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Tag der Deutschen Einheit: Naher Osten, ferner Osten
DPA

Bei den Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit geben sich die Spitzen des Staates alle Mühe, den Osten in Schutz zu nehmen. Dumm nur, dass sie über ihn reden wie über ein fremdes Land.

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Sensør 03.10.2018, 20:11
1. 28 Jahre deutscher Krampf

Schon Kohl wusste insgeheim, dass nicht besser werden würde, als er von seinen blühenden LAndschaften schwafelte. Feiern kann man lediglich 28 Jahre offene Grenzen der Ex-DDR.

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dunnhaupt 03.10.2018, 20:17
2. Der Fehler liegt immer an der Regierung

Jeder Fisch beginnt von oben zu stinken. Wenn man bis zum heutigen Tage getrennte Rechnungen für Ost und West aufstellt, sollte man sich nicht wundern, wenn man unterschiedliche Ergebnisse erhält. Sind die Verhältnisse in Plauen wirklich anders als in Hof, obwohl sie nur ein paar Kilometer voneinander entfernt sind? Wenn ja, dann kann es doch nur an den zuständigen Landesregierungen liegen, die diese zwei Schwesterstädte verschieden behandeln.

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widower+2 03.10.2018, 20:18
3. Fremdes Land!

Ja! Für mich und viele andere Westdeutsche war die DDR tatsächlich ein fremdes Land oder eigentlich sogar feindliches Ausland. Wir haben uns mit jedem Spanier, Italiener oder Franzosen wesentlich mehr verbunden gefühlt als mit einem Bürger der DDR. Trotzdem war die Freude beim Mauerfall übergroß. Man freute sich mit den Menschen, die (scheinbar) diesem diktatorischen Regime entkommen konnten.

In Wirklichkeit sind sie diesem Regime aber nie wirklich entkommen. Es steckt in ihnen drin, sofern sie noch in der DDR sozialisiert wurden oder aber von Leuten erzogen wurden, bei denen das der Fall war.

So fühle ich mich noch heute jedem Spanier, Italiener oder Franzosen mehr verbunden als einem Sachsen oder Thüringer. Und von ostdeutscher Seite ist nicht wirklich das Bemühen zu erkennen, an dieser Gefühlslage etwas zu ändern.

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dieter-ploetze 03.10.2018, 20:23
4. keine einheit auf augenhoehe

es war wirklich keine einheit, die auf augenhoehe vollzogen wurde und das raecht sich sehr sehr lange. da damals die meinung herrschte, wenn die einheit nicht sofort vollzogen werde, dann gehe das fenster zur einheit erst mal zu, wurde uebereilt die einheit und waehrungsunion vollzogen. und da konnten die ostdeutschen nicht erhobenen hauptes eintreten, da sie wie bittsteller wirkten und der westen wie der grosse gute onkel. nur hatte der gute onkel keine ahnung von der befindlichkeit der ex-DDRler und meinte erst mal kraeftig aufraeumen zu muessen. all das wurde schon damals von den wenigen kritikern vorausgesagt, niemand wollte es hoeren. jetzt hilft einfach nur zeit, jedenfalls keine guten ratschlaege mehr.

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reznikoff2 03.10.2018, 20:29
5. Hm

Was hätte Anna Sophie Schneider den Festrednern empfohlen. Den Ostdeutschen zu sagen, dass sie mit dem Jammern irgendwann mal aufhören sollten? Und den Medien, dass sie irgendwann mal damit aufhören sollten, den Jammer zu beschreiben?

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viceman 03.10.2018, 20:33
6. wenn es wirklich

eine Vereinigung gewesen wäre, dann sollte von beiden Seiten etwas übrig sein.wenn nicht, dann war es eine Übernahme, ich behaupte sogar eine feindliche Übernahme. die alte Bundesrepublik hat sich die DDR, die ihr präsentiert wurde , einverleibt. die Gewinne wurden privatisiert, die Kosten sozialisiert , so gelingt keine ' Einheit' , v.a. wenn es kein reales Zusammenwachsen gibt...

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ostkost 03.10.2018, 20:39
7. Noch eine Rede für uns ...

Stefan Heym (geb. in Chemnitz (!) sprach am 4.11.'89 auf dem Berliner Alexanderplatz:

»Liebe Freunde, Mitbürger!

Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen nach all den Jahren der Stagnation, der geistigen, wirtschaftlichen, politischen, den Jahren von Dumpfheit und Mief, von Phrasengedresch und bürokratischer Willkür, von amtlicher Blindheit und Taubheit. Welche Wandlung! Vor noch nicht vier Wochen, die schön gezimmerte Tribüne hier um die Ecke, mit dem Vorbeimarsch, dem bestellten, vor den Erhabenen!
Und heute? Heute Ihr, die Ihr Euch aus eigenem freien Willen versammelt habt, für Freiheit und Demokratie und für einen Sozialismus, der des Namens wert ist.
In der Zeit, die hoffentlich jetzt zu Ende ist, wie oft kamen da die Menschen zu mir mit ihren Klagen? Dem war Unrecht geschehen, und der war unterdrückt und geschurigelt worden. Und allesamt waren sie frustriert. Und ich sagte: ›So tut doch etwas!‹ Und sie sagten resigniert: ›Wir können doch nichts tun.‹ Und das ging so in dieser Republik, bis es nicht mehr ging. Bis sich so viel Unwilligkeit angehäuft hatte im Staate und so viel Unmut im Leben der Menschen, dass ein Teil von ihnen weglief.Stefan Heym (2/2) »[...] Die anderen aber, die Mehrzahl, erklärten, und zwar auf der Strasse, öffentlich: ›Schluß! Ändern! Wir sind das Volk!‹

Einer schrieb mir - und der Mann hat recht: ›Wir haben in diesen letzten Wochen unsere Sprachlosigkeit überwunden und sind jetzt dabei, den aufrechten Gang zu erlernen.‹
Und das, Freunde, in Deutschland, wo bisher sämtliche Revolutionen danebengegangen, und wo die Leute immer gekuscht haben, unter dem Kaiser, unter den Nazis, und später auch! Aber sprechen, frei sprechen, gehen, aufrecht gehen, das ist nicht genug. Laßt uns auch lernen zu regieren. Die Macht gehört nicht in die Hände eines einzelnen oder ein paar weniger oder eines Apparates oder einer Partei. Alle müssen teilhaben an dieser Macht. Und wer immer sie ausübt und wo immer, muß unterworfen sein der Kontrolle der Bürger, denn Macht korrumpiert. Und absolute Macht, das können wir heute noch sehen, korrumpiert absolut.
Der Sozialismus - nicht der Stalinsche, der richtige -, den wir endlich erbauen wollen zu unserem Nutzen und zum Nutzen ganz Deutschlands, dieser Sozialismus ist nicht denkbar ohne Demokratie. Demokratie aber, ein griechisches Wort, heißt Herrschaft des Volkes. Üben wir sie aus, diese Herrschaft!«

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darkk 03.10.2018, 20:42
8. @widower+2 beitrag 3

Das war aber ein gewaltiges Eigentor. Erst beschreiben sie ausführlich, wieso ihnen jeder Westeuropäer lieber ist, als ein Ostdeutscher, um dann zu beklagen, dass diese, von ihnen geschmähten, Ostdeutschen nicht auf sie zugehen und ihre Gefühlslage nicht beachten würden. Mal ehrlich, würden die auf jemanden zugehen wollen, der so über sie denkt, wie sie über die Ostdeutschen denken? Also ich sicher nicht. Und das sage ich ihnen als ein glücklich in Ostdeutschland lebender, linksliberaler Wessi.

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rumpel84 03.10.2018, 20:44
9.

Auch damals wurden die Grenzen durch unhaltbare Zustände geöffnet. 17 Million Wirtschaftsflūchtlinge wollten ein besseres Leben. Der Westen musste zahlen, auf einmal war Geld da. Und die Kultur wurde bis heute nicht richtig integriert.

Könnte man auch in Chemnitz mal dran erinnern

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