Forum: Politik
Tests auf Trisomie 21: "Das Leben ist anders, aber doch nicht schlechter"
REUTERS

Emotionale Debatte im Bundestag: Sollen die Krankenkassen Tests auf das Downsyndrom zahlen - auch wenn die Zahl der Abtreibungen dann womöglich steigt? Abgeordnete berichten von sehr persönlichen Erlebnissen.

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Bondurant 11.04.2019, 17:02
1. Wo genau ist hier der Verstoß?

Absurdistan. Zum Teil wirklich die selben Leute, die eine Abtreibung ohne weiteres befürworten, wenn ein Kind nicht in die Lebensplanung der Schwangeren passen würde (etwa weil sie studiert), erklären andererseits eine Abtreibung für ethisch bedenklich, wenn sie auf die Aussicht einer lebenslänglichen Behinderung und dem folgender Betreuungsbedürftigkeit des Kindes gestützt wird. Die Guten verheddern sich mehr und mehr in Widersprüche. (Um das klarzustellen: ich befürworte grundsätzlich die Entscheidungsfreiheit der Frauen, in welcher Situation auch immer.)

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Freundschafter 11.04.2019, 17:09
2. Diskussion Arm vs. Reich

Am Ende geht es darum ob ärmere Eltern einen Test bezahlt bekommen den sich jeder halbwegs normal verdienede Haushalt mit 200 EUR privat leisten wird!
Gleichzeitig wird mit §218a kein bisschen darüber diskutiert das Mütter 100% gesunde Kinder abtreiben dürfen. Ärmere Mütter sollen sich aber schlecht fühlen wenn Sie ein behindertes Kind abtreiben.
Eine überflüssige moralsaure Diskussion!

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peterpeterweise 11.04.2019, 17:11
3. Es muss niemand den Test machen

Es wird unterstellt, dass wenn es einen Test gibt, keine Kinder mehr mit Downsyndrom geboren werden. Aber alle die den Test nicht von den Kassen bezahlen lassen wollen, die müssen ihn doch nicht machen. Sie können weiterhin selbst entscheiden, was sie vorab wissen möchten und was nicht. Damit besteht für sie weiterhin die Möglichkeit ein Kind mit Downsyndrom zu bekommen. Aber es gibt keinen Grund diesen Test anderen Menschen, für die ein Kind mit Downsyndrom eine extreme seelische Belastung wäre, zu erschweren. Wenn ein Schwangerschaftsabbruch ohne jede Begründung legal ist, sollte auch das Wissen über einen sehr wichtigen Punkt für die Entscheidung nicht erschwert werden. Es hilft mehr, wenn sich jemand bewusst für oder gegen ein Kind mit Downsyndrom entscheidet, als wenn es von den Betroffenen nach der Geburt als Schicksalsschlag empfunden wird.

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Aktinionär 11.04.2019, 17:12
4. Propaganda

Wieder einer dieser undifferenziert en Propagandaartikel. Anrührende Geschichte, aber ist es deswegen einer Schwangeren ein non-invasiver Test vorzuenthalten? Andere Untersuchungsmethoden Bergen das Risiko einer Fehlgeburt, aber das darf in Kauf genommen werden, damit sich ein Abgeordneter in der Raststätte besser fühlt.

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Atheist_Crusader 11.04.2019, 17:15
5.

Das Leben ist nicht schlechter? Das möchte ich bestreiten. Eine Behinderung - egal ob es sich dabei um Downsyndrom oder Querschnittslähmung handelt - heißt nicht ohne Grund so. Sie hindert eine Person daran, signifikante Teile der menschlichen Existenz zu erleben (und nur für einen Teil davon kann man der fehlenden Akzeptanz der Gesellschaft die Schuld geben). Was nicht heißt, dass diese Menschen nicht trotzdem ein erfülltes Leben führen könnten, aber tun wir doch mal bitte nicht so als sei eine Behinderung kein einschneidendes Problem. Da hilft es auch nichts wenn Jemand hinweist, dass das Down-Syndrom technisch gesehen keine Krankheit ist. Wenn einen Niemand darum beneidet, dann ist es eine Behinderung. Punkt.
Eltern sprechen von Liebe, aber was gerne vergessen wird: Liebe ist immer auch Arbeit. Wer die Liebe in der Ehe nicht frisch hält, lässt sich irgendwann auch scheiden. Und wenn Eltern viel Zeit damit verbringen müssen um ihren Kind ein ansatzweise normales Leben zu ermöglichen, dann wird die Liebe mit der Zeit auch zurückgehen und nicht wenige beginnen irgendwann das Kind zu verachten. Was die meisten nicht zugeben, weil sich das emotional noch schlimmer anfühlt als sich einzugestehen wenn man seinen Partner irgendwann nicht mehr liebt.
Ein Kind mit einer Behinderung zu haben kann eine ganz gewaltige Belastung für die Eltern und die gesamte Familie sein - eine Zerreißprobe die viele nicht überstehen. Das sollte man bedenken. Das Leben ist kein Film, Liebe ist nicht die universelle Lösung.

Das gesagt, bin ich auch nicht klar für derartige Tests. Denn wenn man anfängt gewisse Leben als minderwertig einzustufen, betritt man einen gefährlichen Pfad. Nicht nur in Richtung einer offen bösartigen rassistischen Eugenik, sondern auch einer weniger offensichtlich schädlichen Idee der totalen Leistungsoptimierung. Da geht es dann ganz schnell nicht mehr darum dass man ein gesundes Kind bekommt, sondern wo man schon dabei ist doch auch gleich eines aussuchen könnte das Profisportler werden könnte. Und dann landen wir ganz schnell bei einer Oberschicht die nicht mehr Prüfer besticht um ihre dummen Kinder in die Eliteuni zu schleusen, sondern einfach einem Genetiker genug bezahlt, damit er ihnen buchstäblich einen Übermenschen zaubert. Dann kann man soziale Mobilität komplett begraben, dann haben wir ein genetisch untermauertes Kastensystem.

Ich habe in dieser Sache keine klare Meinung, allerdings finde ich die Argumente der Anti-Seite zu einem Gutteil zu emotionalisiert.

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draco2007 11.04.2019, 17:20
6.

Der Witz ist doch, dass der Test längst möglich ist und sogar von der Kasse bezahlt wird. Wird nur per Fruchtwasser-Analyse gemacht.
Nur ist dieser Test sehr riskant...
Wieso man jetzt nicht den deutlich sichereren Test bezahlt, der zu dem gleichen Ergebnis kommt ist mir nicht verständlich.

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fottesfott 11.04.2019, 17:21
7. In der Diskussion finde ich 2 Positionen völlig unvertretbar:

1. Die der militanten "Lebensschützer" und Abtreibungsgegner.
Der missionarische Dogmatismus dieser Leute wäre bestenfalls dann akzeptabel, wenn jeder dieser Leute 1.000.- € im Monat an Familien mit behinderten Kindern überweist, alternativ 40 unbezahlte Freiwilligenstunden in den Haushalten.
2. Die "Menschen", die sich darüber mokieren, wie man sehenden Auges ein Kind mit Handicap zur Welt bringen kann. Das finde ich verachtenswert.

In meinem Bekanntenkreis musste vor nicht allzu langer Zeit eine Familie diese Entscheidung treffen, sie wussten vorgeburtlich, dass das Kind Trisomie 21 haben würde. Sie haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, es ging über Wochen hin und her. Den Ausschlag gab am Ende das Wissen darum, dass sie sich auf ein funktionierendes Netzwerk aus Familie und Freunden würden verlassen können. Dem Jungen geht es heute gut. Der diskutierte Test hätte in diesem Fall wohl nichts an der Entscheidung geändert, aber das gesundheitliche Risiko vermindert und den Zeitrahmen für eine vernünftige Entscheidung verlängert. Das muss jedes Paar oder jede Mutter mit sich selbst ausmachen, eine schwierigere Entscheidung wird man kaum je im Leben treffen müssen. Beide Entscheidungen verdienen Respekt.

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der_anonyme_schreiber 11.04.2019, 17:22
8.

Ich empfinde es als sehr verlogen, dass den Menschen, die mir ihrem Behinderten Kind glücklich sind, hier extrem breiter Raum gegeben wird. Abe4 in nahezu keinem Wort die Mühen auftauchen, die entstehen.
Und nirgends die zu Wort kommen, die in den wohl 80% geschiedenen Partnerschaften leben und lebten.
Es mag die frohlichen Trisomie21-Kinder geben. Aber was bleibt : 80% dieser Kinder wirde NIE ein „ normales“ unbetreutes Leben führen können.
Jeder soll seine eigene Entscheidung treffen dürfen, aber diese sollte auf realen Darstellungen und nicht auf gefühlsbetonten Momentaufnahmen beruhen.
Für die Frage, ob der Test, der sicherer und ungefährlicher ist als der alte, von der Krankenkasse bezahlt werden soll ist das m.E aber eher sogar unerheblich. Jeder sollte, unabhängig von der finanziellen Situation, die Möglichkeit haben, eine gesicherte Entscheidungsgrundlage zu erhalten, wenn er diese denn will. Auch heute wird niemand zu irgendwelchen Tests gezwungen. Darum geht es!

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winki 11.04.2019, 17:22
9. Wieso eigentlich ...

hängen sich die Kirchen in dieses Thema mit rein. Es handelt sich hierbei um eine Angelegenheit die der Staat ganz alleine mit seinem Verfassungsorgan, dem Bundestag, zu regeln hat. Laut Grundgesetz gibt es in Deutschland keine Staatskirche. Trotzdem hängen sich deren Fürsten immer mehr in die Angelegenheiten des Staates rein. In Sachsen ist das besonders deutlich. Dort analysieren sie die Wahlprogramme für die kommende Landtagswahl und äußern sich dann von der Kanzel dazu. Zusätzlich fordern die Kirchen dort in einer Petition ein Tempolimit auf 130 km/h. Aus Dankbarkeit für die Einmischung zahlen die Bundeslandes jährlich 480 Mio/€ aus Steuergeldern an die Kirchen. Wie lange eigentlich noch.

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