Forum: Politik
Terror im Irak: Dschihadisten treiben Hunderttausende in die Flucht
AP/dpa

Der Vormarsch religiöser Extremisten im Irak geht weiter, das Militär zieht sich zurück. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die Aufständischen haben offenbar die Stadt Baidschi mit der größten Ölraffinerie des Landes erreicht.

Seite 43 von 44
barabbaschen 11.06.2014, 16:00
420.

Zitat von adal_
Nach dem, was sich jetzt im Irak tut, muss man sagen: Womöglich haben die amerikanischen Firmen die Risiken realistischer eingeschätzt als ihre Konkurrenten. in China, Europa und Russland
Möglich, aber es wäre auch denkbar, dass sich Big-Oil ob den hohen Preisen für eine Förderlizenz und einer schiitischen Regierung die nicht den gewünschten Vasallenknicks hinlegt auf einen erneuten Putsch setzt. Es wäre ja nicht das Erste mal wo nach einem von den US-Eliten unterstützten Putsch die US-Konkurrenten in die Röhre schauten und US-Firmen davon profitierten.
Das nennt man dann wohl Imperiums-Kapitalismus 1.0.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
adal_ 11.06.2014, 16:11
421. "Zu blöd..." aber auch :-)

Zitat von M. Thomas
Dann sind die USA nun also auch noch zu blöd, um am erkämpften Öl langfristig zu verdienen?
Würde ich - nach den jüngsten Nachrichten aus dem Irak - nicht mehr sagen.
Die amerikanischen Ölfirmen haben die Investitionsrisiken im Irak wohl realistischer eingeschätzt als Lukoil und PetroChina.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Faceoff 11.06.2014, 16:16
422. Moderat

Zitat von StörMeinung
Was ist denn Ihre Theorie, warum sich die Golfdemokratien so in Syrien engagieren??? ... Mein Tip heißt Nabucco-Pipeline.
Öl ist zwar wichtig, aber nicht alles. Wenn Öl eine solch große Bedeutung hätte, würde Assad die ISIS von seinen Ölfeldern vertreiben. Tut er aber nicht.

Ich glaube, es handelt sich wirklich um sektiererische Gewalt, u. a. um den eigenen schiitischen Bevölkerungsteilen die Lust auf Aufstände zu nehmen. Es gibt da z. B. an der Grenze Jemen / Saudi-Arabien den Aufstand der schiitischen Houthi-Rebellen und es gab den (weitgehend friedlichen) Aufstand der schiitischen Bevölkerungsmehrheit in Bahrain, welcher mit saudischer Hilfe unterdrückt wurde.


Zitat von StörMeinung
Aber trotzdem danke für Ihre Beiträge zur Versachlichung. Aber 70% der Syrer ist nun einmal nach CIA, NATO, NGO, ... Reports pro-Assad, das war auch vor dem Aufstand so. Eine bewaffnete Opposition stellt sich also automatisch gegen den Volkswillen, soviel zum Thema "gemäßigt".
Eine Befragung, bei der sich 70% der Syrer ausdrücklich pro Assad geäußert haben, kenne ich nicht. Wie man "die Syrer" überhaupt demoskopisch befragen kann, während Millionen Syrer in´s Ausland geflüchtet sind und im Land ein Bürgerkrieg tobt, ist mir nicht klar. Wurden denn auch jene Millionen Syrer in die Befragung einbezogen, die in´s Ausland geflohen sind? Wurden die Binnenflüchtlinge innerhalb von Syrien befragt? War die Beantwortung der Fragen geheim? Wurden auch die Menschen in jenen Regionen befragt, in denen das Assad-Regime nicht herrscht? Warum benötigt Assad für seine Erfolge die Hilfe der Hizbollah (ganz maßgeblich) und iranischer "Freiwilliger", wenn 70% des Volkes hinter ihm stehen und seine Armee turmhoch (z. B. einzige Luftwaffe) überlegen ist?

Wenn oppositionelle Gruppen als "moderat" bezeichnet werden, so hat das mit einer moderaten Programmatik zu tun. Wer der Geldgeber ist, ist sekundär, primär wichtig ist, was die jeweilige Gruppe will, wofür sie steht, wovon sie überzeugt ist. Die USA waren seinerzeit Geldgeber der Mudjaheddin in Afghanistan, ohne aus ihnen westliche Demokraten gemacht zu haben :-) . Überzeugung lässt sich nicht mit Geld kaufen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gast2011 11.06.2014, 16:17
423. oder die amis

Zitat von adal_
Würde ich - nach den jüngsten Nachrichten aus dem Irak - nicht mehr sagen. Die amerikanischen Ölfirmen haben die Investitionsrisiken im Irak wohl realistischer eingeschätzt als Lukoil und PetroChina.
haben einmal mehr die instabilität herbeigeführt, weil sie nicht an die lizenzen gekommen sind. man kann es drehen und wenden wie mal will, das wo usa draufsteht kommt chaos raus...!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Olaf 11.06.2014, 16:29
424.

Zitat von StörMeinung
Falsch, das Schwert des Islam wurde vom Westen geschmiedet, um die Sowjetunion an ihren Südgrenzen anzugreifen. Lesen bildet, da gibt es z.B. ein gutes Buch von Brezesinksi! ... Nach dem Fall des eisernen Vorhangs wurde man die Geister, die man rief, nicht mehr los. So einfach ist das. In Kabul konnten die Frauen in den 70er Jahren übrigens mit einem Minirock rumlaufen!!!!
Bald wird es in Kabul wieder rückwärts gehen. Die extremen Islamisten können offensichtlich überall in der islamischen Welt auf einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung bauen, sonst wären diese Erfolge nicht möglich.

Sie dringen überall in der Welt vor. Afrika, Asien und natürlich der Nahe Osten. Das ist mit ein paar Waffenlieferungen vor 30 Jahren nicht zu erklären.

Das sitzt tiefer und in meinen Augen als Kampf zwischen überlieferten Traditionen, die in einer archaischen Gesellschaft vor Jahrhunderten entstanden sind und dem modernen Leben.

Wenn man nur an Saudi-Arabien denkt. Ein hochmodernes Land, technisch auf dem neuesten Stand, mit gesellschaftlichen und gesetzlichen Strukturen des Mittelalters.

Stellen Sie sich das mal hierzulande vor. Es ist völlig klar, dass dies nicht lange gut gehen kann. Die Kluft ist zu groß. Da gibt es auf der einen Seite fortschrittliche Kräfte, die Demokratie und Menschenrechte fordern und auf der anderen Seite absolute Monarchen die öffentlich Hinrichten, auspeitschen oder Hände abhacken lassen.

Das kann nicht gut gehen,

Beitrag melden Antworten / Zitieren
adal_ 11.06.2014, 16:31
425.

Zitat von gast2011
oder die amis haben einmal mehr die instabilität herbeigeführt, weil sie nicht an die lizenzen gekommen sind. man kann es drehen und wenden wie mal will, das wo usa draufsteht kommt chaos raus...!
Ja genau. Und Elvis lebt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spon-facebook-10000721488 11.06.2014, 16:47
426.

Zitat von mitch72
Ich dachte eigentlich, der Norden sei durch die Kurden entsprechend gesichert. Oder sind die doch nicht so stark wie sie gerne sagen?
Informieren Sie sich etwas genauer, Mosul ist eine arabische Stadt, die nicht unter der Autonomie der Kurden fällt. Dort hat die "großartige" irakische Armee und Verwaltung das Sagen. Die irakische Regierung hat diese Stadt mit allen Mitteln vor einer Sicherung durch kurdische Kräfte fern gehalten. Wenn Erbil oder Dohuk eingenommen werden, kannst berechtigt die Macht der Kurden in Frage stellen. Lg

Beitrag melden Antworten / Zitieren
StörMeinung 11.06.2014, 17:09
427. Hammer oder Amboss

Zitat von Faceoff
Öl ist zwar wichtig, aber nicht alles. Wenn Öl eine solch große Bedeutung hätte, würde Assad die ISIS von seinen Ölfeldern vertreiben. Tut er aber nicht.
Er hat einfach nicht die militärischen Mittel, an allen Fronten zu kämpfen.

Die 70% Zustimmung zu Assad sind ein "perception index", erstellt durch Befragung bei verschiedenen Organisationen, u.a. nachzulesen in einem NATO Report (muss ich nochmal googeln). Diese Methode ist weniger akkurat, aber mit ein wenig Sorgfalt kriegt man schon ein grobes Bild.

Ich kenne ein langes Interview mit Jesuitenpater Frans van der Lugt aus Homs, (mittlweile ermordet von islamistischen Rebellen), der auch sagte, dass es den Leuten unter Assad gut ging. Er wurde leider in einem SPON Kommentar zum Rebellenfreund umgedeutet, ... leider ein typischer Vorgang.

Um mich nicht falsch zu verstehen, ich bin kein Assad Anhänger, aber aus praktischen Erwägungen muss man einfach sagen, er ist das Beste, was Syrien im Moment hat.

Und im Augenblick haben wir, um mit Goethe zu sprechen, die Situation, dass es nur Hammer oder Amboss geben kann. Der Westen sollte Assad unterstützen, alles Andere führt zu noch mehr Chaos.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
StörMeinung 11.06.2014, 17:13
428.

Zitat von Olaf
Bald wird es in Kabul wieder rückwärts gehen. Die extremen Islamisten können offensichtlich überall in der islamischen Welt auf einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung bauen, sonst wären diese Erfolge nicht möglich.
Sie haben nicht ganz Unrecht. Wahrscheinlich haben die Islamisten auch eine soziale Funktion in diesen Gebieten, vielleicht teilen sie Suppe aus an die Ärmsten, etc... ich denke da spontan an die Suppenküche der SA in Deutschland. So gewinnt man natürlich auch Rückhalt bei den Leuten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
blumenrohr 11.06.2014, 17:18
429. Ich mache mir Sorgen

Zitat von sysop
Der Vormarsch religiöser Extremisten im Irak geht weiter, das Militär zieht sich zurück. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die Aufständischen haben offenbar die Stadt Baidschi mit der größten Ölraffinerie des Landes erreicht.
Mein Schwiegersohn arbeitet dort im Kraftwerk. Er kommt nicht raus. Viele Ausländer arbeiten dort und warten auf Hilfe. Das muss auch man erwähnt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 43 von 44