Forum: Politik
Taliban in Pakistan - was ist die richtige Strategie?

Immer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?

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simpelkopp 02.11.2009, 13:48
820. "goldene Tage"

Zitat von alfredoneuman
Ich denke der "Basis-Treiber" treibt nicht mehr, denn das von ihm erschaffene Monster hat versucht ihn aufzufressen. Die goldenen Tage der Talbiban, zumindest in Pakistan sind vorbei.
Ich liebe den lyrischen Stil Ihrer Texte!

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Daddeldu 02.11.2009, 14:50
821.

Zitat von semir
Bis jetzt ist in Pakistan kein einziger aus Armee und Geheimdienst wegen Talibanunterstützung verurteilt worden...
Stimmt, davon wüsste ich auch nichts zu berichten.
Aber was erwarten Sie denn auch? Die Marschrichtung von Diensten orientiert sich meistens an der politischen Großwetterlage und wechselt entsprechend häufiger. Warum sollte nun die pakistanische Regierung ausgerechnet beim ISI gegen die Talibanunterstützer im eigenen Stall per Verhaftung und Gerichtsverhandlung vorgehen und dabei zwangsläufig die bisherigen tiefen Verstrickungen öffentlich machen? Wie wollte man außerdem solche drastischen Schritte begründen, wenn doch bis kürzlich diese Spielchen stillschweigend geduldet wurden und teils sogar zur politischen Strategie gehörten?

Nee, es findet ein primär durch die Mumbai-Geschehnisse verursachtes Umdenken und (wie geschildert) personelles Revirement in aller Stille statt. Aber allein das ist bereits mehr, als vor einiger Zeit noch zu erwarten war.
Zudem erkannte man mittlerweile, dass Kompromisse und Zugeständnisse diese archaischen Gotteskrieger nicht von ihrem Expansionswillen abbringen, sondern ihnen lediglich eine noch breitere Operationsbasis bieten, die sich langsam zur Gefahr für ganz Pakistan entwickelt. Diese herandämmernde Erkenntnis bildet einen Strang, an dem Regierung und Militär aktuell gemeinsam ziehen – und der mit jedem jedem neuen Anschlag und getöteten Soldaten oder Polizisten stabiler wird. Daran würde sich aktuell auch nichts ändern, wenn Regierungsgegner mal wieder versuchen sollten, eine neue Regierungsspitze herbeizubomben.

Ein anderer gemeinsamer Strang sind übrigens die bis dato verschlungenen aber gut geschmierten Transitpfade von Rohopium und Heroin. Diese geraten immer mehr unter Kontrolle der Talibankämpfer und der mit ihnen sympathisierenden Clanchefs in den Grenzgebieten. Einnahmen, die nun zum beachtlichen Teil in deren Kriegskassen landen. Das, sowie die Tatsache, dass einflussreiche Militärs und Dienstler nicht mehr im bisherigen Umfang an diesem florierenden Geschäft partizipieren, sind allein schon Gründe, die Dinge nun wesentlich rigider zu handhaben.

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spieglfechter 02.11.2009, 15:24
822.

Zitat von simpelkopp
Ich liebe den lyrischen Stil Ihrer Texte!
Na ja, alter Fisch wird auch mit Chanel Nr.5 nicht wieder frisch ...

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Haio Forler 03.11.2009, 09:24
823. .

Zitat von spieglfechter
... oder Zeitung lesen:
Die Vermmutung ist nicht abwegig. Eine Symbolfigur als Antrieb zur Rechtfertigung zukünftiger Einsätze ist rationell durchaus nachvollziehbar.

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Rainer Daeschler 03.11.2009, 09:43
824.

Zitat von Haio Forler
Die Vermmutung ist nicht abwegig. Eine Symbolfigur als Antrieb zur Rechtfertigung zukünftiger Einsätze ist rationell durchaus nachvollziehbar.
Eigentlich müsste es bei den US-Geheimdiensten dauernd Entlassungen in der Spitze geben, weil sie unfähig sind Osama Bin Laden aufzuspüren. Dieser Dauermisserfolg scheint also durchaus allgemeine Akzeptanz zu genießen.

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estragon001 03.11.2009, 09:47
825. Ja, leider...

Zitat von semir
Ist es wirklich wichtig was die paschtunischen Stämme wollen?
Ja, leider. "Leider" deshalb, weil auch (fast) KEINER der vergangenen pashtunischen Herrscher etwas "Gutes" gebracht hat, außer eben die pashtunische Vorherrschaft zu fördern.
Dazu muß man wissen, daß "Afghan" mit der Bezeichnung "Pashtun" identisch ist. Schon hier äußert sich der Versuch der Dominanz. Andere Volksgruppen wurden und werden immer unterdrückt.

Deshalb schreien ja auch manche andere nach der Abspaltung von "Afghanistan", weil sie eben keine "Afghanen" sind, keine "Pashtunen", und deren faschistoide Herrschaft nicht mehr dulden wollen.
Manche (andere) schreien nach der Gründung eines "Khorassan" (Land der aufgehenden Sonne), denn SO hieß (u.a.) das Land vorher, bevor die BRITEN dieses Land umtauften, weil es ihnen genehmer erschien sich der Pashtunen zu BEDIENEN.
Zitat von
Vielleicht werden nur ihre Stammesgesetze,die geographische Lage und Kämpferherz von Kräften missbraucht, die etwas ganz anderes planen als die Paschtunen?
Mißbraucht wurden die immer, aber auch die anderen...
Zitat von
So behauptet z.B. Olivier Roy das sich vorwiegend Usbeken als Ausbilder der Taliban betätigt haben.Auch diverse "Emire" der Jihadisten haben eine seltsame Familiengeschichte wie das Beispiel al-Chattab aufzeigt - jordanische Familie tschetschenischer Herkunft.
Jaja, ist ja recht, wenngleich auch das "vorwiegend" sehr zweifelhaft ist, wenn nicht sogar "Unsinn", aber sicher, es waren "andere" ! Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache daß die sogenannten "Taleban" zu 98% aus Pashtunen bestanden und auch jetzt WIEDER bestehen.

Nur sollte man nicht den Fehler machen, die "alten" Taleban mit der neuen "Bewegung" zu verwechseln. Das sind nämlich größtenteil schon wieder andere. Sie sehen sich als "Befreiungsarmee" gegen alle "Kuffar" (Ungläubige).

Der "Westen" macht so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann in "Afghanistan". Das können Ihnen auch alle Mitglieder von Hilfsorganisationen, oder auch ernsthafte Journalisten sagen... das ist kein Geheimnis.

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Dnole 03.11.2009, 12:15
826.

Ein weiterer Skandal um eine private amerikanische Sicherheitsfirma: Inter-Risk. Bekommt seine Aufträge hauptsächlich von der US-Regierung und haben natürlich einen Haufen unregistriertet Waffen bei sich.. :

http://www.huffingtonpost.com/2009/0..._n_292249.html

Ich frag mich echt wer hier destabilisiert..

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semir 03.11.2009, 13:09
827.

Zitat von estragon001
Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache daß die sogenannten "Taleban" zu 98% aus Pashtunen bestanden und auch jetzt WIEDER bestehen....Nur sollte man nicht den Fehler machen, die "alten" Taleban mit der neuen "Bewegung" zu verwechseln. Das sind nämlich größtenteil schon wieder andere. Sie sehen sich als "Befreiungsarmee" gegen alle "Kuffar" (Ungläubige).
Grade weil sich diese neuen Kräfte als Kämpfer gegen den Unglauben sehen, rückt diese Bewegung immer mehr vom paschtunischen Stammesgedanken ab und trägt den Konflikt auf eine theologische Ebene um auch die Nicht-Paschtunen in den Kampf einzubinden.

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Klaus Rabba 04.11.2009, 23:04
828.

Zitat von estragon001
Wort-Klauben können sie sich für das Klassenzimmer aufsparen... Der internationale Terminus ist Mujaheddin, fragen sie Afghanen. Wie die Deutschen dazu sagen ist mir gelinde gesagt scheissegal.
Nicht gerade eine ideale Haltung, wenn man etwas genau erklâren will.

Zitat von estragon001
Ja, die Mujaheddin rekrutierten sich aus ALLEN Schichten und ethnischen Gruppen, ganz einfach weil es gegen die RUSSEN ging !
Das ist lange her. Die leben oder kämpfen nicht mehr.

Zitat von estragon001
Danach kam ein ernbarmungsloser Bürgerkrieg, in denen, teils ethnisch begründet, jeder gegen jeden kämpfte, und wechselnde Allianzen an der Tagesordunung waren. Ein "Dost" von gestern, wurde der "Dushman" von morgen, und auch wieder zurück, Fragen sie mal Herrn Dostum, der sein Fähnchen in verschiedenste wechslende Winde hängte, zum Beispiel.
Weder ich noch Sie werden Gelegnheit bekommen, von Herrn Dostum empfangen zu werden.

Zitat von estragon001
"Hezb-e-Islami" (Gulbudeen) gegen alle, "Jamiat-Islami" (Rabbani) gegen alle, "Junbish" mal da, mal dort, Sayyaff mit Allianz zu Jamiat, "Hez-e-Wahdat" (Khalili) von allen verfolgt, und dann die zahllosen nationalistischen Pashtun-Verbände, Chaos ohne Ende. Kabul zerstört im Raketenhagel der beteilgten eifersüchtigen Gruppen.
Haben wir alle hautnah erlebt und von Herrn Scholl-Latour erklärt bekommen.

Zitat von estragon001
In DIESE Siutation stießen die "Taleban", mit radikalen Regeln, allein schon um das Geballere zu beenden. Eigentlich löblich, aber dann kam es GANZ dick, nämlich als die Primitiven ihre primitiven Reglen praktizierten und plötzlich Todesstille herrschte. Lesen Sie mal bei der RAWA nach, da ist alles gut dokumentiert.
Die Herrschaft der Taliban war lange Thema Nr. 1 der nachrichten.

Zitat von estragon001
Und NEIN, selbst wenn sich so mancher Mujahed auf die Seite der Taleban schlug, so waren sie doch GANZ ANDERE Menschen, und eine vollkommen andere Gruppe.
Aha, die Taliban sind also andere Menschen.

Zitat von estragon001
Die Taleban bestanden zu 99% aus Pashtunen, die ihre Felle davon schwimmen sahen... marginalisiert in den Bruderkämpfen, nur Gulbudeen und SAyyaff waren offen bekennende Pashtunen, aber auch seine Partei (Hezb-e-Islami) zerfiel in Splitterggruppen, Mojadiddi kam auch noch dazu. !
Und wurden von Pakistan unterstützt.

Zitat von estragon001
Wie oben beschrieben, nur verschwindende Prozentzahlen von Mujaheddin (nämlich Pashtunen) schlugen sich auf die Seite der Taleban. Der Rest kam aus Pakistan, zusammen mit Arabern und anderen importierten radikalen Kämpfern, wie Uzbeken, Tschtschenen, etc.
Das ist ja interessant.
Eben sagten Sie noch, dass die Taliban "ganz andere Menschen" sind und 99% Paschtunen und nun doch Usbeken, Tschetschenen, Araber etc.?

Läuft das bei Ihnen nicht mit AL Kaida durcheinander?

Zitat von estragon001
Richtig, man empfing sogar eine Delegation auf der Ranch von Bush Senior... alles für die Pipeline und andere Bodenschätze. Spricht doch für sich, oder ?
Für Bush meinen Sie?
Alles n' büschen salopp und apriori Wissen.

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Klaus Rabba 04.11.2009, 23:19
829.

Zitat von estragon001
Nein, nachdem die Taleban auf dem Plan erschienen waren, wäre es absurd die eigenen Kämpfer durch andere (eigene) bekämpfen zu lassen. Ein Paradox.
Das klingt recht nebulös. Unverständlich.

Zitat von estragon001
Nachdem die Taliban erschienen waren, gab es faktisch keine "Mujaheddin" mehr, sie zerstreuten sich, blieben in den diversen Gruppen, wie eben "Jamiat-eIslami", "Junbish", "Hez-e-Wahdat" etc., die Bewegung der Mujaheddin war beendet. ..kämpfte.
So,Sie meinen also, dass es in Afghanistan keine anderen Kampfgrupen mehr gibt, als die Taliban?

Zitat von estragon001
Nein, die Pashtunen wollen alle Gebiete wo Pashtunen leben zusammenführen. S.Waziristan, N.Waziristan, Kurram, Orakzai, Mohmand, mit einem Wort das gesamte NWFP ...Vertrag ausgelaufen ist.
Und das geht nun direkt gegen Pakistan.

Zitat von estragon001
Und ganz nebenbei wollen sie auch den Norden "ihres" Landes "Afghanistan", weil da ja auch so schöne Bodenschätze warten.
Da leben Sie ja auch schon.

Zitat von estragon001
Man braucht bloß mal die Umsiedelungskampagnen ansehen, (Pashtunen nach Norden) und was z.B. die Taleban in Mazar-e-Sharif veranstaltet hatten, damals, als sie am Ruder waren - an die 10.000 Opfer allein unter der Hazara-Bevölkerung, die Massengräber sind gefunden und exkaviert.
Wir leben im Zeitalter der ethnischen Säuberungen.

Zitat von estragon001
Ja ! Pashtunen wollen mit Pashtunen sein, würden am liebsten die Tadjiken nach Tadjikistan vertreiben, die Hazara zurück in die Zentral-Asiatische Steppe, oder Mongolei, und auch die Uzbeken "heim" schicken. Sie betrachten alle anderen als Eindringlinge ! "Afghan" heißt in der Übersetzung ja auch "Pashtun", und sonst nichts anders. Und Pashtunischer Nationalismus ist schon was !!
Unappititlich wie überall.

Zitat von estragon001
JA ! Also ich schon, ich kann aber nicht für andere sprechen...
:O

Zitat von estragon001
Die Berichterstattung ist meist mehr als naiv ! Man muß schon genauer hinhören, den einzelnen Volksgruppen zuhören, wenns ums "Eingemachte" geht.
Ist vielleicht nicht im Interesse von CNN, BBC, ARD...

Zitat von estragon001
Das hat nix mit "Mut" zu tun, viel mehr mit Recherche, mit zahllosen Gesprächen auf allen Seiten, mit ZUHÖREN und versuchen zu verstehen... Das hilft. Leider sind die (meisten) Journalisten zu schnell in ihren "Schlußfolgerungen" und hören zu wenig zu, verlassen sich zu oft auf ihr "Bauchgefühl", das aber von westlicher Prägung ist. Und ab da stimmt's dann eben meistens nicht mehr. Und das schließt dann auch ganz bekannte Namen mit ein, so wie einen Herrn Ruge oder Scholl-Latour. Den hab' ich mal beim Salang-Tunnel getroffen, in all seiner Arroganz...
...wovon Sie eine ganze Portion besitzen. Scholl-Latour schreibt jedenfalls um Klassen besser als Sie und seine Texte sind nicht präziser.

Schlauer als vorher bin keinesfalls geworden. Die Reste der Al Kaida kommen bei Ihnen überhaupt nicht mehr vor. Haben die sich aufgelöst?

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