Forum: Politik
Thailand: Zehntausende Demonstranten marschieren durch Bangkok
AP

Sie ziehen durch die Straßen Bangkoks, besetzen das Gelände des Regierungssitzes und fordern den Rücktritt ihrer Ministerpräsidentin: Erneut demonstrieren Zehntausende in Thailands Hauptstadt gegen ihre Regierung. Es ist die erste Massendemo seit den tödlichen Protesten Anfang März.

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Observer 29.03.2014, 14:23
1. Es fehlt hier ein wenig der Hinweis,

dass die thailändische Regierung ordentlich gewählt wurde und dass es sich bei den Demokratiegegnern, die jetzt demonstrieren, um eine (wenn auch relativ große) Minderheit handelt, der es nicht gelungen ist, in den vergangenen Jahren eine Mehrheit im Parlament zusammenzubringen.

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Sgt.Moses 29.03.2014, 14:29
2. optional

Die Oberschicht kämpft mit allen Mitteln um die Zementierung ihrer Vorherrschaft.
Pfui Deubel!

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joshuaschneebaum 29.03.2014, 15:04
3. Doppelmaß

Es ist schon interessant zu erwähnen, dass die gleichen Leute, die, als die gewählte Regierung der Ukraine gestürzt wurde, hemmungslos jubelten, obwohl nun dort Faschisten mitregieren, die Situation in Thailand, wo ein mit dem Faschismus spielender Familienclan das Land völlig korrumpierte, empört sind, dass dort gegen undemokratische Verhältnisse demonstriert wird. Das nenne ich Pfui Deibel!

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hevopi 29.03.2014, 15:23
4. Demokratie

geht nicht ohne Wahlen. Das Problem ist nur, wenn die Leute dumm gehalten werden, für ihre Stimme bezahlt werden und es immer noch viele Menschen gibt, die dieser "Millardärs-Familie" mit enormer Abneigung gegen Steuern glauben. Leider sind die Leidtragenden (wie immer) arme Farmer, Menschen, die um ihre Existenz kämpfen, deren Kinder nie eine Chance haben (wer kann schon das Schulgeld weiterführender Schulen bezahlen). Die Gewinner sind die Korrupten (sh. Tailand-Index Korruption), die Unternehmer, für die geschuftet wird und last, not least absolute Egoisten, die ihrer Heimat nichts abgewinnen können.

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fxe1200 29.03.2014, 16:17
5. Ein wenig einseitig, unsere bisherigen Kommentare,

...aber so ist es halt, wenn man nicht vor Ort ist. Tatsächlich gibt es in Thailand inzwischen eine starke Bewegung, die sich für grundlegende Reformen einsetzt.
Stellen Sie sich vor, dass zur Zeit bei öffentlichen Aufträgen, ca. 25% der Auftragssumme zurück an die Politiker fließen. Mit diesen und mit Steuergeldern wird populistische Politik betrieben, um sich z.B. bei den Reisbauern und anderen, die Stimmen für die nächste Wahl zu sichern. Das sind inzwischen Auswüchse, die mit Demokratie gar nichts mehr am Hut haben und auch über eine Neuwahl, keinerlei Veränderung bringt. Daher die Forderung: "Erst Reformen, dann Neuwahlen". Meiner Ansicht nach der richtige Schritt, um eine positive Entwicklung in Thailand einzuleiten. Natürlich versucht ein Teil der Oberschicht innerhalb der Bewegung ihr eigenes Süppchen zu kochen. Nur ist das eine verschwindend kleine Minderheit, mit Machtpotenzial, das gebe ich zu. Das Demokratieverständnis der herrschenden Partei ist bekannt. Der Versuch der Opposition, im Falle von nachgewiesener Korruption, eine lebenslange Politiksperre durchzusetzen, ist im Parlament gescheitert. Es blieb bei den fünf Jahren; und aus diesem Grunde sind heute die alten Thaksinseilschaften wieder "tätig", nicht für das Volk, sondern für die eigene Tasche. Ich empfehle allen, sich etwas eingehender mit den Vorfällen hier und sich mit der Materie zu befassen, bevor sie kommentieren. Leider sind viele Informationen nur auf Thai (fürchterliche Sprache!!) erhältlich und der Google-Übersetzer ist auch nicht wirklich hilfreich.

Bangkok, 29.3.2557

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laubfrosch69 29.03.2014, 16:35
6. die"ordentlich gewählte" thailändische Regierung ist aber nicht mehr!

Zitat von Observer
dass die thailändische Regierung ordentlich gewählt wurde und dass es sich bei den Demokratiegegnern, die jetzt demonstrieren, um eine (wenn auch relativ große) Minderheit handelt, der es nicht gelungen ist, in den vergangenen Jahren eine Mehrheit im Parlament zusammenzubringen.
Die derzeitige Thailändische Regierung ist eine Geschäftsführende Regierung - in Deutschland würden wir sagen, sie ist "versteinert". Yingluck ist selbst schuld, denn sie hat im Dezember mal so mir nichts dir nichts das Parlament aufgelöst und Neuwahlen angesetzt - in Deutschland z.B. undenkbar, daß ein mit unangefochtener Mehrheit regierender Kanzler mal so eben den Bundestag auflösen kann. - Thailands Demokratieverständnis ist auf niedrigster Stufe: Die haben nur 1 demokratisches Prinzip verinnerlicht: Herrschaft der Mehrheit. Die anderen (freie und geheime Wahlen, Respekt gegenüber der Minderheit, Respekt gegenüber der Verfassung und Respektierung der Gewaltenteilung) kamen da bisher gar nicht vor - obwohl in der Verfassung klar definiert.

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raoul2 29.03.2014, 16:49
7. Richtig einordnen

"Während der Massendemonstrationen wurden bei Granatenangriffen und Schusswechseln 23 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt" - das waren fast ausschließlich Angriffe aus dem Hinterhalt auf die friedlichen Demonstranten. Die "Roten", denen nach dem Bekanntwerden der übelsten Korruptionsfälle z.B. im Zusammenhang mit dem unsäglichen "Reis-Ankaufs-Programm" die einstigen Anhänger scharenweise davonlaufen, sehen nur noch eine Möglichkeit: Sie wollen mit aller Macht (und auf Geheiß ihres "Führers" Thaksin) dessen Politik der verbrannten Erde mit Terror-Maßnahmen gegen die Bevölkerung durchsetzen und einen Bürgerkrieg erzwingen. Dabei gibt es nur einen Weg aus der derzeitigen Situation heraus: Die macht- und geldgierige Shinawatra-Clique muß ein für allemal aus dem politischen Leben verbannt werden und ihre nachgewiesenen Verbrechen vor einem internationalen Gericht geahndet werden. Sobald mit den immer wieder genannten Reformen sichergestellt ist, daß solche undemokratischen Verhältnisse wie bei Thaksin und seinen Marionetten nicht wieder entstehen können, sollen von Experten (= Technokraten; keine Politiker) gleiche, faire, geheime, nicht gekaufte oder erpreßte, also echte demokratische Wahlen stattfinden. Das ist das Ziel der friedlichen Demonstranten.

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kohlon 29.03.2014, 16:52
8. Ordentlich gewählt?

Zitat von Observer
dass die thailändische Regierung ordentlich gewählt wurde und dass es sich bei den Demokratiegegnern, die jetzt demonstrieren, um eine (wenn auch relativ große) Minderheit handelt, der es nicht gelungen ist, in den vergangenen Jahren eine Mehrheit im Parlament zusammenzubringen.
Diesen meinen Beitrag hier würde es nicht gegeben, wenn Sie nicht provozierend das Adverb "ordentlich" mit dem Substantiv "Wahl" verknüpft hätten.

Sie wissen schon warum an diesem Wochenende die Wahl von Anfang Februar 2014 wiederholt wird, wiederholt werden muss?

Wenn Ja, verstehe ich Ihre Lobhudelei nicht.

Wenn Nein, empfehle ich Ihnen einfach mal in die Suchmaschine Ihrer Präferenz "Wahl Thailand 02.02.2014" einzugeben.

Vielleicht bringt Sie das etwas weiter. Selektives Lesen bitte vorher ausschalten - wo auch immer der entsprechende Schalter bei Ihnen sein mag.

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gingercake 29.03.2014, 17:30
9. So ist es!

Zitat fxe 1200: Tatsächlich gibt es in Thailand inzwischen eine starke Bewegung, die sich für grundlegende Reformen einsetzt. Stellen Sie sich vor, dass zur Zeit bei öffentlichen Aufträgen, ca. 25% der Auftragssumme zurück an die Politiker fließen. Mit diesen und mit Steuergeldern wird populistische Politik betrieben, um sich z.B. bei den Reisbauern und anderen, die Stimmen für die nächste Wahl zu sichern. Das sind inzwischen Auswüchse, die mit Demokratie gar nichts mehr am Hut haben und auch über eine Neuwahl, keinerlei Veränderung bringt. Daher die Forderung: "Erst Reformen, dann Neuwahlen". Meiner Ansicht nach der richtige Schritt, um eine positive Entwicklung in Thailand einzuleiten. Natürlich versucht ein Teil der Oberschicht innerhalb der Bewegung ihr eigenes Süppchen zu kochen. Nur ist das eine verschwindend kleine Minderheit, mit Machtpotenzial, das gebe ich zu. Das Demokratieverständnis der herrschenden Partei ist bekannt. Der Versuch der Opposition, im Falle von nachgewiesener Korruption, eine lebenslange Politiksperre durchzusetzen, ist im Parlament gescheitert. Es blieb bei den fünf Jahren; und aus diesem Grunde sind heute die alten Thaksinseilschaften wieder "tätig", nicht für das Volk, sondern für die eigene Tasche. Ich empfehle allen, sich etwas eingehender mit den Vorfällen hier und sich mit der Materie zu befassen, bevor sie kommentieren. Leider sind viele Informationen nur auf Thai (fürchterliche Sprache!!) erhältlich und der Google-Übersetzer ist auch nicht wirklich hilfreich. Zitat Ende.
Ob Thai nun eine fuerchterliche Sprache ist, sei mal dahin gestellt (fuer uns ist es zweifellos eine schwere Sprache); ansonsten schliesse ich mich den Ausfurhrungen voll an. Ich komme gerade von der Demo, und mein Eindruck ist, dass Korruption zwar alltaeglich ist, und bis zu einem gewissen Grad auch akzeptiert wird, der Thaksin-Clan es jedoch schamlos damit uebertrieben hat. Dagegen wehrt sich jetzt die Mittelschicht, die mit ihren Steuergeldern wesentlich den direkten oder indirekten Stimmenkauf finanziert. Und sich mehr und mehr von den "Thaksins" verarscht fuehlt. Die Marionette (und momentane Premierministerin) Yinluck nimmt zunehmend groteske Zuege an. Ich vermute, sie wird sich nicht mehr allzu lange halten koennen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Proteste weiterhin so relativ friedlich bleiben, wie in den letzten vier Monaten! (Damit will ich die ueber zwanzig Toten nicht bagatellisieren, aber man stelle sich solche Proteste in, sagen wir mal, Zentralafrika vor. Dort laege die Zahl wohl eher bei ueber zwanzigtausend.)
Die Demo heute war jedenfalls friedlich und gut gelaunt. Eine Mischung aus Protest, Happening und Rolling-Stones-Konzert. Alles in allem, von der sehr gut organisierten Leichtigkeit her, beeindruckend!
Und, nein, fuerchterlich ist die Sprache nun wirklich nicht!

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