Forum: Politik
Taliban auf dem Vormarsch: Amerikas Scheitern in Afghanistan
REUTERS

Frieden mit den Taliban in Afghanistan ist nach wie vor nicht in Sicht. Die US-geführte Mission war laut mehrerer Studien ein Fehlschlag - auch wegen der Korruption und der archaischen Gesellschaft am Hindukusch.

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tinosaurus 09.09.2018, 13:12
20. Verloren

Zitat von 111ich111
Archaische Gesellschaft am Hinukusch. Damit ist alles erklärt. Gesellschaften kann man nicht "zwingen" in der Neuzeit anzukommen. Weder mit Waffengewalt, noch mit missionarischen Mitteln. Eine Gesellschaft muss sich von selbst dort hin entwickeln (wollen). Und das dauert eben. Auch in Europa und der sog. westlichen Welt hat es Jahrhunderte gedauert. Der Westen glaubt immer noch, dass er anderen historisch gewachsenen Kulturen seine Wertevorstellungen überstülpen kann (haben die Kommunisten mit ihrem System auch geglaubt). Hat nie funktioniert und wird nie funktionieren.
Bildung wäre ein gutes Gegenmittel, aber bei so vielen Analphabeten und archaischen Gesellschaft sind die auf Gewalt basierdenden Maßnahmen zum Scheitern verurteilt. Afghanistan muss dann aus eigener Kraft eine Änderung anstreben. So wird es ins Mittelalter zurück fallen. Unter den gegebenen Umständen ist ein Rückzug die beste Option.

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Arrivato 09.09.2018, 13:16
21. Man sollte auf Ron Paul hören

Bereits vor zwei Jahren mahnte der frühere Kongressabgeordnete Ron Paul, die USA sollten aus Afghanistan abziehen. Seiner Meinung nach ist die US-Außenpolitik schizophren. „Immerhin kämpfen wir seit 15 Jahren in Afghanistan, um Al-Kaida zu besiegen, während wir direkt und indirekt einen Ableger von Al-Kaida unterstützen, um die syrische Regierung zu stürzen.“
https://www.berlinjournal.biz/ron-paul-afghanistan-medien-propaganda/
http://www.ronpaulinstitute.org/archives/featured-articles/2017/june/15/the-war-in-afghanistan-is-a-racket/

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bammy 09.09.2018, 13:16
22.

Zitat von ginamambo
wird von der Bundesregierung eingesehen, dass wir unsere Soldaten "sofort" abziehen müssen. Was hat der der Einsatz der BW in Afghanistan, außer toten deutschen Soldaten, gebracht, abgesehen von den wenigen Hilfsprojekten für einzelne Dörfer. Es ist sinnlos dieses archaische Land, ebenso wie Syrien, Irak, Libanon mit unseren westlichen demokratischen Werten befrieden bzw. einigen zu wollen. Wann wird dies endlich einmal eingesehen, diese Länder sind auf Grund ihrer versch. Religionen , Clanstrukturen, Korruption, nicht mit unserer westlichen Kultur zu vergleichen. Sie werden noch Jahrzehnte brauchen um in der Neuzeit an zu kommen wenn sie es denn überhaupt wollen. Aber hauptsächlich geht es hier um den Einfluss der USA, Russland um sich in diesen Regionen zu etablieren. Deutschland verschleudert Millionen welche wir in unserem Land besser verwenden könnten. Mein Gott, es ist so traurig wie unsere Politik reagiert.
Afghanistan war in den 1960´er ein recht modernes und fortschrittliches Land. Bis dann ein Bürgerkrieg ausbrach.

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denny101 09.09.2018, 13:16
23.

Zitat von 111ich111
Archaische Gesellschaft am Hinukusch. Damit ist alles erklärt. Gesellschaften kann man nicht "zwingen" in der Neuzeit anzukommen. Weder mit Waffengewalt, noch mit missionarischen Mitteln. Eine Gesellschaft muss sich von selbst dort hin entwickeln (wollen). Und das dauert eben. Auch in Europa und der sog. westlichen Welt hat es Jahrhunderte gedauert.
Dem kann ich nur 100% zustimmen, und den Gedanken erweitern:
Am Beispiel Afghanistan zeigt sich offensichtlich, was für alle Gesellschaften und ihre dazugehörigen Probleme gilt: die Probleme können nur von innen und unter der Beteiligung eines mehrheitlichen Teils der Bevölkerung gelingen, und der Prozess wird lange dauern und steinig sein.
Ich will den Amerikanern ihre gute Absicht gar nicht absprechen, aber sie wurde wohl (wie so oft) unter der totalen Verkennung der inneren Verhältnisse des Landes umgesetzt. Es ist dann genau das geschehen, was in solchen Fällen die größte Gefahr darstellt: dass der Einsatz den gegenteiligen Effekt von dem erreicht, was eigentlich angestrebt wird. Die alten Laster in der Gesellschaft werden verstärkt und die Bevölkerung, überall auf der Welt eigentlich politisch "zu dumm", stellt sich, aufgestachelt von den politischen Demagogen, gegen die "Eindringlinge".
Es mag auf den ersten Blick weit hergeholt erscheinen, aber allzu offensichtlich sind die Parallelen zu unseren europäischen Krisenherden, konkret zu Griechenland und Italien. Auch diese Gesellschaften können nicht durch Maßnahmen von außen auf ein Niveau gehoben werden, das ihre immanenten Probleme löst, auch wenn die Ursachen für Außenstehende allzu offensichtlich scheinen.
Es funktioniert nur auf eine Art: sie (die Gesellschaften) müssen es selber kapieren !!! Und dann auch wirklich wollen...

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stefan.martens.75 09.09.2018, 13:18
24. Cup1 Zu zimperlich?

Dieser Beitrag ist schlicht und ergreifend dumme Realitätsverleugnung.
Mit jedem toten wächst der Feind. Das hatten die Amis schon 2005 kapiert.
Die Russen sind in den 80'ern flächendeckend mit Kampfhubschraubern über dieses Land geflogen und haben auf alles geschossen was ihnen nicht treu ergeben war.
Was hat diese gnadenlose "Unzimperlichkeit" gebracht? Nichts!

Die Taliban hatten von Beginn an einen Verbündeten auf ihrer Seite.
1979 genauso wie jetzt.
Das Recht zur Selbstverteidigung gegen einen unrechtmäßigen Angriff stand auf ihrer Seite.
Hätte ich als Afghane die Wahl zwischen einem Agressor der mein Land besetzt und einem Agressor meines Heimatlandes, wüsste ich auch wofür ich mich entscheide.
Insbesondere sobald das erste Familienmitglied durch den ausländischen Agressor stirbt.

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Emderfriese 09.09.2018, 13:26
25. Frage

Zitat von Beat Adler
Sind die USA in Afghanistan gescheitert? Was war und ist das Ziel, welches die USA weiterhin in Afghanistan erreichen wollen? Es geht darum, dass die USA zusammen mit dem Rest der freien Welt nirgendwo, nie wieder, einen Ruheraum fuer Terroristen, die international Anschlaege organisieren und durchfuehren koennen, tolerieren. Wenn das bedeutet ein paar Tausend Soldaten vor Ort zu haben, dann ist das der Preis, der dafuer bezahlt wird. Da die Soldaten laufend kampstaerker werden, immer mehr durch Automaten und Roboter, immer besser werdende Aufklaerungsmittel unterstuetzt sind, koennen in der Zukunft immer weniger Soldaten dieses vorgegebene Ziel immer besser erreichen. Ueberall dort, wo die lokale Regierung das Gewaltmonopol verliert, zu verlieren droht, installieren sich terroistische Gruppierungen aller Art. Die USA zusammen mit anderen freien Staaten engagieren sich dort vor Ort, ob in der Sahelzone von Mauritanien bis Somalia, weiter im Jemen, in Syrien ueber Irak bis Afghanistan und Pakistan sorgen ausgekluegelte Aufklaerungsmittel in Kombination mit bewaffneten Drohnen dafuer, dass Terrororganisationen keine freie Entfaltungsmoeglichkeit mehr haben. Deswegen kann es gut sein, dass die USA ihre Ziel erreichen: Null Ruheraum fuer Terroristen, besonders des Islamischen Staates, der in Afghanistan und Pakistan immer wieder schreckliche Attentate durchfuehrt. mfG Beat
"...Es geht darum, dass die USA zusammen mit dem Rest der freien Welt nirgendwo, nie wieder, einen Ruheraum fuer Terroristen, die international Anschlaege organisieren und durchfuehren koennen, tolerieren. …"

Warum toleriert "der Westen" dann aber gleiche Gruppen in Idlib/Syrien? Warum haben die USA vorher die Islamisten der Mudschaheddin unterstützt und letztlich über Saudi Arabien auch die Taliban?

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maschseefest 09.09.2018, 13:40
26. Die aktuell Regierung betreibt eine größenwahnsinnige Strategie

Die aktuelle Regierung betreibt eine größenwahnsinnige Strategie. Woran kann man das festmachen?
1. Deutsche Soldaten tragen seit über 10 Jahren mit Milliarden an Kosten dazu bei, dass in Afghanistan demokratische Strukturen aufgebaut werden. Kritisches Hinterfragen des Einsatzes: Fehlanzeige
2. Die Regierung versucht einem zu erklären, dass man die Flüchtlingskrise durch Entwicklungshilfe in den Griff kriegen kann. Wir beenden also die Bürgerkriege in Syrien, Sudan, beenden die Kriege in Libyien, Kongo, Somalia, und helfen denen dann beim Wiederaufbau, so dass die Wirtschaft anspringt und keiner mehr nach Deutschland fliehen muss.
3. Wir integrieren Menschen die aus archaischen Gesellschaften kommen, in unsere demokratische Gesellschaft. Funktioniert in keinem anderen europäischen Land. Für uns aber kein Problem, da wir das natürlich besser können als die Schweden, Belgier, Engländer und Franzosen.

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Senf-o-Mat 09.09.2018, 13:40
27. So einfach ist es nicht

Zitat von 111ich111
Archaische Gesellschaft am Hinukusch. Damit ist alles erklärt. Gesellschaften kann man nicht "zwingen" in der Neuzeit anzukommen. Weder mit Waffengewalt, noch mit missionarischen Mitteln. Eine Gesellschaft muss sich von selbst dort hin entwickeln (wollen). Und das dauert eben. Auch in Europa und der sog. westlichen Welt hat es Jahrhunderte gedauert. Der Westen glaubt immer noch, dass er anderen historisch gewachsenen Kulturen seine Wertevorstellungen überstülpen kann (haben die Kommunisten mit ihrem System auch geglaubt). Hat nie funktioniert und wird nie funktionieren.
Mit zwei oder vier Worten ist niemals "alles erklärt", dafür ist die Welt viel zu komplex. Im Übrigen würde ich Ihnen vorschlagen, sich zuerst wenigstens Grundkenntnisse der Geschichte sowohl Afghanistans als auch des Abendlandes anzueignen, bevor Sie sich öffentlich darüber äußern. Falls Sie dem nachkommen, warten ein paar Überraschungen auf Sie... Und nein, man kann mit Waffen niemanden dazu zwingen, in der Neuzeit anzukommen, aber man kann es damit verhindern und vielleicht sogar rückgängig machen.

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HeisseLuft 09.09.2018, 13:44
28. Ja. Und?

Zitat von robert.hammer
Die Briten, die Russen und jetzt auch noch die USA (natürlich blind auch Deutschland) haben das Land nicht in ihrem Sinn umgestalten können. Warum auch - kann mir jemand erklären warum man diesem Land etwas nach westlichen Denken aufzwingen muss. Das mit dem Terror ist eh ein Witz, Osama war ein Saudi. Und da die Zeit haben ihr System zu betreiben, wird das nichts - aber dafür sterben Soldaten.
Ja, Osama war ein Saudi. Der von Afghanistan aus operierte. Die Al-Qaida hat in Taliban-Afghanistan ihre Lager unterhalten können:
https://de.wikipedia.org/wiki/Osama_...an_(1996–2001), 1998:

"Zur Pflicht eines jeden Muslims soll es werden, die Amerikaner und all ihre Verbündeten zu töten; ob Zivilisten oder Militärs. Jeder, der befähigt ist, aus jedem Land, in dem er befugt ist, soll die heiligen Stätten von Ungläubigen befreien und sie aller islamischer Länder verweisen. Die Ungläubigen müssen niedergezwungen werden, um die Bedrohung von uns Muslimen abzuwenden. […] Im Namen Allahs rufen wir jeden gottgläubigen und gottgefälligen Muslim dazu auf, dem Befehl Allahs zu folgen und die Amerikaner zu töten. Man nehme deren Vermögen, wo und wann immer es sich anbietet. […] Wer der Pflicht nicht nachkommt, den wird Allahs bittere Rache ereilen."

Was sie dann ja auch mehrfach in die Tat umgesetzt haben. Ebenso wie Attentate auf andere afghanische Führer wie Ahmed Schah Masud.

Was hätten sie denn damals genau getan?

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Hundefuerst 09.09.2018, 13:45
29.

Zitat von bammy
Afghanistan war in den 1960´er ein recht modernes und fortschrittliches Land. Bis dann ein Bürgerkrieg ausbrach.
Lassen Sie sich von den Bildern kurz berockter Frauen in der Großstadt Kabul nicht täuschen. In den paschtunischen Stammesgebieten waren auch damals die Frauen unter die Burka gezwungen. In der Stadt griffen die Sozialisten nach der Macht, wollten das Land mit Gewalt modernisieren. Dann kamen die Krieger aus dem wilden Paschtunenland, wo es nie zuvor Modernität und Fortschritt gegeben hat.

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