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Theresa May und die Minister-Rücktritte: "Ein bisschen überrascht"
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Der Rücktritt von Brexit-Minister Davis war bereits ein schwerer Schlag für Theresa May. Dass auch Boris Johnson hingeworfen hat, könnte zu einem Machtkampf um den Posten des Premiers führen.

Björn L 10.07.2018, 00:40
1. Scherbenhaufen

Niemand glaubte ernsthaft an ein negatives Votum besonders die Jugend, die ihr Wahlrecht nicht nutzte. Selbst die Hardliner waren vom Ausgang überrascht und haben das sinkende Schiff unmittelbar verlassen. Boris ist ein Wendehals, dessen Name fortan als Definition hierfür herhalten kann. Er schlägt sich immer auf die Sonnenseite und selbst das kann dem chronisch Ungepflegtem keinen Glanz verleihen. Frau May ist auf einem undankbaren Posten.
Great Britain demontiert sich nicht nur auf nationaler Bühne. Das Chaos eint aber die restlichen EU-Mitgliedsstaaten, denn keiner von denen möchte eine Abwertung auf allen Ebenen erfahren wie es in GB nun täglich mahnend praktiziert wird. Nun haben die Briten nicht nur schlechtes Essen und Wetter, sondern auch eine gleichgeartete Zukunft. Da diese zu keinem Zeitpunkt integre Europäer waren, hält sich das Mitleid in Grenzen. Am Ende bekommen 51% der Briten, was sie gewählt haben: Niedergang. Deren Slogan sollte fortan " How to make GB just B or UK just K" heißen.
Mit ein wenig Glück, können sie wenigstens die WM für sich entscheiden und so ihre Gegenwart für einen kurzen Moment schönsaufen.

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multi_io 10.07.2018, 01:10
2.

Johnson war schon immer ein rhetorisch begabter Laberkopp ohne Substanz. So einer machte sich halbwegs gut als Kolumnist beim "Daily Telegraph" oder eben als Wortführer der Brexit-Kampagne -- da konnte er pseudowitzig rumblubbern und seine Gurus in Extase versetzen, ohne dass das irgendwelche unmittelbaren Konsequenzen hatte. Hätte die Brexit-Kampagne verloren, wäre Johnson jetzt in einer komfortablen Position als "Euroskeptiker" der Konservativen und könnte weiter mit folgenloser Rhetorik seinen "Standpunkt" vertreten und gegen seine "Gegner" intrigieren (seine Kernkompetenz).

Unglücklicherweise für ihn hat die Brexit-Kampagne gewonnen. Das war Johnsons größte Niederlage, genauso wie die von Farage übrigens. Farage ist seitdem quasi arbeitslos, Johnson hatte zunächst die Nachfolge Camerons abgelehnt und dann widerwillig einen Regierungsjob angenommen, um sich nicht unmittelbar vor aller Welt als völlig verantwortungsloser Hallodri zu outen. Aber den Job ist er ja nun auch los. Hätte "Remain" gewonnen, könnten sich diese Leute weiterhin über die EU die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens jammern und sich selbst als Rächer der Entrechteten hinstellen, aber so haben sie nix mehr zu tun und rennen panisch herum wie enthauptete Hühner. Der einzige Weg, aus der Nummer wieder rauszukommen, wäre ein erneutes Referendum, diesmal mit "Remain" als Sieger.

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conglong 10.07.2018, 03:54
3. Wieder einmal schlechtes Deutsch

"..., zitierte die BBC den erzkonservativen Abgeordnete Jacob Rees-Mogg"

Derart schlechtes Deutsch liest man in allzu vielen Spiegel-Artikeln immer wieder und zudem immer öfter.

Früher hat man mir noch nahegelegt, möglichst viel Zeitung zu lesen, um gutes Deutsch zu lernen. Das kann man heutzutage keinem mehr aufrichtig empfehlen.

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nenntmichishmael 10.07.2018, 06:43
4. Ein Land zerlegt sich selbst

Unfassbar. So viel Verblendung, Hass und politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche Selbstverstümmelung! Ein Land zerlegt sich selbst. Gilt für die Tory-Regierung wie für die Labour-Opposition. Für wen's im Moment am besten läuft: für die Hardcore-Brexiter. Die haben so viel Sand ins Getriebe gestreut und so viel Chaos verbreitet, dass Großbritannien dem von ihnen gewünschten No-Deal-Brexit entgegentaumelt. Wie bitter für all die Gruppen, die für den Verbleib gestimmt haben: die Schotten, die Nordiren und ganz generell die jungen Leute, die dieses Projekt wütender alter Männer noch jahzehntelang ausbaden dürfen.

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FrederikMore 10.07.2018, 13:44
5. Control

„Get the control back“ war das Ziel bei Amtsantritt. Treffender als Motto wäre gewesen: „Increase the chaos“.

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hamburghammer 10.07.2018, 14:38
6. GB auf Rosinenentzug und Cold Turkey bei Extrawurst

In der Tat, GB zerlegt sich selbst, mittelfristig gilt das vielleicht sogar wortwörtlich, falls Schottland und Wales sich abspalten sollten.
Das Problem ist, dass mit dem EU-Austritt die Briten vielleicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit etwas konfrontiert sind, was sie bisher nicht kannten:
Keine Extrawurst mehr gebraten zu bekommen, und beim Picken der Rosinen aus dem Kuchen zieht jetzt plötzlich einer den Teller weg! Unerhört!
Ich bin oft im UK, habe viele Freunde dort und einige von denen, so tolle Menschen sie auch ansonsten sind, leben immer noch in der Rule Britannia-Blase, British is best, die Welt braucht uns mehr als umgekehrt etc.

Deshalb fällt der Entzug ähnlich wie bei jeder Entwöhnung (Rauchen, Alkohol, Drogen) so schwer. Keine Rosinenpickerei mehr, das ist ein Kulturschock für die Briten, immer hat das britische Kind im EU-Sandkasten seine eigene Schaufel gehabt - und das soll jetzt nicht mehr so sein ?
Die EU hat gar keine Wahl, um glaubwürdig zu bleiben, Extrawürste dürfen nicht gewährt werden, schon gar nicht beim Austritt, sonst fliegt der Laden auseinander.
Es gibt das norwegische Beispiel oder das schweizerische, an dem sich GB nach dem Brexit bezüglich Zusammenarbeit mit der EU orientieren könnte.
Nur gelten dabei ebenfalls feste Regeln und Prinzipien.
GB kann nach dem Brexit keinen Extrawurst-Status bekommen, Brexit means Brexit! Die Suppe wurde bestellt und wird jetzt gegessen.

Die vorhandenen Modelle sind bekannt, eines davon muss GB sich aussuchen, nicht ein eigenes Sondermodell erfinden, nach dem sich die EU bitteschön zu richten hat. Klingt hart, geht aber nicht anders!
GB muss lernen, sich ohne Extrawurst und Rosinen zu ernähren.

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jotha58 11.07.2018, 12:14
7. nun gut

Was wir alle aus dieser Befragung lernen, wer nicht sein Wahlrecht nutzt, muss mit dem Ergebnis leben. Wer sich nicht "schlau" macht, darf sich nicht wundern, wenn man ein unerwünschtes Ergebnis mit tragen muss. Meine Meinung zu dem Brexit ist, dass es nur eine Lösung des harten Brexit gibt. Allen Kompromissen kann weder die EU noch GB zustimmen. Ob es zu großen Wirtschaftsabwanderungen kommt, glaube ich nicht. Das ist eher als Säbelrasseln zu verstehen. Speziell für Unternehmen, die "just in time" Fertigungsstrukturen haben, wird es sehr schwer werden, aber es ist nicht unmöglich. Nun vermut ich aber auch, dass sich bis zum März nächsten Jahres nichts ergeben wird und es stellt sich die Frage, ob es mit einem verlängerten Ausstiegsszenarium eine Änderung geben wird. Wenn nicht ist der März 2019 so gut wie jeder andere Tag.

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