Forum: Politik
Terror in Nigeria: "Sie sagen, der Westen ist schuld an ihrer Armut"
DPA

Die Terrortruppe von Boko Haram findet wachsenden Zuspruch - bei den Perspektivlosen, bei den Bettelarmen. Religiöser Fundamentalismus, sagt der äthiopische Schriftsteller Asfa-Wossen Asserate im Interview, ist dabei für viele nur ein Vorwand, Verbrechen zu begehen.

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Promethium 14.05.2014, 12:10
40. Ursprünge

Zitat von
Seit der Demokratisierung Nigerias 1999 nahmen Islamisierungstendenzen im Lande zu. So wurde auf Druck islamischer Gruppen im Nordteil des Landes die Scharia eingeführt.[1] Seither fielen tausende Menschen religiösen Pogromen zum Opfer.[1] Boko Haram machte erstmals um 2004 mit der Einrichtung des Trainingslagers „Afghanistan“ an der Grenze zum nördlichen Nachbarland Niger von sich reden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Boko_Haram
Kaum setzt sich moderne "westliche" Demokratie durch, ruft das die Gegenbewegung der Theokraten auf den Plan.
Man muss sich dabei vor Augen halten das bei der Demokratisierung die traditionellen oft religiös legitimierten Führungspersonen (Stammesälteste usw.) ihre Macht verlieren.

Daher die Gegenbewegung zur Demokratisierung und gegen westliche/demokratische Bildung.
Das hat nichts mit Perspektivlosigkeit zu tun! Boko Haram eröffnet ja auch keine Perspektiven sondern zerstört sie, in dem sie moderne Bildung verhindern.

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Wildes Herz 14.05.2014, 12:39
41.

Zitat von Promethium
Daher die Gegenbewegung zur Demokratisierung und gegen westliche/demokratische Bildung. Das hat nichts mit Perspektivlosigkeit zu tun! Boko Haram eröffnet ja auch keine Perspektiven sondern zerstört sie, in dem sie moderne Bildung verhindern.
Das ist m.E. zu einfach gedacht. Natürlich eröffnet Nicht-Bildung an sich keine Perspektiven. Die Grunderfahrung so mancher Boko-Haram-Anhänger ist aber offenkundig die, dass ihnen Bildung auch keine Perspektiven eröffnet und ihre persönliche, materielle Situation nicht verbessert hat.

Immer wieder und auffallend oft taucht genau DIESES Motiv im Zusammenhang mit Boko Haram auf:
"Besonders der Osten des Niger sei eine vernachlässigte Region mit hoher Arbeitslosigkeit, sagt der Soziologe und Politikwissenschaftler Souley Adji von der Universität Niamey. Viele würden dort trotz Diplom keine Beschäftigung finden. "Natürlich fühlen sich solche Menschen auf eine gewisse Weise angezogen von einer Bewegung, die auch eine soziale Revolution anstrebt."
http://www.dw.de/boko-haram-krise-be...arn/a-17633260

"Gründer der Organisation war Mohammed Yussuf. Seiner Bewegung schlossen sich zunächst arbeitslose Schulabgänger und Akademiker an. Weil ihre Bildung ihnen keinen Ausweg aus der Armut bot, verbrannten sie ihre Zeugnisse und protestierten so gegen die soziale Ungleichheit im Nordosten Nigerias."
http://www.dw.de/stichwort-boko-haram/a-17504436

Und Boko Haram eröffnet diesen Menschen durchaus "Perspektiven". Man muss das ja so sehen, dass Boko Haram lediglich einen ideologischen Hintergrund bietet, um im Grunde hundsgemeine kriminelle Straftaten und Verbrechen in einem vermeintlich "gottgefälligen" Licht erscheinen zu lassen. Von diesen wiederum profitieren die Anhänger der Sekte persönlich und erfahren dadurch eine konkrete Verbesserung ihrer (durch Armut geprägten) Lebenssituation:

"Neben ideologischen Zielen hat die Bewegung (...) zunehmend auch lukrative kriminelle Machenschaften im Blick. So überfällt die Sekte Banken, entführt Menschen, um Lösegeld zu erpressen und steigt nun offenbar auch in den Menschenhandel der Region ein. Zudem helfen Mädchenentführungen Boko Haram, neue Kämpfer zu gewinnen, sagt der Nigeria-Experte Marc-Antoine Pérouse de Montclos. Im verarmten Norden Nigerias könnten sich viele Männer keine Mitgift und Hochzeit leisten. "Der Sekte beizutreten, erlaubt es, ohne Mitgift schnell eine Frau zu finden", sagt Pérouse de Montclos."

http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-968227.html

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coldplay17 14.05.2014, 16:11
42.

Zitat von huggi
... es stimmt schon dass praktisch alle afrikanischen Staaten ökonomische Probleme haben, die muslimisch geprägten Staaten haben aber dann, wenn Rohstoffe fehlen die untersten Plätze eingenommen. Den negativen Einfluß des Islam auf eine Gesellschaft zu verneinen ist albern. Wenn der Westen nicht schuld ist dass es mir so schlecht geht hat es eben Allah so gewollt. Sollte es diesen Allah wirklich geben, so würde es mich nicht erstaunen dass er seine Anhänger ob deren Lebensweise besonders straft.
Und warum unterstützen dann nicht die reichen Saudis die armen
Muslime in Nigeria ?

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forumgehts? 14.05.2014, 17:20
43. Für eine

Zitat von Beat Adler
Vorsicht beim Gebrauch des Wortes "Afrika": Das ist ein rein geographischer Begiff. Es lassen sich kaum 2 der 54 Laender miteinender so vergleichen, dass es Sinn macht. Jedes Land muss fuer sich betrachtet werden. Afrika ist insgesamt gesehen der Kontinent der Zukunft. Die alleinseligmachende .....
einigermassen sinnvolle Aufteilung reicht Nordafrika und Subsahel/Schwarzafrika. Dessen Perspektiven kann man getrost zusammenfassen in Kontinent der Zukunft - aber nur für die Chinesen. Für die (politisch korrektes Wort Ihrer Wahl) wird es mehr und mehr der Kontinent der Hoffnungslosigkeit. Denn man ist dabei, diesen Teil wieder für die sprichwörtlichen Glasperlen an China zu verkaufen. Die Investitionen Chinas dienen nur dazu, die zukünftigen Kolonien mittels Hitec auszubeuten, wie sie noch nie ausgebeutet wurden. Und die Chinesen schaffen keine Arbeitsplätze, alles wird mit eigenem Personal erledigt, das sich überdies hauptsächlich aus der chinesischen Armee rekrutiert. Da wird der "Westen" noch grosse Augen machen, wenn die "Situation da ist"! Ich beziehe in diese Betrachtung ausdrücklich Südafrika mit ein; die anderen Länder Schwarzafrikas sind nur ein paar Jahre voraus. Das war eine nüchterne Sicht der Dinge; nun noch eine kleine Provokation: Schwarzafrika wird die Ukraine der Chinesen!

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Faceoff 14.05.2014, 17:48
44. Bunte Mischung

Zitat von huggi
... es stimmt schon dass praktisch alle afrikanischen Staaten ökonomische Probleme haben, die muslimisch geprägten Staaten haben aber dann, wenn Rohstoffe fehlen die untersten Plätze eingenommen. Den negativen Einfluß des Islam auf eine Gesellschaft zu verneinen ist albern. Wenn der Westen nicht schuld ist dass es mir so schlecht geht hat es eben Allah so gewollt. Sollte es diesen Allah wirklich geben, so würde es mich nicht erstaunen dass er seine Anhänger ob deren Lebensweise besonders straft.
Na dann sehen wir uns doch mal die 10 ärmsten afrikanischen Länder an (Grundlage: http://de.wikipedia.org/wiki/Welthunger-Index ):

Burundi: 10% Moslems
Eritrea: 50% Moslems
Komoren:99% Moslems
Sudan: 70% Moslems
Tschad: 50% Moslems
Jemen: 100% Moslems
Äthiopien: 34% Moslems
Madagskar: 7% Moslems
Sambia: 1% Moslems
Zentralafrikanische Republik: 10% Moslems

In religiöser Hinsicht eine äußerst bunte Mischung, die Zahlen stützen Ihre These nicht. Der Blick durch die islamophobe Brille macht die Welt zwar einfach, erklärt sie aber nicht.

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peppi4real 15.05.2014, 11:43
45. Es ist sehr bequem für uns …

… einfach zu behaupten, dass die Menschen sich wegen ihrer Armut und mangelnder Verantwortung für ihr Leben in die Arme religiöser Fanatiker begeben. Es sind schließlich keine Ahnungen, dass der Westen dafür sorgt, dass Afrika arm bleibt sondern leider Tatsachen. So gut wie alle Rohstoffe und Bodenschätze in Afrika gehören nicht Afrika oder die Gewinne darauf versiegen in korrupten Regierungsapparaten, mit denen der Westen koopperiert. Unsere übersubventionierte Landwirtschaft exportiert ihre Überproduktion nach Afrika und erstickt damit die Grundlage einer jeden Wirtschaft in Entwicklungsländern – die Landwirtschaft. Wenn dann immer mehr Menschen die beschwerliche Reise Richtung Europa auf sich nehmen, um der Not zu entkommen, lassen wir sie im Mittelmeer am liebsten untergehen. Es ist eine Schande. Wie können wir nur der Meinung sein, dass uns all das zusteht, was wir konsumieren? … oder wie können wir ernsthaft der Meinung sein, dass es anderen nicht zusteht, nur weil sie das Pech hatten auf einem anderen Kontinent geboren zu sein?

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Miere 22.05.2014, 02:07
46. zu kurz gegriffen

Er hat ja im Grunde Recht, aber das ist längst noch nicht alles. Sicher, die abrahamitischen Religionen haben sehr viel gemeinsam und sollten eigentlich friedlich miteinander auskommen. (Anhängern von Naturreligionen oder Atheisten ist damit allerdings nicht geholfen.) Ethikunterricht klingt da gut, aber wie soll man da hin kommen, in einer Gegend wo viele Kinder nicht mal lesen lernen? Selbst die meisten "guten Muslime" da können doch sicher kein Wort im Koran lesen, weil Arabisch, sondern beten nach, was der Vorbeter sagt. An der Armut ändert das auch nichts. Man wird nunmal nicht reicher, wenn man in jeder Generation das Feld unter fünf Söhnen aufteilen muss. Im Übrigen meine ich, dass "Boko Haram" eher "Bücher verboten!" heißt, oder etwas provokant vielleicht "Bücher pfuibäh".

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weserbaer 22.05.2014, 10:24
47. Der Westen ist Schuld

Dieses kurze Statement umschreibt zutreffend, wie es zu den Zuständen und Umständen im heutigen Afrika kommen konnte oder musste. Europas Wettlauf um den "Platz an der (afrikanischen) Sonne" ist mit unterschielichen Zielen und Geschwindigkeiten vor sich gegangen. So hat Deutschland wie auch Russland seine Kolonien vorrangig in Europa und dem benachbarten Asien gesucht und gefunden. Die Handhabung aber war überall ziemlich gleich. Die Kolonien wurden ausgebeutet, die Bürger dort erniedrigt und als Arbeitssklaven eingesetzt. Die Folge: Auch die Regionen und Länder Europas, die viel zulange Koloniefunktionen haben mussten, sie streben nach mehr Wohlstand mal durch Anschluss an das Konstrukt an das Vehikel EU und mal durch Verbleib und Teilhabe in und an Russland.
Dasselbe sollte man dann aber auch den ehemaligen Überseekolonien zugestehen und nicht immer noch weiter an Ausbeutung und Erniedrigung der "armen Negerkinder" weiterarbeiten. Afrika hat es verdient, dass man sich für Afrika einsetzt. Auch wenn eigene Interessen mal etwas kürzer treten müssten.

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