Forum: Politik
Thomas de Maizières Leitkultur: "Wir sind nicht Burka"
DPA

Ist denn schon wieder Wahlkampf? Haltung, Leistung, Patriotismus - mit solchen Schlagworten füllt Thomas de Maizière einen Zehn-Punkte-Plan für eine deutsche Leitkultur. Kritik weist der Innenminister vorsorglich zurück.

Seite 7 von 15
mesalliance 30.04.2017, 13:06
60. leitkultur

ich dachte immer, ehrlichkeit und gründlichkeit wären wichtige werte in unserer deutschen kultur, was ist denn damit?
ach so, kann man nicht von einem der innenminister erwarten der offenbar wichtige prognosen übersieht?/ignoriert?.. und dann so sehr überrascht davon ist dass "plötzlich" im dritten kriegsjahr richtig viele kriegsflüchtlinge aus syrien ankommen..
ehrlichkeit und gründlichkeit, herr de maiziere, und menschlichkeit.. das wäre wichtig, mal drüber nachdenken?

Beitrag melden
Ge-spiegelt 30.04.2017, 13:10
61. Leitkultur ist genau richtig

gerade weil wir multi kulturell sind.
Man könnte auch von einer gewichteten Schnittmenge der Kulturen sprechen. Und alle ruhen zusammen auf dem Grundgesetz.
Von einem Immigranten können wir sehr wohl verlangen, daß er das anerkennt und sich integriert, er muß ja seine Kultur nicht aufgeben. Kultur und Religion hören aber da auf wo sie dem Grundgesetz und unseren Werten, wie Gleichberechtigung, Säkularisierung und Meinungsfreiheit widersprechen.

Beitrag melden
fürstberg 30.04.2017, 13:15
62. Religion als Kitt der Gesellschaft

Ich kann das Gelaber nicht mehr hören!

Es wird so getan, als ob irgendwann Neugeborene direkt nach der Geburt gefordert haben, evangelisch oder katholisch getauft zu werden und es in Deutschland niemals andere Religionen gab.

Archäologen gehen davon aus, daß die Sternenscheibe von Nebra zwei religiösen Kulten als Kultgegenstand diente, bevor sie feierlich begraben wurde, weil in einem weiteren Kult keine Verwendung mehr da war.

Als vor 1.000 Jahren das Christentum kam, wurden Reihenweise Heiligtümer der nordischen Religion platt gemacht, alte Wallfahrtsplätze umgewidmet, Kriege geführt. Der heilige Bonifaz wird geehrt, weil er eine Donars-Eiche gefällt hat, um an ihrer statt eine Kirche zu errichten. Mitglieder besiegter germanischer Stämme hatten die Wahl, sich taufen zu lassen oder hingerichtet zu werden.

Die Folgen des 30jährige Krieges, der auf die Reformation folgte, sind immer noch zu spüren.

Die Juden-Progrome (vor Hitler!), die Kreuzzüge, das Dritte Reich, …

Noch vor 30 Jahren wurde man hier im Schwarzwald schief angeguckt, wenn man es als Katholik gewagt hat, eine Protestanten-Schickse zu heiraten! Jetzt gibt es orthodoxe Gemeinden, in denen es nicht üblich ist, jemanden mit einer anderen Konfession zu heiraten, was oft genug schwierig ist, weil man gerne unter sich bleibt. Gleiches gilt für die Zeugen Jehovas.

All das kann sich mit dem Islam wiederkehren (frei nach dem Motto: Wer seine Geschichte nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen). Die Kirchen sind leer, die Moscheen sind voll. Kirchen haben Karteileichen, weil in Krankenhäusern halt immer noch zu oft ein Kreuzchen bei ev oder rk gemacht wird, ohne die Eltern vorher (ernsthaft) zu fragen.

Rockmusik wurde noch vor 20 Jahren von kirchlicher und politisch-christlicher Seite als satanisch, destruktiv und was-weiß-ich-noch verunglimpft. Inzwischen gehört es zum jährlichen Stadtbild einiger Dörfer und Städte, daß über ein verlängertes Wochenende „Schwarze Massen“ dort „einfallen“ (Wacken, Dinkelsbühl, Leipzig).

Und was die Privilegien der Großkirchen angeht, die gnädigerweise einigen anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gewährt werden: Die nächsten 40 Jahre kommen die Moslems dahinter, wie man sich Körperschafts-Status, staatlichen Kirchensteuer-Einzug, Ausstieg aus dem normalen Arbeitsrecht, Mitgliedschaft in „Ethik-Kommissionen“, Rundfunkrats-Sitze und Staatsverträge einklagt! Wer weiß, vielleicht droht dann nicht nur eine bayerische Provinz-Partei, die Fraktionsgemeinschaft mit ihrer großen Schwester aufzukündigen; sondern auch noch Schiiten, die Fraktion der Islamisch Demokratischen Union zu verlassen.

Ich weiß, in den Parlamenten ist man religiöser. Will man das aber nicht hören, entfernt man sich als Abgeordneter von dem Volk, das man vorgibt, zu vertreten.

Beitrag melden
yugorette 30.04.2017, 13:15
63. Außer Spesen nix gewesen

Wie immer bei der aktuellen deutschen Politik, egal ob CDU, SPD oder Grüne: Außer Spesen nix gewesen - billiger, nein billigster Wahlkampfsprech.
Der Herr Innenminister erklärt in der BILD Zeitung dem deutschen Leser was deutsche Leitkultur ist. Aha .
Das weiß aber der deutsche Leser vermutlich seit seiner Geburt oder seit seiner Grundschulzeit. Vermutlich, die meisten, " die schon länger hier leben". Neulich war ich in einem Krankenhaus in Berlin, dort waren überall Schilder in deutscher, türkischer und arabischer Sprache. Für mich wäre Leitkultur, wen es nur deutschsprachige Schilder in einem Krankenhaus gäbe. Einer "leitet", andere folgen.
Warum erklärt der Herr Innenminister den türkischen und arabischen Mitbürgern nicht , was hiesige Leitkultur ist? Evtl. in türkischer oder arabischer Sprache?
Dort besteht - unterstelle ich jetzt - erheblicher Nachholbedarf.
Achtung: Bin selber Deutscher ausländischer Herkunft,.

Beitrag melden
Besserwizzer 30.04.2017, 13:19
64. Nein

Zitat von Gitta Geier-Eggebrecht
Gerade vor dem Hintergrund der "muslimischen Einwanderung" - wie Sie es nennen - halte ich es für äußerst problematisch, wenn der Bundesinnenminister jetzt den "deutschen" Sittenwächter spielt und das Ganze auch noch in dem schwammigen Begriff der Leitkultur ideologisch zu überhöhen sucht. Auch in der Union sollte es sich langsam herumgesprochen haben, dass Deutschland längst eine multi-kulturelle Gemeinschaft ist, in der Vorstellungen einer dominierenden Kultur reichlich antiquiert wirken. Die Debatte ist nicht "brandaktuell", sondern reichlich abgestanden.
Nein, Frau Geier-Eggebrecht. Die Integration ist gescheitert.......siehe Erdogan-Referendum. Und die Leitsätze von Herrn de Maitiere sind ein Leitfaden, wie man sich besser integrieren kann.

Beitrag melden
Gitta Geier-Eggebrecht 30.04.2017, 13:20
65.

Zitat von Medienkritiker
Der Begriff Leitkultur ist in der Tat abgestanden - und eher unglücklich gewählt. Der Minister hätte stärker auf die notwendige Akzeptanz grundsätzlicher Errungenschaften unserer westlichen Gesellschaft verweisen müssen. Diese sind nicht zwingend mit dem Begriff "Leitkultur" zu benennen, sondern sind schlicht unsere bisher gewohnten Regeln eines geordneten Zusammenlebens. Dazu gehören bestimmte importierte - eher rohe, archaisch anmutende Verhaltensweisen im Umgang miteinander eben nicht!
Ist es das Amt des Innenministers, darüber zu entscheiden, was rohe und archaisch anmutende Verhaltensweisen sind? Maizière nennt die Burka. Es ist schon fraglich, ob das überhaupt ein rohes und archaisches Kleidungsstück ist. Die Burka ist älter und zugleich moderner als der Minirock. Man kann lange darüber streiten, ob Männer Frauen die Hand geben sollten. Der Handshake ist ja immer auch ein Übertragungsweg von Krankheiten. Ich will mich hier gar nicht auf eine Debatte en détail einlassen. Ich möchte nur die Frage stellen, ob Maiziére die rechte Instanz ist, hier für Klarheit und Verbindlichkeit zu sorgen. Ich würde mir einen weniger oberlehrerhaften Umgang wünschen. Maiziére hat den Muslimen nicht zu sagen, wie sie sich zu benehmen haben. Das ist fehl am Platz und konterkariert die eigenen Integrationsziele.

Beitrag melden
honey@girl 30.04.2017, 13:21
66. Eigentlich sind

das ganz normale Verhaltensregeln u diese Denkweise ist für einen normal intelligenten, toleranten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Aber wir sehen, dass eben hier auch sehr (zu) viele Menschen leben, die das Gegenteil erstrebenswert finden!
Ich hoffe, dass das nicht nur Wahlkampfgetöse ist sondern ernst gemeint von T. de Maizière

Beitrag melden
helianthe 30.04.2017, 13:22
67. Gitta Geier-Eggebrecht

Selbstverständlich müssen Zuwanderer die deutsche Sprachen beherrschen. Wie wollen die denn arbeiten und sich im öffentlichen Leben zurechtfinden? Oder sollen wir jetzt alle arabisch lernen? Und Dolmetscher bis ans Lebensende wird teuer. Struwelpeter ist super und sollte öfter vorgelesen werden. Und gehört natürlich zur deutschen Kultur.

Beitrag melden
ackergold 30.04.2017, 13:44
68.

Zitat von arvidmerlin
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein.Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen. Arthur Schopenhauer Parerga und Paralipomena, Aphorismen zur Lebensweisheit
Schopenhauer hat natürlich Recht, aber er meint damit eigentlich, dass man nur auf eine eigenen Leistung stolz sein kann und dazu gehört nicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu der man außer seiner zufälligen Geburt nichts beigetragen hat. Ich habe nichts gegen Stolz, wenn einem das wichtig ist, aber Nationalstolz gibt es faktisch nicht, da die relevanten Leistungen von anderen erbracht wurden und man sich darauf nur auszuruhen gedenkt. Insofern hat Schopenhauer absolut Recht.

Beitrag melden
Gitta Geier-Eggebrecht 30.04.2017, 13:45
69.

In Ihrem gut geschriebenen Beitrag belegen Sie im Grunde nur, dass die Manifestation des Religiösen unterschiedlich und auch intolerant und kriegerisch sein kann. Wer bestreitet das? Auch Menschen, die die Suche nach Gott aufgegeben haben, können sich als intolerant und kriegerisch erweisen. Atheismus ist doch kein Garant für eine zivilgesellschaftliche Haltung. Durch die Einwanderung aus dem muslimischen Kulturkreis erhält die deutsche Gesellschaft einen religiösen Schub. Das religiöse Leben in Deutschland blüht auf. Während kein Mensch auf die Idee käme, heute noch eine neue Kirche zu bauen, entstehen allenthalben Moscheen. Das ist m.E. nicht schlimm, sondern der normale Weg der Dinge. Eine schlaffe Religion wird durch eine lebendige Religion an ihr Erbe erinnert. Ich empfinde den Islam summa summarum als eine Bereicherung. Er bringt Vielfalt und vielerorts auch einen erfrischenden Perspektivwechsel in unsere zum Teil doch sehr verknöcherte atheistische Konsum-Kultur.

Beitrag melden
Seite 7 von 15
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!