Situation ist doch glasklar. Die Türkei ist Teil der Sunnitenallianz, und wird alles tun oder lassen um dem verhassten Schiitennachbarn und Iranfreund (ebenfalls Schiitenallianz) Assad zu schaden bzw dessen Gebiete zu besetzen und der Türkei einzuverleiben. Früher hat er den IS unterstützt, nun den al-Qaida Ableger HTS. Die Kurden müssen wiederum dran glauben. weil Sie das großosmanische Reich gefährden. Unglaublich, dass man so etwas in der NATO durchgehen lässt.

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Haarfoen 08.01.2019, 21:58
2. Ausschluss der Türkei aus der NATO ist überfällig

Wir erinnern uns, die Türkei hat schon im Fall des IS keinerlei Interesse an der Bekämpfung dieser Terrorgruppe gezeigt: Infiltration von IS- Kämpfern aus aller Herren Länder via geduldetem Transit Türkei, medizinische Versorgung von IS- Kämpfern auf dem Hoheitsgebiet der Türkei, Abnahme von IS- Öl, nicht ausgeräumte Verdachtsmomente hinsichtlich konkreter Waffenlieferungen an den IS. Warum sollte die Türkei jetzt den HTS bekämpfen, wo er doch primär "nur" den Schiiten und Kurden schadet und die Region perfekt destabilisiert. Ich gehe aber zusätzlich davon aus, dass die türkischen Truppen einem Guerilla- Krieg nicht standhalten würden. Schlechte Moral und wenig Kampfgeist. Einige fähige Kommandeure der Türkei fehlen, da sie an dem ominösen "Putschversuch" beteiligt waren (wie auch in diesem Fall die Wahrheit aussehen mag). Die Türkei muss aus der NATO ausgeschlossen werden, das Verhalten ist (schon seit längerer Zeit) nicht zu akzeptieren.

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hdwinkel 08.01.2019, 21:59
3. Völkerrecht

"Assad hat das Ziel, diese Region wieder unter seine Kontrolle zu bringen, nie aufgegeben"
Ja warum auch nicht? Assad ist immerhin Staatsoberhaupt des syrischen Staates. Die Frage ist also nicht ob, sondern nur wie und wann.
Wie vertreibt man militante Djihadisten friedlich? Und wohin? So richtig gute Ideen habe ich dazu nicht.

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jufo 08.01.2019, 22:05
4. Türkei hat andere Interessen

Das primäre Interesse der Türkei in Syrien ist die Schwächung der Kurden, vor allem der YPG die als syrische PKK verstanden wird. Ich denke, dass die Türkei wenig Interesse an der Verhinderung von Dschihadisten hat. Möglicherweise fehlen auch die Mittel.
Das Schicksal der YPG zeigt was einem blühen kann, der sich auf den Schutz der USA verlässt. Europa und vor allem Deutschland sollte das Vorgehen der USA in Syrien genau beobachten und Schlüsse daraus ziehen. Und auf gar keinen Fall North Stream 2 aufgeben.

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destan_mustafa_sen 08.01.2019, 22:24
5.

Zitat von anonym07
Was soll die gespielte Verwunderung, die Situation ist doch glasklar. Die Türkei ist Teil der Sunnitenallianz, und wird alles tun oder lassen um dem verhassten Schiitennachbarn und Iranfreund (ebenfalls Schiitenallianz) Assad zu schaden bzw dessen Gebiete zu besetzen und der Türkei einzuverleiben. Früher hat er den IS unterstützt, nun den al-Qaida Ableger HTS. Die Kurden müssen wiederum dran glauben. weil Sie das großosmanische Reich gefährden. Unglaublich, dass man so etwas in der NATO durchgehen lässt.
Das Problem ist das die HTS der Türkei schadet und ihre moderaten Verbündete bekämpft, die HTS hilft der Türkei nicht Sie schadet Ihr. Die Türkei kann nicht einfach in der Provinz Idlib einmarschieren und die HTS bekämpfen, weil das zweifellos als Aggression gedeutet wird, würde Assad und Russland die Erlaubnis geben könnte die Türkei kurzen Prozess mit den Jihadisten machen.

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Filsbachlerche 08.01.2019, 22:53
6. Warum überrascht mich das nicht?

Weil es genau in die bisherige Linie des Präsidenten Erdogan paßt!
Jedesmal, wenn er in den letzten 10 Jahren von der Intensivierung des türkischen Kampfes gegen sprach, bestanden die Opfer der darauf folgenden militärischen Maßnahmen der Türkei zu mindestens 90% aus Kurden und maximal 10% aus sonstigen Opfern.
Das hehre Recht der Völker auf Selbstbestimmung (seit 1966 von der UNO normiert) wird von Erdogan nur anerkannt, wenn es seinen Großmachtinteressen dient.
So auch in diesem Fall. Der IS (dessen Anhänger sich auch unter anderem Namen tarnen – wie auch im Artikel genannt) war während seiner Verfügungsgewalt über die irakischen Ölquellen ein – wenn auch nur offiziös anerkannter – willkommener Handelspartner der Türkei. Es gibt auch „bösartige“ Gerüchte, der plötzliche Reichtum der Erdoganfamilie beruhe auf Einnahmen aus den über die Türkei laufenden Ölexporte des IS aus diesen Ölquellen.
Es ist mir bewußt, daß die meisten kurdischen Milizen nicht vor gelegentlichen Terrorakten zurückschrecken.
Bevor ich hier Beifall von mir mißliebigen Deutschtümelnden bekomme, will ich eines klarstellen: Es geht auch anders und friedlich, wie das Beispiel Südtirol zeigt.
Auch dort gab es berechtigte Unzufriedenheit nach der Annexion durch Italien 1919 im Rahmen der Pariser Vorortsverträge. Auch dort wurden ab Mitte der 1950er Jahre jahrzehntelang Terroranschläge gegen die italienische Unterdrückung verübt. (Mit kräftiger ideologischer - und durchaus auch finanzieller - Unterstützung aus deutschnationalen Kreisen in Österreich und in der damaligen BRD!) Durch jahrzehntelange, verständige Politik von seiten Is und Ös gelang es, einen status quo zu sichern, in dem Südtiroler sowohl deutscher, österreichischer und italienischer Abstammung seit ungefähr 30 Jahren friedlich miteinander zu leben gelernt haben.
Ein solches Ergebnis braucht zur Verständigung bereite und zähe Politiker von beiden Seiten. Abdullah Öcalan (seit 20 Jahren in Haft und an sich eher kriegswillig) war vor kurzem noch zu einer solchen Verhandlung bereit, stieß aber bei der Erdogan-Türkei auf entschiedene Ablehnung.
Es braucht eben Mut zum gegenseitigen Auslotung mit dem Ziel einer Verständigung von beiden Seiten!

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machivaelli_mach11 08.01.2019, 22:55
7. Was will denn nun der Westen?

Zitat von anonym07
Was soll die gespielte Verwunderung, die Situation ist doch glasklar. Die Türkei ist Teil der Sunnitenallianz, und wird alles tun oder lassen um dem verhassten Schiitennachbarn und Iranfreund (ebenfalls Schiitenallianz) Assad zu schaden bzw dessen Gebiete zu besetzen und der Türkei einzuverleiben. Früher hat er den IS unterstützt, nun den al-Qaida Ableger HTS. Die Kurden müssen wiederum dran glauben. weil Sie das großosmanische Reich gefährden. Unglaublich, dass man so etwas in der NATO durchgehen lässt.
Verstehe ich nicht, wenn sich die Türkei einmischt heisst es Neo Osmanische Großmachtsträume, obwohl in jedem Internationalen Treffen seitens der Türkei die territoriale Einigkeit von Syrien betont wird und betont wurde.
Wenn die Türkei sich nicht einmischt heisst es, Sie sehe nur zu wie andere Akteure einzelne Gebiete einnehmen.
Die Türkei hat hier nicht alleine das Sagen, jede Aktion wird dezidiert mit Partnern wie Russland und Iran abgestimmt.
Welche Politik verfolgt denn der Westen in Syrien. Will man den Syrern Demokratie bringen so wie in Irak und Afghanistan auch.
Die Türkei hat mit einem Ausstieg aus der Nato gedroht, genau deswegen ist die USA gezwungen worden aus Syrien auszusteigen.
Ohne die Türkei wird der Westen einen strategischen Vorposten in dieser so pivotal wichtigen Region verlieren. Jeder der mal Zgbigniev Brezinskis "the grand chessboard" gelesen hat wird erkennen, dass ohne die Türkei der westliche Einflussbereich in dieser Region dramatisch schwinden wird.
Tut was Ihr nicht lassen könnt. Drängt die Türkei noch weiter in die Arme von Iran und Russland.

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starboy 08.01.2019, 22:55
8. Doch doch die Türkei mischt mit...

So wie sie schon dem IS geholfen hat.
Etliche Fremde sind aus allen herren Ländern über die Türkei nach Syrien gereist um sich dem IS anzuschließen.
Und Verwundete IS-Kämpfer wurden in türkischen Krankenhäusern verarztet und gesund gepflegt.
Das türkische Volk kann nicht ernsthaft wollen sich ins Mittelalter zurück zu entwickeln.
Atatürk würde Erdogan den Arsch versohlen und in den Kerker werfen, wo er hingehört.

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g.raymond 08.01.2019, 22:59
9. Der Kernpunkt

Erdogan sagt, dass er die territoriale Integrität Syriens einhalten will. Daran muss er gemessen werden. Entscheidend ist aber, dass weder Erdogan noch Sydow den Kernpunkt des Syrikenkrieges zur Sprache bringen. Weder die Türkei noch die arabischen, europäischen oder die Vereinigten Staaten haben das Recht in die inneren Angelegenheiten des souveränen Staates Syrien einzugreifen, mit Soldaten, Waffen oder Geld. Diese ganzen Aktionen müssten mit der Regierung in Damaskus abgesprochen sein, sind es aber nicht. Demgegenüber sind Iran und Russland, auf Bitten der Assad-Regierung, rechtmässig in Syrien aktiv. Solange diese prinzipiellen Rechtsregeln nicht erkannt und eingehalten werden, ist ein Ende des irrwitzigen Stellvertreterkrieges in Syrien kaum in Sicht. Absurderweise ist deshalb die Entscheidung des unberechenbaren Präsidenten Trump, die amerikanischen Truppen aus Syrien abzuziehen, eine formal richtige Entscheidung. Wenn Türkei, Russland, Iran, USA und Damaskus jetzt gemeinsam zu den Grundprinzipien des Kriegsrechtes zurückkehren und entsprechende militärische und politische Entscheidungen absprechen, wäre das ein Licht am Ende des Tunnels.

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